Zur Deixis (griech. deiknynai 'zeigen', lat. demonstratio.
Auch: deiktischer, indexikalischer Ausdruck, Zeig(e)wort) (Pl. Deixeis) gehören in der Sprachwissenschaft diejenigen Ausdrucksmittel, mit denen ein Sprecher den Hörer in einem Verweisraum (Situation, Vorstellung, Text, Diskurs) orientiert. Basis ist die Hier-Jetzt-Ich-Origo (lat. hic-nunc-ego-Origo), wie sie Karl Bühler beschrieben hat. Das ist der Nullpunkt des Koordinatensystems, von dem aus gezeigt wird.
Arten von Deixis
- Personaldeixis (ich, du): Um zu wissen, auf wen/was diese Deixis zeigt, muss man wissen, wer der Sprecher bzw. Hörer ist, also die Gesprächssituation kennen.
- Der Obviativ (lat. obvius 'entgegenkommend') stellt etwa bei einigen nordamerikanischen Sprachen über spezielle Pronomina die Möglichkeit zur Verfügung, zwischen "unmittelbar vorerwähnt" (proximat) und "nicht unmittelbar vorerwähnt" (obviativ) morphologisch zu differenzieren. Beispiele dt. dieser - jener und lat. iste - ille
- Objektdeixis (dieser, jener): Ein Demonstrativpronomen verweist auf Näheres (Proximal) oder Ferneres (Distal) mit Bezug auf den Sprecher oder Hörer (Medial).
- Lokale Deixis (hier, dort): Lokaladverbien können auch mit Bezug auf den Sprecher bzw. Hörer auf Näheres und Ferneres verweisen.
Ergänzung: "indirekte Deixis" siehe Diskussion.
- Temporale Deixis (jetzt, dann): Ein Bezug zum Äußerungszeitpunkt wird hergestellt. Hierher gehören auch die Tempusformen.
- Textdeixis bzw. Diskursdeixis bezieht sich auf vorangehende/folgende Elemente eines Textes: In vielen Sprachen können hierfür auch Demonstrativpronomina verwendet werden (Was ich sagen will, ist dies/Folgendes:...).
Ergänzung: Diskursdeixis als Lokal- oder Temporal-Deixis siehe Diskussion.
Manche Autoren sprechen von einer sozialen Deixis, die sich auf den sozialen Status der Kommunikatoren beziehen lasse (Sie, Du).
Stufen lokaler Deixis
In Anlehnung an die
Person des Sprechers (
1. Person) und des Hörers (
2. Person) können die folgenden Stufen lokaler Deixis unterschieden werden:
- Nahdeixis, Proximal, Deixis der ersten Person: Es wird auf den Sprecher (ich), auf den Raum in der Nähe des Sprechers (hier) oder einen Gegenstand bzw. eine Person aus diesem Raum verwiesen (dies),
- Medial, Deixis der zweiten Person: Es wird auf den Hörer (du), den Raum in der Nähe des Hörers (spanisch: ahí) oder einen Gegenstand bzw. eine Person aus diesem Raum verwiesen (spanisch: eso, Italienisch: codesto); im Deutschen gibt es keine besonderen Ausdrucksmittel für die mediale lokale Deixis,
- Ferndeixis, Distal, Deixis der dritten Person: Es wird auf eine Person (die so genannte 3. Person), die weder Sprecher noch Hörer ist, auf einen Raum, der von Sprecher und Hörer entfernt ist (dort), oder auf einen Gegenstand bzw. eine Person aus diesem Raum (jener).
- Für manche Indianersprachen wird noch eine weitere (seltene) Stufe angenommen für einen Raum der sehr weit von Sprecher und Hörer entfernt ist (Obvial).
In den meisten Sprachen besteht mindestens eine Unterscheidung von Nah- und Ferndeixis. Verfügt eine Sprache bei der lokalen Deixis über mediale Ausdrucksmittel, verfügt sie auch über eine Unterscheidung von Distal und Proximal.
Literatur
- Holger Diessel: Demonstratives. Form, function and grammaticalisationBenjamins, Amsterdam, 1999 (Typological studies in language; Bd. 42) ISBN 1-556-19656-3
- Konrad Ehlich: Verwendungen der Deixis beim sprachlichen Handeln. Linguistisch-philologische Untersuchungen zum hebräischen deiktischen System, Lang, Frankfurt 1979, ISBN 3-8204-6308-9
- Stephen C. Levinson: Pragmatik, Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-22039-2
- Klaus Sennholz: "Grundzüge der Deixis" (Bochumer Beiträge zur Semiotik, 9), Studienverlag Dr. Norbert Brockmeyer, Bochum 1985,
- Gisela Zifonun u.a.: Grammatik der deutschen Sprache, de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 1-556-19656-3
- Helmut Glück (Hsg), Metzler-Lexikon Sprache, 2000
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