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Der Deutsche Werkbund (DWB) e.V. wurde 1907 als »Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen« auf Anregung von Hermann Muthesius in München gegründet.

Geschichte von 1907 bis 1947


In München trafen 1907 angesehene Künstler, Architekten, Kunsthandwerker, Industrielle, Kaufleute und Schriftsteller zusammen, die das "Werk", das Produkt ihrer Arbeit, in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellten. Sie gaben sich den Namen "Werkbund" und formulierten die Aufgaben in der Satzung: "Der Zweck des Bundes ist die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu einschlägigen Fragen." Mit dieser Zielsetzung vertrat der Werkbund einen ethisch fundierten Qualitätsbegriff, der Materialgerechtigkeit, Zweckmäßigkeit, Gediegenheit und Nachhaltigkeit beinhaltete. Die Werkbund-Gründung war ein Protest gegen Historismus und Kulturverfall der menschlichen Umwelt - der Geräte und Möbel, der Wohnungen und Arbeitsstätten, der Häuser, Straßen, Städte und Landschaften. Sie war zugleich ein Aufruf zur künstlerischen, sittlichen und sozialen Erneuerung. Die Werkbundgründer sahen das entscheidende Problem in der Entfremdung des Produktes vom Schaffenden. Sie sahen auch, daß es notwendig war, diese Entfremdung innerhalb der industriellen Entwicklung zu überwinden. Bei der Formel "Veredelung der gewerblichen Arbeit" ging es daher nicht nur um die Hebung der Qualität der Produkte, sondern auch um die "Veredelung" des Arbeitsvorganges selbst.

Ein Höhepunkt in der Werkbund-Geschichte vor dem Ersten Weltkrieg war die große Ausstellung von 1914 in Köln. In den zwanziger Jahren hat das Bauhaus Ideen des Werkbundes aufgegriffen; Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe waren führende Mitglieder. Ein Meilenstein des Neuen Bauens war die Werkbund-Ausstellung "Siedlung am Weißenhof" 1927 in Stuttgart, ihr folgte 1929 die Bauausstellung "Wohnung und Werkraum" in Breslau. Von 1918 bis 1933 war Theodor Heuss Geschäftsführer und Vorstandsmitglied. 1934 wurde der Deutsche Werkbund von den Nationalsozialisten aufgelöst.

Die Neugründung des Werkbundes erfolgte 1947. Dem föderalististischen Prinzip entsprechend, entstanden in schneller Folge Landeswerkbünde, so der Werkbund Berlin.

Gründungsmitglieder


Gründungsmitglieder des Deutschen Werkbundes waren zwölf Künstler und zwölf Firmen. Es waren die Künstler: Peter Behrens, Theodor Fischer, Josef Hoffmann, Wilhelm Kreis, Max Laeuger, Adelbert Niemeyer, Joseph Maria Olbrich, Bruno Paul, Richard Riemerschmid, Jakob Julius Scharvogel, Paul Schultze-Naumburg, Fritz Schumacher. Auf der anderen Seite waren es die Firmen: P. Bruckmann & Söhne, Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst Dresden, Eugen Diederichs, Gebr. Klingspor, Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe, Poeschel & Trepte, Saalecker Werkstätten, Vereinigte Werkstätten für Kunst und Handwerk München, Werkstätten für deutschen Hausrat Theophil Müller Dresden, Wiener Werkstätten, Wilhelm & Co., Gottlob Wunderlich.

Zum Kreis der frühen Mitglieder des Werkbundes gehörten: Friedrich Naumann, Hermann Muthesius, Karl Schmidt-Hellerau, Hans Poelzig, Bruno Möhring, Bruno Taut, Peter Behrens und Henry van de Velde.

Zielsetzung


Der Deutsche Werkbund zielte auf eine »Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk, durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu einschlägigen Fragen«. Unter Berufung auf einen moralisch fundierten Qualitätsbegriff suchte man eine neue Warenästhetik für die kunstgewerbliche Industrieproduktion zu etablieren, die sich bislang überwiegend mit Kopien und Adaptionen der alten handwerklichen Formvorbilder mit ihrer oft reichen Ornamentik begnügt hatte. Zentrales Anliegen war die Suche nach einer neuen durch "Zweck", "Material" und "Konstruktion" bedingten Formgebung (auch als „Form follows function“ bekannt), die man auch als "Sachlichkeit" bezeichnete – und die in den 20er Jahren dann unter dem Topos „Neue Sachlichkeit“ erneut thematisiert werden sollte. Diese Forderung nach einer technisch wie ästhetisch hochwertigen Qualitätsproduktion wurde in einen programmatischen Gegensatz gesetzt zu einer scheinbar nur am Profit orientierten bisherigen Praxis des industrialisierten Kunstgewerbe.

Um dem in diesem Zusammenhang beklagten Qualitätsverfall des Kunstgewerbes entgegenzuwirken, sollte nun eine den spezifischen Bedingungen der maschinellen Produktion adäquate Gestaltungsweise entwickelt werden, die sich insbesondere durch Ornamentlosigkeit und Schlichtheit der Formen auszeichnete, eben das, was heute als "Industrial Design" bezeichnet wird. In den zahlreichen Publikationen und Ausstellungen des Werkbundes sollte dieser neuen Ästhetik durch beispielhafte Formgestaltungen von Gebrauchsgegenständen bei Konsumenten und Herstellern zugleich zu größerer Popularität verholfen werden.

Außerdem hoffte man unter dem expansiven Motto Vom Sofakissen zum Städtebau auch weit über die Industrieproduktion hinaus für die ganze Welt der alltäglichen Gebrauchsgegenstände einschließlich der Architektur einen damals sog. 'modernen' 'Stil unserer Zeit' von epochaler Dauerhaftigkeit etablieren zu können. Im Hintergrund stand dabei die berühmte Prognose Gottfried Sempers, dass der Neuanfang in der Architektur nur vom Kunstgewerbe und den Kunstindustrien ausgehen könne. Entsprechend richte man hinsichtlich der Verbreitung der neuen Formen besondere Erwartungen an die marktbeherrschenden Kräfte der industriellen Massenproduktion und wünschte schließlich auf diesem Wege auch eine Art 'Geschmackskartell' aufzubauen. (Siehe dazu etwa die Rede von Hermann Muthesius auf der Werkbundtagung in Köln 1914.)

Die Frage des Urheberschutzes


Der Werkbundgründung unmittelbar vorangegangen war eine Novellierung des Urheberrechtsgesetzes, so dass es zum ersten Mal möglich wurde, die Formerfindungen des Künstlers des Kunstgewerbes, bzw. des neuentstehenden 'Industrial Designs' (etwa eines Peter Behrens) vor beliebiger Nachahmung zu schützen, wodurch der Künstler bzw. 'Designer' in rechtlicher Hinsicht zu einem gleichberechtigten Partner des industriellen Herstellers geworden waren. Der Werkbund suchte wie die neue Gesetzgebung zum Geschmacksmusterschutz eine Antwort auf die mit dem sog. Jugendstil entstandene Problematik der Plagiate, die nicht nur etliche Künstler um die wirtschaftlichen Früchte ihrer entwerferischen Leistungen gebracht hatte, sondern in Augen vieler Kritiker auch dazu geführt hatte, dass der Jugendstil im Zusammenspiel mit den seit der Industrialisierung entfesselten Marktkräften als Modewelle ebenso rasch verebbte, wie die im 19. Jahrhundert vorausgegangenen Stilmoden. Die Stilmoden des Historismus suchten ihre Formvorbilder allerdings im historischen Material, weshalb die Frage nach den Rechten des Entwerfers an seinen Formen und Zeichen erst mit dem Jugendstil und der rasch anwachsenden industriellen Massenproduktion wirklich akut wurde.

Geschichtliche Fortentwicklung


Weisenhof-1927.jpg 1927 in Stuttgart]]

  • 1907 Gründung des Deutschen Werkbundes in München
  • 1914 Ausstellung: Industrielle Formgebung in Köln
  • 1924 Ausstellung: Industrielle Formgebung in Berlin
  • 1926 Herausgabe der Zeitschrift „Die Form“ (bis 1934)
  • 1927 Ausstellung: Industrielle Formgebung in Stuttgart (Weißenhofsiedlung)
  • 1929 Ausstellung: Industrielle Formgebung in Breslau (WUWA)
  • 1932 Ausstellung: Werkbundsiedlung Wien
  • 1934 Auflösung des DWB durch die Nationalsozialisten
  • 1949 Neugründung nach föderalistischem Prinzip mit acht Landesbünden
  • 1952 Herausgabe der Zeitschrift „Werk und Zeit“
  • 1972 Gründung des Werkbundarchivs als Museum der Alltagskultur des 20. Jahrhunderts im Martin-Gropius-Bau

Die Vorsitzenden des Deutschen Werkbundes


Siehe auch


Literaturhinweise


  • Joan Campbell: Der Deutsche Werkbund 1907-1934. Übers. v. Toni Stolper. Klett-Cotta, Stuttgart 1981. ISBN 3-12-911980-9

  • Yuko Ikeda (Hrsg.): Vom Sofakissen zum Städtebau. Hermann Muthesius und der Deutsche Werkbund. Modern Design in Deutschland 1900-1927. Ausstellungskatalog. The National Museum of Modern Art, Kyoto 2002. ISBN 87642-165-X

  • Frederic J. Schwartz: Der Werkbund. Ware und Zeichen 1900-1914. Übers. v. Brigitte Kalthoff. Verl. der Kunst, Dresden 1999. ISBN 90-5705-116-8

  • Werkbund-Archiv (Hrsg.): Hermann Muthesius im Werkbundarchiv. Ausstellungskatalog. Berlin 1990.

  • Frederic J. Schwartz: Der Werkbund. Ware und Zeichen 1900 - 1914. Hrsg. v. Museum der Dinge Werkbundarchiv Berlin und dem Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen. Amsterdam-Dresden 1999. ISBN 90-5705-116-8

Weblinks


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