Die Deutsche Demokratische Partei, kurz DDP, war eine liberale Partei der Weimarer Republik, die an der ersten demokratisch legitimierten Regierung nach dem 1. Weltkrieg beteiligt war (vgl. Weimarer Koalition). In Abgrenzung zu den nationalen bis nationalistischen Strömungen anderer (nationalliberaler) Fraktionen bezog sie sich weltanschaulich wesentlich auf den klassischen Liberalismus mit seinen Wurzeln im Freiheitsverständnis der Aufklärung.
Sie ging 1918 aus der der linksliberalen Fortschrittlichen Volkspartei hervor und vereinigte sich 1930 mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei (DStP).
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die DStP am 28. Juni 1933 aufgelöst.
Die Bezeichnung als "linksliberale" Partei bezieht sich zum Teil abgrenzend auf die Deutsche Volkspartei (DVP), die mit einem starken republikfeindlichen bzw. monarchistischen Flügel dem rechten Lager zugeordnet wurde - auch wenn der realpolitische Kurs Gustav Stresemanns, des späteren von der DVP gestellten Außenministers, diese Partei bis zu seinem Tod 1929 mit der Demokratie zeitweilig versöhnte. In der DVP waren eher die Besitzbürger organisiert.
Prominente Mitglieder der DDP waren Außenminister Walther Rathenau, der erste Parteivorsitzende Friedrich Naumann, Theodor Heuss, Thomas Dehler, Thomas Mann, Wilhelm Külz, der Publizist Theodor Wolff, der Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde, der Pazifist Hellmut von Gerlach, Eduard Hamm, der Vater der Weimarer Verfassung Hugo Preuß, der Gewerkschaftsführer Anton Erkelenz, Reichsjustizminister Erich Koch-Weser, der langjährige Hamburger Bürgermeister Carl Petersen, der Reichstagsabgeordnete und spätere Bundesminister Ernst Lemmer, der spätere erste Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Reinhold Maier, sowie kurzzeitig der Soziologe Max Weber. Die DDP bot vielen frauenpolitisch aktiven Frauen der Weimarer Republik eine Heimat. Zu nennen wären unter anderem Gertrud Bäumer sowie Marie Elisabeth Lüders, die spätere Alterspräsidentin des Deutschen Bundestages.
Die DDP war neben der SPD eine der entschiedensten Befürworterinnen der Weimarer Republik. Hochburgen der Partei fanden sich in Berlin, Potsdam, Schleswig-Holstein, Württemberg, dem Bereich Weser-Ems und ganz besonders in Hamburg, wo der zeitweilige Parteivorsitzende Carl Petersen Erster Bürgermeister und damit Regierungschef war.
Bei den ersten reichsweiten Wahlen der noch jungen Republik zur Nationalversammlung erreichte die DDP 18 Prozent und bildete 1919/20 mit SPD und Zentrum die Weimarer Koalition als erste Regierung der Weimarer Republik. Trotz ihrer stetig schwindenden Größe hatte die DDP in den ersten Jahren der Republik eine wichtige politische Bedeutung. Zum einen half sie durch ihre Mittelposition zwischen SPD und Zentrum die Weimarer Koalition in Deutschland und insbesondere in Preußen zu stabilisieren. Als Beispiel kann hier der Staatssekretär im preußischen Innenministerium Dr. Wilhelm Abegg gelten, der die preußische Polizei neu organisierte und modernisierte. Zum anderen bildeten die Mitglieder der DDP ein bedeutendes Personalreservoir für hohe Positionen in der öffentlichen Verwaltung. Keine andere Partei konnte in diesem Maße Beamte zur Verfügung stellen, die sowohl die fachliche Ausbildung besaßen als auch dem demokratischen System der Weimarer Republik loyal gegenüber standen, was bei den meisten aus der Monarchie übernommenen monarchistisch und antidemokratisch gesinnten Beamten zu dieser Zeit nicht der Fall war.
Schon ab 1920 verlor die DDP in großem Maße Stimmen an DVP, DNVP und Interessenparteien. Damit einher ging gleichzeitig ein Verlust an Mitgliedern, Finanzen und Publikationsorganen. Bedeutende Zeitungen wie die Vossische Zeitung oder die Frankfurter Zeitung waren zwar DDP-nah, die Partei konnte aber nie ein wichtiges eigenes Parteiblatt wie den Vorwärts (SPD) oder später den Völkischen Beobachter (NSDAP) etablieren. In der Öffentlichkeit herrschte zum Teil die - faktisch falsche - Einschätzung, die DDP sei die Partei des Hochkapitals. In den späteren Jahren nutzte die NSDAP dies weidlich aus, um die DDP als die Judenpartei zu diffamieren.
1930 vereinigte sich die DDP mit der Volksnationalen Reichsvereinigung Artur Mahrauns ("Jungdeutscher Orden") zur Deutschen Staatspartei, was im Vorfeld mit heftigen innerparteilichen Konflikten einher gegangen war. Nach dieser Fusion zur DStP trat nahezu der gesamte linke Flügel, darunter auch Ludwig Quidde und Hellmut von Gerlach, aus der Partei aus, und gründete noch 1930, sozusagen gegen Ende der zu der Zeit faktisch schon gescheiterten Demokratie der Weimarer Republik die weitgehend politisch erfolglose Radikaldemokratische Partei.
Das im August 1930 veröffentlichte politische Manifest der DStP hatte so gut wie keine Berührungspunkte mehr mit dem Programm der inzwischen ganz aufgelösten DDP. Bis 1932 war die DStP an der Mehrzahl der Reichsregierungen beteiligt, erreichte aber bei den Wahlen dieses Jahres nur noch etwa ein Prozent und sank zur Bedeutungslosigkeit herab. Die fünf Abgeordneten der Partei stimmten für das Ermächtigungsgesetz, das den Reichstag faktisch entmachtete, in der Hoffnung, damit zu einer Kanalisierung der NS-Diktatur beizutragen.
Die von den Nationalsozialisten erzwungene Auflösung der DStP erfolgte am 28. Juni 1933. Einzelne Mitglieder der DStP beteiligten sich am antifaschistischen Widerstand. Die einzige linksliberale Widerstandsgruppe, die Robinsohn-Strassmann-Gruppe, bestand im wesentlichen aus ehemaligen DDP/DStP-Mitgliedern. Viele ehemalige Mitglieder der DDP bzw. der Radikaldemokratischen Partei sahen sich wegen ihrer antifaschistischen Haltung oder ihrer pazifistischen Einstellung auch zur Flucht ins Exil gezwungen, unter ihnen beispielsweise Ludwig Quidde oder Wilhelm Abegg.
Frühere Mitglieder der DDP waren nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Gründung der FDP beteiligt (z.B. Theodor Heuss, Thomas Dehler oder Reinhold Maier) andere gingen zur CDU (unter anderem Ernst Lemmer und August Bach) oder SPD (unter anderem Erich Lüth), vereinzelte auch zur KPD.
Die seinerzeit DDP-nahe Jugendorganisation Jungdemokraten besteht, nach wechselvoller Geschichte, heute noch.
| Reichstagswahlen einschließlich der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung (1919) | - | 19. Januar 1919 | 18,5 % | 75 Sitze | - | 6. Juni 1920 | 8,3 % | 39 Sitze | - | 4. Mai 1924 | 5,7 % | 28 Sitze | - | 7. Dezember 1924 | 6,3 % | 32 Sitze | - | 20. Mai 1928 | 4,9 % | 25 Sitze | - | 14. September 1930 | 3,8 % | 20 Sitze | - | 31. Juli 1932 | 1,0 % | 4 Sitze | - | 6. November 1932 | 1,0 % | 2 Sitze | - | 5. März 1933 | 0,9 % | 5 Sitze | - |
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| Landtagswahlen in Preußen 1919 bis 1933 | - | 1919 | 16,2 % | 65 Sitze | - | 1921 | 5,9 % | 26 Sitze | - | 1924 | 5,9 % | 27 Sitze | - | 1928 | 4,4 % | 21 Sitze | - | 1932 | 1,5 % | 2 Sitze | - | 1933 | 0,7 % | 3 Sitze | - |
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