Derroll Adams (* 27. November 1925 in Portland (Oregon), USA; † 6. Februar 2000 in Antwerpen, eigentlich Derroll Lewis Thompson, war ein US-amerikanischer Folksänger, der den größten Teil seines Lebens in Europa verbrachte und zahlreiche, vor allem europäische Folk-Musiker inspirierte.
Von 1945 bis 1950 studierte Adams Kunst am Reed College in Portland. Zu seinem 20. Geburtstag erhielt er von seiner Mutter ein Five String Banjo zum Geschenk, das Instrument, das er später als „sein Schicksal“ bezeichnete. 1946 heiratete er seine zweite Frau, Lorene, mit der er die Kinder Mark und Deborah hatte. Er lernte das Banjospiel als Autodidakt (angeblich soll ihm Pete Seeger gezeigt haben, wie man das Instrument stimmt), begann sich mit Yoga und Zen zu beschäftigen und engagierte sich politisch für die Progressive Party und ihren Präsidentschaftskandidaten Henry Wallace. Aufgrund seiner politisch linksgerichteten und pazifistischen Einstellung litt Adams schwer unter der antikommunistischen Hexenjagd-Atmosphäre der McCarthy-Ära.
Nach Abschluss seines Studiums schlug Adams sich mit Gelegenheitsjobs als Taxi- und Lastwagenfahrer, Schaufensterdekorateur und Radioansager durch, trennte sich von seiner zweiten Frau und zog mit der Malerin Elizabeth nach Kalifornien. Dort lernte er Folkgrößen wie Woody Guthrie und Odetta kennen und begegnete dem Gitarristen und Sänger Ramblin' Jack Elliott, mit dem er ein Duo bildete. 1955 verließ Adams Elizabeth und die beiden gemeinsamen Kinder Gregorio und Tamara. 1956 ging Jack Elliott nach London. Er lud Adams ein, ihm zu folgen und bezahlte dem völlig mittellosen Freund die Schiffspassage. Im Februar 1957 traf Adams in London ein und wohnte mit Elliott und dessen Frau June zusammen. Gemeinsam mit Elliott trat er zunächst unter dem Namen „The Ramblin' Boys" und dann als „The Cowboys“ als Straßenmusiker und in Klubs auf, zuerst in London, dann in Frankreich und Italien, und machte erste Schallplattenaufnahmen (für Topic in London und für Joker in Italien). In Paris lernte Adams seine vierte Frau Isabelle kennen, die er 1958 in Brüssel heiratete und mit der er die Kinder Vincent und Catherine hatte. Sie arbeiteten gemeinsam als freiberufliche Schaufensterdekorateure. Während der Brüsseler Weltausstellung 1958 spielten „The Cowboys“ im amerikanischen Pavillon.
1959 ging Elliott in die USA zurück, während Adams in Europa blieb und auf Folk-Festivals, in Klubs und als Straßenmusiker spielte. Seine charismatische Persönlichkeit machte ihn zu einer der maßgeblichen Figuren für das europäische Folk-Revival der 60er. Zu seinem Repertoire gehörten neben selbstgeschriebenen Liedern viele Klassiker der amerikanischen Folk Music, etwa von Woody Guthrie, Pete Seeger und der Carter Family. Adams wurde zum Vorbild und Mentor zahlreicher junger Musiker, darunter Arlo Guthrie, Ralph McTell und Donovan, den er 1965 in London kennen lernte und unter seine Fittiche nahm. In Don Alan Pennebakers Dokumentarfilm „Don't Look Back“ über Bob Dylans erste Englandtournee ist Adams zu sehen, wie er Donovan mit Bob Dylan bekanntmacht. Donovan schreibt Adams großen Einfluss auf seine Spieltechnik zu. Interview in der Zeitschrift Frets, Herbst 2005 In Deutschland wurde Adams durch seinen Auftritt bei den Essener Songtagen 1968 bekannt. Seine langjährige schwere Alkoholabhängigkeit, die ihn fast das Leben gekostet hätte und die er in seinem Lied 24 Hours A Day beschrieb, überwand Adams erst zu Beginn der 70er Jahre mit Hilfe seiner Frau Danny Adams-Levy, die er 1970 geheiratet hatte und mit der er bis zu seinem Tod zusammenblieb. Mit ihr ließ er sich in Antwerpen nieder, wo 1973 die Tochter Rebecca zur Welt kam. 1976 begleitete er Donovan auf einer US-Tournee; es war sein letzter Aufenthalt in Amerika. Seit 1976 war er regelmäßiger Gast beim Tønder Folk Festival in Dänemark. Bis zum Ende der 80er Jahre hatte Adams zahllose Auftritte sowohl in kleinen Klubs als auch bei großen Konzerten und Festivals. 1990 organisierten seine Freunde aus Anlass seines 65. Geburtstages für ihn ein großes Konzert in Kortrijk, an dem auch Jack Elliott teilnahm. Gemeinsam mit ihm unternahm Adams im Sommer 1991 noch einmal eine Tournee durch Holland und Belgien. Sein letzter Auftritt in Deutschland war 1991 beim Tanz&FolkFest in Rudolstadt. Danach zwang ihn seine nachlassende Gesundheit zum weitgehenden Verzicht auf öffentliche Auftritte. In den letzten Jahren widmete er sich hauptsächlich wieder der Malerei. Zum letzten Mal stand er im August 1999 beim Tønder Folk Festival auf der Bühne. Adams starb an Speiseröhrenkrebs, an dem er seit mehreren Jahren gelitten hatte.
Wegen dieser Ruhe und Konzentration auf das Wesentliche in Wort und Musik, aber auch wegen seiner Beschäftigung mit fernöstlicher Philosophie, wie sie z. B. in The Mountain deutlich anklingt, wurde Adams gelegentlich mit einem Zen-Mönch verglichen.
Von seinen eigenen Liedern erlangte die 1957 in Erinnerung an den Koreakrieg geschriebene, ebenso wortkarge wie eindringliche Antikriegs-Ballade Portland Town die größte Bekanntheit, unter anderem durch Joan Baez zur Zeit des Vietnamkriegs.
Folksänger | US-Amerikaner | Geboren 1925 | Gestorben 2000 | Mann
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