Dialektik (griechisch διαλεκτική (τέχνη), dialektiké (téchne), eigentlich: "Kunst der Unterredung"; gleichbedeutend zu lateinisch (ars) dialectica: "(Kunst der) Gesprächsführung") ist ein Begriff der Philosophie. Er ist der Logik und der Rhetorik verwandt. Dialektik ist eine sehr alte Form der Wahrheitsfindung. Widersprüchliche Meinungen werden miteinander verknüpft, um derart zu einem weiterführenden Wahrheitsgehalt zu gelangen, so dass die Widersprüche aufgehoben werden. Dabei können sogar Dialektische Grundgesetze aufgestellt werden. Bedeutung bekam die Dialektik in der Philosophie besonders
Der Logos, also das Prinzip der Welt, besteht für Heraklit im Streit ("polemos"), der der "Vater aller Dinge" ist. Die sich ständig wandelnde Welt ist geprägt von einem Kampf der Gegensätze, vom ewigen Widerspruch der Polaritäten. Im Gegensatz zeigt sich eine tieferliegende, "verborgene" Einheit, ein Zusammengehören des Verschiedenen.
Zum ersten Mal findet sich der Terminus "Dialektik" bei Platon. Die eindeutige Klärung des Begriffs stellt sich bis heute als schwierig dar, da bereits in Platons Dialogen mindestens drei verschiedene Dialektikbegriffe kursieren. In seiner frühen Philosophie bezeichnet er damit lediglich eine bestimmte Form der Gesprächsführung, bekannt als sokratischer Dialog. Diese Dialoge werden als Prototyp für die platonische Dialektik angesehen: Sokrates stellt eine ungeprüfte Meinung eines Proponenten (dessen Namen meistens der Dialog als Titel trägt) auf den Kopf bzw. widerlegt sie. Oft enden diese Gespräche in einer Aporie (griechisch aporia - Ausweglosigkeit), d.h. nach dem dialektischen Gespräch ist nur bewiesen, dass die alte These zu verwerfen ist, aber eine neue ist dadurch (noch) nicht gefunden.
Später entwickelt Platon Dialektik zu einer Methode, mit der in der Philosophie Wissen über die Ideen zu erlangen sei. Er unterscheidet drei Verfahren: im einzelnen sind das der Elenchos, das Hypothesis-Verfahren und das Dihairesis-Verfahren.
Von Aristoteles liegt die erste schriftlich ausgearbeite Dialektik vor, die sich in seiner Topik findet. Dialektik ist eine methodische Argumentationsanleitung die er folgendermaßen charakterisiert:
Boethius knüpft an die Topik von Aristoteles und Cicero an und entwickelt aus den locus besondere Maximen des Argumentierens. Berengar von Tours, Wilhelm von Shyreswood und Petrus Hispanus entwickeln weitere Ansätze.
Kant entwickelte eine transzendentale Dialektik: Sie beginnt mit einer Logik des Scheins. Das sind die erklärbaren - aber nicht auflösbaren - kosmologischen Widersprüche, in die sich die reine Vernunft verwickelt, wenn sie nach dem Übersinnlichen fragt: Was war vor dem Anfang der Welt? usw. Diese natürliche Dialektik wird kritisch einer transzendentalen Vernunftkritik unterzogen, mit der die "endlosen Streitigkeiten der Metaphysik" beendet werden sollen.
Das Verständnis der Dialektik, so wie es durch Kant gewonnen wurde, bezeichneten einige spätere Philosophen als abgeschlossen, z.B. Schopenhauer. Andere hingegen gingen davon aus, daß Kants Auffassung der Dialektik noch fehlerhaft gewesen sei und weiterentwickelt werden muss. So entstanden die dialektischen Ansätze von Karl Klemens Serol, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, bevor es zur besonderen Blüte der Dialektik bei Hegel kam.
Die Dialektik ist nach Hegel die Anstrengung des denkenden Subjekts über sich selbst hinauszugehen.
Karl Marx übernimmt die Dialektik Hegels, kehrt sie aber um und deutet sie materialistisch als Theorie und Methode der Kritik politischer Ökonomie. Es beginnt die Arbeit (Marxismus) an einem wissenschaftlichen Sozialismus. Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist nunmehr die Basis für den "Gang der Sache selbst". Nicht die Entwicklung der Begriffe oder des Geistes sind die Bestimmung der Wirklichkeit, sondern die faktische Befriedigung der ökonomisch benennbaren Bedürfnisse.
Die Dialektik bei Marx, Engels und zum Beispiel bei Stalin ist grundlegender Bestandteil der kommunistischen Philosophie des historischen und dialektischen Materialismus gewesen. Es wird betont, dass die dialektischen Gesetze unabhängig vom Bewußtsein existieren. Mit ihrer Hilfe könne die Welt erklärt werden und ihr Wirken ist in allen Bereichen nachweisbar. Eine Leugnung der Dialektik gilt hier gleichzeitig als Leugnung der Erkennbarkeit der Welt.
Adorno entwickelte eine Negative Dialektik. Es geht um eine Kritik am theoretischen Abschluss der Philosophie zu einem System. Philosophiehistorische Grundüberlegungen sind ein gesellschaftskritisches Korrelat. Nach Horkheimers und Adornos Tod wurden vor allem Jürgen Habermas, Karl-Otto Apel und Oskar Negt für die Frankfurter Schule repräsentativ. In dieser Jüngeren Kritischen Theorie wurde eine Diskursethik ausgearbeitet.
Ein Philosoph, der das Konzept der Dialektik immer wieder angegriffen hat, ist Karl Popper. 1937 schrieb und veröffentlichte er den Artikel "What Is Dialectic" (übersetzt ins Deutsche als "Was ist Dialektik?"), worin er die dialektische Methode für ihre Bereitwilligkeit attackierte, sich mit Widersprüchen abzufinden. Popper schloss den Aufsatz mit den Worten: "Die ganze Entwicklung der Dialektik sollte als Warnung dienen gegen die dem philosophischen Systembau inhärenten Gefahren. Sie sollte uns daran erinnern, dass die Philosophie nicht zur Grundlage für irgendwelche Arten wissenschaftlicher Systeme gemacht werden darf...". Später behaupteteKapitel 12 des zweiten Bandes von Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Diese Auffassung wurde auch von einigen Philosophen als unberechtigt gesehen, siehe z.B. Walter Kaufmann: The Hegel Myth and Its Method. From Shakespeare to Existentialism: Studies in Poetry, Religion, and Philosophy (Boston: Beacon Press, 1959), S. 88–119 Popper, dass Hegels Denken zu einem gewissen Grad verantwortlich für die Erleichterung des Aufstiegs des Faschismus in Europa ist, indem es zum Irrationalismus ermutigt und versucht ihn zu rechtfertigen. Im Abschnitt 17 seines Nachtrags von 1961 zur Offenen Gesellschaft, im englischen Original betitelt "Facts, Standards, and Truth: A Further Criticism of Relativism", lehnte Popper es ab, seine Kritik an der Hegelschen Dialektik zu relativieren, er argumentierte, dass sie eine große Rolle beim Untergang der liberalen Bewegung in Deutschland (Weimarer Republik) gespielt hat, indem sie zum Historizismus und anderen totalitäten Denkmoden beitrug und dass sie die traditionellen Standards der intellektionellen Verantwortung und Redlichkeit herabgesetzt habe. In der Dialogphilosophie wird im Gegensatz zu Dialektik die Bedeutung des Du, des Anderen und des Fremden betont und vor der Autonomie eines Monismus gewarnt.
Zur hegelschen Dialektik:
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