Die deutsche 7. Armee war eine Feldarmee der Wehrmacht, die im Zweiten Weltkrieg kämpfte.
Vorgeschichte
Sie wurde am
25. August 1939 im Wehrkreis V,
Stuttgart, mit
General Friedrich Dollmann als Kommandeur aufgestellt. Bei Kriegsausbruch sicherte die Armee die deutsche Westgrenze am
Oberrhein und stellte die Besatzung des
Westwalls. Zu Beginn des
Westfeldzuges von
1940 war die 7. Armee als Teil der
Heeresgruppe C General
Wilhelm Ritter von Leeb unterstellt. Am
14. Juni 1940, mehr als einen Monat nach dem Start der Offensive, griff die Heeresgruppe C die
Maginot-Linie frontal an. (Zu diesem Zeitpunkt war die Linie bereits durch schnelle Verbände der
4. Armee (XXXXI. AK) von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten worden). Die Spitzen der 7. Armee erreichten bei Alt-
Breisach das Ostufer des Rheines und die Bunker von
Colmar. Zusammen mit dem XXXXI. Armeekorps verfolgte die Heeresgruppe C die französische 2e Groupe d’armées mit rund 400.000 Mann und kesselte sie in
Lothringen ein. Bis zum Abschluss des deutsch-französischen
Waffenstillstandes besetzte die 7. Armee Ostfrankreich. Anschließend wurde sie für Sicherungsaufgaben an der Atlantikküste in Südwestfrankreich stationiert.
1944 stand sie als Teil der
Heeresgruppe B (
Rommel) im Raum
Bretagne –
Normandie am
Kanal.
D-Day
Als am
6. Juni 1944 die
alliierten Landungen in der Normandie begannen, war der deutsche
OB West (
Rundstedt) zwar davon überzeugt, dass es sich um die Eröffnung der Invasion handle, es blieb aber unklar, ob dies schon der Hauptangriff war. So wurden allein Teilkräfte der 7. Armee in den Angriffsraum im
Calvados verschoben. Das
OKW befahl zudem die Freigabe der
Panzergruppe West, deren Aufmarsch aber im Schutt der zertrümmerten Ortschaften stecken blieb. Die
15. Armee am
Pas de Calais musste indessen den
V-Waffen-Einsatz sichern und gegen eine eventuelle weitere Invasion bereitstehen. So trug die 7. Armee allein die Hauptlast der Angriffe aus den alliierten Brückenköpfen zwischen
Caen und
Saint-Lô.
Hitler verweigerte in einer Unterredung vom
17. Juni das gemeinsame Ersuchen von Rundstedt und Rommel, die V-Waffen gegen die Landeplätze zu richten: er wollte stattdessen
das Nervenzentrum des Gegners,
London, treffen. Am nächsten Tag schnitt die
1. US-Armee unter
Bradley Cherbourg mit den Resten von drei bis vier deutschen Divisionen von der Außenwelt ab. Seit Beginn der
Schlacht in der Normandie hatte die 7. Armee 97.000 Mann verloren, darunter fünf Generale. Am
28. Juni beging ihr Kommandeur Friedrich Dollmann Selbstmord.
Abwehrkämpfe in der Normandie
Am
29. Juni 1944 wurde
SS-Oberstgruppenführer Paul Hausser neuer Kommandeur der 7. Armee. Im
Wehrmachtführungsstab hatte
Alfred Jodl frühzeitig erkannt, dass keine zweite Invasion über den Kanal kommen würde. Er konnte sich jedoch mit seiner Ansicht bei Hitler und
Keitel nicht durchsetzen: die 15. Armee blieb weiter untätig, während die 7. Armee unterstützt von der
5. Panzerarmee allein an der Invasionsfront stand. Ende Juli 1944 waren Meinungsverschiedenheiten der Alliierten über das weitere Vorgehen noch nicht ausdiskutiert, als
Dwight D. Eisenhower sich die Genehmigung für seine Pläne holte: Am
25. Juli 1944 vernichtete ein schwerer Luftangriff (ein auf ein eng begrenztes Gebiet beschränktes
Flächenbombardement) den bereits geschwächten linken Flügel der deutschen Front und erlaubte den Vorstoß nach Süden. Am
30. Juli fiel
Avranches. Nach einer anschließenden Umgruppierung der alliierten Streitkräfte griff
Pattons
3. US-Armee durch die entstandene Lücke in der Front weiter an (
Operation Cobra). Die Amerikaner überrannten die Bretagne und stieß in einem weiten Bogen gegen die
Loire vor, während die
Infanterie auf
Le Mans vorging. Zeitgleich griffen die 1. US-, die britische 2. und die kanadische 1. Armee in südlicher Richtung an und zwang die deutschen Verbände zum Rückzug. Die britische 2. Armee durchstieß bei der
Operation Tractable das deutsche Stellungssystem; der Zusammenhang der deutschen Truppen konnte nicht wiederhergestellt werden. Dennoch befahl Hitler der 5. Panzerarmee, am
6. August durch den gefährdeten Abschnitt gegen Avranches vorzustoßen und die Amerikaner von ihrem Nachschub abzuschneiden (
Unternehmen Lüttich). Sie wurde gemeinsam mit der zurückgehenden 7. Armee in dem entstehenden
Kessel von Falaise eingeklemmt. Unter Zurücklassen des größten Teils des schweren Materials gelang den sich in Auflösung begriffenen deutschen Verbänden der Rückzug über die
Dives nach Osten. Es gelang jedoch nur Resten von 16 Divisionen, sich der
15. Armee anzuschließen. Als am
20. August der Kessel geschlossen wurde, gingen 45.000 deutsche Soldaten in Gefangenschaft, 10.000 waren gefallen.
Rückzug und Ardennenoffensive
Die Bildung einer Abwehrfront an der
Seine war nicht mehr möglich, da auch die 15. Armee bereits den linken Flügel verloren hatte. Zudem hätten die Alliierten sie nach der Landung an der
Côte d’Azur (
Operation Anvil) im Osten umgehen können. Die Reste der 7. Armee unter ihrem neuen Kommandeur General
Heinrich Eberbach gingen daher gemeinsam mit der 15. Armee unter ständigen Kämpfen auf die Reichsgrenze zurück. Rommels Nachfolger als Befehlshaber der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall
Günther von Kluge, wurde am
17. August von
Walter Model abgelöst und vergiftete sich am nächsten Tag mit
Zyankali. Während der
Operation Market Garden, verteidigte die 7. Armee die Reichsgrenze nördlich der
Mosel. Bei diesem Unternehmen verloren die Alliierten 13.266 Mann, in der
Schlacht an der Scheldemündung 27.633 Mann. Dazu kamen noch die schweren Verluste der Amerikaner im
Hürtgenwald. Die deutsche Front hatte sich wieder stabilisiert.
Die deutsche Führung arbeitete im Angesicht der Niederlage auf Zeit, da sie ein Auseinanderfallen der gegnerischen Kriegskoalition erwartete. Der Start der Ardennenoffensive sollte daher vor allem Zeitgewinn bringen und der Wehrmacht wieder die Initiative geben. Voraussetzung war schlechtes Wetter, das die feindliche Luftwaffe behinderte. Die Vorbereitungen dauerten infolge der Nachschubschwierigkeiten bis Dezember '44. Am 16. Dezember trat die Wehrmacht zum Angriff an und konnte zunächst beachtliche Erfolge erzielen. Die 7. Armee unter Erich Brandenberger stieß südlich von Bastogne nach Martelange und Celles vor. Sie unterstützte dabei die 5. Panzerarmee, deren Vormarsch am 21. Dezember ohne Treibstoff in Celles zum Erliegen kam. Von Süden stieß Pattons 3. US-Armee dann jedoch in die Flanke der 7. Armee. Sie erlitt schwere Verluste, konnte sich aber wieder auf die Reichsgrenze zurückziehen. Der deutsche Angriff war damit gescheitert: die deutschen Verluste betrugen unersetzliche 90.000 Mann, der wiederaufgefrischte Stamm der Panzerwaffe war geopfert, 60% des Führungspersonals der Jagdwaffe gefallen und wichtige Munitions- und Treibstoffreserven verbraucht.
Endkampf im Reich
Während die
21st Army Group (
Montgomery) auf den Rhein bei
Düsseldorf und
Emmerich vorging, trieb die
12th Army Group (Bradley) einen Keil bis
Köln vor. Gleichzeitig stieß die 3. US-Armee nach heftigen Kämpfen mit der 7. Armee im Raum
Trier gegen
Koblenz vor, bevor sie in Verfolgung der 7. Armee nach
Mainz und
Mannheim umschwenkte. Die
Heeresgruppen H (
Blaskowitz) und
G (Hausser) konnten kaum den Zusammenhalt mit der Heeresgruppe B (Model) halten. Die Brücke von
Remagen fiel unzerstört in die Hände der
Alliierten, da die Zündsätze versagten. Am nächsten Tag fiel
Bonn: Model musste Köln aufgeben, das er eigentlich verteidigen wollte. Neben dem Brückenkopf von Remagen besaßen die Alliierten einen zweiten Brückenkopf bei
Oppenheim, den Patton erobert hatte: die Ausgangsstellungen für den Angriff auf das
Ruhrgebiet. Am
13. März 1945 überschritten die alliierten Truppen beiderseits
Wesels den Strom und vollendeten am
25. März die beiderseitige Umfassung des Ruhrgebietes. Während die anderen Teile der Heeresgruppe B im
Ruhrkessel eingeschlossen wurden, entwich die 7. Armee vor der 3. US-Armee nach Osten. Bis Kriegsende lieferte sie sich mit dieser ständige Rückzugsgefechte zunächst zwischen
Main und
Lahn, dann im Raum
Spessart –
Fulda –
Gotha über den
Thüringer Wald hinweg bis in den Raum
Leipzig –
Hof. Am
4. Mai unterzeichnete die
Dönitz-Regierung im Hauptquartier von Marschall Montgomery in der
Lüneburger Heide die bedingungslose Kapitulation der deutschen Westfront. Damit endete auch der Kampf der 7. Armee.
Kommandeure
Literatur
- Dahms, Hellmuth G., Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, München/Berlin 1983. ISBN 3-7766-1291-6
- Schmitz, Peter/Thies, Klaus-Jürgen, Die Truppenkennzeichen der Verbände und Einheiten der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS und ihre Einsätze im Zweiten Weltkrieg 1939-1945. Band 1: Das Heer, Osnabrück 1987. ISBN 3-7648-1498-5
- Young, Peter, Der große Atlas zum Zweiten Weltkrieg, München 1974. ISBN 3-517-00473-1
Militärischer Verband (3. Reich)
German Seventh Army