Das Delta-Projekt war ein spektakulärer Groß-Exportauftrag für die deutsche Nutzfahrzeugindustrie.
Zum Bau der Baikal-Amur-Magistrale und zur Erschließung von Ölfeldern in Sibirien bestellte die Sowjetunion vertreten durch die sowjetische „Allunions-Handelsgesellschaft“ im Jahre 1974 rund 9.000 schwere LKW beim Nutzfahrzeughersteller Magirus-Deutz in Deutschland. Es handelte sich vor Allem um Langhauber mit luftgekühlten Dieselmotoren, mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 26 Tonnen und mit Muldenkipper-Aufbauten, aber auch um Pritschenwagen, Holztransporter und Tankwagen. Neben der großen Erfahrung von Magirus-Deutz in der Herstellung von schweren und robusten Baufahrzeugen (die damals rund 60% der Gesamtproduktion von Magirus-Deutz ausmachten) dürften insbesondere die Motoren ein Hauptgrund für die Auftragserteilung an gerade diesen Hersteller gewesen sein. Denn Sibirien ist bekannt für seine extremen Minustemperaturen; eine Forderung der Auftraggeber lautete daher, LKW mit einer Betriebsbereitschaft von + 30 bis − 45° Celcius zu liefern. Die luftgekühlten Motoren von Magirus-Deutz hatten hier einen entscheidenden Vorteil gegenüber den von nahezu allen anderen namhaften Nutzfahrzeugherstellern in Europa verwendeten wassergekühlten Motoren: Wo kein Kühlwasser ist, kann auch keines einfrieren. Ironie der Geschichte: Klöckner-Humboldt-Deutz (der Mutterkonzern von Magirus-Deutz) hatte die luftgekühlten Motoren während des Zweiten Weltkriegs deswegen entwickelt, weil die Deutsche Wehrmacht dringend frostsichere Motoren für ihre Fahrzeuge für den Russlandfeldzug brauchte - und nun (rund 30 Jahre später) kam diese ursprünglich gegen sie gerichtete Erfindung der Sowjetunion zu Gute.
Der Liefervertrag wurde am 2. Oktober 1974 in Moskau unterzeichnet. Um den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte wie von den Sowjets gefordert bis 1976 erfüllen zu können, musste Magirus-Deutz rund 800 Mitarbeiter zusätzlich einstellen. Am 19. November 1976 war das Werk vollbracht und der letzte LKW rollte von den Fertigungsbändern Richtung Sibirien. Zusammen mit ebenfalls in Deutschland bestellten Ersatzteilen, Tiefladern und Zugmaschinen hatte der Großauftrag aus der Sowjetunion einen Gesamtwert von rund 1,1 Milliarden DM. Die Muldenkipper-Aufbauten auf die Fahrgestelle von Magirus-Deutz fertigte die Firma Kögel, die schweren Zugmaschinen kamen von Faun.
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