Codex_Manesse_Tannhäuser.jpg als Deutschordensritter
Miniatur aus dem Codex Manesse]]
Der Deutsche Orden (auch Ordo Teutonicus, Ordo domus Sanctae Mariae Theutonicorum Ierosolimitanorum, Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem, Deutschherrenorden, Kreuzritterorden, Deutschritterorden oder Deutscher Ritterorden) (abgekürzt OT = Ordo Teutonicus) ist ein geistlicher Ritterorden und war maßgeblich an der Deutschen Ostkolonisation beteiligt. Seit 1929 ist er ein klerikaler Orden. Er ist neben dem Johanniter- bzw. Malteserorden und den Templern der dritte große Ritterorden, der während der mittelalterlichen Kreuzzüge gegründet wurde.
Nach dem Scheitern der Kreuzzüge suchte der Orden eine Heimat in Deutschland. Andreas II. von Ungarn bot im Jahre 1211 an, durch Kriegsdienste gegen die Kumanen ein Heimatrecht im Burzenland in Siebenbürgen zu erwerben. Der Versuch des Ordens, diese Heimat als einen unabhängigen Staat zu entwickeln, endete mit der Vertreibung des Ordens im Jahre 1225. Siegel-grossmeister-deutschritterorden_1-640x640.jpg Ein dritter Versuch des Landerwerbs war erfolgreich: Der Ordenshochmeister Hermann von Salza ließ sich vom deutschen Kaiser Friedrich II. mit der Goldenen Bulle von Rimini und vom Papst Gregor IX. mit der Goldenen Bulle von Rieti garantieren, dass nach der Unterwerfung und Missionierung des Baltikums (u.a. der Pruzzen) das eroberte Land an den Orden falle.
Eine Kampagne zur Unterstützung des polnischen Herzogs der Piasten, Konrad I. von Masowien, begann im Jahre 1226. Konrad von Masowien schenkte dem Orden nach längerem Zögern im Vertrag von Kruschwitz 1230 "auf ewige Zeit" das Kulmer Land. Kontrovers ist am Kruschwitzer Vertrag weniger das Rechtsgeschäft als vielmehr das Echtheitsproblem (bestritten von M. Perlbach; von der poln. Historiographie weitgehend übernommen). A. Seraphim hat erhebliche Gründe für die Authentizität dieses Vertrages namhaft gemacht. Die Echtheitskontroverse hat insofern grundsätzlich Bedeutung, als im Fälschungsfalle die rechtliche Basis des Ordensstaates in Preußen defizient sein könnte. Außer Frage steht, dass das Ergebnis der Entwicklung in Preußen nicht den ursprünglichen Absichten Konrads I. entsprach. Der Deutsche Orden betrachtete den Vertrag als Instrument zur Schaffung eines selbständigen Herrschaftsgebietes in Preußen. Nicht zu vergessen ist dabei, Konrad 'verschenkte' sein Anrecht preußisches Gebiet zu behalten, welches teilweise vorher erobert wurde, welches ihm aber nicht gehörte.
Schon 1224 hatte Kaiser Friedrich II. in Catania Einwohner des Preußenlandes und der Nachbargebiete als Reichsfreie keinem Herzog, nur der Kirche und dem Kaiserreich direkt unterstellt und später im Jahr 1224 hatte der Papst Wilhelm von Modena als Legat für Livland und Preußen u.a. verkündet.
Die Geschichte des Ordens von dieser Zeit bis zum Jahre 1525 ist eng mit dem Schicksal des Ordensstaates verknüpft, aus dem später Ostpreußen, Kurland, Livland und Estland hervorgingen.
Feldaltar_MK1888.png angefertigt, jetzt im Schloss zu Marienburg).]] Die Unterwerfung Preußens (einhergehend mit der Christianisierung des Landes) mit Hilfe von Kreuzfahrerheeren aus dem Reich und vielen Ländern Europas beschäftigte den Orden mehr als fünfzig Jahre und wurde erst 1285 abgeschlossen. Er schuf sich ein machtvolles Herrschaftsgebiet und musste dabei keine Konkurrenz des zersplitterten polnischen Staates fürchten. 1309 zog der Hochmeister in der Marienburg an der Nogat ein, Preußen war zum Zentrum des Ordens geworden. 1234 wurden Reste der Ritter von Dobrin (Dobriner Orden) in den Deutschen Orden eingegliedert. 1237 hatte sich der 1201 in Riga gegründete Schwertbrüderorden (weißer Mantel mit rotem Kreuz) nach seiner Niederlage 1236 in der Schlacht von Saule gegen die Litauer und Semgaller mit dem Deutschen Orden vereinigt; damit wurde Livland als zweites Kernland erworben und wie Preußen mit einem System von Burgen überzogen. Eine weitere Expansion nach Osten gelang aber auch dem Deutschen Orden nicht. 1242 wurde ein Ritterheer in der Schlacht auf dem Peipussee von Alexander Newski, dem Fürsten von Nowgorod, besiegt. Litauen im Südosten stieg allmählich zu einem machtvollen Großfürstentum auf und eroberte riesige Gebiete von der Goldenen Horde.
Auch in Polen konnte sich der Zentralstaat unter König Wladislaw I. (1306–1333) wieder konsolidieren. Die Inbesitznahme Danzigs und Pommerellens durch den Orden im Jahre 1308, welcher sich im Vertrag von Soldin manifestierte, vergiftete das Verhältnis zum südlichen Nachbarn. Auch der Frieden von Kalisch, in dem Polen 1343 auf Pommerellen verzichtete, brachte kaum eine Entspannung.
Der Hochmeister Winrich von Kniprode (1351–1382) führte den Ordensstaat zu seiner größten Blüte und besiegte 1370 die Litauer. Unter Konrad von Jungingen (1393–1407) wurde mit der Erwerbung von Gotland, der Neumark und Samaitens die größte Ausdehnung erreicht. Aber 1386 hatten sich durch die Heirat von Großfürst Jagiello von Litauen (1377–1434) und Königin Hedwig von Polen (1382–1399) die beiden mächtigsten Gegner des Ordens vereint. Am 15. Juli 1410 wurde das Heer des Ordens unter Ulrich von Jungingen bei Tannenberg (Grunwald) geschlagen. Den Kern seines Territoriums konnte der Orden im Ersten Frieden von Thorn 1411 behaupten. Allerdings waren hohe Reparationen zu leisten.
In den folgenden Jahrzehnten höhlten innere Streitigkeiten den Ordensstaat aus. Landsmannschaftliche Gruppen stritten um Einfluss im Orden, der Deutschmeister strebte nach stärkerer Unabhängigkeit vom Hochmeister. Die Städte und Landadel forderten aufgrund der hohen Besteuerung Mitbestimmung und schlossen sich 1440 im „Preußischen Bund“ zusammen. 1453 verbündete sich dieser Bund mit König Kasimir IV. von Polen, ein langer Krieg brach aus. Im Zweiten Frieden von Thorn 1466 verlor der Orden u.a. Pommerellen, das Kulmerland und die Marienburg; er musste die polnische Oberhoheit anerkennen, die aber strittig blieb. Zum weiteren Erhalt des Ordensstaates waren nun große Subventionen aus den Balleien des Reiches nötig, die viele Kommenden in eine prekäre finanzielle Lage brachten. Der Deutschmeister suchte Unterstützung beim Kaiser und erkannte 1494 die Lehnshoheit Maximilians I. an.
Trotzdem erhielt Preußen eine lutherische Landeskirche, eine der ersten überhaupt in Europa. Ebenso wurde Kurland 1561 zum weltlichen Herzogtum unter dem ehemaligen Meister, Herzog Gotthard von Kettler. Die Herzogtümer Preußen und Kurland unterstanden der polnischen Lehnshoheit. Livland und das südliche Estland wurden direkt polnisch, während das nördliche Estland mit Reval zu Schweden kam. Nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges unterstand Livland mit Riga und ganz Estland ab 1721 dem Russischen Reich (siehe Ostseegouvernements).
Es wurden weiterhin Administratoren für Preußen eingesetzt, wie zum Beispiel Maximilian III., der Sohn Kaiser Maximilians II. Als Danzig und Elbing 1734 von russischen und sächsischen Truppen belagert waren, wurden die Eintragungen der Einwohner, Taufen, Heiraten, Sterbefälle im Erzbistum Köln gemacht, da der Erzbischof gleichzeitig Hochmeister des Deutschen Ordens war.
Nach 1525 konzentrierte sich der Deutsche Orden auf seine Besitzungen im Deutschen Reich. Da er über kein geschlossenes Territorium verfügte, sondern über stark zerstreuten Splitterbesitz, entwickelte man ein dreistufiges Verwaltungssystem:
Insgesamt gab es zwölf deutsche Balleien:
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Die Säkularisierung des Ordens im frühen 19. Jahrhundert betraf seine Besitzungen gleichermaßen wie seine Mitglieder. Da der materielle und personelle Schwerpunkt des Ordens seit den Kreuzzügen im Baltikum lag, verblieb nur ein kleinerer Rest des Ordens im Deutschen Reich. Der Sitz wurde unter dem Hochmeister Walther von Cronberg nach Mergentheim verlegt.
Von Napoleon wurde der Orden 1809 verboten und dessen Besitztümer Napoleons Verbündeten zugesprochen. Nur in Österreich bestand der Deutsche Orden weiter. Erst 1834 war der Orden als „Deutscher Ritterorden“ wieder offiziell zugelassen, aber die meisten Güter blieben in weltlichem Besitz. 1929 wurde der Orden in einen rein geistlichen Orden umgewandelt und erhielt den Namen „Deutscher Orden“. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus von 1938-1945 wurde der Orden von den Machthabern aufgehoben und verboten.
Ab dem Ende der 1990er Jahre entwickelte der D.O. sich in kurzer Zeit zu einem großen Sozialkonzern. Unter anderem übernahm er zahlreiche Kliniken und engagierte sich mit Grabungs- und Tourismusprojekten in Israel und den Palästinensergebieten. Dabei übernahm sich die Führung des Ordens wirtschaftlich. Im Januar 2000 meldete die deutsche Brüderprovinz Zahlungsunfähigkeit an. Die Führungsspitze musste gehen. Die Arbeit eines Untersuchungsausschusses zum Deutschen Orden im Bayerischen Landtag verlief 2002/03 im Sande.
Generalabt des Ordens, der den Titel Hochmeister trägt, ist seit 2000 Dr. Bruno Platter.
Seit 1996 existiert ein Deutschordensmuseum im ehemaligen Deutschordensschloss von Bad Mergentheim, das von 1525 bis 1809 Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens war.
Historisch bedeutende und bekannte Mitglieder waren:
Siehe auch: Liste der Hochmeister
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