„Der große Diktator“ ist ein amerikanischer Film. Charles Chaplin präsentiert dem Publikum mit „Der große Diktator“ eine beißende Satire auf Adolf Hitler und den deutschen Nationalsozialismus. Die Uraufführung fand am 15. Oktober 1940 statt.
Handlung des Films
Diktator Adenoid Hynkel (Charles Chaplin) herrscht im fiktiven Staat Tomania und bereitet hinter dem Rücken von Bacterias Herrscher Napoloni (Jack Oakie) die Invasion des Nachbarlandes Austerlich vor. Mit seinen Sturmtruppen terrorisiert Hynkel das von
Juden und Andersdenkenden bewohnte
Ghetto. Auch ein Friseur (Charles Chaplin) und seine Geliebte Hannah (Paulette Goddard) werden bedroht, jedoch erkennt Schultz, der Kommandeur der Sturmtruppen im Friseur den Soldaten wieder, der ihm in einem vorhergegangenen Krieg das Leben rettete. Schultz sorgt dafür, dass das Ghetto trotz Hynkels Hasstiraden gegen die Juden weitestgehend von Übergriffen verschont wird. Als Hynkel das Geld für die Aufrüstung ausgeht, stellt er vorübergehend die Unterdrückung der Juden ein, um vom jüdischen Bankier Epstein einen Kredit zu erhalten. Als dieser ihm dennoch den Kredit verweigert, erklärt der Diktator die Juden wieder zu seinen Feinden. Kommandeur Schultz tritt gegen diesen Entschluss ein und wird deshalb von Hynkel in ein
Konzentrationslager eingewiesen. Schulz kann jedoch bei einem Freund im Ghetto untertauchen. Der Diktator geht unterdessen ein Bündnis mit Bacteria und Napoloni ein, welches ihn vor einer Intervention von Seiten Napolonis im Falle der Besetzung Austerlichs schützen soll. Die Bewohner des Ghettos planen ein Attentat auf Hynkel, aber keiner ist bereit, sein Leben für die Freiheit zu riskieren. Bei einer Razzia werden Schultz und der Friseur entdeckt und ins KZ gebracht. Ihnen gelingt die Flucht. Beide tragen Uniform, aufgrund der Ähnlichkeit des Friseurs mit Hynkel kommt es zu einer Verwechslung. Der echte Hynkel, der sich zufällig bei einer Jagd in der Nähe „entspannt“, wird eingesperrt und der Friseur hält an seiner Stelle die Rede vor dem Volk des gerade besetzten Austerlich, in der der Friseur seine Chance nutzt und an Menschlichkeit und Weltfrieden appelliert.
Satirische Entsprechungen
Im Rahmen seiner
Satire auf die NS-Herrschaft verfremdet Chaplin die Namen der Staaten und der beteiligten Politiker. Der
Rassengedanke der NS-Ideologie bleib jedoch, weshalb auch im Film die Begriffe "
Jude" und "
Arier" auftauchten. Auch die Begriffe "
Ghetto" und "
Konzentrationslager" wurden nicht verfremdet.
Die Entsprechungen der satirisch verfremdeten Namen:
Sprache:
Hynkels Reden werden auf Tomanisch gehalten. Tomanisch ist eine vollkommen unverständliche Sprache,die sich teils aus englisch, teils aus deutsch zusammensetzt, doch der aggressive Tonfall, Mimik und Gestik lassen auf den brutalen Inhalt der Nachricht schließen. Ein Running Gag ist das immer häufigere Auftreten zweier tatsächlicher deutscher Wörter: "Schnitzel" und "Sauerkraut". Gern wird behauptet, dies seien die einzigen deutschen Wörter, die Chaplin bekannt gewesen waren.
Hingegen sind die Schilder und Ladenbeschriftungen im Ghetto allerdings in Esperanto verfasst.
Reaktionen
- Chaplins Werk leistet einen Beitrag zur inneramerikanischen Debatte um den Kriegseintritt der USA. Die „New York Times“ spricht von dem „vielleicht wichtigsten Film, der je hervorgebracht wurde“. Die Blätter des Pressezaren William Randolph Hearst beschuldigen Chaplin der Kriegshetze. In Chicago wagt aufgrund des hohen Anteils Deutschstämmiger kein Kino die Aufführung des Films, der langfristig aber das finanziell erfolgreichste Projekt Chaplins ist.
- Eine negativ herübergekommene Szene im Film ist die Stelle, in der KZ-Häftlinge im Konzentrationslager marschieren. Dies wird überzogen lächerlich dargestellt. Charles Chaplin entschuldigte sich später für diese Szene. Er habe nicht gewusst, wie schrecklich es im KZ wirklich war.
- Der Große Diktator wurde für 5 Oscars in den Kategorien „Bester Film“, „Bestes Originaldrehbuch“ (Chaplin), „Bester Hauptdarsteller“ (Chaplin), „Beste Originialmusik“ (Meredith Willson) und „Bester Nebendarsteller“ (Jack Oakie) nominiert, ging bei der Preisverleihung aber leer aus.
- Der Film ist ein sehr mutiger Schritt, wenn man bedenkt zu welcher Zeit er gedreht wurde. Chaplin und die Crew hatten die Situation in Deutschland schon damals sehr gut durchschaut.
Literatur
- Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens. Frankfurt am Main 1964: Fischer.
- Charlie Chaplin: Die Wurzeln meiner Komik. In: Jüdische Allgemeine Wochenzeitung, 3.3.67, gekürzt: wieder ebd. 12.4. 2006, S. 54
- S. Frind: Die Sprache als Propagandainstrument des Nationalsozialismus. In: Muttersprache, 76. Jg., 1966, S. 129-135.
- Victor Klemperer: LTI - Notizbuch eines Philologen. Leipzig 1996: Reclam.
Siehe auch
Weblinks
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