Der Rosenkavalier. Komödie für Musik (op.59) ist eine komische Oper in drei Aufzügen, die am 26. Januar 1911 in der Dresdener Semperoper (Königliches Opernhaus) uraufgeführt wurde. Die Musik stammt von dem deutschen Komponisten Richard Strauss, das Libretto von dem österreichischen Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal.
Der erste Aufzug beginnt mit einer pikanten Szene zwischen Octavian und der Feldmarschallin, deren viel jüngerer Geliebter er ist. Das Liebesspiel zwischen „Quinquin“ und der Marschallin endet abrupt, als an die Tür ihres Gemachs geklopft wird. Sie befürchtet, ihr Ehemann sei unerwartet angereist; es ist jedoch nur ihr Vetter Baron Ochs. Dieser tritt ein und findet neben der Marschallin den jungen Octavian, der sich in der Eile als Kammerzofe verkleidet hat. Octavian kann sich den Zudringlichkeiten des Barons kaum widersetzen. Robert Sterl Schuch dirigiert Rosenkavalier.jpg: Ernst von Schuch dirigiert den Rosenkavalier (Szene aus dem 1. Akt, Ochs/Notar)]] Der Baron prahlt mit seiner unersättlichen Begierde: „So viel Zeiten das Jahr, soviel Stunden der Tag, da ist keine – (...) wo nicht dem Knaben Kupido ein Geschenkerl abzulisten wäre. (...) Wollt ich könnt sein wie Jupiter selig in tausend Gestalten, wär Verwendung für jede. (...) Das Frauenzimmer hat gar vielerlei Arten, wie es will genommen sein. Da kenn ich mich aus, halten zu Gnaden!“ Er beabsichtigt, die junge Sophie zu heiraten; die Feldmarschallin bietet ihm Octavian – von dessen Gegenwart der Baron nichts ahnt – als Bräutigamsaufführer (der „Rosenkavalier“) an.
Der zweite Akt beginnt im Hause des Herrn von Faninal. Seine Tochter Sophie bereitet sich auf die Ankunft des Rosenkavaliers vor, der ihr zeremoniell eine silberne Rose überbringen soll und damit die Ankunft des Bräutigams ankündigt. Der Rosenkavalier ist Octavian; als er Sophie gegenübersteht, verliebt er sich in sie. „Wer ist denn die? Wie kommt sie denn zu mir? Wer bin denn ich? Wie komm ich denn zu ihr? Wär ich kein Mann, die Sinne möchten mir vergehn.“ – Der Baron tritt auf; sein Benehmen ist rüpelhaft und stößt Sophie, die seine Braut werden soll, eher ab.
Als sich Octavian und Sophie heimlich küssen, werden sie von einem italienischen Intrigantenpärchen verraten. Der Baron ist darüber nicht bekümmert, doch Octavian fordert ihn auf, von Sophie abzulassen. Schließlich verletzt er den Baron mit dem Degen. Sophies Vater greift ein und droht, sie bei weiterer Weigerung, den Baron zu heiraten, auf Lebenszeit ins Kloster zu schicken.
Im dritten Akt stellen Octavian und die Italiener, die das Paar zuvor verraten haben, dem Baron eine Falle. In einem Wirtshaus soll der Baron die hübsche Kammerzofe der Marschallin zum Stelldichein treffen. Deren Ähnlichkeit mit Octavian verwirrt ihn; als dann eine Frau mit vier Kindern auftritt, die, wie sie behauptet, die seinen sein sollen, und der Kommissar der Sittenpolizei gerufen wird, verliert er völlig die Fassung. Schließlich treten Sophie und ihr Vater sowie die Feldmarschallin auf; der Fall wird aufgedeckt und der Baron davongejagt. Der Feldmarschallin bleibt nichts übrig, als Octavian freizugeben (was sie bereits zum Ende des ersten Akts ahnte); dieser und Sophie sind nun frei für die Ehe. Ob sie heiraten werden, bleibt zum Schluss offen; Sophie sagt zuletzt: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, / daß wir zwei beieinander sein / beieinand für alle Zeit / und Ewigkeit“.
Die Figuren sind weniger Charaktere als vielmehr Typen, aufeinander abgestimmt wie die Rollen der italienischen Commedia dell'arte. Anregungen holte sich Hofmannsthal auch von den Komödien Molières. „Die Gestalten waren da und agierten vor uns, noch ehe wir Namen für sie hatten: der Buffo, der Alte, die Junge, die Dame, der 'Cherubin'. (...) Aus dem ewig typischen Verhältnis der Figuren zueinander entsprang die Handlung, fast ohne daß man wußte, wie.“ („Der Rosenkavalier“. Zum Geleit, 1927) „(E)iner braucht den andern, nicht nur auf dieser Welt, sondern sozusagen auch im metaphysischen Sinn. (...) Sie gehören alle zueinander, und was das Beste ist, liegt zwischen ihnen: es ist augenblicklich und ewig, und hier ist Raum für Musik“, schreib Hofmannsthal im Ungeschriebenen Nachwort zum „Rosenkavalier“ (1911). William Hogarth 042.jpgs Gemälde "Morgendlicher Empfang der Comtesse" aus dem Zyklus Mariage à la Mode von 1743/1745 gab die Anregung zum "Lever" der Marschallin im 1. Akt der Oper.]] Hofmannsthal legte auch Wert darauf, dass der Text nicht versuchen wolle, die historische Zeit des Rokoko wieder auferstehen zu lassen; vielmehr sei „mehr von der Vergangenheit in der Gegenwart als man ahnt“ (ebd.) „Dahinter war der geheime Wunsch, ein halb imaginäres, halb reales Ganzes entstehen zu lassen, dies Wien um 1740, eine ganze Stadt mit ihren Ständen, die sich gegeneinander abheben und miteinander mischen, mit ihrem Zeremoniell, ihrer sozialen Stufung, ihrer Sprechweise oder vielmehr ihren nach den Ständen verschiedenen Sprechweisen, mit der geahnten Nähe des großen Hofes über dem allen, mit der immer gefühlten Nähe des Volkselementes“ (Zum Geleit).
Der Rosenkavalier ist also durchaus ein Gegenwartsstück, bezogen auf das Österreich der Zeit um 1910. Es lässt sich als Kritik auf die verkommenen Sitten der Donaumonarchie lesen – der Hofmannsthal selbst aber doch anhing – oder als eine Apologie des heiligen Ehestandes: Im Stück verborgen liegt eine konservative Tendenz, die Verkommenheit des Ehebrechers und Lüstlings zu entlarven und zu demontieren, um am Schluss die Liebe – in der Ehe – triumphieren zu lassen. Der Figur Sophie betet vor der Ankunft des Barons zu Gott: „Die Mutter ist tot und ich bin ganz allein. Für mich selber steh ich ein. Aber die Ehe ist ein heiliger Stand“. Das Verhältnis zwischen Liebesrausch und ehelicher Bindung ist im Stück selbst nicht so eindeutig, wie es den Anschein hat; der junge Octavian trägt auch gewisse Züge des Lüstlings Baron Ochs; Sophie ist keine keusche Braut, sondern lässt sich verführen, obwohl sie zur Ehe versprochen wurde. Ob die Ehe zwischen Sophie und Octavian am Ende tatsächlich geschlossen wird, bleibt offen.
Nach den beiden Tragödien möchte er mit einer beschwingten Musikkomödie seinem größten Vorbild Mozart huldigen. Schon der Plot der Verwechslungskomödie über einen Adligen, der einem Dienstmädchen nachstellt, erinnert an den Figaro. Natürlich bleibt Strauss in seiner Tonsprache, insbesondere durch seine üppige, sinnliche Instrumentation, ein Kind seiner Zeit. Aber der helle, sonnige Charakter der Partitur lässt stets den Geist des Salzburger Meisters durchscheinen.
Hofmannsthal selbst schrieb 1927 ein Geleitwort zum Rosenkavalier, der zu dieser Zeit bereits das erfolgreichste Stück der Zusammenarbeit mit Strauss geworden war. Nach seinen Angaben entstand das Szenarium im März 1909 in Weimar im Gespräch mit seinem Freund Harry Graf Kessler, dem auch die Erstausgabe gewidmet ist. An dieser Widmung zerbrach fast die Freundschaft zwischen Kessler und Hofmannsthal. Kessler, der seinen Anteil an der Entstehung (vermutlich zu Recht) höher einschätzte, als es Hofmannsthal zugeben wollte, bestand auf der Bezeichnung „Mitarbeiter“, während Hofmannsthal in der ersten Fassung ihn nur als „Helfer“ apostrophiert hatte. Hofmannsthal rang sich schließlich zu der Formulierung durch: „Ich widme diese Komödie dem Grafen Harry Keßler, dessen Mitarbeit sie so viel verdankt. H. H.“ Bis heute ist umstritten, in welchem Anteil der Rosenkavalier sich Kessler verdankt.
Richard Strauss gegenüber spielte Hofmannsthal Kesslers Anteil herunter. Nach der Abfassung des Librettos fuhr Hofmannsthal nach Berlin, um Strauss den Plan für eine komische Oper zu unterbreiten. „Sein Zuhören war ein wahrhaft produktives. Ich fühlte, wie er ungeborene Musik an die kaum geborenen Gestalten verteilte.“ (Zum Geleit, 1927). Der Rest der Zusammenarbeit erfolgte in den folgenden zwei Jahren über Briefwechsel; Strauss berichtet am 16. Mai 1910 davon, nun mit der Komposition des dritten Aktes zu beginnen. Die Textfassung war im Juni 1910 fertig; danach arbeitete Hofmannsthal sie stellenweise für die Opernfassung um. Im Januar 1911 konnte es dann an der Dresdener Hofoper aufgeführt werden.
Der Text der Opernfassung unterscheidet sich in einigen Stellen von der ersten Textfassung; er ist kürzer, einiges ist umgestellt und umgeschrieben; Teile wurden auch der Musik zuliebe erweitert. Zwei Entwürfe zum Text von 1909, zum Teil mit Bühnenskizzen, sind erhalten; ebenso eine frühe Fassung des ersten Akts.
Neben den Kinofilmen existieren mehrere TV-Fassungen.
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