- Literaturen -
Anfang und Ende einer literarischen Epoche sind immer schwer zu erfassen. Die Epochen werden hier (soweit machbar) nach dem Anfang der Epoche geordnet. So werden Abhängigkeiten zwischen den Epochen besser erkennbar.
Die ältesten althochdeutschen Schriftzeugnisse stammen aus dem 8. Jahrhundert und finden sich in einem gänzlich anderen kulturellen Zusammenhang: im kirchlichen Einsatz der Volkssprache als Missionierungshilfe und als Verständnishilfe für lateinische Texte (z. B. Glossen). Ein literarisches Selbstbewusstsein bildete sich auf der Grundlage lateinischer epischer Dichtung auch in der volkssprachlichen Klosterliteratur aus, wie zum Beispiel in den zwei großen Bibelepen des 9. Jahrhunderts, dem altsächsischen Heliand, noch im alten Stabreim, und im Evangelienbuch des Otfrid von Weißenburg, im neuen, zukunftsweisenden Endreimvers. Um das Jahr 1000 übersetzte und kommentierte Notker in St. Gallen philosophische Texte der Antike auf hohem philologischen Niveau ins Althochdeutsche. Er darf als erster großer deutscher Prosaist gelten.
Im 11. Jahrhundert entstanden vor allem religiös belehrende und ermahnende Texte in frühmittelhochdeutschen Reimpaarversen. Heilsgeschichtliche Darstellungen, z. B. das Ezzolied (um 1065), Legendendichtung, z. B. das Annolied (um 1077), alt- und neutestamentliche Bibelepik (Genesis, Exodus, Leben Jesu), dogmatische Darlegungen, eschatologische Dichtungen und Mariendichtung prägten die erste Phase dieser Geistlichendichtung, die von einer religiösen Einflussnahme auf den Laienadel bestimmt war.
Mehr zur althochdeutschen Literatur – Mehr zur frühmittelhochdeutschen Literatur
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts gewann auch die Geschichtsepik als stärker weltlich orientierte Dichtung erstmals poetischen Rang. Das bedeutendste Werk, die Kaiserchronik mit rund 17.000 Versen, erzählt episodenhaft die Geschichte des römischen Kaisertums von der Gründung Roms bis zu Konrad III. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad schildert den Kampf Karls des Großen und seiner Paladine gegen die Sarazenen in Spanien sowie den Tod Rolands nach einem Verrat. Mit dem Rolandslied und dem 'Alexander' des Pfaffen Lamprecht machte sich auch erstmals der Einfluss französischer Stoffe und Gestaltungsweisen bemerkbar, der die deutschsprachige Literatur für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte prägen sollte.
In den Jahrzehnten nach 1150 brach eine "Blütezeit" der deutschsprachigen Literatur an. An einzelnen Höfen des Feudaladels verbreitete sich eine kultivierte literarische Praxis nach romanischsprachigem Vorbild: die sogenannte Höfische Literatur. In der Lyrik entwickelte sich der Minnesang und die Sangspruchdichtung, mit ihren wichtigsten Vertretern Heinrich von Morungen, Reinmar und Walther von der Vogelweide. Für die höfische Epik galt schon den Zeitgenossen als Gründungsakt der Eneasroman des Heinrich von Veldeke, der vom Niederrhein an den Landgrafenhof in Thüringen kam und sein Werk dort gegen 1185 fertigstellte. Danach entstanden nach französischsprachigen Vorlagen (Chrétien de Troyes) zahlreiche höfische Epen in mittelhochdeutscher Sprache. Die bekanntesten sind hier "Erec" und "Iwein" (Hartmann von Aue), "Tristan und Isold" (Gottfried von Straßburg), "Parzival" (Wolfram von Eschenbach). Abseits von dieser "modernen" Erzählkultur bleibt das anonym überlieferte Heldenepos "Nibelungenlied".
Als revolutionär erwies sich am Ausgang des Mittelalters der Buchdruck mit beweglichen Lettern. Schließlich konnte Pergament als Beschreibstoff durch billiges Papier ersetzt werden. Am Übergang zur Neuzeit steht Johannes von Tepls "Der Ackermann aus Böhmen".
Mehr zur Deutschen Literatur im Mittelalter
Hans_Sachs.jpg Die folgenreichste Bewegung war die von Martin Luther (1483–1546) eingeleitete Reformation. Luther verstand es, seine Ideen auch in volksnahem Deutsch zu verbreiten. Das herausragendste Ereignis auf dem deutschen Buchmarkt des 16. Jahrhunderts war sicher das Erscheinen seiner Bibelübersetzung in den Jahren 1522 und 1534. Sie trug wesentlich zur Entwicklung des heutigen Deutsch bei.
Neben Humanismus und Reformation verdienen auch der Meistersang, die Schwankdichtung und das Fastnachtsspiel zumindest eine Erwähnung, insbesondere als deren Vertreter der Nürnberger Hans Sachs (1494–1576) und Jörg Wickram (um 1505 – vor 1562). Ein weiterer bemerkenswerter Autor des 16. Jahrhunderts ist der Straßburger Johann Fischart (1546–1590), sein bekanntestes Werk ist die "Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung".
Ein häufiges Genre der Zeit war das Volksbuch. Es entstand anonym und war, weil es beliebte Themen aufgriff, weit verbreitet. Beispiele sind die "Historia von D. Johann Fausten" und die Geschichten um Till Eulenspiegel.
Andreas_Gryphius.jpg In der Barockzeit wurden zahlreiche Dichter- und Sprachgesellschaften gegründet, die bekannteste davon war die Fruchtbringende Gesellschaft. Von Martin Opitz (1579–1639) wurde in seinem "Buch von der deutschen Poeterey" (1624) der Alexandriner für die deutschsprachige Lyrik empfohlen und blieb lange Zeit der wichtigste Vers. Mit einiger Verspätung gelangten der Petrarkismus und die Schäferidylle in die deutsche Literatur, genannt seien hier der Opitz-Schüler Paul Fleming (1609–1640) und Simon Dach (1605–1659). Bedeutendste Vertreter der Schäferpoesie waren die Dichter des Nürnberger Pegnesischen Blumenordens Georg Philipp Harsdörffer, Johann Klaj und Sigmund von Birken.
Wichtige lyrische Formen der Epoche sind das Sonett, die Ode und das Epigramm, die Lyrik kann man grob in religiöse, meist evangelische, und weltliche einteilen. Religiöse Lyrik schrieben Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635), der Kirchenliederdichter Paul Gerhardt (1607–1676), Angelus Silesius (1624–1677) und der Mystiker Jakob Böhme (1575–1624). Unter den weltlicher orientierten Dichtern sind besonders die Sonette von Andreas Gryphius (1616–1664) zu nennen sowie Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1617–1679).
Das Drama der Barockzeit zeigt sich vielfältig: Es gab einerseits das Jesuitentheater, das vor allem im südlichen, katholischen Raum in lateinischer Sprache aufgeführt wurde. Da die Zuschauer die Sprache nicht verstanden, setzte man umso mehr auf visuelle Effekte. Ähnlich verhielt es sich mit den anfangs ausländischen Wanderbühnen. Für ein anderes Publikum waren die
Barockromane sind der Schäferroman, der Staatsroman, der höfisch galante Roman und am einflussreichsten: der aus dem Spanischen stammende Pikaro- oder Schelmenroman. Insbesondere ragt hier Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1625–1676) mit seinem "Simplicissimus" und weiteren "Simplicianischen Schriften" hervor. Simplicissimus´ Abenteuer während des Dreißigjährigen Krieges sind der bedeutendste außerspanische Schelmenroman. Als wichtigster Vertreter des Staatsromans gilt der Birken-Schüler Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel.
Siehe auch: Barockliteratur (derzeit Begriffsdiskussion)
Gotthold Ephraim Lessing Kunstsammlung Uni Leipzig.jpg Autoren der Frühaufklärung lassen sich auch dem Spätbarock zurechnen, ein Beispiel dafür, wie fragwürdig Epocheneinteilungen sein können. Der bedeutendste Lyriker war Johann Christian Günther (1695–1723), ebenso wie Barthold Heinrich Brockes (1680–1747), kann er beiden Epochen zugeschrieben werden.
Neben der Aufklärung bildeten sich auch Strömungen, die das Gefühl in den Vordergrund stellten. Dazu zählt die Rokoko-Dichtung Friedrich Hagedorns, von Ewald Christian von Kleist, Salomon Gessner und anderen.
Vorbild einer ganzen Generation wurde Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) mit seinem Epos "Der Messias" (1748–1773), das ganz in Empfindungen und Seelenzuständen schwelgt. Klopstock wird der Empfindsamkeit zugerechnet.
Im Bereich der Prosa war Christoph Martin Wieland (1733–1813) wegweisend. Er gestaltete den frühen Bildungsroman "Geschichte des Agathon" (1766/67) und vermischte Rokoko-Elemente mit aufklärerischen Gedanken.
Die deutsche Spätaufklärung ist undenkbar ohne Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781). Sein Wirken umfasst wichtige theoretische Werke ("Laokoon" 1766), Literaturkritik (mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn) und eine Reihe von bedeutenden Dramen. Am stärksten von aufklärerischem Geist durchdrungen ist "Nathan der Weise" (1779), in dem exemplarisch gezeigt wird, dass der Wert eines Menschen nicht an zufälligen Etiketten wie Religion oder Nation abgelesen werden kann.
Siehe auch: Aufklärung (Literatur)
Johann Wolfgang von Goethe zeigte in dem Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" einen Mann, der an seinem Gefühlsüberschwang und einer unglücklichen Liebe stirbt. In Friedrich Schillers (1759–1805) Drama "Die Räuber" rebelliert ein junger Mann gegen seinen Vater und die Obrigkeit. Die Dramen von Jakob Lenz (1751–92) thematisieren die bedrückende Situation junger Intellektueller, wie etwa in "Der Hofmeister". Neben den Dramen war auch die Lyrik wichtig, in ihr konnten sich Emotion und Pathos ausdrücken.
Der "Sturm und Drang" dauerte aber nicht lange, die meisten Protagonisten entwickelten sich weiter. Schiller und Goethe begründeten die deutsche Klassik, Lenz hingegen konnte sich mit seiner Umwelt weiterhin nicht abfinden und starb einsam.
Der Beginn der Weimarer Klassik wird oft mit Goethes Italienreise 1786 angesetzt. Bezeichnend ist die fruchtbare Zusammenarbeit mit Friedrich Schiller, der aber schon 1805 in Weimar starb. Beide Protagonisten orientierten sich nach einer Sturm-und-Drang-Phase an humanistischen Idealen, teilweise unter klassizistischer Verwendung antiker Themen und Muster. "Klassik" hingegen ist eine positiv wertende Bezeichnung für die Epoche.
Goethes Drama "Iphigenie auf Tauris" thematisiert die Überwindung von Vorurteilen und ist darin ein Beispiel für das humanistische Ideal der Klassik. Sein größtes Werk ist die Tragödie "Faust" (1808), der 1832 ein zweiter Teil folgte. Das Schaffen Goethes ist sehr umfangreich, seine spätere Phase wird nicht mehr der Klassik zugerechnet.
Der zweite große Schriftsteller der Weimarer Klassik ist Friedrich Schiller. Er schrieb theoretische Werke ("Über naive und sentimentalische Dichtung"). Auch in der Lyrik griff er philosophische Fragenstellungen auf (etwa in "Der Spaziergang"). Schiller schrieb zahlreiche Balladen ("Die Bürgschaft") und eine Reihe von historischen Dramen ("Wallenstein").
Andere Autoren, die manchmal auch zur Klassik gezählt werden, gelten als Vorläufer Karl Philipp Moritz (1757–1793) bzw. Richtung Romantik weisend Friedrich Hölderlin (1770–1843). Moritz´ autobiografisch gefärbter Roman "Anton Reiser" gilt als der erste psychologische Roman in deutscher Sprache, Hölderlins hymnische Lyrik stellt einen Höhepunkt in dieser Gattung dar.
Nicht im engeren Sinn zur Klassik gehören Jean Paul (1763–1825), der vor allem satirische Romane schrieb, und Heinrich von Kleist (1777–1811), dessen Thema häufig das Individuum ist, das sich an gesellschaftlichen Zwängen abmüht oder an ihnen zerbricht, zum Beispiel in der Novelle "Michael Kohlhaas".
Die Frühromantik kann aus literaturtheoretischer Perspektive als die spannendste Phase bezeichnet werden! Die miteinander befreundeten, in Jena arbeitenden Autoren, wie die Brüder August Wilhelm (1767–1845) und Friedrich Schlegel (1772–1829)), Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773–1798), Ludwig Tieck (1773–1853) und Friedrich von Hardenberg (1772–1801), der unter dem Pseudonym Novalis arbeitete, brachen mit vielen Konventionen: Beispielsweise mischten sie in ihre Romane Gedichte und Balladen, kleine Märchen etc.; dabei bezogen sie sich oft auf Goethes Werke ("Werther", "Wilhelm Meisters Lehrjahre"). Dem entspricht Friedrich Schlegels Konzept einer 'progressiven Universalpoesie', die nicht nur unterschiedlichste Gattungen und Wissensgebiete miteinander verbindet, sondern auch über sich selbst nachdenkt und ihre eigene Kritik enthält. Als wichtigstes Gestaltungsmittel dieser 'Reflexionspoesie' erscheint die Ironie, die zum Ausdruck bringt, dass der ideale Zustand, den Kunst nach 'klassischer' Theorie in den Blick bringen soll, menschlicher Vorstellung entzogen ist, und dass den Bildern, mittels derer die Künstler diesen Zustand darzustellen suchen, nicht zu trauen ist. Andererseits können wir uns der vielfältigen Bedeutungen und Bedeutungsbrechungen literarischer Werke nie sicher sein und tun deshalb möglicherweise gut daran, uns auf das Wagnis der Lüge, das die Kunst eingeht, einzulassen. Das literarische Fragment ist ein weiteres, von den Romantikern geschätztes Darstellungsmittel, in dem die Kunst ihr eigenes 'Versagen' reflektiert und sich von dem 'klassischen' Konzept des harmonisch in sich abgeschlossenen Werks, in dem sich der ideale Zustand 'spiegelt', abgrenzt.
Als Vertreter der Hochromantik oder heidelberger Romantik gelten Achim von Arnim (1781–1831) und Clemens Brentano (1778–1842). Sie gaben unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" eine Sammlung deutscher Volkslieder heraus. Und es war deren Ehefrau und Schwester Bettina von Arnim (1785–1859), die mit ihrem Band "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" – erschienen 1835 – nicht zuletzt zur Popularität Goethes in Deutschland beitrug, aber auch die sozialen und politischen Missstände in Deutschland immer wieder in ihrem Werk thematisiert hat ("Armenbuch", "Dies Buch gehört dem König", besonders dessen Anhang, sowie die "Polenbroschüre").
Auch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm zählen mit ihrer Sammlung von Volksmärchen zu dieser Epoche. Ebenso kann man auch den mittleren Tieck dieser Epoche zuordnen.
Der wohl bekannteste Spätromantiker dürfte E.T.A. Hoffmann (1776–1822) sein, der mit Erzählungen wie "Lebensbeschreibungen des Katers Murr" und "Der Sandmann" die romantische Ironie psychologisch wendet und so eine moderne, nicht mehr idealistisch begründete Poetik vorbereitete. Zur Spätromantik zählt darüber hinaus der Dichter Joseph von Eichendorff (1788–1857).
Heinrich Heine (1797–1856) nimmt zur Romantik und zu ihren Motiven eine oft ironische Haltung ein und müsste wohl am ehesten zum Frührealismus gerechnet werden.
Autoren, die zum Vormärz gerechnet werden, engagierten sich politisch und brachten das politische Gedicht zu einer Blüte. Viele von ihnen waren in der lockeren Gruppierung Junges Deutschland, so etwa Georg Herwegh (1817–1875), Heinrich Laube (1806–1884), Karl Gutzkow (1811–1878) und Ferdinand Freiligrath (1810–1876). Von ähnlichem Geist waren auch Heinrich Heine ("Die Harzreise", "Deutschland. Ein Wintermärchen"), Ludwig Börne (1786–1837) und der jung verstorbene Georg Büchner (1813–1837) ("Woyzeck").
Andere Autoren werden, wenn nicht zum Realismus, so zum Biedermeier gerechnet. Vor allem als Lyriker bekannt sind : Nikolaus Lenau (1802–1850), Eduard Mörike (1804–1875), Friedrich Rückert (1788–1866) und August von Platen (1796–1835). In der Prosa sind Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) ("Die Judenbuche"), Adalbert Stifter (1805–1868), Jeremias Gotthelf (1797–1854) und der Märchendichter Wilhelm Hauff (1802–1827) zu erwähnen.
Dramatiker, die mehr oder minder zum Biedermeier gehören, sind Franz Grillparzer (1791–1872), Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) und Ferdinand Raimund (1790–1836). Grillparzer schrieb Tragödien im Geist der Weimarer Klassik, Nestroy und Raimund vertraten das Wiener Volksstück.
Mehr zur Literatur von Biedermeier und Vormärz
Die bevorzugte Gattungsform war anfangs die Novelle. Beispiele dafür sind etwa "Das Amulett" des Schweizers Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898) und "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm (1817–1888). Im Drama bleibt lediglich Friedrich Hebbel (1813–1863) (etwa mit "Maria Magdalena") in Erinnerung. Später trat neben die Novelle noch der Roman. Hier sind unter anderem Gustav Freytag (1816–1895) und Wilhelm Raabe (1831–1910) zu nennen.
Die beiden Größen des bürgerlichen Realismus sind der Schweizer Gottfried Keller (1819–1890), der unter anderem mit Theodor Storm in regem Briefkontakt stand, und Theodor Fontane (1819–1898). Keller schrieb den Bildungsroman "Der grüne Heinrich" sowie die Novellenzyklen Züricher Novellen und Die Leute von Seldwyla, wozu "Romeo und Julia auf dem Dorfe" gehört. Fontane, der als Journalist begonnen hatte, schrieb Romane wie "Frau Jenny Treibel" oder "Effi Briest". Er weitete seine Sicht von einer zentralen Figur immer weiter zum Gesellschaftsroman aus.
In Österreich finden sich dörfliche Motive bei Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916), Ludwig Anzengruber (1839–1889) und, schon nach Ausklingen der Epoche, Peter Rosegger (1843–1918).
Siehe auch: Bürgerlicher Realismus
Anders als in der russischen oder französischen Literatur gibt es im deutschen Sprachraum keine bedeutenden naturalistischen Romane. Arno Holz (1863–1929) schuf gemeinsam mit Johannes Schlaf (1862–1941) Lyrik und Kurzprosa ("Papa Hamlet"). Bekannt ist Holz´ Gleichung "Kunst = Natur - x", wobei x nach Möglichkeit gegen Null streben, die Kunst also nichts weiter als Abbildung der Wirklichkeit sein sollte. Bedeutender ist der Beitrag von Gerhart Hauptmann (1862–1946), der mit Dramen wie "Die Weber" internationale Anerkennung fand. Am Rande des Naturalismus ist Frank Wedekind (1864–1918) zu sehen. Sein Drama "Frühlings Erwachen" weist mit seiner pubertär-erotischen Thematik bereits in Richtung Fin de siècle.
Siehe auch: Naturalismus
Mit Naturalismus und Symbolismus beginnt das, was man oft als die Klassische Moderne bezeichnet. Diese Zeit ist geprägt von einem Stilpluralismus, dem Nebeneinander verschiedener Strömungen. Die meisten Autoren lassen sich in mindestens eine dieser Stilrichtungen einordnen.
Zentren der deutschen Literatur waren Berlin und Wien, entsprechend wird auch oft von "Berliner Moderne" und "Wiener Moderne" gesprochen. Diese erlitten einen jähen Abbruch mit dem Ausbrechen des Ersten Weltkrieges.
Die neue Bewegung sollte vom Sujet der Großstadt weg und in Richtung Heimat und Volkstum gehen. Mit der weiten Auffassung von "Heimat" ist nicht nur ländliches, sondern auch städtisches Leben gemeint, da auch die Stadt Heimat sein kann. Wie der Naturalismus, von dem sie einige Techniken übernahm, sollte sie neben der Liebe zur Heimat auch Kritik an ihr üben, was ihr nicht durchgehend gelang. In neueren Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Heimatkunstbewegung manche Grundgedanken der späteren Ökologiebewegung vorwegnahm.
Mit ihrer konservativen, antimodernistischen Grundhaltung war sie eine Vorläuferin der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Dichtung.
Als Initialzündung der expressionistischen Lyrik gilt Jakob van Hoddis' Gedicht "Weltende" von 1911, dessen wenige Zeilen "schienen uns in andere Menschen zu verwandeln", wie Johannes R. Becher formulierte. Gottfried Benn (1886–1956), der gerade die Ausbildung zum Mediziner beendete, erregte Aufsehen mit dem schmalen Band "Morgue", der Gedichte in Prosaversen zu Themen brachte, die bislang kaum oder gar nicht dargestellt wurden (beispielsweise Leichenbeschauhaus, Geburt im Kreißsaal und Prostitution).
Weitere wichtige Autoren des Expressionismus waren Alfred Döblin (1878–1957), Albert Ehrenstein, Carl Einstein, Salomo Friedlaender, Walter Hasenclever, Georg Heym, Heinrich Eduard Jacob (1889–1967), Ludwig Rubiner, Else Lasker-Schüler (1869–1945), August Stramm, Ernst Toller (1893–1939), Georg Trakl (1887–1914) und Alfred Wolfenstein.
1500 namentlich bekannte Autoren gingen, oft über verschlungene Stationen, ins Exil, viele töteten sich (Stefan Zweig). Zentren deutscher Exilliteratur entstanden in vielen Staaten der Welt, darunter auch in der deutschen Schweiz, die besonders für Theaterautoren wichtig war. Angesichts der Masse an Schriftsteller, beinahe jeder von Rang ging ins Exil, kann man kaum von einer thematisch oder stilistisch einheitlichen Exilliteratur sprechen. Autoren, die auch im Exil produktiv blieben, waren unter anderem Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Franz Werfel und Hermann Broch. Andere, wie Alfred Döblin, Heinrich Eduard Jacob oder Joseph Roth, fanden sich nur schwer oder gar nicht zurecht. Nach dem Krieg blieben sie zum Teil im Ausland, einige kehrten zurück. Nachdem Elias Canetti infolge des österreichischen Anschlusses von Wien nach London ausgewandert war, bekam er den Literaturnobelpreis als britischer Staatsbürger. Auffällig ist, dass viele nicht mehr an ihre Leistungen in der Zwischenkriegszeit und im Exil anschließen konnten.
Mit dem Entstehen neuer deutscher Staaten entstanden unterschiedliche Bedingungen für die Literatur. Im Folgenden werden die deutsche Literatur der BRD, der DDR, Österreichs und der Schweiz getrennt dargestellt, die Unterschiede sollten aber nicht überbewertet werden: Immerhin handelt es sich um eine gemeinsame Sprache und, mit Ausnahme der DDR, um einen gemeinsamen Markt.
Autoren, die sich nur schwer einer bestimmten Richtung zuordnen lassen, sind Uwe Johnson (1934–1984), der vom Nouveau roman geprägte Ror Wolf (* 1932) und der experimentierfreudige Arno Schmidt (1914–1979). Wolfgang Hildesheimer (1916–1991) schrieb absurde Dramen zu einer Zeit, als die Theaterlandschaft noch immer von Bertolt Brecht geprägt war.
Mit dem Vietnamkrieg und der 68er-Bewegung besann man sich auf das politische Gedicht (Hans Magnus Enzensberger (* 1929), Erich Fried (1921–1988)) und das politische Drama (Peter Weiss (1916–1982), Rolf Hochhuth (* 1931)). Eine dem entgegengesetzte Tendenz war die "Neue Subjektivität", die Beschäftigung mit privaten Themen.
In den 80er Jahren traten Botho Strauß (* 1944) (Drama) und Ulla Hahn (* 1946) und später Durs Grünbein (* 1962) (Lyrik) hervor.
siehe auch: P.E.N.-Zentrum Deutschland
Das Regime förderte eine Literatur auf der Grundlage des Sozialistischen Realismus, ein darauf aufbauender Plan wurde als "Bitterfelder Weg" bekannt. Unter den regimenahen Autoren ist vor allem Hermann Kant (* 1926) zu erwähnen. Johannes Bobrowski (1917–1965) verfasste die wichtigste Prosa seiner Zeit. In den 1970er Jahren lässt sich wie in der BRD eine Tendenz zur "Neuen Subjektivität" feststellen. Viele Autoren mussten oder durften die DDR verlassen, so Wolf Biermann (* 1936), Sarah Kirsch (* 1935) und schon früher Uwe Johnson. Wichtige Autoren sind unter anderem: Christa Wolf (* 1929), Heiner Müller (1929–1995), Irmtraud Morgner (1933–1990), Stephan Hermlin (1915–1997), Stefan Heym (1913–2001), Jurek Becker (1937–1997).
Siehe auch: DDR-Literatur, Liste von Schriftstellern der DDR
Der Lyriker Paul Celan lebte 1947-48 einige Monate in Wien, ließ sich dann aber in Paris nieder. Erich Fried emigrierte nach Großbritannien.
Eine Blüte erlebte die Literatur in Österreich in den 60er und 70er Jahren, als mit Autoren wie Peter Handke (*1942), Ingeborg Bachmann (1926–1973) und Thomas Bernhard (1931–1989) die deutsche Literaturlandschaft nachhaltig verändert wurde. In dieser Tradition arbeiten auch bedeutende zeitgenössische Autoren wie beispielsweise Norbert Gstrein, Elfriede Jelinek (*1946), O. P. Zier, Sabine Gruber und Ruth Aspöck.
Christoph Ransmayr (*1954), Werner Schwab (1958–1994).
Siehe auch: Literatur in Österreich.
Siehe auch: [[Schweizer Literatur|Literatur in der Schweiz ]].
Der aktuellen deutschsprachigen Literatur wird oft politische Indifferenz vorgeworfen sowie ein Kreisen um autobiografische Themen aus der Kindheit. Ein Kontrapunkt ist hier die Verleihung des Literaturnobelpreises 2004 an Elfriede Jelinek, die politisch und feministisch engagierte Literatur schreibt.
Ein nicht mehr ganz junges Phänomen in der deutschen Literatur der Gegenwart tritt im süddeutschen Sprachraum bzw. in Österreich zutage. Angesprochen ist hier die "Postmoderne" und noch viel mehr das literarische Phänomen "postmoderner Roman". Als bedeutende AutorInnen sind hier zu nennen: Oswald Wiener, Hans Wollschläger, Christoph Ransmayr, Marlene Streeruwitz und Maurizio Poggio.
Bekanntester aktueller SF-Autor aus Deutschland ist Andreas Eschbach, dessen Bücher Das Jesus Video und Eine Billion Dollar große Erfolge sind.
Als renommierter deutscher Kriminalautor gilt Peter Schmidt mit seinen vielfach ausgezeichneten Romanen im Genre des Polit- und Spionagethrillers ("Mehnerts Fall" 1981, "Erfindergeist" 1985 und "Schafspelz" 1991), sowie Psycho- und Wissenschaftsthrillern ("Harris" 1995, Der "EMP-Effekt" 1986), vor allem aber auch mit seinen doppelbödigen und hintergründigen Kriminalkomödien ("Linders Liste" 1988, "Roulette" 1992, "Schwarzer Freitag" 1993), die ein in Deutschland sonst nicht bekanntes, ganz eigenes Genre des literarischen Kriminalromans pflegen. (Deutscher Krimipreis 1986, 1987, 1991, Literaturpreis Ruhrgebiet 1994.)
Zu den bekannten Autoren der Popliteratur gehören u.a. Christian Kracht (Faserland), Benjamin von Stuckrad-Barre (Soloalbum) und Rainald Goetz (Irre).
Zudem haben seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Literaturraum multikultuelle Literaturen wieder an Bedeutung gewonnen; z. B. hat sich eine deutsch-türkische Literatur auf höchstem Niveau etabliert, deren Wurzeln in der Migrationsliteratur der 60er Jahre liegen. Ein türkischstämmiger Schriftsteller wie Feridun Zaimoglu gehört heute zu den wichtigsten jüngeren Gegenwartsautoren deutscher Sprache. Auch Vertreter anderer multikultureller Literaturen, wie Wladimir Kaminer oder Rafik Schami gelten als für die deutschsprachige Gegenwartsliteratur bedeutende Autoren.
Mehrbändige Literaturgeschichten
Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Begründet von Helmut de Boor und Richard Newald. München : Beck, 1971- (12 Bände geplant, erschienene Bände und Teilbände teilweise in neuerer Bearbeitung)
Literaturgeschichten mit Primärtexten
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