Der Deutsche Werkbund (DWB) e.V. wurde 1907 als »Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen« auf Anregung von Hermann Muthesius in München gegründet.
Ein Höhepunkt in der Werkbund-Geschichte vor dem Ersten Weltkrieg war die große Ausstellung von 1914 in Köln. In den zwanziger Jahren hat das Bauhaus Ideen des Werkbundes aufgegriffen; Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe waren führende Mitglieder. Ein Meilenstein des Neuen Bauens war die Werkbund-Ausstellung "Siedlung am Weißenhof" 1927 in Stuttgart, ihr folgte 1929 die Bauausstellung "Wohnung und Werkraum" in Breslau. Von 1918 bis 1933 war Theodor Heuss Geschäftsführer und Vorstandsmitglied. 1934 wurde der Deutsche Werkbund von den Nationalsozialisten aufgelöst.
Die Neugründung des Werkbundes erfolgte 1947. Dem föderalististischen Prinzip entsprechend, entstanden in schneller Folge Landeswerkbünde, so der Werkbund Berlin.
Gründungsmitglieder des Deutschen Werkbundes waren zwölf Künstler und zwölf Firmen. Es waren die Künstler: Peter Behrens, Theodor Fischer, Josef Hoffmann, Wilhelm Kreis, Max Laeuger, Adelbert Niemeyer, Joseph Maria Olbrich, Bruno Paul, Richard Riemerschmid, Jakob Julius Scharvogel, Paul Schultze-Naumburg, Fritz Schumacher. Auf der anderen Seite waren es die Firmen: P. Bruckmann & Söhne, Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst Dresden, Eugen Diederichs, Gebr. Klingspor, Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe, Poeschel & Trepte, Saalecker Werkstätten, Vereinigte Werkstätten für Kunst und Handwerk München, Werkstätten für deutschen Hausrat Theophil Müller Dresden, Wiener Werkstätten, Wilhelm & Co., Gottlob Wunderlich.
Zum Kreis der frühen Mitglieder des Werkbundes gehörten: Friedrich Naumann, Hermann Muthesius, Karl Schmidt-Hellerau, Hans Poelzig, Bruno Möhring, Bruno Taut, Peter Behrens und Henry van de Velde.
Der Deutsche Werkbund zielte auf eine »Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk, durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu einschlägigen Fragen«. Unter Berufung auf einen moralisch fundierten Qualitätsbegriff suchte man eine neue Warenästhetik für die kunstgewerbliche Industrieproduktion zu etablieren, die sich bislang überwiegend mit Kopien und Adaptionen der alten handwerklichen Formvorbilder mit ihrer oft reichen Ornamentik begnügt hatte. Zentrales Anliegen war die Suche nach einer neuen durch "Zweck", "Material" und "Konstruktion" bedingten Formgebung (auch als „Form follows function“ bekannt), die man auch als "Sachlichkeit" bezeichnete – und die in den 20er Jahren dann unter dem Topos „Neue Sachlichkeit“ erneut thematisiert werden sollte. Diese Forderung nach einer technisch wie ästhetisch hochwertigen Qualitätsproduktion wurde in einen programmatischen Gegensatz gesetzt zu einer scheinbar nur am Profit orientierten bisherigen Praxis des industrialisierten Kunstgewerbe.
Um dem in diesem Zusammenhang beklagten Qualitätsverfall des Kunstgewerbes entgegenzuwirken, sollte nun eine den spezifischen Bedingungen der maschinellen Produktion adäquate Gestaltungsweise entwickelt werden, die sich insbesondere durch Ornamentlosigkeit und Schlichtheit der Formen auszeichnete, eben das, was heute als "Industrial Design" bezeichnet wird. In den zahlreichen Publikationen und Ausstellungen des Werkbundes sollte dieser neuen Ästhetik durch beispielhafte Formgestaltungen von Gebrauchsgegenständen bei Konsumenten und Herstellern zugleich zu größerer Popularität verholfen werden.
Außerdem hoffte man unter dem expansiven Motto Vom Sofakissen zum Städtebau auch weit über die Industrieproduktion hinaus für die ganze Welt der alltäglichen Gebrauchsgegenstände einschließlich der Architektur einen damals sog. 'modernen' 'Stil unserer Zeit' von epochaler Dauerhaftigkeit etablieren zu können. Im Hintergrund stand dabei die berühmte Prognose Gottfried Sempers, dass der Neuanfang in der Architektur nur vom Kunstgewerbe und den Kunstindustrien ausgehen könne. Entsprechend richte man hinsichtlich der Verbreitung der neuen Formen besondere Erwartungen an die marktbeherrschenden Kräfte der industriellen Massenproduktion und wünschte schließlich auf diesem Wege auch eine Art 'Geschmackskartell' aufzubauen. (Siehe dazu etwa die Rede von Hermann Muthesius auf der Werkbundtagung in Köln 1914.)
Der Werkbundgründung unmittelbar vorangegangen war eine Novellierung des Urheberrechtsgesetzes, so dass es zum ersten Mal möglich wurde, die Formerfindungen des Künstlers des Kunstgewerbes, bzw. des neuentstehenden 'Industrial Designs' (etwa eines Peter Behrens) vor beliebiger Nachahmung zu schützen, wodurch der Künstler bzw. 'Designer' in rechtlicher Hinsicht zu einem gleichberechtigten Partner des industriellen Herstellers geworden waren. Der Werkbund suchte wie die neue Gesetzgebung zum Geschmacksmusterschutz eine Antwort auf die mit dem sog. Jugendstil entstandene Problematik der Plagiate, die nicht nur etliche Künstler um die wirtschaftlichen Früchte ihrer entwerferischen Leistungen gebracht hatte, sondern in Augen vieler Kritiker auch dazu geführt hatte, dass der Jugendstil im Zusammenspiel mit den seit der Industrialisierung entfesselten Marktkräften als Modewelle ebenso rasch verebbte, wie die im 19. Jahrhundert vorausgegangenen Stilmoden. Die Stilmoden des Historismus suchten ihre Formvorbilder allerdings im historischen Material, weshalb die Frage nach den Rechten des Entwerfers an seinen Formen und Zeichen erst mit dem Jugendstil und der rasch anwachsenden industriellen Massenproduktion wirklich akut wurde.
Weisenhof-1927.jpg 1927 in Stuttgart]]
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