Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (DASD) wurde am 28. August 1949, dem 200. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, in der Frankfurter Paulskirche gegründet und hat ihren Sitz in Darmstadt. Sie hat sich die Pflege, Vertretung und Förderung der deutschen Literatur und Sprache zur Aufgabe gemacht und könnte insofern als das deutsche Pendant zur Académie française angesehen werden, ohne allerdings deren öffentliche und vor allem staatliche Anerkennung zu genießen.
Besonders bekannt ist die Akademie durch die jährliche Vergabe des Georg-Büchner-Preises.
Zwei Tagungen der Akademie, eine im Frühjahr und eine im Herbst, dienen der inhaltlichen und organisatorischen Auseinandersetzung mit den beiden Aspekten ihres Namens, der Sprache und der Dichtung. Ein Teil der Arbeitssitzungen während dieser Tagungen ist öffentlich. Inhaltlich beschäftigen die Sitzungen sich mit der empirischen Wirkung der Literatur, Macht und Ohnmacht der Sprache und europäischer Sprachpolitik. Während die Frühjahrstagungen abwechselnd in verschiedenen Städten der Bundesrepublik und des benachbarten Auslands abgehalten werden, finden die Herbsttagungen, in deren Rahmen drei Preise vergeben werden, am Sitz der Akademie in Darmstadt statt.
Seit 1996 beschäftigte sich die Akademie intensiv mit der Rechtschreibreform. Der damalige Präsident der Akademie, Christian Meier, vertrat deren Standpunkt unter anderem in der Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtschreibreform am 12. Mai 1998. Dabei wies Meier auf die Parallelen der Rechtschreibreform von 1996 zur Reform des Reichserziehungsministers Bernhard Rust von 1944 hin, die bisher »der einzige tiefere Eingriff von Staats wegen in die deutsche Rechtschreibung« gewesen sei. Zu Dokumentationszwecken erstellte die Akademie dazu eine Untersuchung . Daneben analysierte die Rechtschreibkommission der Akademie verschiedene Auflagen des Duden und veröffentlichte als Beitrag zur Reformdiskussion einen Kompromissvorschlag . Anfang März 2004 trat die Kultusministerkonferenz an die Akademie heran, um ihr eventuell künftig die Regulierung der deutschen Rechtschreibung zu übertragen. Das erfolgte jedoch nicht. Stattdessen beschloss die Kultusministerkonferenz, einen Rat für deutsche Rechtschreibung ins Leben zu rufen, der an die Stelle der Zwischenstaatlichen Kommission trat.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellte am 17. Januar 2002 in Berlin ein Memorandum vor, das sie gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder und Sprachwissenschaftlern erarbeitet hatte. Wenn immer mehr Bürger auf Gebieten wie Gentechnik oder Globalisierung nur noch „Bahnhof“ verstünden, sei der „demokratische Diskurs“ in Gefahr, so Professor Christian Meier, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der Historiker sieht eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft der Sprachkenntnisse“ aufkommen. Meist handle es sich um „BSE“, also „bad simple English“. Dieses verdränge an Universitäten überall auf der Welt zunehmend die jeweilige Muttersprache . Die Akademie entwickelte u.a. Vorschläge, wie häufig verwendete englische Begriffe durch deutsche Begriffe ersetzt werden könnten. Gesetze zur Sprachregelung nach französischem Vorbild lehnt die Akademie jedoch ab.
Mit ihren Preisfragen regt die Akademie die literarische Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema an. Nicht jede Frage von 1964 Kann Sprache die Gedanken verbergen? bis 2000 Brauchen wir Tabus? hat tatsächlich zu einer preisgekrönten Antwort geführt, aber die ausgezeichneten Texte wurden stets veröffentlicht.
Aktuell hat sich die Akademie der Initiative Bücher für den Irak angeschlossen und zur Unterstützung einer Büchersammlung aufgerufen.
Die Akademie verleiht jährlich fünf Preise. Während der Frühjahrstagung sind dies der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung und der Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland.
Der Georg-Büchner-Preis, der als Deutschlands angesehenster Literaturpreis gilt, sowie der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay und der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa werden während der Herbsttagung vergeben.
Für jeden der fünf Preise gibt es eine Kommission innerhalb der Akademie, die die Kandidaten vorschlägt, über deren Preiswürdigkeit eine Jury entscheidet, die aus dem Erweiterten Präsidium, dem Präsidenten, Vizepräsidenten und den Beiräten der Akademie, besteht.
In einer durch die Akademie herausgegebenen Publikationsreihe wird ein Teil der zwischen 1933 und 1945 unterdrückten und verfolgten Literatur der Gegenwart zur Verfügung gestellt, als Würdigung und auch, um die durch den Nationalsozialismus entstandene Unterbrechung der literarischen Tradition zu überwinden. So wurden vergessene oder noch nicht entdeckte Werke von Oskar Loerke, Gertrud Kolmar und Alfred Mombert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In ihren seit 1954 erscheinenden Jahrbüchern veröffentlicht die Akademie die auf den Tagungen gehaltenen Vorträge und Referate, die Reden der Preisträger und ihrer Laudatoren sowie Nachrufe auf verstorbene und Selbstvorstellungen neu gewählter Mitglieder .
Die prämierten Antworten auf die seit 1964 regelmäßig gestellten Preisfragen zu Problemen der Sprache und Literatur wurden in der Reihe der Preisschriften publiziert.
Seit 1984 erscheint die Schriftenreihe Dichtung und Sprache, in der insbesondere kritische jüngere Autoren der Gegenwart ein Forum erhalten sollen.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, kurz: DASD, ist ein eingetragener Verein, der zu etwa 90 % aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.
Die Akademie setzt sich aus ordentlichen, außerordentlichen, korrespondierenden und Ehrenmitgliedern zusammen, die auf Lebenszeit gewählt werden.
Organe der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sind:
In der Akademie sind alle Gebiete der Literatur und Sprache vertreten, so können Lyriker, Dramatiker, Erzähler, Essayisten, Übersetzer, Historiker, Philosophen und andere in deutscher Sprache publizierenden Wissenschaftler hineinberufen werden. In die Akademie aufgenommen wird nur, wer ein eigenes Werk vorzuweisen hat.
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