Die Degussa AG ist ein Konzern mit Sitz in Düsseldorf. Er ist das drittgrößte deutsche Chemieunternehmen und zugleich das weltgrößte Spezialchemieunternehmen. Das Wort Degussa war ursprünglich ein Akronym (und "Drahtadresse") für "Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt".
Vorgängergesellschaften waren die Degussa-Hüls AG und SKW Trostberg AG.
Direkter Anlass zur Gründung der neuen Aktiengesellschaft war die deutsche Reichsgründung 1871 mit der Einführung der nationalen Währung Mark, durch die die Partikularwährungen der deutschen Länder obsolet wurden (z. B. der süddeutsche Gulden). Dem entsprechend wurden große Mengen an Münzen aus dem Verkehr gezogen; für die Rückgewinnung des darin enthaltenen Edelmetalls sollte Scheidekapazität in industriellem Maßstab geschaffen werden. Das Tätigkeitsfeld wurde bald auf weitere Edelmetallprodukte (Glanzgold für die Keramik-Industrie) und Chemikalien ausgedehnt.
Während des Dritten Reiches, zwischen 1933 und 1945, war die Degussa stark in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verwickelt (siehe dazu den Abschnitt: „Die Degussa im Dritten Reich“).
Erst 1980 wurde das Unternehmen offiziell in „Degussa AG“ umbenannt.
1990 beschäftigte Degussa 35.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 13,925 Milliarden DM.
1999 wurde die "alte" Degussa in die VEBA-Tochter Hüls AG (Marl) zur Degussa-Hüls AG fusioniert; damit wurde der Energiekonzern VEBA zum Hauptaktionär.
Nach der Vereinigung von VEBA und VIAG zur E.ON AG wurden die Degussa-Hüls und die VIAG-Tochter SKW Trostberg im Jahr 2001 zur "neuen" Degussa AG zusammengelegt. Zugleich wurde der Konzernsitz nach Düsseldorf verlegt.
2000 wurden die Edelmetall-Aktivitäten der Degussa in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, die mittlerweile als Umicore AG & Co. KG zum belgischen Umicore-Konzern gehört. Damit hat sich die Degussa von ihrem ehemaligen Kerngeschäft getrennt, das ihr auch den Namen gab.
Seit dem 1. Juni 2004 gehört Degussa mehrheitlich zur RAG (97,5 %), nachdem der E.ON-Konzern von dieser die Mehrheit der Ruhrgas-Anteile übernommen hatte. Nach Einigung der Konzerne im Dezember 2005 plant die RAG nun, bis Frühjahr 2006 auch die restlichen von der E.ON gehaltenen bzw. in Streubesitz befindlichen Anteile an der Degussa zu erwerben und das Spezialchemieunternehmen zum Standbein für den geplanten RAG-Börsengang zu machen. Die Hauptversammlung am 29. Mai 2006 hat dafür die Weichen gestellt und dem Squeeze Out zugestimmt. Zur Finanzierung wurde die einträgliche Bauchemiesparte der Degussa an die BASF) veräußert. Die Degussa-Aktie soll im Sommer von der Börse genommen werden. Utz-Helmut Felcht, der Vorstandsvorsitzende der Degussa, hat am 1. Juni 2006 den Vorsitz an Klaus Engel abgeben.
Degussa ist Gründungsmitglied der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft. Dr. Michael Jansen, ehemaliger Degussa-Generalbevollmächtigter, war von 2000 bis Juni 2004 Vorstandsvorsitzender der vom Deutschen Bundestag ins Leben gerufenen Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", die Wiedergutmachungen an ehemalige NS-Zwangs- und Sklavenarbeiter zahlt.
Degussa beauftragte 1997 den amerikanischen Historiker Peter Hayes zur Aufarbeitung der Firmengeschichte während des Dritten Reiches. Die Ergebnisse seiner Studie liegen vor.
Die Degussa war demnach in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verwickelt. Unter anderem in die Verfolgung und Beraubung der Juden, in die Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, in die Zwangs- und Sklavenarbeit und in die Massenvernichtung der Juden. Eine ihrer Tochterfirmen (Degesch - „Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH") lieferte das Gas Zyklon B, mit dem Juden in Auschwitz vergast wurden. In den Schmelzöfen der Degussa wurde das Zahngold verarbeitet, das die Nazi-Schergen aus den Kiefern der ermordeten Juden herausgebrochen hatten.
Degussa dokumentiert Hayes Ergebnisse über die Verstrickung der Degussa in den Nationalsozialismus auf einer eigenen Website. *
Das Buch „Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft“ von Peter Hayes erschien 2004.
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