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Die deutschen Mundarten bzw. Dialekte bilden einen Zweig der westgermanischen Sprachen Europas. Die Mundarten sind ein natürlicher Teil der deutschen Sprache und bildeten einst die Basis zur heutigen Neuhochdeutschen Schriftsprache. Alle deutschen Mundarten haben Teil am Dialektkontinuum der kontinentalen westgermanischen Sprachen. Dennoch weichen sie so stark voneinander ab, dass viele weder untereinander noch für Sprecher der Standardsprache verständlich sind.

Verbreitung der deutschen Mundarten


Das Verbreitungsgebiet der deutschen Mundarten (hochdeutsche- und niederdeutsche Dialekte) ist heute überwiegend auf Deutschland, Belgien, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein, das Siedlungsgebiet der Deutschschweizer, dem Elsass und Lothringen in Frankreich, dem dänischen Sönderjylland (Südjütland bzw. Nordschleswig) und auf Südtirol in Italien verteilt.

Sprachinseln sind in Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Rumänien, Brasilien und Namibia, sowie Pennsylvania erhalten geblieben.

Damit ist im groben das heutige Gebiet der deutschen Mundarten umrissen. Sieht man jedoch genauer hin, so entdeckt der aufmerksame Betrachter, dass sich die Sprachgrenzen vielfach nicht mit den Staatsgrenzen decken. Dies hat historische Gründe, denn Staatsgrenzen wurden zumeist willkürlich durch einheitliche Sprach- und Kulturregionen gezogen. Fürstenhochzeiten und Kriege bestimmten die Grenzen und nicht sprachliche Unterschiede.

Bereits im Westen beginnen die Abweichungen von Staats- und Mundartgrenzen: Niedersächsische und Niederfränkische Varietäten der niederdeutschen Sprachen werden auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze gesprochen; die Mundartgrenze verläuft dagegen mitten durch die Niederlande. Auch die niederländisch-belgische Grenze ist keine Sprachgrenze; auf beiden Seiten werden niederfränkische Dialekte des Niederländischen gesprochen, nur dass man sie in Belgien (Flandern) als flämische Dialekte bezeichnet. Eine weitere deutsche Mundartgrenze liegt in Belgien, wo die deutsche Sprachgrenze auf die französische Sprachgrenze in „Region Wallonien“ trifft. In den ostbelgischen Kantonen Eupen-St. Vith werden mittelhochdeutsche Mundarten (überwiegend zum Ripuarischen gehörend) neben der hochdeutschen Amts- und Schulsprache gesprochen. Die deutsch-belgische Staatsgrenze ist auch hier keine Mundartgrenze; insbesondere das Aachener Platt gilt als Schwestermundart zum Eupener Dialekt und der mittelfränkische Dialekt von St. Viths zum mittelhochdeutschen Luxemburgischen.

Das hochdeutsche Sprachgebiet reicht auch in den südöstlichen Raum der Niederlande („Duits-Limburg“) hinein. Im Gebiet um Kerkrade lebt das Gros der die mitteldeutsche Mundart des Ripuarischen sprechenden Minderheit (rund 100.000 Sprecher). Als Schwesterdialekt gilt das Platt in und um Geilenkirchen.

Die deutschen Sprachgrenzen in Frankreich sind dagegen auf dem Rückzug: allein in Elsaß-Lothringen verschob sich der deutsche Dialektraum seit 1945 um etwa 30 km² gen Osten; im vormaligen Deutsch-Lothringen ist die deutsch-französische Sprachgrenze heute fast aufgehoben.

Im Südwesten in der Schweiz grenzen die deutschen Mundarten an die französische Srachgrenze westlich von Bern, Biel/Bienne und Freiburg), dann an das italienische und schließlich an das rätoromanische Sprachgebiet.

Im Süden greift die deutsche Mundartgrenze weit über die Staatsgrenzen Österreichs hinaus und führt durch das südliche Tirol.

Im Südosten und Osten sind dagegen seit der Vertreibung der Sprachträger (ab 1945) die Mundartgrenzen deckungsgleich mit den Staatsgrenzen.

Die drei Sprachgebiete bis 1945


Je nach Durchführungsgrad der 2. Lautverschiebung wird das Dialektkontinuum der deutschen Mundarten in drei in West-Ost-Richtung verlaufende Sprachgebiete unterteilt. Bis zur Vertreibung der deutschsprachigen Menschen im östlichen Sprachgebiet umfasste das deutsche Mundartgebiet folgende Teile:

  1. Im Norden herrschten die Niederdeutsche. Das Niederdeutsche hatte diese Lautverschiebung der germanischen Sprachen gar nicht oder nur sporadisch mitgemacht und zerfiel zum einen in das Westniederdeutsche und zum anderen in das Ostniederdeutsche Sprachgebiet. Die Südgrenze bildete die sogenannte Uerdinger Linie, die von Uerdingen über Düsseldorf, Siegen, Kassel, Göttingen und Quedlinburg nach Dessau verlief, dann bei Berlin einen nördlichen Bogen schlug (Berlin gehörte damit zum Mitteldeutschen Sprachgebiet) und weiter über Landsberg und Thorn zur Südgrenze Ostpreußens lief. Die Zugehörigkeit der flämisch-holländischen Mundarten zum Niederdeutschen wird heute nur noch formal anerkannt, da diese zur Schriftsprache (Ausbausprache) reiften und sich so aus der deutschen Sprachgemeinschaft ausgeklinkt haben. Aber völlig umstritten ist die Zugehörigkeit des Friesischen zum Niederdeutschen: Sprachhistorisch war es einst Teil des Altniederdeutschen, entwickelte sich aber in der Folgezeit zu einer Nebensprache des Deutschen, die heute mehr Ähnlichkeiten mit dem modernen Englischen als mit dem Deutschen aufweist. Auch hat das Friesische das werdende Niederländisch stark beeinflusst. Das Friesische Sprachgebiet wird seitdem in den deutschen Mundartkarten als Nebensprache immer gesondert aufgeführt.
  2. Im Mitteldeutschen Sprachgebiet hatte sich die 2. Lautverschiebung teilweise durchgesetzt und steht damit sprachlich zwischen dem Norden und dem Süden des Sprachgebietes. Die Nordgrenze wird durch die Benrather oder Uerdinger Linie gebildet, während der Süden des Mundartgebietes durch folgende Linie umrissen wird: von Karlsruhe bis Ellwangen, dann in nordöstlicher Richtung über Nürnberg nach Hof. Von dort aus wendete sich die Sprachgrenze bis ins böhmische Karlsbad. Heute werden die ostfränkischen Mundarten meist zum Oberdeutschen gerechnet, daher bildet nun die weiter nördlich verlaufende Mainlinie die Südgrenze des Mitteldeutschen. Die Zugehörigkeit des Luxemburgischen zum Mitteldeutschen wird heute immer mehr angezweifelt. Seit 1945 wird es vom Sprachträger als eigenständige Sprache betrachtet und steht damit auf Seiten des Niederländischen und Friesischen. Sprachgeschichtlich ist es weiterhin Teil des Mitteldeutschen.
  3. Im Süden herrschte das Oberdeutsche, differenziert in "Nordoberdeutsch" (Ost- und Südfränkisch), "Westoberdeutsch" (Alemannisch) und "Ostoberdeutsch" (Bairisch). Die 2. Lautverschiebung ist allerdings nur in den südlichsten Mundarten vollständig durchgeführt, so dass sie auch der größte Teil der oberdeutschen Mundarten nur teilweise durchgeführt hat.

Grobgliederung der deutschen Mundarten heute


Heutige deutsche Mundarten.PNG Niederdeutsch: Im äußersten Westen des Sprachgebietes Niederfränkisch, das Basis der niederländischen Sprache geworden ist. Sprachgeschichtlich gehört auch das Friesische dazu, das nun eine eigene Sprachgruppe bildet.

Im Osten schließt sich das "Westniederdeutsche" an, das seinerseits in Niedersächsisch (Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein), Westfälisch (Münster, Dortmund, Osnabrück, Waldeck) und Ostfälisch (Hannover, Magdeburg) zerfiel.

Das "Ostniederdeutsche" zieht in seinen verschiedenen Ausprägungen durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Bis zur Vertreibung der Deutschen (1945) war es bis Ostpreußen verbreitet und wird heute durch die Oder begrenzt.

Mitteldeutsch: Im Westen des Sprachgebietes herrschen vor allem die verschiedenen Spielarten des "Fränkischen" vor, das auch als "Westmitteldeutsch" bezeichnet wird. Heute wird das Mittelfränkische durch Ripuarisch (Köln, Aachen, Bonn, Eschweiler) und Moselfränkisch (Trier, Luxemburg, Koblenz) gebildet. Das Rheinfränkische wird heute in Rheinpfälzisch (Pfalz, südöstliches Saarland) und "Hessisch" (Fulda, Gießen, Frankfurt am Main, Mainz, Darmstadt) unterteilt. Im Osten herrschen "ostmitteldeutsche" Mundarten vor. Der Sprachraum umfasst heute das Thüringisch-Obersächsische, das Berlin-Brandenburgische und das Ostmitteldeutsche. Bis 1945 auch in Schlesien und dem nördlichen Sudetenland verbreitet, wird sein Geltungsbereich heute durch Oder und Neiße begrenzt. Auch die Sprache der Siebenbürger Sachsen gehört in diese Gruppe, da diese größtenteils westmitteldeutscher Herkunft und eng mit dem Luxemburgischen verwandt ist.

Oberdeutsch: Im Übergangsbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem eigentlichen Oberdeutschen herrschen das Nordoberdeutsche mit dem "Südrheinfränkischen" im Westen (um Karlsruhe, Pforzheim und Heilbronn) und das östlich davon angesiedelte "Ostfränkische" vor, das auch die mainfränkischen Mundarten umfasst. Einst auch im westlichen Sudetenland verbreitet, wird das Ostfränkische seit 1945 durch den Böhmerwald begrenzt. Im äußersten Westen des Sprachgebietes befindet sich Westoberdeutsche oder auch "Schwäbisch-Alemannische". Dieses umfasst das Alemannische (Elsass, Südbaden, Deutsch-Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg). Das Alemannische ist nochmals in drei Untergruppen zerfallen, die sich von Norden nach Süden erstrecken: Niederalemannisch (nördlich von Freiburg), Hochalemannisch (z.B. in Bern, Zürich und Basel) und Höchstalemannisch (Wallis, Graubünden). Letztere gilt als altertümlichste deutsche Mundart. Im Osten schließt sich das Schwäbische (südliches Württemberg, Bayerisch-Schwaben, Allgäu) an, das durch den Lech begrenzt wird. Der gesamte Osten des Sprachgebietes wird durch das Ostoberdeutsche oder auch "Bairisch-Österreichische" gebildet, das sich vom Lech bis an das südliche Sudetenland erstreckte. Darüber hinaus in zahlreiche Sprachinseln des östlichen Europas. Heute zerfällt das Bairisch-Österreichische in drei große Sprachgruppen Nordbairisch (Oberpfalz und südöstlicher Grenzbereich Oberfrankens), Mittel- oder Donaubairisch (Oberbayern, Niederbayern, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien und nördliches Burgenland) und Südbairisch (Tirol, Südtirol, Kärnten, Steiermark und südliches Burgenland). Als mittelbairische Sondermundart gilt Wienerisch, die Stadtmundart Wiens.

Deutsche Mundarten im und nach dem Zweiten Weltkrieg


Bis 1941 waren die deutschen Mundarten über ganz Europa verstreut. Aber die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler wollte die verstreuten Sprachgruppen aus- und in den dem Großdeutschen Reich angegliederten Ostgebieten ansiedeln. Es entstand die Losung "Heim ins Reich" und bis 1943 waren rund 1,1 Millionen Volksdeutscher aus den alten Siedlungsgebieten ausgesiedelt worden, darunter auch Bessarabiendeutsche wie die Eltern des Bundespräsidenten Horst Köhler, der im östlichen Polen geboren wurde. Dasselbe Schicksal sollte auch die Deutsch-Tiroler Südtirols treffen, da Mussolini ihre Heimat als italienisches Gebiet beanspruchte (siehe unter: Option in Südtirol), aber es blieb ihnen dieses aufgrund der Kriegswirren erspart. Nur 72.000 von ihnen ließen sich in Ost- und Nordtirol nieder und kehrten überwiegend nach 1945 in die Heimat zurück.

Die in Polen angesiedelten Volksdeutschen wurden mit der abgestammten deutschen Bevölkerung in den Westen vertrieben. Damit hatten auch sie das gleiche Schicksal der Deutschen, die in den deutschen Ostgebieten lebten.

Die Nachfahren der Vertriebenen gingen sprachlich in die neuen Wohngebiete auf und mit dem großteiligen Wegsterben der aktiven Sprecher sind die ostdeutschen Mundarten dem Untergang geweiht. Nur knapp 800.000 Deutsche in Polen sprechen noch die alten Dialekte.

Vergleiche auch: Fränkische Mundarten

Die heutige Lage der Mundarten


In der Bundesrepublik haben die Mundarten einen schweren Stand. Im Westen größtenteils durch Halbmundarten (mundartlich geprägtes Hochdeutsch) verdrängt, hat es sich nur im Norden (Schleswig-Holstein, Mecklenburg usw.) erhalten können. Größere Sprecherzahlen bilden die Sachsen und Thüringer, da deren Mundarten in der sonst dem Dialekt eher abgeneigten ehemaligen DDR einen gewissen "Sonderstatus" hatten, allerdings ist dort selten die ursprüngliche Mundart erhalten, meist herrscht eine regional gefärbte Aussprache des Hochdeutschen ("(Parade-)Sächsisch") vor, die aber von vielen Sprechern versucht wird zu verdrängen. In Baden-Württemberg (vor allem im Süden) und weiten Teilen Bayerns herrscht der Dialekt vielfach noch vor.

Im Westen haben die niederdeutschen (niederfränkischen und niedersächsischen) Mundarten und friesischen Mundarten ein Eigenleben entwickelt und sind von Deutschland und den Niederlanden im Rahmen der Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als eigenständige Regionalsprachen anerkannt worden.

In Luxemburg ist der mittelfränkische Dialekt zur Amtssprache aufgewertet worden. Der Dialekt wird nun als "Fränkischer Eigenzweig" betrachtet.

In Österreich werden die angestammten bairischen Mundarten vor allem in den ländlichen Gebieten noch sehr häufig gesprochen. Ein starker Rückgang der Mundart ist nur in Wien zu verzeichnen, wo lt. Schätzungen nur noch ca. 10 % das angestammte mittelbairische Wienerisch sprechen. Der Großteil spricht entweder einen anderen Dialekt oder ein Deutsch mit besonderem Wiener Akzent. In den anderen Bundesländern sind solche Rückgänge in schwächerer Form nur in den Landeshauptstädten oder in Gebieten mit viel Zuwanderung zu verzeichnen.

In der Schweiz haben die alemannischen Mundarten im 20. Jahrhundert gegenüber der Hochsprache an Terrain gewonnen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Schweizerdeutsche vor allem dem privaten Bereich und informellen Gesprächen vorbehalten. Mit Kriegsausbruch besannen sich die Deutschschweizer vermehrt ihrer Mundarten und belebten diese neu. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gab es in der Schweiz eine eigentliche "Mundartwelle", die dazu führte, dass die Hochsprache mehr und mehr auf die formelle Ebene (Parlamente, Schulunterricht, Universitäten, Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln u. ä.) verdrängt wurde. Auch in den elektronischen Medien der Schweiz werden immer mehr Sendungen in einer schweizerischen Mundart veröffentlicht. Die Mundartwelle kann aber nicht allein mit einer durch den Kriegsausbruch verstärkten Abwehrhaltung gegenüber dem Hochdeutschen begründet werden, sondern eher mit einer Betonung der Eigenstaatlichkeit. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielten u. a. die Jugendkultur, der Mundartrock und die Lokalradios.

Deutsche Dialekte außerhalb Europas


Alemán Coloniero

Ein in Venezuela gesprochener niederalemannischer Dialekt.

Belgranodeutsch

Eine Mischung aus Deutsch und Spanisch, die von den Nachkömmlingen deutscher Einwanderer nach Argentinien gesprochen wird.

Hutterisch

Von den Hutterern in Kanada und den USA gesprochen.

Pennsylvania Dutch

In den US-Bundesstaaten Pennsylvania und Ohio existiert eine ethnische Minderheit, die so genannten Amische. Diese lebten ursprünglich in der Schweiz, den Niederlanden und im Elsass, und wurden jedoch aus politischen Gründen verfolgt. Die Vorfahren der heuten Amische emigrierten im 18. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten, wo deren Nachkommen noch heute das so genannte Pennsylvania-Deutsch sprechen. Das Pennsylvania-Deutsch ist ein Abkömmling des Pfälzerdeutschen, hat sich jedoch - durch die geographische Trennung - eigenständig entwickelt.

Riograndenser Hunsrückisch

Eine in Brasilien gesprochene Variante des Hunsrückischen.

Texasdeutsch

Eine Mischung aus Deutsch und Englisch, die von den Nachkömmlingen deutscher Einwanderer nach Texas gesprochen wird.

Siehe auch


Weblinks


Deutsche Sprache | Deutscher Dialekt

German dialects | Njemačka narječja | Dialetti della lingua tedesca | Немецкие диалекты

 

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