Der dritte Mann (Originaltitel: The Third Man) ist ein britischer Spielfilm von Carol Reed aus dem Jahr 1949. Er war eine weitere Zusammenarbeit Reeds mit dem Schriftsteller Graham Greene, der dafür eine Erzählung schrieb, nach der er danach zusammen mit Reed ein Drehbuch entwickelte. Später arbeitete Greene den Stoff zu dem Roman Der dritte Mann aus, der 1950 erschien. Für den Film wurden lediglich einige Szenen leicht anders gefasst, die Geschichte blieb im Grundsatz unverändert. Der "alberne Vorname" (Greene) Rollo wurde für den Film durch das amerikanischere Holly ersetzt, sowie auch bei einigen Nebenfiguren Details an die Schauspieler angepasst wurden. Die Hauptrollen sind mit Joseph Cotten und Orson Welles besetzt.
Berühmt wurde dieser Film durch die von Anton Karas komponierte und auf der Zither gespielte Musik, ein Einfall, der laut Greene alleine auf Reed zurückgeht. Außerdem ist der Film für seine ungewöhnlichen Kameraperspektiven bekannt, für die Robert Krasker einen Oscar erhielt.
Der Autor Holly Martins wird von seinem Freund Harry Lime nach Wien eingeladen. Als Martins ankommt, erfährt er, dass Lime bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei. Er beginnt mit eigenen Recherchen, wobei ihm bald auffällt, dass fast alle am Unfall Beteiligten Bekannte von Harry Lime waren. Lediglich ein Anwohner hat vom Geschehen etwas mitbekommen, berichtet arglos von einem „dritten Mann“, einem der Polizei nicht bekannten weiteren Beteiligten an dem Unfall, und dieser wird daraufhin ermordet.
Bei seinen Nachforschungen trifft Martins auch mit Anna Schmidt zusammen, Limes Lebensgefährtin, die sich als Schauspielerin durchschlägt. Martins verliebt sich in sie, doch sie kann Harry Lime nicht vergessen. Da sie in Wirklichkeit aus der Tschechoslowakei (im Buch: Ungarn) kommt, und mit gefälschten Papieren in Wien lebt, ist die sowjetische Besatzungsmacht hinter ihr her.
Als Martins nachts verfolgt wird, muss er feststellen, dass sein Verfolger der tot geglaubte Harry Lime ist. Calloway weiht ihn daraufhin in die Verbrechen ein, die Lime zur Last gelegt werden: Handel mit gestohlenem Penicillin, das zur Erhöhung der Gewinnspanne gestreckt und damit nicht nur unbrauchbar wird, sondern zum Beispiel zu Missbildungen bei Kindern führt - ein Besuch in einer Kinderklinik mit solchen Fällen verfehlt bei Martins nicht seinen Zweck.
Martins stellt sich der Polizei als Lockvogel zur Verfügung, um seinen Freund aus dem russisch besetzten Teil Wiens, wo er sich üblicherweise aufhält, in die Zonen der Westmächte zu locken. Eine Verabredung in einem Kaffeehaus folgt, sowie eine Verfolgungsjagd durch das weitverzweigte (und alle vier Sektoren Wiens umfassende) Kanalsystem, bei der Lime angeschossen und, gefangen in einem Ausstiegsschacht, von Martins erschossen wird.
In einer langen Einstellung am Schluss sieht man, wie Anna gleichgültig an Martins vorbeigeht - ganz im Unterschied zum Buch, wo sie am Schluss Arm in Arm zusammen weggehen.
Wie Greene im Vorwort zu seinem Roman Der dritte Mann schreibt, wurde er „nicht geschrieben, um gelesen zu werden, sondern um gesehen zu werden“. Alexander Korda fragte bei Greene an, ob er für Carol Reed nach dem gemeinsamen Kleines Herz in Not ein Drehbuch schreiben könne, und Greene hatte im Moment nur einen ersten Absatz anzubieten, den er Jahre zuvor auf einem Briefumschlag notiert hatte: "Vor einer Woche hatte ich Abschied von Harry genommen, als sein Sarg in die im Februarfrost erstarrte Erde hinabgelassen wurde. Ich traute also meinen Augen nicht, als ich ihn in London im Menschengewühl des „Strand“ ohne ein Zeichen des Wiedererkennens an mir vorübereilen sah." Korda akzeptierte die Idee, bat lediglich um die Verlegung ins Wien der Nachkriegszeit unter der Regierung der vier Siegermächte.
Greenes Arbeitsweise verlangte es, dass ein Stoff erst einmal als Erzählung ausgearbeitet werden musste, bevor er ein Drehbuch daraus fertigen konnte. Auf dieser Grundlage erstellte er dann gemeinsam und ausschließlich mit Carol Reed das Filmdrehbuch. Greene: "„Der dritte Mann“ jedoch sollte nie mehr sein als das Rohmaterial zu einem Film. Dem Leser werden zahlreiche Abweichungen der Geschichte vom Film auffallen, er darf aber nicht glauben, dass diese Umwandlungen einem widerstrebenden Autor aufgezwungen wurden; sie können genausogut von diesem Autor selbst vorgeschlagen worden sein. Und der Film ist tatsächlich besser als die ursprüngliche Erzählung, weil er in diesem besonderen Fall die endgültige Fassung der Erzählung darstellt."
Während der Dreharbeiten in Wien trugen alle beteiligten Uniformträger schnittmäßig richtige Kleidung, die jedoch in bunten Farben gehalten waren. Da der Film in Schwarzweiß gedreht wurde, ist das nicht zu erkennen, aber echte Uniformen konnten aufgrund des Besatzungstatus nicht verwendet werden.
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