Der Begriff Deutsche Reichsbahn repräsentiert die Eisenbahn einerseits in der Weimarer Republik und während der Zeit des Nationalsozialismus und andererseits die gleichnamige Eisenbahnorganisation auf dem Gebiet der DDR (Deutsche Reichsbahn der DDR) bis 1990 sowie auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland von 1990 bis 1993.
Während dieser Zeit erfuhr die Deutsche Reichsbahn folgende Erweiterungen:
Der Beginn der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft war durch Fahrzeugneuanschaffungen gekennzeichnet, um den sehr heterogenen Fahrzeugpark zu harmonisieren, z.B. mit den Einheits-Dampflokomotiven. In den späten 1930er Jahren wurde vor allem die Geschwindigkeits-Entwicklung forciert mit Schnelltriebzügen wie dem Fliegenden Hamburger und Stromlinien-Dampfloks wie der Baureihe 05, die bis zu 200 km/h Spitzengeschwindigkeit erreichte. Das Verkehrsnetz war vor dem Zweiten Weltkrieg vornehmlich in Ost-West-Richtung organisiert. Die modernsten "Rennstrecken" ihrer Zeit waren damals die Preußische Ostbahn, die durch den polnischen Korridor verlief (dort durch den schlechten Gleiszustand langsamer), die Strecken von Berlin nach Hamburg, über Hannover ins Ruhrgebiet, über Frankfurt am Main nach Südwestdeutschland, auf der die Dieselschnelltriebwagen verkehrten und die Schlesische Bahn von Berlin nach Breslau.
Leitung der Reichsbahn
In der Zeit von 1924 bis 1926 war Dr. Rudolf Oeser der Generaldirektor der Reichsbahn.
Das Reichsbahngesetz vom 11. Juli 1939 bestimmte in § 3:
Demgemäß war Julius Dorpmüller (seit 1937 Reichsverkehrsminister) in der Zeit von 1926 bis 1945 Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn.
Die Logistik der Reichsbahn war bedeutend für die Durchführung der Angriffskriege, die Vorbereitung zum Einfall in die Sowjetunion soll der größte Eisenbahnaufmarsch in der Geschichte gewesen sein. Zur Vernichtung der Juden war die Logistik der Reichsbahn ebenfalls ein wichtiger Baustein.*
Charakteristisch für die ersten sechseinhalb Jahre dieses Zeitraumes war das rasante Wachstum der Deutschen Reichsbahn, das fast ausschließlich durch Übernahmen anderer Eisenbahnen zustande kam. Dies betraf sowohl Teile fremder Staatsbahnen (in Österreich der gesamten Staatsbahn) in den an das Deutsche Reich angegliederten Gebieten, als auch Privatbahnen im Kernland und in angegliederten Gebieten:
| Übernahme- | datumName | Bemerkungen |
|---|---|---|
| 18. März 1938 | Bundesbahnen Österreichs (BBÖ) | Die Übernahme der Fahrzeuge erfolgte offiziell erst am 1. Januar 1939. |
| 19. Oktober 1938 | Teile der Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) | nur Bahnstrecken, die sich in den an das Deutsche Reich abgetretenen Gebieten ("Sudetenland") befanden. |
| 1. November 1939 | Teile der Polnischen Staatsbahnen (PKP) | Strecken in bis 1918 deutschen Gebieten |
| ab 1940 | Teile der Nationalgesellschaft der Belgischen Eisenbahnen (NMBS/SNCB) | schrittweise Übernahme in den 1920 an Belgien abgetretenen Gebieten |
| 1941 | Teile der Jugoslawischen Eisenbahnen (JŽ-JЖ) | Strecken innerhalb der eingegliederten Gebiete "Untersteiermark und Oberkrain" |
| 1941 | Teile der Sowjetischen Eisenbahnen (SŽD/СЖД), | Strecken, die sich im bis 1939 polnischen Bezirk Bialystok befanden |
| Übernahme- | datumName | Strecken- | länge
|---|---|---|
| 1. Januar 1938 | Lübeck-Büchener Eisenbahn | 160,8 km |
| 1. Januar 1938 | Braunschweigische Landes-Eisenbahn | 109,5 km |
| 1. August 1938 | Lokalbahn Aktien-Gesellschaft München (LAG) | 187,7 km |
| 1. Januar 1939 | Lausitzer Eisenbahn-Gesellschaft | 80,9 km |
| 23. März 1939 | Eisenbahnen im Memelgebiet | |
| 1939 bis 1940 | im ehemaligen Österreich: Schneebergbahn, Schafbergbahn, Steyrtalbahn, Niederösterreichische Waldviertelbahn, Eisenbahn Wien-Aspang | |
| 1940 | 9 ehemals tschechische Privatbahnen, auf denen die DR bereits im Oktober 1938 die Betriebsführung übernommen hatte | |
| ab 1940 | Eisenbahnen in Luxemburg (Prinz-Heinrich-Bahn, Wilhelm-Luxemburg-Bahn, Luxemburgische Schmalspurbahnen) | |
| 1. Januar 1941 | Mecklenburgische Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft | 112,6 km |
| 1. Januar 1941 | Prignitzer Eisenbahn AG | 61,5 km |
| 1. Januar 1941 | Wittenberge-Perleberger Eisenbahn | 10 km |
| 1. Mai 1941 | Eutin-Lübecker Eisenbahn-Gesellschaft (ELE | 39,3 km |
| 1. August 1941 | Kreis Oldenburger Eisenbahn | 72,3 km |
| 1. Januar 1943 | Kleinbahn Toitz-Rustow-Loitz | 7 km |
| 1. Juli 1943 | Schipkau-Finsterwalder Eisenbahn-Gesellschaft | 33 km |
In der amerikanischen Zone wurden die Reichsbahndirektionen Augsburg, Frankfurt am Main, Kassel, München, Regensburg und Stuttgart der Oberbetriebsleitung United States Zone in Frankfurt am Main unterstellt.
Die Reichsbahndirektionen Essen, Hamburg, Hannover, Köln, Münster und Wuppertal wurden in der Reichsbahn-Generaldirektion in der Britischen Zone unter Generaldirektor Max Leibbrand in Bielefeld zusammengefasst.
Entsprechend der Bildung der Bizone entstand 1946 die Hauptverwaltung der Eisenbahnen des amerikanischen und britischen Besatzungsgebiets unter Leitung von Generaldirektor Dr. Ing. e.h. Max Leibbrand in Bielefeld. Sie verlegte 1947 ihren Sitz nach Offenbach am Main und nannte sich Deutsche Reichsbahn im Vereinigten Wirtschaftsgebiet und nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland ab 7. September 1949 Deutsche Bundesbahn. In diese wurde anschließend die Betriebsvereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnen einbezogen.
Die Südwestdeutschen Eisenbahnen mit Sitz in Speyer umfassten zunächst die Eisenbahndirektionen Karlsruhe, Mainz und Saarbrücken. Nachdem alsbald das Saarland aus der französischen Zone herausgelöst wurde, ging das restliche Netz der ED Saarbrücken auf eine neue Direktion in Trier über.
Die Stadt Karlsruhe gehörte zwar zur US-Zone, die dortige ED verwaltete aber die Bahnen in Baden und Württemberg-Hohenzollern, während die RBD Stuttgart für das in der US-Zone gelegene Land Württemberg-Baden zuständig war.
Die Staatsbahn in der Sowjetzone – ab 1949 DDR – behielt die Bezeichnung „Deutsche Reichsbahn“ bei. Sie umfasste die Reichsbahndirektionen Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Greifswald, Halle, Magdeburg und Schwerin. Zum 1. Januar 1994 ging sie zusammen mit der Deutschen Bundesbahn in der handelsrechtlich organisierten Kapitalgesellschaft Deutsche Bahn AG auf.
Darüber hinaus sind auch noch die Abkürzungen DRG und DRB im Umlauf. Diese werden vor allem von Fachmedien genutzt, um die Unterscheidung zwischen der Vor- und der Nachkriegs-Reichsbahn zu erleichtern. Sie werden je nach Interpretation des Verwenders für den Zeitraum von der Verstaatlichung der Länderbahnen oder von der Gründung der Deutschen Reichsbahn bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges oder bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland oder der Deutschen Demokratischen Republik verwendet. DRB bezieht sich dabei explizit auf die Teile dieses Zeitraumes, in denen der Begriff Gesellschaft kein Bestandteil des offiziellen Namens der Deutschen Reichsbahn war, wohingegen die ältere Abkürzung DRG ursprünglich und stellenweise bis in die Gegenwart den gesamten genannten Zeitraum umfasst. Zeitgenössisch oder gar offiziell ist jedoch keine dieser beiden Abkürzungen.
Lokomotiven wurden mit dem einzeiligen, Güterwagen mit dem meist zweizeiligen Schriftzug Deutsche Reichsbahn gekennzeichnet. An Fahrzeugen des hochwertigen Personenverkehrs war teilweise der einzeilige Schriftzug zusätzlich zum Emblem angebracht.
An den Seitenwänden von Trieb- und Personenwagen wurde das Emblem zumeist um die Abkürzung DR ergänzt, wobei das D unterhalb des einen, das R unterhalb des anderen Flügels, beide auf Höhe des Hakenkreuzes angebracht wurden.
Darüber hinaus wurde an die meisten Fahrzeuge der Name der Besatzungszone, in der sie beheimatet waren, angeschrieben. Diese Vorgehensweise wurde auch bei neuen Fahrzeugen bis in die 50er Jahre hinein beibehalten.
Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft | Deutsche Reichsbahn | Deutsche Reichsbahn | Deutsche Reichsbahn | Deutsche Reichsbahn
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