Das Delsberger Becken, von den Einheimischen schlicht La Vallée (das Tal) genannt, ist ein Längstal im Schweizer Jura und bildet die grösste Tertiärmulde in diesem Gebirge. Es gehört politisch zum Bezirk Delémont im Kanton Jura und wird von der Birs (französisch: Birse) zum Rhein entwässert. Wichtigster Ort ist Delémont (deutsch: Delsberg), die Hauptstadt des Kantons Jura. Die Talschaft weist eine Fläche von ungefähr 110 km² auf.
Wichtigstes Fliessgewässer des Delsberger Beckens ist die Birs, welche die Talschaft an der breitesten Stelle von Süd nach Nord durchquert und in die angrenzenden Höhenzüge tiefe Klusen eingegraben hat. Sie tritt durch die Klus von Choindez bei Courrendlin in das Becken ein und verlässt sie nordöstlich von Delémont durch die Klus von Vorbourg. Der östliche Teil des Delsberger Beckens wird durch die Scheulte (deutsch: Scheltenbach), der westliche Teil durch die Sorne mit ihrem Seitenbach Tabeillon entwässert. Beide Flüsse nehmen auf ihrer Wegstrecke durch das Becken verschiedene kurze Seitenbäche auf und münden kurz nacheinander bei Delémont in die Birs.
Begrenzt wird das Delsberger Becken auf allen Seiten von 800 bis 1100 m hohen Bergrücken. Auf der Westseite sind dies der Höhenzug von Mont Russelin (bis 951 m ü. M.) und Caquerelle, auf der Nordseite die Höhen von Les Ordons (995 m ü. M.), Plain de la Chaive (930 m ü. M.) und Fringelikette (bis 947 m ü. M.) und im Osten der Grand Mont (1073 m ü. M.). Die südliche Abgrenzung bilden von West nach Ost die Höhen von Saulcy (1025 m ü. M.), Mont (bis 1133 m ü. M.) und Montchemin (870 m ü. M.) sowie optisch der hohe Kamm des Mont Raimeux (1302 m ü. M.), der jedoch hinter dem wesentlich niedrigen Höhenzug im Bereich der Tiergartenschlucht liegt.
Die Mulde des Delsberger Beckens ist mit tertiären Sandstein- und Mergelschichten angefüllt, welche zur Hauptsache Sedimente aus dem Miozän und Oligozän darstellen. Es handelt sich dabei um Molassesedimente, die von Flüssen aus den Vogesen vor der Jurafaltung hierher verfrachtet wurden. Darüber legten sich quartäre Ablagerungen fluvialen Ursprungs. An den bewaldeten Hängen treten die kompetenten Kalkschichten aus der oberen Jurazeit (Malm) zutage.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 9936 |
| 1900 | 15282 |
| 1910 | 17385 |
| 1930 | 18323 |
| 1950 | 20951 |
| 1960 | 24463 |
| 1970 | 28608 |
| 1980 | 28958 |
| 1990 | 30072 |
| 2000 | 31136 |
Die Entwicklung der Bevölkerungszahl des Delsberger Beckens verlief verhältnismässig kontinuierlich. Markante Zuwachsraten wurden insbesondere von 1950 bis 1970 verzeichnet. Anders als in den übrigen jurassischen Talbecken resultierte die Wirtschaftskrise der 70er Jahre nur in einer Stagnation, nicht aber in einer Abnahme der Bevölkerungszahl. In die gleiche Zeit fiel die Erhebung von Delémont zum Hauptort des neu gegründeten Kantons Jura und dadurch eine Ankurbelung der wirtschaftlichen Lage des Talbeckens. Seither wurde ein weiteres Bevölkerungswachstum beobachtet.
1998 wurde mit der Strecke von Delémont durch das Delsberger Becken und Saint-Ursanne nach Porrentruy das erste Teilstück der Autobahn A16 auf jurassischem Boden eröffnet. Mit der Einweihung der Umfahrung Delémont im Jahr 2005 wurde ein weiteres Teilstück dem Verkehr übergeben. Die A16 soll voraussichtlich bis 2015 sowohl mit dem schweizerischen Nationalstrassennetz als auch mit dem französischen Autobahnnetz verbunden werden.
Die Stadt Delémont fungiert als Sackbahnhof der Eisenbahnlinie Basel-Biel. Am 25. September 1875 erhielt das Delsberger Becken mit der Strecke Basel-Delémont den Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Fortsetzung nach Moutier wurde am 16. Dezember 1876 eingeweiht, nachdem zwei Monate früher, am 15. Oktober 1876 bereits die Linie Delémont – Glovelier eröffnet wuorden war. Durch ein dichtes regionales Busnetz werden die Gemeinden des Delsberger Beckens, die keinen Bahnanschluss besitzen, an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Die eigentliche Besiedlung des Talbeckens erfolgte im 6. und 7. Jahrhundert. In diese Zeit fällt die Gründung von Delémont. Das Gebiet, das Sornegau genannt wurde, gehörte zum Grundbesitz der elsässischen Herzöge, während die kirchliche Hoheit bei der Abtei Moutier-Grandval lag. Durch eine Schenkung Rudolfs III. von Burgund wurde diese mitsamt ihren Ländereien im Jahr 999 dem Bischof von Basel unterstellt. Über verschiedene Herren gelangte der Sornegau im 12. Jahrhundert an die Herrschaft Ferrette (Pfirt) und 1271 durch Kauf an den Bischof von Basel. Damit besass das Fürstbistum Basel auch die weltliche Macht über dieses Gebiet.
Im Jahre 1289 verlieh der damalige Fürstbischof Peter Reich von Reichenstein Delémont das Stadtrecht. In der Folgezeit wurde Delémont befestigt, stieg damit zum zentralen Ort des Beckens auf, wurde bis zum Ende des Ancien Régime Mittelpunkt der fürstbischöflichen Herrschaft und Vogtei Delsberg und diente zeitweise als Sommerresidenz der Fürstbischöfe. Von 1793 bis 1815 gehörte das Delsberger Tal zu Frankreich und war anfangs Teil des Département du Mont Terrible, das 1800 mit dem Département Haut-Rhin verbunden wurde. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam es 1815 an den Kanton Bern. Der Hauptteil des Delsberger Beckens gehörte fortan zum Amtsbezirk Delémont, sechs Gemeinden im südlichen Teil und im Val Terbi jedoch zum Amtsbezirk Moutier.
Schon im 16. Jahrhundert existierten einige Hammerwerke in der Talschaft. Einen starken wirtschaftlichen Aufschwung erfuhren verschiedene Dörfer des Delsberger Beckens ab etwa Mitte des 18. Jahrhunderts durch die gezielte Ausbeutung des Bohnerzes und die Eisenverhüttung. Im 19. Jahrhundert fasste auch die aus dem Neuenburger Jura eingeführte Uhrenindustrie Fuss. Weil für die Eisenverarbeitung sehr viel Holzkohle gebraucht wurde, wurde der Waldbestand in der Region stark dezimiert. Erst mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz um 1875 wurde die Holzkohle durch Steinkohle ersetzt, und die weitere Ausbreitung der Metall- und Uhrenindustrie gefördert.
Verschiedene Vorkommnisse in der räumlich weit entfernten Berner Kantonsregierung liessen im Verlauf des 20. Jahrhunderts den Ruf nach einem eigenständigen Kanton Jura immer lauter werden. Delémont entwickelte sich zum Zentrum dieser Bewegung. In einer Volksabstimmung am 23. Juni 1974 entschieden sich die Bewohner des Bezirks Delémont klar für die Schaffung des neuen Kantons. Weil sich der Bezirk Moutier gegen die Abtrennung von Bern ausgesprochen hatte, erhielten seine Grenzgemeinden die Gelegenheit, im September 1975 nochmals für oder gegen die Abtrennung von Bern zu votieren. Die im Delsberger Becken gelegenen Ortschaften stimmten für die neue Kantonsgründung. Am 1. Januar 1979 wurde der Kanton Jura gegründet, Delémont zur Kantonshauptstadt erklärt und die Gemeinden Châtillon, Rossemaison, Courrendlin, Courchapoix, Corban und Mervelier wechselten vom Bezirk Moutier zum Bezirk Delémont. Die Schaffung des neuen Kantons verlieh Delémont und dem gesamten Delsberger Becken neue wirtschaftliche Impulse.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Delsberger Becken".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world