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Der eiskalte Engel (Le Samouraï) ist ein französischer Kriminalthriller von 1967. Regie führte Jean-Pierre Melville. Die Hauptrolle spielte Alain Delon.

Handlung


„Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, außer vielleicht der eines Tigers im Dschungel.“ Mit diesem fiktiven Zitat aus den Büchern des Bushidō begegnet der Zuschauere Jef Costello Alain Delon, der einsam in seinem spärlich möblierten Apartement liegt. Fast mechanisch kleidet er sich an, verabschiedet sich von seinem Zimmergenossen, einem Kanariervogel, knackt auf der Straße ein Auto und fährt zu einer abgelegenen Garage. Dort lässt er von einem Komplizen die Nummernschilder austauschen und nimmt eine Pistole in Empfang.

Nachdem er sich bei seiner Freundin ein Alibi verschafft hat, geht er in einen Nachtklub und erschießt den Barbesitzer. Dabei wird er von der Pianistin Valerie überrascht, die ihn jedoch wortlos flüchten lässt.

Er wird jedoch von mehreren Gästen erkannt und so kommt es zu einer polizeilichen Gegenüberstellung. Da sich aber nicht alle Zeugen sicher sind, in ihm den Mörder zu erkennen, die Pianistin Valérie offensichtlich leugnet, ihn zu erkennen und das Alibi seiner Freundin stichhaltig scheint, kann der Kommissar ihn nicht festhalten. Da er Costello nicht glaubt, lässt er diesen überwachen.

Durch das Verhör bei der Polizei vertrauen auch die Auftragsgeber des Mordes nicht mehr und versuchen ihn zu ermorden: Costello gerät zwischen die Fronten. Da ihm die Motivation der Pianistin ihn zu verleugnen unklar bleibt, sucht er diese auf und stellt sie zu Rede. Costello verliebt sich in die schöne Valérie.

In seinem Apartement wird er von einem Killer seiner Auftraggeber überrascht, diese wollen ihm eine weitere Chance geben und bezahlen ihn für einen weiteren Mord. Costello soll die Pianistin töten. Mit ungeladener Pistole nähert er sich in dem gut besuchten Nachtclub der Bühne. Er richtet diese auf sie, wohlwissend dass er von der Polizei überwacht wird. Diese erfüllen dem lebensmüden Killer seinen Wunsch und erschießen ihn.

Hintergründe/Trivia


Der eiskalte Engel zählt unter Filmkritikern und Filmemacher als das unbestrittenes Meisterwerk von Melville und beeinflusst bis heute eine Vielzahl von Regisseuren. So beziehen und zitieren sich Michael Mann, Martin Scorsese und David Fincher auf ihn, Quentin Tarantino hat in zahllosen Interviews Melvilles Namen wieder ins Gespräch gebracht und für John Woo ist der eiskalte Engel stilprägend und Melville bezeichnet er als „seinen Gott“.

Melville hat sich durch seine unverwechselbare Handschrift, die durch eine prägnanten visuellen Stil gekennzeichnet ist, im Frankreich der sechziger Jahre einen Namen gemacht. Er ist der einzige französische Regisseur, der unabhängig in seinem eigenen Studio arbeiten kann und der bereits mit allen großen französischen Stars gedreht hat. Nur zu einer Zusammenarbeit mit Alain Delon ist es bisher nicht gekommen. Delon konzentriert sich auf seine Karriere in Amerika und hat 1966 weder Interesse am französischen Film, noch an dem hauptsächlich durch Kriminalstorys an den Kinokassen erfolgreichen Regisseur Melville. Melville gelingt es jedoch, sich bei Delon einen Termin zu verschaffen, um ihn zur Rolle des Killers zu überzeugen. Er beginnt ihm das Drehbuch vorzulesen. Nach zehn Minuten unterbricht ihn Delon mit den Worten „Die Geschichte hat ja bis jetzt keinen einzigen Dialog. Ich mache es.“ Als Melville ihm dann noch den Titel des Films nennt, der im Orginal Le Samouraï, also der Samurai heißt, bittet Delon ihn in sein Schlafzimmer und zeigt ihm ein großes Samuraischwert, das direkt über dem Bett hängt. Vielleicht ist es dieser persönliche Bezug, den Delons Spiel, dass sich während des Films tatsächlich auf nur sehr wenige Dialogszenen beschränkt, zu einer seiner herausragendsten Darstellungen in seiner Karriere macht.

Neben dem finanziellen Erfolg, der filmhistorischen Bedeutung und dem großen Einfluss auf Generationen von Filmemachern gibt es noch eine Reihe weitere Anektdoten, die eine Erwähnung wert sind. So besetze Melville für die Rolle von Costellos Geliebte Delons damalige Frau Nathalie Delon. Die Ehe war jedoch schon in den Brüchen und so ist die Abschiedsszene in der der bisher stoisch, fast apathisch blickende eiskalte Engel in einer Umarmung mit Nathalie das erste mal die Augen schließt, auch als Abschiedsgeste für das Ehepaar zu lesen. Nach Melvilles Erzählungen trennte sich das Paar noch am selben Abend.

Ein weiterer Freund Melvilles verabschiedet sich in Der eiskalte Engel, der Schauspieler Andé Garret, der die Rolle von Costellos Komplizen in der Autowerkstatt spielt. Garret, zur Drehzeit bereits todkrank, verabschiedet sich in der letzten Garagenszene mit den Worten „Ich warne dich, Jeff, das ist das letzte Mal“ von seinem Publikum. Deren Schicksalschläge nicht genug brennt Melvilles Studio unmittelbar nach den Dreharbeiten komplett ab. Neben dem erheblichen finanziellen Verlust, von dem Melville sich in den folgenden Jahren schwerlich erholt, ist ein weiteres Opfer zu beklagen: Costellos Kanarienvogel verbrennt in den Flammen.

Für Melville leidet Costello an Schizophrenie. Der Regisseur beschäftigte sich in der Vorbereitung ausführlich mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie. Costellos Apathie, seine fast ausdruckslose Mimik und seine scheinbare emotionale Kühle sind Indizien für seine krankhaften Handlungsweisen. Melville beschränkt sich jedoch auf minimale Hinweise, so soll der leichte Vertigo Effekt in der Anfangstotalen, in der Costello rauchend in seinem Bett liegt, verdeutlichen, dass mit dem Helden etwas nicht stimmt. In den folgenden Einstellungen, in denen Costello ein Auto klaut, wird er durch die verregneten Fenster des Autos gezeigt. Costello betrachtet die Welt durch einen Schleier, auch das Lächeln einer vorbeifahrenden Schönen ignoriert er reaktionslos.

Die Figur der Pianistin Valérie verkörpert für Melville den Tod. Costello verliebt sich in sie, d.h., er legt sich freiwillig in die Arme des Todes. In dem ursprünglichen Ende des Films lächelt Castello, als er von den Polizisten erschossen wird. Doch Delon teilte Melville mit, dass es bereits einen Film gäbe, in dem er mit einem Lächeln stirbt. So wurde ein alternatives Ende gedreht, mit dem der Film jetzt auch aufhört. Der eiskalte Engel stirbt mit stoischem Gesichtsausdruck.

Weblinks


Filmtitel | Filmtitel 1967 | Französischer Film | Kriminalfilm

Le Samouraï | Le Samouraï | Samuraj (film) | Самурай (фильм)

 

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