Als deutsch-türkische Literatur oder türkisch-deutsche Literatur wird in erster Linie die Literatur von aus der türkischen Einwanderergruppe in deutschsprachigen Ländern und deren Nachkommen hervorgegangenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern bezeichnet. Sie wird unter die multikulturellen Literaturen subsummiert, aber auch unter die betreffenden Nationalliteraturen.
Eine alternative Definition des Begriffs, die in besonderem Maße auf die jüngeren Veröffentlichungen zutrifft, ist die Beschreibung der deutsch-türkischen Literatur als Literatur einer deutsch-türkischen Kultursynthese.
Ab den frühen 80er Jahren stiegen die deutschsprachigen Veröffentlichungen türkischstämmiger Autoren (zum Teil bereits aus der zweiten Generation) stark an, nicht unwesentlich unterstützt durch einen literarischen Wettbewerb des Münchner Institut für Deutsch als Fremdsprache (1979 ff.): für diesen produzierte "Berichte, Erzählungen, Gedichte" erschienen bald in zahlreichen Anthologien mit Titeln wie In zwei Sprachen leben (1983) oder Türken deutscher Sprache (1984).
Der Schwerpunkt deutsch-türkischer Literaturthemen lag jedoch in den 70er und frühen 80er Jahren weiterhin auf Problemen der Integration, Fremdheit im neuen Lebensumfeld und Sehnsucht nach der türkischen Heimat, wobei im besonderen Maße die Arbeitssituatuion des Migranten literarisch bearbeitet wurde. Selbst bereits in der Türkei literarisch stark in Erscheinung getretene Schriftsteller wie Fakir Baykurt begannen nach ihrer Emigration damit, sich in ihrem türkisch- oder deutschsprachigen Werk vorwiegend mit dem Alltag türkischer Arbeitsmigranten zu befassen.
Arnold Rothe weist Anfang der 90er Jahre darauf hin, dass es sich dennoch keinesfalls um
Trotzdem bemängelt der Romanist zu diesem Zeitpunkt noch, die "türkisch-deutsche Literatur (sei) maßgeblich aus persönlicher Betroffenheit erwachsen".
Inzwischen gibt es innerhalb der deutsch-türkischen Literatur deutschsprachige Veröffentlichungen jeder Art und jeden Inhaltes. Die meisten stammen heute entweder von im deutschen Sprachraum oder von im deutschen Sprachraum und in der Türkei aufgewachsenen Autoren. Die Arbeiten vornehmlich dieser jüngeren Generation sind geprägt von einer deutsch-türkischen Sichtweise der Schreibenden, beschäftigen sich jedoch mit Inhalten, die meist nichts mit ihrer Bikulturalität zu tun haben, sondern benutzen diese nur als mehr oder weniger selbstverständlichen Background. Dabei sind bzw. waren sie in so verschiedenen Bereichen wie Hochliteratur und Theaterliteratur - z.B. Feridun Zaimoğlu, Kriminalroman - wie Akif Pirinçci, Film- und Fernsehdrehbuch - Fatih Akın oder Bora Dagtekin, Satire und Kinder- und Jugendbuch (Kemal Kurt) erfolgreich. Eine Expertisenankündigung der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg terminiert den Beginn dieser bislang jüngsten Phase in der noch kurzen Geschichte der deutschsprachigen Literatur von Autorinnen und Autoren türkischer Herkunft zeitlich etwa "gegen Ende der 90er Jahre", als sich
Ihre nicht selten kritische Beschäftigung damit, wie "kulturelle Identität sozial und also kommunikativ konstruiert wird" (Edgar Landgraf), wird als besonderer Vorzug der multikulturellen Literatur gesehen.
Inzwischen werde deutsch-türkische Literatur jedoch nicht mehr deshalb gelesen,
, sondern man interessiere sich vielmehr für den "ganz ungewohnten Blick auf (die eigene) Realität".
Nachdem zunächst nicht wenige deutsch-türkische Autoren kaum über eine Buchveröffentlichung hinaus kamen, geschweige denn als freie Schriftsteller arbeiten konnten (Aras Ören, Akif Pirinçci und - wenn man sie trotz ihrer nur eine Dekade währenden Teilnahme am deutschen Literaturbetrieb dazurechnen möchte - Aysel Özakin blieben lange Zeit die einzigen, denen dies gelang), ist seit den 90er Jahren ein wachsendes Interesse an deutsch-türkischer Literatur generell nicht nur von seiten der Literaturwissenschaft, sondern auch bei der Leserschaft zu bemerken.
Auf der anderen Seite sehen einige Literaturwissenschaftler, auch Sargut Sölcün, besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die innerhalb weiter Teile des Lesepublikums eine gewisse allgemeine Angst vor muslimischen Fundamentalismus ausgelöst haben, dennoch auch Probleme der Akzeptanz dieser Literatur im deutschen Literaturbetrieb. Die Tatsache, dass literarisch fragwürdige Erlebnisberichte unterdrückter deutsch-türkischer Frauen beim Publikum oft besser anzukommen scheinen und auch in der deutschen Medienwelt präsenter sind, als die zahlreichen hochwertigeren deutsch-türkische Literaturerzeugnisse, scheint diese These zu belegen.
Außer im Formalen – die Schriftsteller, die in der Muttersprache blieben, bedienten sich z. B. natürlich von Beginn an auch der längeren Form – ist diese Literatur nicht losgelöst von der deutschsprachigen „Zwillingsschwester“ zu betrachten, kann man ihre stoffliche Entwicklung auch als weitgehend analog bezeichnen. Zudem konzipiert heute auch eine Anzahl von Schriftstellern ihre Werke im Wesentlichen für die Veröffentlichung in deutscher Übersetzung.
, so die Literaturwissenschaftlerin Mediha Göbenli in ihrer Untersuchung "Migrantenliteratur" im Vergleich: Die deutsch-türkische und die indo-englische Literatur (2006).
Der deutsche Literaturbetrieb wurde erstmals in größerem Maße auf das Phänomen einer deutsch-türkischen Literatur aufmerksam, als der Berliner Autor Aras Ören, der seit 1969 in Deutschland arbeitete, sein umfangreiches Poem Was will Niyazi in der Naunystraße? (1973) in deutscher Übersetzung im linksorientierten Rotbuch-Verlag veröffentlichte.
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