Destruktivität (von niederreißen oder zerstören) beschreibt die zerstörerische Eigenschaft von Dingen bzw. zerstörerische Geisteshaltung oder Verhalten von Menschen und ist das Gegenteil von Konstruktivität bzw. (seltener) Produktivität.
Man spricht auch von destruktiv sein. Die Bezeichnung "destruktiv" wird dabei ähnlich oder als Steigerung von "negativ" benutzt.
In der Subkultur des Punk stellt sich das "dagegen Sein" als Lebenseinstellung dar.
Dieser destruktive Aspekt wird in Folge der Betonung der Produktivität der Arbeit in Volkswirtschaftslehre und Soziologie seit dem Aufkommen des Kapitalismus sowohl im Liberalismus als auch im Sozialismus meist verdeckt oder als dysfunktional eingeordnet, also nicht in seiner umfassenden Wirksamkeit behandelt. Doch ist z. B. Schumpeters Konzept der "schöpferischen Zerstörung" als Kennzeichnung des Unternehmers ähnlich fundiert.
Die Destruktion kann sogar Hauptzweck der Arbeit sein (z. B. die Munitionsfabrikation), auch der Soldat ist dem entsprechend ein Arbeiter (beispielsweise analog zu Karl Marx als - negativer - Proletarier bezeichnet), nur kann seine Arbeit destruktiver sein als z.B. die eines Bergmanns. Doch wird gleichzeitig auch hier etwas produziert (z. B. kann eine Armee Sicherheit schaffen).
Aus dieser Sichtweise heraus kann industriesoziologisch (ohne dass dies eine allgemeingültige Wertung darstellt) Serien- und Massenproduktion in einem Industriebetrieb strukturanalytisch in Beziehung zur "Serien-" und "Massendestruktion" im Krieg gesetzt werden (z. B. in Gestalt von Raketenbatterien als Fabrik, aber auch von Schlacht- und Luftflotten, die insoweit wie mobile Industriebetriebe aufgefasst werden). Ashworth hat dies strukturfunktionalistisch an der Auswirkung der maschinellen (artilleristischen) Massentötung beim Grabenkrieg (in, engl.: Trench warfare) an der Westfront im Ersten Weltkrieg ab Herbst 1914 untersucht.
Auch im kriminellen Milieu - also bei der "Spitzbubenarbeit" (nach Riehl) - überwiegen die destruktiven die konstruktiven Züge, obwohl z. B. Taschendiebe, die von Messe zu Messe reisen, ihre Arbeit durchaus wie einen Beruf auffassen und ein 'normales' Familienleben führen, wie etwa ein Handelsvertreter (vgl. The professional thief von Sutherland).
"Destruktive Arbeit" wird begrifflich streng (unabhängig von möglichen Überlappungen bei tatsächlichen Zerstörungen) von "vernichtender Tätigkeit" unterschieden. Beispiele für letztere reichen vom Alltag bis zum Serien- und Massenmord an den Insassen von Vernichtungslagern (KZs). Empirisch wird der Unterschied (z. B. freizeitsoziologisch) anhand der Bräuche der Genugtuung untersucht, die nach einer abgeschlossenen "destruktiven Arbeit" bzw. anders nach einer abgeschlossenen "vernichtenden Tätigkeit" beobachtbar werden.
Literatur: Lars Clausen, Produktive Arbeit, destruktive Arbeit, Berlin/New York (de Gruyter) 1988, ISBN 3110118149
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