Die Hyperinflation des Jahres 1923 in der Weimarer Republik hat ihre Vorgeschichte und ihre Ursachen in der Art der Finanzierung des Ersten Weltkrieges und seiner Folgen. Dies wird daran deutlich, dass die Mark mit dem Ende des Krieges 1918 bereits mehr als die Hälfte ihres Wertes (genauer: ihrer Kaufkraft im Innen- und Außenverhältnis) verloren hatte.
Unumwunden und öffentlich bekannte sich der konservative Finanzpolitiker Karl Helfferich im August 1915 in einer Sitzung des Reichstages zur Ausplünderung der Kriegsgegner:
Dies misslang, je länger der Krieg dauerte, umso gründlicher. Das Deutsche Reich verlor den Krieg, musste also selbst Reparationen zahlen. Dies verstärkte die Inflation noch einmal. Denn auch die Reparationen wurden über das Drucken zusätzlichen Papiergeldes bezahlt: Zwar waren die Reparationen in Fremdwährungen oder in Goldmark zu zahlen; die dafür nötigen Mittel besorgte sich der Staat aber über die (unkontrollierte) Vermehrung des eigenen Papiergeldes. Mit dem so provozierten Ruin der eigenen Währung wollte das Deutsche Reich auch demonstrieren, dass die Reparationszahlungspflichten nach dem Versailler Vertrag insgesamt überzogen waren.
Die Geldvermehrung über die Druckerpresse geschah während des Krieges finanzierungstechnisch gesehen in der Form von so genannten Schatzanweisungen, die durch die Zeichnung von Kriegsanleihen durch die Bevölkerung im nachhinein finanziert werden mussten, sollten sie nicht reine Vermehrung von Geldzeichen sein. Hier eine Tabelle dazu, aus der die immer geringere Deckung hervorgeht:
| Kriegsanleihen und Schatzanweisungen (in Millionen Mark) | - bgcolor="#EEEEFF" | Kriegsanleihe | Nennbetrag der Zeichnung | Ausstehende Schatzanweisungen | Saldo | - align="right" bgcolor="white" | I. | September 1914 | 4.460 | 2.632 | +1.832 | - align="right" bgcolor="white" | II. | März 1915 | 9.060 | 7.209 | +1.851 | - align="right" bgcolor="white" | III. | September 1915 | 12.101 | 9.691 | +2.410 | - align="right" bgcolor="white" | IV. | März 1916 | 10.712 | 10.388 | +324 | - align="right" bgcolor="white" | V. | September 1916 | 10.652 | 12.766 | -2.114 | - align="right" bgcolor="white" | VI. | März 1917 | 13.122 | 14.855 | -1.733 | - align="right" bgcolor="white" | VII. | September 1917 | 12.626 | 27.204 | -14.578 | - align="right" bgcolor="white" | VIII. | März 1918 | 15.001 | 38.971 | -23.970 | - align="right" bgcolor="white" | IX. | September 1918 | 10.443 | 49.414 | -38.971 |
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Um Unruhen zu vermeiden, wurden die Löhne der kleinen Arbeiter und Angestellten der Preisentwicklung angepasst, wenn auch mit deutlicher Verspätung. Und um die Vermögenden nicht aufzubringen, wurden die Steuern nicht angemessen angehoben. Trotzdem bekam nur ein kleiner Kreis von besonders Reichen die allgemeine Verarmung, bedingt durch Güterknappheit und Teuerung, nicht zu spüren. (Siehe auch: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte im Ersten Weltkrieg)
Damit war der Keim der Inflation gelegt. Im November 1918 überstiegen die Schulden des Reiches mit etwa 150 Milliarden Mark das Volkseinkommen des Jahres 1919 von geschätzten 142 Milliarden Mark. Weil der Krieg verloren wurde, konnte das Deutsche Reich die Kriegslasten nicht auf andere Staaten abschieben.
Zur Übersicht über den Verfall des Wertes der deutschen Währung eine Tabelle:
| Jeweilige Verzehnfachung des Dollarkurses seit Kriegausbruch | - bgcolor="#EEEEFF" | 1 Goldmark = Papiermark (nominal) | Datum | Dollarkurs in Mark | Zeitraum | - align="right" bgcolor="white" | 1 | Juli 1914 | 4,20 | k. W. | - align="right" bgcolor="white" | 10 | Januar 1920 | 41,98 | 5 1/2 Jahre | - align="right" bgcolor="white" | 100 | 3. Juli 1922 | 420,00 | 2 1/2 Jahre | - align="right" bgcolor="white" | 1.000 | 21. Oktober 1922 | 4.430,00 | 108 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 10.000 | 31. Januar 1923 | 49.000,00 | 101 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 100.000 | 24. Juli 1923 | 414.000,00 | 174 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 1.000.000 | 8. August 1923 | 4.860.000,00 | 13 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 10.000.000 | 7. September 1923 | 53.000.000,00 | 30 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 100.000.000 | 3. Oktober 1923 | 440.000.000,00 | 26 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 1.000.000.000 | 11. Oktober 1923 | 5.060.000.000,00 | 8 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 10.000.000.000 | 22. Oktober 1923 | 40.000.000.000,00 | 11 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 100.000.000.000 | 3. November 1923 | 420.000.000.000,00 | 11 Tage | - align="right" bgcolor="white" | 1.000.000.000.000 | 20. November 1923 | 4.200.000.000.000,00 | 17 Tage |
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Mit den Verpflichtungen des Versailler Vertrages, Entschädigungen (Reparationen) an die Siegermächte (insbesondere Frankreich) zu zahlen, glaubten die politisch Verantwortlichen einen guten Buhmann für die weitere Geldentwertung gefunden zu haben. Im Januar 1920 hatte die Mark gegenüber dem US-Dollar nur noch ein Zehntel ihres Umtauschwerts des August 1914.
Gleichzeitig wurde weiterhin erbittert um die Höhe der Reparationen und die Modalitäten ihrer Zahlung gestritten. Die Reichsregierung behauptete, sie könne nicht zu einer stabilen Währung zurückkehren, weil dann das Wachstum gehemmt würde. Die Folgen wären höhere Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne mit dem Ergebnis, dass es wiederum zu sozialen Unruhen mit der Möglichkeit des Systemswechsels kommen könnte.
Mit erheblichen Verlusten für ihre eigenen Geldanlagen im Deutschen Reich machten die Siegermächte aus Angst vor dem Bolschewismus dieses Spiel mit. Dann aber brachen mit der Ermordung Walther Rathenaus im Juni 1922 alle Dämme. Die Stationen gemessen am US-Dollar machen dies deutlich: am 3. Juli 1922 hatte die Mark noch ein Hunderstel des Wertes vom August 1914, am 3. Oktober 1922 nur mehr ein Tausendstel.
Inflation-1923.jpg Die Hyperinflation sorgte für einen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit stieg, die Löhne fielen ins Bodenlose und die KPD erhielt immer mehr Zulauf. Die staatstragenden Gewerkschaften waren inzwischen so ausgeblutet, dass sie von der Regierung finanziert werden mussten. Als Gustav Stresemann Reichskanzler wurde, brach er am 26. September den Ruhrkampf ab. Entscheidend war dabei die Furcht vor einem Umsturz. Die Behauptung des ehemaligen Reichskanzlers Cuno, das Deutsche Reich könne die Reparationen nicht erbringen, wurde stillschweigend kassiert.
Jetzt aber waren die Bedingungen gegeben, eine Stabilisierung der Währung zugunsten des großen Kapitals durchzuführen. Diese Stabilisierung forderten auch die Siegermächte als Voraussetzung von Verhandlungen über die Reparationszahlungen, die zum Dawes-Plan führten. Mit der Währungsreform des November 1923 (Einführung der Rentenmark, Unterbindung von Spekulationen) wurde die Inflation beendet. Die wirtschaftlichen Verhältnisse konnten sich im Verlauf des Jahres 1924 stabilisieren – in ihrer Folge auch die politischen Verhältnisse.
Mit der Hinnahme der inflationären Geldentwertung konnten die ökonomischen und sozialen Lasten des verlorenen Krieges auf die Masse der abhängig Beschäftigten und die reinen Geldvermögensbesitzer abgeschoben werden. Erst 1928 erreichten die Reallöhne im Durchschnitt wieder das Niveau des Jahres 1913 (nach den Zahlen der amtlichen Statistik). Ein wesentlicher Teil der Mittelschichten – gewohnt ihr Leben ohne Hilfe des Staates zu gestalten, ja Feinde des Sozialstaates – fand sich in Armut wieder. Ihre finanziellen Rücklagen schmolzen in der Inflation bis auf kümmerliche Reste dahin.
Die Inflation als wichtiger Teil eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses der frühen Jahre der Weimarer Republik hat die erste deutsche Demokratie in den Augen vieler diskreditiert. Teile der gesellschaftlichen Mitte, das kleine und mittlere Bürgertum, fühlten sich von der Republik betrogen. Wachsende Teile der Arbeiterschaft vermochten in diesem Staat (anders als 1920, als sie auf den Kapp-Putsch mit einem Generalstreik reagierten) nichts Verteidigenswertes mehr zu erblicken, insbesondere als mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 ihre soziale Lage wieder wie 1923 katastrophal wurde.
Die Machtübergabe an Adolf Hitler ist das Ergebnis einer ganzen Reihe von desaströsen Umständen und Entwicklungen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, zu denen die Inflation der ersten Jahre gehört. Sebastian Haffner hat die Zusammenhänge Ende der dreißiger Jahre so beschrieben:
Währungstechnisch wurde die Inflation im November 1923 durch die Ablösung der Papiermark mit Einführung der Rentenmark und der Reichsmark gestoppt.
Weimarer Republik | Wirtschaftskrise | Reichsfinanzen (Begriff) | 1923
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"Deutsche Inflation 1914 bis 1923".
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