Die Dialekte in Tirol gehören zu den oberdeutschen Dialektgruppen Bairisch und Alemannisch. Einen großen Teil davon nimmt das Südbairische ein, das in Tirol den westlichen und mittleren Teil Nordtirols sowie Süd- und Osttirol umfasst.
Diese Merkmale treten jedoch nicht in allen Fällen auf bzw. sind zum Teil im Schwinden begriffen.
Das Tirolerische zeigt teilweise lexikalische Gemeinsamkeiten mit dem Alemannischen; so sagt man dort z. B. nicht halten sondern heben. Statt des hochdeutschen Wortes heben wird das Wort lupfen verwendet.
Unterschiede zum restlichen Österreich zeigen sich auch im Wortschatz, wie in:
Der Wortschatz der Tiroler Dialekte wird erfasst und beschrieben im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich.
Der Tiroler Dialekt im allgemeinen wurde auch durch andere Sprachen von früher ansässigen und im Laufe der Völkerwanderung sesshaft gewordenen Volkern geprägt.
Ein diesbezüglich starker Einfluss hatte vor allem das Rätoromanische, das in den meisten Gebieten im Laufe der Jahrhunderte verdrängt wurde. Dies macht sich vor allem in romanisierten Bezeichnungen wie z.b. Balla für Ballen (Tiroler Oberland) bemerkbar. Im Pustertal und in Osttirol kommt noch, wie auch in Kärnten ein Slawischer Einfluss hinzu. Der macht sich vor allem in der wesentlich weicheren Aussprache bemerkbar.
In Südtirol haben sich durch die Zugehörigkeit zu Italien einige Wörter entwickelt, die auf dem Italienischen basieren.
Im Oberinntal lauten Verkleinerungsformen auf -le, -ele und -eli, während im übrigen Inntal ein -l angehängt wird. Die Lautgruppen des kurzen und el werden im Oberland zu und al (Welt - Walt oder Geld - Gald).
Das Zillertal kennt einige Spracheigenheiten. Z.B. wird anstatt von "dann" das wort "oft" ,ausgesprochen "aft" oder oftan, benutzt. Weiters wird im Zillertal im Gegensatz zum umliegenden Inntal anstatt "senn", was sind bedeutet", "henn" verwendet. Bsp.: Oftan henn mia hoam gongen. --> Dann sind wir nach Hause gegangen.
Das Unterland kennt die doppelte Verneinung.
Die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum schwäbischen Bistum Augsburg prägte Teile des Außerfern (im Bezirk Reutte), die der schwäbisch-alemannischen Dialektgruppe angehören, die Ähnlichkeiten mit den Dialekten des angrenzenden Allgäus aufweisen (vor allem um Vils, Reutte und im Tannheimer Tal). Hier verläuft auch die schwäbisch-bairische Hauptgrenze, die sich von Daag, Wasser gegen Doog, Wåssa und däät gegen daat (=täte) abgrenzt.
Das obere Lechtal sowie das Lermooser Becken sind stärker durch den Oberinntaler Dialekt beeinflusst. Im oberen Lechtal bestand und besteht eine Nahebeziehung zum Vorarlbergischen, insbesondere zum Walserischen und Wälderischen (Walser, Vorarlbergisch, Wälderisch, Holzgau).
Süd- und Osttirol haben im östlichen Pustertal für das mittelhochdeutsche ei ein langes a (also i waß) statt wie sonst im Bairischen i woaß (ich weiß).
Ein besonderer Dialekt ist der Nauderer Dialekt. Er ähnelt sehr dem Dialekt des oberen Vinschgaus und entstand durch die Eindeutschung der Sprache der dort ansässigen Rätoromanen im 17. Jahrhundert. Dieser Dialekt orientiert sich einerseits am Dialekt des Raumes Innsbruck, behielt aber einen rätoromanischen Akzent. Er unterscheidet sich somit stark von den Dialekten in den angrenzenden Nachbargemeinden des Oberlandes. So heißt es z. B. im Innsbrucker Dialekt I bin no nit hoam gongen, weil i die Schoof no nit gschehrt hob, im Oberland I bin nou it huam gonga, weil i 'd Schoof nou it gschoara honn, in Nauders I bin no nuicht hoam gongen, weil i die Schouf nou nit gschourn hob (auf Hochdeutsch: "Ich bin noch nicht nach hause gegangen, weil ich die Schafe noch nicht geschoren habe"). Weiters gibt es in Nauders und im oberen Vinschgau keinen Akkusativ: man sagt z. B. statt I honn di gern (Ich hab dich gern) in Nauders I hob dir gern (Ich hab dir gern).
Urtümliche Formen des Tirolischen finden sich in den Sprachinseln Oberitaliens (Fersental, Sieben Gemeinden) und bei den Hutterern in Nordamerika.
Siehe auch: Sprachgebrauch in Österreich
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