Deng Xiaoping (; ; * 22. August 1904 in Guang'an; † 19. Februar 1997 in Peking) führte die Volksrepublik China faktisch von 1976 bis 1997.
Deng_Xiaoping_and_Jimmy_Carter.jpg]] Während seiner Studien- und Arbeitsaufenthalte in Frankreich und in der Sowjetunion trat er der Kommunistischen Partei bei. Während der Schlussphase des chinesischen Bürgerkrieges stieg er durch seine Verdienste in der Partei schnell auf und wurde in der Folge zu einer der wichtigsten Machtstützen Mao Zedongs. Trotz zweier Strafdegradierungen durch Mao gelang es Deng, nach Maos Tod die Führung der Kommunistischen Partei Chinas zu übernehmen. Ohne jemals die Spitzenämter persönlich einzunehmen, regierte er dann die Volksrepublik China faktisch von 1976 bis 1997. Er bildete den Kern der so genannten "Zweiten Führungsgeneration" der KPCh und gehörte zur "Ersten Chinesischen Führungsgeneration" der Reformära. Unter seiner Führung, die von wirtschaftlichem Pragmatismus ohne politische Freiheiten gekennzeichnet war, entwickelte sich China zu einer der schnellstwachsenden Volkswirtschaften der Welt.
Die Vorfahren von Deng Xiaoping waren ursprünglich Hakka, die jedoch lange vor Dengs Geburt nach Sichuan eingewandert waren und die traditionellen Sitten und die Sprache ihres Volkes abgelegt hatten; spätestens Ende des 18. Jahrhunderts, als einer der Vorfahren, Deng Shimin, ein hoher Beamter unter Kaiser Qianlong wurde. Zu seinen Ehren wurde auch ein Torbogen errichtet, der eine Inschrift des Kaisers trug, jedoch in der Kulturrevolution zerstört wurde.
Dengs Vater Deng Wenming besaß ein Gut von etwa 10 Hektar, das seine Familie bescheiden ernähren konnte. Obschon er wohl nur dürftig ausgebildet war, genoss er Ansehen und wurde häufig als Laienrichter um Schlichtung gebeten. Er war praktizierender Buddhist. Dengs Mutter war wahrscheinlich Analphabetin, entstammte jedoch einer reichen Familie und agierte ebenfalls zuweilen als Laienrichterin. Sie starb jedoch bereits in den 1920er Jahren. Dengs Vater heiratete danach noch mehrmals; insgesamt hatte Deng Xiaoping eine Schwester, zwei Brüder, einen Halbbruder und drei Halbschwestern sowie eine Stiefschwester; einige seiner Geschwister dürfte Deng Xiaoping nie gesehen haben.
Über Dengs Schulzeit ist wenig bekannt. Dengs Vater dürfte bei der Auswahl der Bildung mit der Zeit gegangen sein und ermöglichte ihm eine Volksschulbildung sowie danach eine für die damaligen Verhältnisse moderne Mittelschulausbildung in Guang'an. Als Deng Xiaoping 14 Jahre alt war, hörte sein Vater von einer Schule in Chongqing, die junge Chinesen auf eine Ausbildung in Frankreich vorbereitete. Im Jahre 1919 verließen Deng Xiaoping und sein Onkel Deng Shaosheng, der nur wenig älter war, ihr Heimatdorf und besuchten die Schule in Chongqing. Warum Dengs Vater seinen Sohn im Ausland ausbilden lassen wollte, ist weithin unklar. Dem Vater muss jedoch klar gewesen sein, dass sein Sohn auf diese Weise nie seine Nachfolge antreten würde – ein für chinesisches Denken sehr unbefriedigender Ausblick.
Die Schulausbildung in Chongqing umfasste vor allem französische und Chinesische Sprache sowie industrielle Fertigkeiten. Die Organisation, der Deng beigetreten war, nannte sich Bewegung für fleißige Arbeit und zielstrebiges Lernen. Sie war von einem Patrioten, Anarchisten und Frankophilen namens Li Yuying gegründet worden und hatte zum Ziel, junge Chinesen nach Frankreich zu bringen, die dort arbeiten und studieren und dann die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontakte zwischen China und Frankreich stärken sollten.
Am 11. September 1920 verließen Deng Xiaoping und Deng Shaosheng, zusammen mit etwa 200 weiteren Arbeiter-Studenten v.a. aus Sichuan und Hunan, den Hafen von Shanghai in Richtung Marseille.
Jedoch bereits im Januar 1921 wurden die Schüler darüber informiert, dass die Stiftung kein Geld mehr habe und dass sie ab jetzt selbst für sich zuständig seien. Deng konnte zwar weiterhin auf bescheidene Unterstützung durch seine Familie zählen, musste aber in verschiedenen Fabriken Arbeit suchen. Dies war aufgrund der Wirtschaftskrise nicht gerade einfach, und er verdiente häufig für sehr schwere Arbeiten weniger als französische Lehrlinge. Schulbesuche konnte er sich nicht mehr leisten.
Bereits in den ersten Monaten von Dengs Zeit in Frankreich kam er mit dem Marxismus in Kontakt. Einzelheiten dazu sind unklar, wahrscheinlich hat er aber andere spätere chinesische Revolutionäre wie Zhao Shiyan oder Zhou Enlai in Frankreich kennengelernt (Zhou sollte er später als seinen älteren Bruder bezeichnen, was im chinesischen Denken eine besondere Ehre ist).
Deng wurde Mitglied der chinesischen kommunistischen Jugendliga, zu deren Aufnahmekriterien der Glaube an den Marxismus gehörte. Hier verfasste er für das Blatt Rotes Licht Artikel, von denen einige erhalten geblieben sind. Sie vertreten die Meinung, dass China einen autoritären Staat brauche, um im Kampf mit den imperialistischen Mächten zu bestehen. Sie zeigen aber auch eine deftige Sprache und radikales Denken. Deng erhielt bald politische Verantwortlichkeiten, u.a. für Propaganda, und beteiligte sich an der Organisation von Demonstrationen oder an einem Überfall auf die chinesische Gesandtschaft in Paris, bei der ein anwesender Minister dazu gezwungen wurde, Protestnoten an die französische und die chinesische Regierung über das Verhalten der ausländischen Truppen in China zu unterzeichnen. Er plädierte für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, um die Ziele der chinesischen Kommunisten zu erreichen.
Wann Deng der Kommunistischen Partei Chinas beitrat, ist nicht ganz geklärt. Die offizielle Biographie legt den Beitritt zur Jugendliga ins Jahr 1922 und den KP-Beitritt ins Jahr 1924. Da eine langjährige Parteimitgliedschaft in der KP elementar ist, ist es wahrscheinlich, dass diese Daten nicht korrekt sind, sondern später umdatiert wurden. Deng kann in Frankreich, jedoch vielleicht sogar auch erst in der Sowjetuntion der KP beigetreten sein .
Die französische Polizei beobachtete Dengs Aktivitäten spätestens nach dem Überfall auf die Gesandtschaft. Am 8. Januar 1926 wurde eine Razzia durchgeführt, der Deng nur knapp entging, denn er hatte sich am Vortag auf den Weg nach Moskau begeben.
Deng blieb nur elf Monate in Moskau. Seine Rückkehr nach China geht auf Feng Yuxiang zurück, einen der Generäle, die Nordchina während des chinesischen Bürgerkrieges beherrschten. Feng war Christ und chinesischer Traditionalist und war der Ansicht, dass er als Heerführer auch als Vorbild für seine Untertanen und das gemeine Volk dienen müsse. Als solcher gehörte er zu den angeseheneren Anführern. Im Jahre 1924 bat er in der Sowjetunion um Hilfe, und man stellte ihm Geld, Waffen und militärische wie politische Berater zur Verfügung. 1926, nachdem er einige Niederlagen erlitten hatte, ging er nach Moskau, um um weitere Hilfe zu werben. Ihm wurden neben weiteren Beratern auch chinesische Kommunisten unter Führung von Liu Bojian mitgegeben; Deng Xiaoping schloss sich diesen an, wobei die Gründe für seine Entscheidung nicht genau bekannt sind.
Deng verließ Moskau Ende 1926 und erreichte Xi'an, wo Feng Yuxiang sein Hauptquartier hatte, im März 1927. Viele Biographen geben an, dass Deng im September 1926 einem Schwur Fengs in Wuhan beiwohnte, in welchem er sich den Kommunisten verpflichtete; diese Angaben sind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht korrekt und stimmen auch nicht mit Fengs Aufzeichnungen überein.
Dengs Aufenthalt in Moskau war lang genug, um ihn Phrasen der kommunistischen Theorien erlernen zu lassen, jedoch zu kurz, um ihn diese Theorien wirklich von Grund auf verstehen zu lehren. Für seine weitere Karriere war dies jedoch ausreichend .
Bereits einen Monat nach Dengs Ankunft in Xi'an zerbrach die Allianz aus Nationalisten und Kommunisten; das Shanghai-Massaker war das Ergebnis. Feng entschied sich nach einigen politischen Konsultationen, sich auf die Seite der Nationalisten zu schlagen; im Juli 1927 mussten alle Kommunisten die Armee und die Stadt Xi'an verlassen. Deng entschied sich, nach Wuhan aufzubrechen, wo die KP damals ihre Zentrale hatte.
Im Oktober 1927 verlegte die KP aus Sicherheitsgründen ihre Zentrale nach Shanghai und Deng arbeitete dort bis September 1929. Seine Funktionen hier beschränkten sich weitgehend auf organisatorische Tätigkeiten, während er gleichzeitig zivile Berufe ausübte. Hier heiratete er auch zum ersten Mal, und zwar zu Beginn des Jahres 1928 eine Frau namens Zhang Xiyuan, die er aus seiner Studienzeit in Moskau kannte. Gleichzeitig organisierte die KP einige Aufstände, etwa den Nanchang-Aufstand oder die großen Streiks von Hongkong und Kanton, wobei alle diese Aufstände blutig niedergeschlagen wurden und die Partei auszubluten drohten. Deng nahm an diesen Aufständen nicht teil und wurde auch nicht, wie etwa Zhou oder Mao, für deren Scheitern kritisiert. Da viele ranghohe Parteimitglieder in den Aufständen ums Leben kamen oder durch die Kuomintang verhaftet und hingerichtet wurden, stieg Deng in der Parteihierarchie rasch auf. Er lernte die Beziehungspolitik, die in einer Partei herrscht, kennen und eignete sich wichtige organisatorische Fähigkeiten an.
Deng wurde zum lokalen Repräsentanten der Parteizentrale in der Siebenten und Achten Roten Armee, während Gong Yinbing als Bote fungierte und zwischen der Shanghaier Zentrale und Guangxi hin- und herreiste. Deng begann sofort, die Direktiven aus der Zentrale umzusetzen und warf der Armeeführung vor, die Basisarbeit zu vernachlässigen und sich nur auf bürokratische Arbeiten zu konzentrieren. Die beiden Armeen erlitten eine schwere Niederlage nach der anderen und viele ihrer Soldaten kamen in den Kämpfen mit den KMT-Truppen ums Leben. Dies lag zum einen daran, dass die Direktiven aus der chaotischen Zentrale in Shanghai nicht zu der Lage vor Ort passten und die Truppen zu Angriffen auf Städte aufgerufen wurden, die sie niemals einnehmen konnten. Im Januar 1931 war die Lage der Siebenten Armee so schlecht, dass entschieden wurde, sie in Richtung Norden abzuziehen; die für die südlichen Regionen ausgerüsteten Soldaten kamen jedoch mit dem rauen Klima nicht zurecht und einige erfroren sogar.
Obwohl Deng in seiner Aufgabe keine entscheidende Position innehatte, so war seine fehlende militärische Erfahrung sowie der Wille, die Anweisungen aus der Parteizentrale unbedingt umzusetzen, für den Untergang der Siebenten und Achten Roten Armee mitverantwortlich.
Im März 1931 verließ Deng die Armee in der Nähe von Chongyi, wobei auch hier die genauen Umstände unklar sind. Die offizielle Biographie gibt an, dass er von der Parteiführung dazu beauftragt worden war, jedoch ist es genauso möglich, dass Deng einfach desertierte, um sein Leben zu retten. Diese Entscheidung wurde Deng in späteren Lebensjahren wiederholt zum Vorwurf gemacht, etwa während der Kulturrevolution.
Bei seiner Ankunft in Shanghai fand Deng die Parteizentrale in großem Chaos vor. Teils hatten Verhaftungen und Hinrichtungen die Parteiführung dezimiert, teils befanden sich führende Parteimitglieder in Macht- und Richtungskämpfen. Zudem erfuhr Deng, dass seine Frau bereits ein Jahr zuvor eine Tochter geboren hatte, dass jedoch Frau und Kind die Geburt nur um wenige Tage überlebt hatten.
Im April lieferte Deng einen Bericht ab, in welchem er vor allem reaktionäre Elemente und Offiziere, die ursprünglich in der KMT-Armee gedient hatten, für das Desaster der Siebenten Armee verantwortlich machte. Deng wurde in der Folge nicht bestraft, was vor allem auf seine guten Beziehungen zu Zhou Enlai zurückzuführen sein dürfte. Im Oktober 1931 gab es eine politische Säuberungswelle in der Siebenten Armee, in der Deng einige hohe Offiziere beschuldigte, für die Niederlagen der Siebenten Roten Armee verantwortlich zu sein. Dies dürfte mit dafür verantwortlich sein, dass Deng trotz der Fehlschläge in der frühen Phase seiner Karriere bereits im Jahre 1932 hohe Posten im Sowjet von Jiangxi bekleiden konnte.
In seiner Funktion als Parteisekretär in Ruijin und später in Huichang hatte er Direktiven aus der Parteizentrale umzusetzen, die von aus Moskau zurückgekehrten marxistisch-leninistischen Theoretikern ohne praktische Erfahrung ausgegeben wurden. Politiker wie Bo Gu oder Zhang Wentian, die damals die Partei anführten, verlangten mangels besseren Wissens einfach eine höhere Eisenproduktion oder mehr Rekrutierungen von Soldaten, was auf Lokalpolitiker wie Deng hohen Druck verursachte.
Aus den Provinzen kam denn auch Widerstand, etwa von Luo Ming, Parteisekretär in Fujian. Als im November 1932 der Bezirk Xunwu, der unter Dengs Verwaltung stand, an KMT-Truppen verloren ging, wurde Deng aufs schärfste angegriffen; im Mai 1933 wurde Deng als Mitglied einer Viererclique verurteilt, die von den kommunistischen Prinzipien abrücken wollte. In einer der Kritiksitzungen beendete auch Ah Jin ihre Beziehung zu Deng und war von da ab Frau oder Freundin von Li Weihan, einem der schärfsten Angreifer auf Deng. Deng wurde all seiner Ämter enthoben und musste seine Dienstpistole öffentlich abliefern.
Dank seiner Erfahrung im Publizieren von Zeitschriften und auch dank seiner Beziehungen zu Zhou Enlai wurde er bald nach seiner Absetzung zum Chefredakteur der kommunistischen Zeitung Rotes China ernannt, wobei die gesamte Redaktion nur aus zwei oder drei Personen bestand. Er übte diese Funktion in Ruijin etwa ein Jahr aus, ohne nennenswert gestört zu werden.
Ob er auf dem Langen Marsch nach wie vor für das Rote China arbeitete, ist nicht genau geklärt, jedenfalls begann er wieder, wie in Shanghai als Schriftführer für ältere Politiker zu fungieren. Als solcher nahm er an der im Januar 1935 an der Konferenz von Zunyi teil, auf welcher die Fraktion um Mao Zedong, Zhu De und Peng Dehuai die existierende Parteiführung um Bo Gu und Otto Braun angriff und letzten Endes ablöste, ebenso auf der Wayaobao-Konferenz, auf welcher beschlossen wurde, zusammen mit der Kuomintang die Invasion durch japanische Truppen zu bekämpfen.
Den Langen Marsch überlebte Deng dank seiner starken Gesundheit ohne schwer zu erkranken, trotz seines hohen Zigarettenkonsums und trotz des Verlustes seines Pferdes, während zehntausende seiner Kameraden auf der Strecke blieben. Er versöhnte sich auch wieder mit Ah Jin, während seine Bewunderung für Zhou Enlai, der in Maos Kampf um die Macht verwickelt war, langsam abnahm.
Gegen Ende des Marsches wurde er zum stellvertretenden politischen Direktor des Ersten Armeekorps ernannt, eine Beförderung, die zeigt, dass Mao am politisch fähigen, wenn ihm auch unbekannten Deng Interesse hatte.
In seiner Funktion als politischer Kommissar arbeitete Deng mit Liu Bocheng und Zhang Xiangqian zusammen, die erfahrene Feldherren waren und sich für Parteipolitik recht wenig interessierten. So machte Deng die politische Arbeit, ohne die militärische von Liu und Zhang zu stören. Deng reiste häufig zwischen der Front und der kommunistischen Zentrale in Yan'an hin und her, um Direktiven an die militärische Führung weiterzugeben. Maos wichtigster Befehl war, sich nicht zu sehr in Gefechte mit den Japanern einzulassen, sondern eine Guerilla-Taktik anzuwenden und die gegnerischen Truppen dann anzugreifen, wenn sie durch Gefechte mit anderen Gegnern geschwächt waren. Mit dieser Guerilla-Taktik erzielte die 129. Division große Erfolge, meist gegen Kuomintang-Truppen, und die Anzahl der Soldaten in dieser Division wuchs sehr schnell an.
Als im Jahr 1943 mehrere politische Säuberungswellen über Partei und Armee hinwegfegten, war Deng in relativer Sicherheit, obwohl seine Fahnenflucht in Chongyi von seinen Gegnern wieder aufgegriffen wurde. Diese Anschuldigungen wurden von Mao, der mit Dengs Arbeit offensichtlich zufrieden war, nichtig erklärt.
Im Jahre 1939, während eines Aufenthaltes in Yan'an, heiratete Deng zum dritten und letzten Mal, dieses Mal die zwölf Jahre jüngere Zhuo Lin, die aus Kunming stammte, in Peking studiert hatte und, wie viele Angehörige der fortschrittlichen Jugend der damaligen Zeit, in das kommunistisch regierte Yan'an kamen. Sie sollte sich später, anders als die Frauen anderer kommunistischer Funktionäre (etwa Jiang Qing), wenig für Politik interessieren.
Im August 1945 nahm Deng an Friedensgesprächen in Chongqing teil. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Führer beider Seiten, also Chiang Kai-shek und Mao nicht an eine friedliche Beendigung des Bürgerkrieges glaubten. So fand parallel zu den Gesprächen die Schlacht von Shangdang statt. Deng fand sich unter jenen, die am stärksten auf die Fortsetzung des Bürgerkrieges hinarbeiteten.
Gleich nach den Gesprächen in Chongqing wurde Deng zum Sekretär des neu gegründeten Jin-Ji-Lu-Yu-Parteibüros und -Militärdistrikts, dessen Kommandeur Liu Bocheng war. Dieser Militärbezirk und dessen Armee waren sehr erfolgreich in den Schlachten, die sie mit Kuomintang-Truppen austrugen. Die Aktionen der Kommunisten konzentrierten sich hierbei weniger darauf, große Städte zu erobern, sondern darauf so viele nationalistische Truppen wie möglich aufzureiben und die Kontrolle über die Infrastruktur zu erhalten. Die Hauptaufgabe von Dengs Armee im Jahre 1947 war es, sich in den Dabie-Bergen festzusetzen und somit die Großstadt Wuhan zu bedrohen. Dies stoppte die die Offensive der Nationalisten in Nordchina. Zu Ende des Jahres 1948 nahm Dengs Armee an der Huaihai-Kampagne teil, die die Zentralarmee der Kuomintang zerstörte und diese zum Rückzug nach Südchina zwang.
Die Aufgaben Dengs in dieser Phase waren nach wie vor politischer Natur; die militärischen Entscheidungen blieben den Generälen, vor allem Liu, überlassen. Obwohl er aktiv an Schlachten teilnahm, sollten seine Verdienste dort nicht überbewertet werden. Dengs Verdienste waren vor allem politischer Natur, das heißt, Maos Entscheidungen so zu interpretieren, dass sie am besten zur aktuellen Lage der Armee passten.
Im Jahre 1949 war Deng schließlich politischer Kommissar einer Armee, die mehr als eine Million Soldaten umfasste. Er war so weit in Partei und Armee aufgestiegen, dass er Mao direkt ansprechen konnte. Gleichzeitig hing seine Karriere aber direkt vom mittlerweile unumschränkt herrschenden Mao ab.
Am 23. November 1949 wurde formell ein Südwest-Büro eingerichtet, dessen Hauptaufgabe es war, die kommunistische Herrschaft in Südwestchina aufzubauen. Deng war der erste Sekretär dieses Büros. Als die kommunistischen Truppen sich auf die Einnahme der Stadt Chongqing vorbereiteten, in welcher Chiang Kai-sheks Regierung ihren Sitz hatte, beging Deng den strategischen Fehler, die Stadt gegen den Befehl Maos sofort einzunehmen, dies mit der Begründung, dass die Nationalisten dabei seien, die Stadt systematisch zu zerstören. Dies ermöglichte Chiang und seiner Regierung die Flucht nach Taiwan; Mao hatte geplant, Taiwan zuerst zu besetzen, um den Nationalisten diese Zufluchtsstätte zu nehmen.
Anfang Dezember marschierten die Kommunisten in Chongqing ein; für Deng ein persönlicher Triumph, denn er hatte genau diese Stadt 30 Jahre zuvor als armer Student in Richtung Frankreich verlassen. Er wurde zum Bürgermeister der Stadt ernannt und blieb für drei Jahre als Erster Sekretär des Südwestbüros in Chongqing. Er regierte faktisch über fünf Provinzen, Sichuan, Guizhou, Yunnan, Xikang und Tibet. Offiziell hatte er zwei Stellvertreter, nämlich Liu Bocheng und He Long, beides alte Feldherren, die sich für Politik nicht interessierten und nur angesehene Posten als Anerkennung für ihre Verdienste in der Armee bekamen. Er hatte deshalb den Beinahmen Herr des Südwestens, welcher seiner faktischen Rolle von damals auch entsprach.
Zu Dengs Aufgaben gehörte es, die kommunistische Herrschaft zu festigen und umzusetzen. Teil seiner Anweisungen war es auch, die Reste der Kuomintang-Armee zu eliminieren, die in einer Zahl von etwa 500 000 immer noch das Land unsicher machten. Es war eine Landreform durchzuführen, wozu auch gehörte, dass Deng seine eigene Familie, die Grund besaß, enteignen lassen musste. Es waren die Finanzen in Ordnung zu bringen und wirtschaftliche und fiskalische Reformen durchzuführen. Wiederum war Deng hier ein Befehlsempfänger Maos; bei der Umsetzung von Direktiven legte er neben administrativem Talent auch Kreativität an den Tag, sodass Dengs Ansichten in Peking gern gehört und umgesetzt wurden.
Zu den Sonderaufgaben Dengs im Südwestbüro gehörte die Lösung des Tibet-Problems, welches nach der Anerkennung der Volksrepublik China durch Großbritannien, Indien und Nepal angegangen wurde. Deng und Mao wählten eine Strategie, die aus militärischen Drohungen bei gleichzeitigen Verhandlungen bestand; so wurde Tibet 1951 weitgehend unblutig in das Staatsgebiet der Volksrepublik eingegliedert.
Dengs privates Leben entwickelte sich in den drei Jahren als erster Sekretär des Südwestbüros sehr positiv; seine Frau bekam zwei Kinder, und er lebte mit seiner Familie zwar nicht unter luxuriösen, aber angenehmen Umständen in der Nähe des Volkspalastes der Stadt Chongqing.
Diese Gelegenheit bot sich zum ersten Mal im Jahr 1953, als der Finanzminister aufgrund des aus den Fugen geratenen Budgetdefizits in die Kritik geriet. Der Grund für das hohe Defizit waren vor allem zurückgegangene Einnahmen aufgrund von Steuererleichterungen für Privatunternehmen. Mao kritisierte die generelle rechtslastige Tendenz in der Regierung unter Liu. In den folgenden Machtkämpfen und Kritiksitzungen gegen Minister Bo Yibo hielt Deng sich im Vergleich zu anderen zwar verbal zurück, trug aber den politischen Sieg davon, indem Deng letzten Endes zum Finanzminister und zum Direktor der Zentralen Finanz- und Wirtschaftsbehörde wurde.
Die Absetzung von Bo war jedoch nur ein Gefecht in einer Auseinandersetzung, die sich immer deutlicher zwischen Mao und Liu abspielte. In der Folge versuchten zwei Politiker, auf Lius Kosten Macht zu gewinnen: Gao Gang, Direktor der Staatlichen Planungskommission, und Rao Shushi, Chef der Organisationsabteilung der KP, stammten aus Maos Umfeld und versuchten, die Partei- und Regierungsstrukturen mit Leuten zu besetzen, die eher ihnen als Liu treu waren. Sie verkalkulierten sich jedoch, denn Liu war Mao noch zu schade und zu wichtig und er behielt lieber Liu als Gao und Rao in der Regierung. Die auf diese Machtkämpfe folgende politische Säuberungsaktion ist weitgehend unaufgearbeitet, und es ist sehr wahrscheinlich, dass dies nicht zuletzt an der unschönen Rolle liegt, die Deng in dieser Phase gespielt hat. Jedenfalls übernahm Deng am 27. April 1954 Raos Posten als Direktor der Organisationsabteilung, und kurz darauf bekam er eine noch entscheidendere Funktion, nämlich jene des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der KP.
Noch mehr politischen Einfluss gewann Deng nach einer Reise in die Sowjetunion im Februar 1956. Dort wurde durch Chruschtschow gerade die Entstalinisierung vorangetrieben. Nach der Geheimrede vom 26. Februar, in der Chruschtschow Stalin als brutalen Diktator verurteilte, zeigte Deng politisches Gespür und Treue gegenüber Mao, indem er zuerst Mao kontaktierte, bevor er eine Stellungnahme der KPCh abgab.
Somit war eine Situation erwachsen, in der Mao die unumschränkte Autorität in der KP hatte, und Deng einer der wichtigsten Personen war, die diese Autorität unterstützten. Somit verdankte Deng seinen Aufstieg zu einem gewichtigen Teil der Unterstützung durch Mao, andererseits unterstützte er nun selbst die willkürliche und utopische Politik seines Chefs.
Als zur Mitte der fünfziger Jahre in Osteuropa Aufstände gegen die kommunistische Herrschaft stattfanden, antwortete Mao in China mit der Hundert-Blumen-Bewegung, in der die Bürger zur Kritik an Missständen in der Partei aufgerufen wurden. Die Regierung stellte sich größtenteils hinter den Vorschlag von Mao, mit der Ausnahme von Deng, der es vorzog, sich für einige Monate nicht darüber zu äußern. Dies bewies Dengs Gespür für die Politik Maos, denn bereits 1957, als die Kritik zu heftig wurde, änderte Mao seine Meinung und mit der Kampagne gegen die Rechten wurde etwa eine Million Menschen, die sich in der Hundert-Blumen-Bewegung kritisch zu Wort gemeldet hatten, in Arbeitslager verschleppt oder bestenfalls mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze und empfindlichen Lohnkürzungen bestraft. Deng, der Generalsekretär des Zentralkomitees war, zeichnete für diese Kampagne direkt zuständig und spielte in ihr eine entscheidende Rolle.
Ebenso hielt Deng sich zurück, als Mao die Politik der 3 roten Banner vorantrieb, die im Großen Sprung nach vorn gipfelte. Liu und Zhou wurden, als sie es wagten, sich gegen Maos Politik zu stellen, wiederholt kritisiert; Deng war sich bewusst, dass der Ansehensverlust der anderen nur zu seinen Gunsten sein konnte. So wurde Deng auch während des Großen Sprunges ein treuer Gefolgsmann Maos, obwohl alles dafür spricht, dass er nicht an den Erfolg dieser Politik glaubte. Diese Zeit markiert auch den Höhepunkt der Unterstützung von Maos Linie durch Deng.
Das Ergebnis des Großen Sprunges waren die drei bitteren Jahre von 1959 bis 1961 mit 30 Millionen Toten und einer Wirtschaft, die außer Kontrolle geraten war. Mao hielt sich in der zweiten Jahreshälfte in Südchina auf, später trat er selbst aus der Ersten Führungsriege aus, um das Tagesgeschäft der Regierung um Liu und Deng zu überlassen. Deng mochte Liu persönlich nicht, dies war ausschlaggebend dafür, dass er nicht von Maos Fraktion zu Lius Fraktion überlief.
Im Jahre 1962 gab es einen Wirtschaftsaufschwung, der jedoch weniger auf Lius und Dengs Expertise in wirtschaftspolitischen Fragen zurückzuführen ist als einfach auf die pragmatische Rücknahme unsinniger politischer Entscheidungen. Aus dieser Phase stammt einer der berühmtesten Aussprüche Dengs, in der er meinte, dass jenes landwirtschaftliche Produktionssystem das beste ist, welches die Massen akzeptieren und welches die Produktion schnell wieder ankurbeln könne. Und wenn es nicht legal ist, dann muss es legal gemacht werden. Gelb oder weiß, eine Katze, die Mäuse fängt, ist eine gute Katze .
Gleichzeitig wurde auf dem Land der Bedarf nach einem Kampf gegen die Korruption offensichtlich. Dies legte den Grundstein für die Sozialistische Erziehungskampagne, die sich wieder in einen Kampf zwischen Lius und Maos Fraktionen entwickelte. Deng versuchte, sich zurückzuhalten, soweit es nur möglich war, und sich in außenpolitischen Fragen zu profilieren. In der Diskussion um diese Kampagne dürfte Mao auch den Schluss gefasst haben, Liu endgültig aus dem Machtzentrum zu entfernen, womit Deng, der nun eher Lius Fraktion zuzurechnen war, ebenso in die Schusslinie geriet.
Im Sommer 1963 führte Deng eine Delegation nach Moskau an. Wohlwissend, dass Mao die Sowjetunion und die Russen nicht mochte, legte Deng es auf einen Streit mit Chruschtschow an und legte eine extrem nationalistische oder gar chauvinistische Position an den Tag. Das chinesisch-sowjetische Zerwürfnis erreichte hier einen vorläufigen Höhepunkt.
Die Kulturrevolution war eine Zeit, wo Recht und Ordnung vollständig außer Kraft gesetzt waren. Deng, Liu und zahllose andere Politiker mussten in langen Kritiksitzungen den Roten Garden ihre Verfehlungen gestehen und viele wurden, wie etwa auch Staatspräsident Liu oder Dengs Sohn Deng Pufang, physisch misshandelt. Deng Xiaoping entging der Folter wahrscheinlich nur durch die nach wie vor gute Beziehung zu Mao.
Praktisch während des ganzen Jahres 1968 blieb das Ehepaar Deng in Peking in Hausarrest, während sie von ihren Kindern getrennt waren. Auf dem Achten Parteitag im Oktober 1968 wurde Deng aller Ämter enthoben und 1969 in den Bezirk Xinjian (Provinz Jiangxi) verbannt. Anders als etwa Liu behielt er jedoch seine Parteimitgliedschaft. In Xinjian arbeitete Deng in einem Werk, das Traktoren reparierte, als gewöhnlicher Arbeiter, während seine Frau im gleichen Werk als Putzkraft eingesetzt wurde. Erst als sich die politische Lage wieder besserte, durften auch seine Kinder nach Jiangxi nachkommen.
Nach dem Tod von Lin Biao, der bereits als legitimer Nachfolger von Mao Zedong gehandelt wurde, begann Deng, Briefe nach Peking zu schreiben, in denen er um verschiedene Sachen, etwa bessere medizinische Behandlung für seinen durch die Roten Garden misshandelten Sohn, bat. Im August 1972 schrieb er an Mao direkt und bat um Verzeihung für seine Fehler der Vergangenheit. Die Unterwürfigkeit hatte Erfolg, im Februar 1973 wurde er nach Peking zurückgerufen.
Gleichzeitig jedoch suchte der alt gewordene Mao nach einem Nachfolger. Deng war für Mao jedoch nicht der geeignetste Kandidat; jedoch wollte er auch niemanden aus dem radikalen Lager, dem etwa seine Frau Jiang Qing angehörte. Mao testete Wang Hongwen, der sich jedoch als nicht fähig genug erwies. So trug Wangs politische Unreife letzten Endes dazu bei, dass Deng wieder mehrmals hintereinander befördert wurde.
Im April 1974 leitete Deng eine Delegation zu den Vereinten Nationen. Die Rede, die er dort hielt, sorgte für weltweite Aufmerksamkeit und machte auch Mao sehr zufrieden; die Drei-Welten-Theorie, die er in dieser Rede vorstellte, wird bis heute als der bedeutendste Beitrag Dengs in der kommunistischen Politik betrachtet.
Gegen Ende des Jahres 1975 zog sich Mao immer mehr zurück. Deng hatte gegenüber anderen Politikern (und Beteiligten im Nachfolgekampf) den Vorteil, mit Mao zuweilen persönlich sprechen zu können, wenn Mao selten aber doch ausländische Ehrengäste empfing. Zur gleichen Zeit kam jedoch Maos Neffe Mao Yuanxin nach Peking und begann, Deng zu diskreditieren, indem er ihn als jemanden darstellte, der die Errungenschaften der Kulturrevolution nicht schätzte und Lius Verfehlungen nicht kritisierte. Mao entschied sich, den relativ unerfahrenen Hua Guofeng, der keinem der beiden Lager angehörte, zu seinem Nachfolger auszuwählen.
Zhou Enlai starb nach langer Krankheit im Januar 1976. Am 5. April, dem Qingming-Fest, gedachten die Bürger Pekings des populären verstorbenen Premiers, aus den Gedenkfeiern wurden jedoch Proteste gegen die existierenden politischen Verhältnisse. Deng wurde die Verantwortung für diese Proteste angehängt, und zwei Tage später wurde er aus allen politischen Funktionen entfernt. Hua wurde formell zum Premierminister und Stellvertretenden Parteivorsitzenden ernannt. Wiederum verlor Deng nicht die Parteimitgliedschaft und er blieb in Peking, jedoch praktisch unter Hausarrest.
Mao starb am 9. September 1976. Der Machtkampf brach nun voll aus, allerdings ohne Deng. Bereits im Oktober ließ eine Gruppe um Hua Guofeng die radikale Viererbande verhaften. Wiederum bat Deng schriftlich um Rehabilitierung, wobei die Briefe nicht alle Deng direkt zugeschrieben werden. Die neue Führung um Hua war zunächst besorgt, dass Deng ihre Posten bedrohen könnte, musste jedoch anerkennen, dass Deng als prominentestes Opfer der letzten maoistischen Säuberungsaktion zuallererst rehabilitiert werden musste. Somit bekam Deng im Juli 1977 alle seine politischen Ämter zurück. Er war somit u.a. stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei, erster Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden und stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsrates.
Die Epoche Dengs begann offiziell in der 3. Plenarsitzung des 11. Parteitages im Dezember 1978. Die Rede, die Deng hier hielt, enthielt keine der aus Maos Epoche gewohnten Losungen von Klassenkampf und Revolution mehr. In dieser Rede verurteilte Deng die Kulturrevolution und forderte, dass ökonomische Entwicklung die Hauptaufgabe für die Partei werden müsse.
Zur gleichen Zeit begannen Bürger in Peking, auf der Chang'an-Straße in Peking Plakate zu kleben, die zunächst eher private Beschwerden ausdrückten, später jedoch so weit gingen, Mao zu verurteilen und Demokratie zu fordern. Deng unterstützte die Demokratiemauer zunächst, denn ihr Hauptdruck fiel auf Hua Guofeng und die konservativen Kräfte in der Regierung.
Am 17. Februar 1979 brach der Chinesisch-Vietnamesische Krieg aus. Zuvor hatte Deng den amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter besucht und von ihm zumindest moralische Unterstützung versprochen bekommen, dann brachte er seine Armeeführung dazu, Vietnam anzugreifen. Der Krieg dauerte zwar nur einen Monat und war für die chinesische Armee mit dem Tod von 30000 Soldaten alles andere als ein Erfolg, Deng nutzte die Phase jedoch, um in Peking politische Aktivisten (allen voran Wei Jingsheng) verhaften zu lassen und die Demokratiemauer zu verbieten. In der Folge bestand Deng auf Einhaltung der Vier Grundprinzipien, nämlich: der sozialistische Weg, die Diktatur des Proletariats, der Führungsanspruch der KP sowie die Ideologie des Marxismus-Leninismus und das Mao-Zedong-Denken.
Im Jahre 1979 wurden unter Dengs Federführung reihenweise Ereignisse wie die Tiananmen-Proteste von 1976, die Kulturrevolution oder die Kampagne gegen die Rechten verurteilt und deren Opfer rehabilitiert; ausgespart blieben lediglich jene Ereignisse, an denen Deng direkt beteiligt war. Durch die Rehabilitierung der Opfer gelang es Deng, mehr Unterstützer der eigenen Linie in hohe Partei- und Regierungspositionen zu bringen, wodurch zahlreiche Mitglieder des Hua-Lagers aus ihren Posten verdrängt wurden.
Letzten Endes wurde ein Bericht über die Wirtschaftsplanung zum Vorwand genommen, um Hua von seiner Macht zu verdrängen. Dieser Bericht, der Ziele setzte, wie man sie aus Maos Zeiten gewohnt war, wurde benutzt, um Huas Unfähigkeit zu demonstrieren und ihn zu ersetzen. Im August 1980 musste er sein Amt als Premierminister an Zhao Ziyang abgeben. Nach und nach wurden ihm auch alle anderen Funktionen abgenommen, und er wurde in den Ruhestand geschickt.
Bereits 1981 begann Deng, die Kulturrevolution rückgängig zu machen, indem er die Rolle des Rechts wieder stärkte und der Viererbande sowie weiteren führenden Persönlichkeiten aus der Kulturrevolution den Prozess machen ließ. Obwohl diese Prozesse mit fairen Verfahren wenig gemein hatten und vielfach die Züge persönlicher Revanche trugen, so waren sie doch besser als gar keine Prozesse.
Auf dem 12. Parteitag im September 1982 ließ Deng dann die folgenden drei Ziele für die Arbeit der KP in den 1980er Jahren ausgeben:
Der wirtschaftliche Aufbau begann mit Reformen in der Landwirtschaft. Bereits seit Ende der 1970er Jahre wurde auf regionaler Ebene mit Haushaltsverantwortlichkeit und ähnlichen Systemen experimentiert. Es stellte sich heraus, dass die Bauern ohne staatliche Einmischung die höchsten Produktivitätsgewinne erzielten. Bis zum Januar 1982 wurden die Volkskommunen aus der Politik der vier Banner abgeschafft, anstelle dessen hatten die Bauern Mieten und Steuern abzuliefern, während sie bei der Bebauung ihres Landes relativ freie Hand hatten.
Eine weitere bedeutende Neuerung, die maßgeblich auf Deng zurückging, waren die Sonderwirtschaftszonen, die seit 1979 zunächst in vier Küstenstädten eingerichtet wurden. Sie stellten die Umkehrung von Maos Autarkiepolitik dar; gleichzeitig erlaubten sie der chinesischen Wirtschaft, ausländische Investitionsgüter und Know-How zu importieren und eigene Produkte zu exportieren, womit die Zahlungsbilanz durch die Importe weniger belastet wurde.
In der Außenpolitik gelang Deng ein sehr positives Ergebnis in den Verhandlungen mit der britischen Regierung um die Rückgabe Hongkongs. Die Losung, gemäß der die Wiedereingliederung der Kolonie in das chinesische Mutterland erfolgen sollte, nämlich Ein Land, zwei Systeme, war ursprünglich als Ansatz für die Lösung des Taiwan-Problems entwickelt worden. Deng war sehr stolz auf diesen Slogan, denn er liebte es, komplexe politische Zusammenhänge in eine einfache Phrase zu pressen.
Wirtschaftsreformen in den Städten und in der Industrie wurden erst ab etwa 1986 angegangen. Hier war die Verflechtung zwischen Partei und Wirtschaft zu stark: Um Unternehmen zu privatisieren, mussten tausende von Parteikadern aus den Unternehmen entfernt und anderweitig beschäftigt werden. Die Lösung dieser undankbaren Aufgabe musste Hu Yaobang übernehmen, welcher ursprünglich ein heißer Kandidat für Dengs Nachfolge war, der jedoch nach Studentenprotesten im Jahr 1987 zum Rücktritt von seinem Posten als Generalsekretär der KP gezwungen wurde.
Das wichtigste Projekt zu Ende der 1980er Jahre war die Preisreform oder -Liberalisierung, d.h. die Abschaffung der vom Staat festgesetzten Preise. Diese Preisreform verursachte einen tiefen Riss in der Staatsführung mit konservativen Kräften um Li Peng und Chen Yun auf der einen Seite und den Kräften, die die Preisreform vorantrieben, um Zhao Ziyang und Deng. Die Reform, die für die hohe Inflation zu Ende der 1980er Jahre verantwortlich gemacht wird und die zu den Auslösern der Proteste auf dem Tiananmen-Platz zählt, wurde letzten Endes von Deng persönlich durchgedrückt.
In politischer Hinsicht war das Ergebnis vor allem der Rücktritt bzw. die Absetzung von Zhao Ziyang als Generalsekretär der KP. Zhao wurde als Nachfolger von Deng gehandelt und war somit aus dem Spiel; nun war der wahrscheinlichste Kandidat der konservative Li Peng. Der 85jährige Deng entschied sich jedoch für den bis dahin unbekannten Jiang Zemin, von dem Deng vor allem erwartete, dass er die Dengschen Reformen nicht rückgängig machte. Deng, der sich von allen weniger einflussreichen Posten peu à peu zurückgezogen hatte, gab Jiang den letzten und wichtigsten Posten, den er innehatte, nämlich den des Vorsitzenden des Zentralen Verteidigungsrates.
Jiang entpuppte sich als der fähige Nachfolger, den Deng sich gewünscht hatte, Deng mischte sich jedoch wiederholt in dessen Geschäfte ein, wenn er der Meinung war, dass sein politisches Erbe auch nur ansatzweise in Gefahr war. Besonders bei der Formulierung der offiziellen Stellungnahmen während und nach dem Fall der kommunistischen Regierungen in Ost- und Mitteleuropa sowie dem Putsch in Moskau 1991 wollte Deng nach wie vor Einfluss ausüben. Die konservativen Kräfte in der Regierung zwang er häufiger dazu, aus ihren Reden antikapitalistische Passagen zu entfernen. Er setzte sich auch persönlich für die Aufhebung der Sanktionen ein, die vom Ausland nach der Niederschlagung der Tiananmen-Proteste verhängt wurden und empfing ausländische Ehrengäste.
Dengs Gesundheitszustand verschlechterte sich ständig, und die Bilder, die 1994 zu seinem 90. Geburtstag im Fernsehen übertragen wurden, zeigten einen Mann, der ohne die Hilfe seiner Töchter nicht mehr handlungsfähig war. Öffentliche Auftritte wurden in diesen Jahren seltener und seltener. Deng starb 1997 schließlich an Komplikationen der Parkinson-Krankheit und einer Lungeninfektion.
Sowohl der kommunistische Mao als auch der nationalistische Chiang hatten die Notwendigkeit des Wirtschaftsaufbaues erkannt und nach ihren Vorstellungen umzusetzen versucht; Deng war jedoch jener, dem dies am eindrucksvollsten gelang. Für Hunderte Millionen von Menschen verbesserte sich während Dengs Regierungszeit die Lebensqualität spürbar. Über die Reformen Deng Xiaopings sagt man deshalb, dass sie den größten Wohlfahrtsgewinn aller Zeiten erreicht haben, den ein einzelner je zustande gebracht hat. Unter Deng schaffte man es, hinsichtlich der Personalauswahl den Übergang weg von Revolutionären hin zu professionellen Technokraten zu bewerkstelligen.
Andererseits verschärfen sich die Gegensätze zwischen arm und reich in China so schnell wie in kaum einem anderen Land, sowohl geographisch wie auch sozial. Von der egalitären Gesellschaft, die Mao vorgeschwebt hatte, entfernte sich China seit den Reformen Dengs in großem Tempo und tut dies auch nach seinem Tod.
Die Reformen Deng Xiaopings stellten Pragmatismus über die Werte des Maoismus und Kommunismus. Der sogenannte Dengismus wird deshalb auch als Philosophie ohne Philosophie bezeichnet. Die Gesammelten Werke des Deng Xiaoping beinhalten auch keine philosophischen Abhandlungen, wie sie etwa Mao der Nachwelt hinterlassen hat, sondern meist administrative Anweisungen und Reden auf diversen Kongressen; wobei durch die Parteizensur die teils deftige Sprache Dengs geglättet wurde. Dies zeigt, dass Deng weniger jemand war, der neue Wege suchte, sondern jemand, der Forderungen nachkam und diese effizient umzusetzen vermochte, wenn es ihm selbst ebenfalls nützte.
weitere Literatur:
Mann | Chinese | Revolutionär | Militärperson (China) | Politiker (China) | Geboren 1904 | Gestorben 1997
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