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Unter Dedomestikation versteht man die Umkehrung der Haustierwerdung (Domestikation), also das Entstehen einer Wildart aus einem Haustier.

Ziel der vom Menschen durchgefühten Dedomestikation ist es, die ausgestobenen Stammart eines Haustiers wiederherzustellen. Dazu müssen einzelne ursprüngliche Eigenschaften, die sich bei verschiedenen Rassen dieses Haustiers noch finden, wieder in der Art und Weise zusammenzufügen werden, wie sie bei der ausgestorbenen Stammart gegeben waren. Dazu ist es notwendig, daß alle gesuchten Einzeleigenschaften noch bei verschiedenen domestizierten Rassen oder Tieren vorhanden sind. Tiere mit solchen Eigenschaften werden dann ausgewählt und gezielt gekreuzt, um diese einzelnen Eigenschaften wieder in einer der Stammart ähnlichen Weise zu kombinieren (Rückzüchtung).

Ähnlich funktioniert die Rückzüchtung von Wildtierformen aus verwandten, nicht domestizierten Wildtieren. Auch hier werden die ähnlichsten noch lebenden Tiere ausgewählt und gekreuzt, um durch gezielte Selektion wieder ein der ausgestorbenen Tierform ähnliches Tier zu erhalten (siehe Quagga).

Während in der Natur üblicherweise die Tiere überleben und sich fortpflanzen, die an die dort herrschenden Umweltbedingungen angepasst sind, wählt der Mensch oft gezielt besonders umgängliche, besonders auffällige oder besonders ertragreiche Tiere zur Zucht. Daher unterscheiden sich die Selektionsbedingungen in der Natur und in der Obhut des Menschen, und daher verändern sich Tiere, während und in der Domestikation im Bezug auf Erscheinungsbild, Verhalten und Genetik.

Relativ einfach ist die Rückzüchtung der äußerlichen Erscheinung. Schwieriger sind Verhaltensmerkmale wie Intelligenz und natürliche Instinkte oder Robustheit wiederherzustellen. Da nur sehr wenige Erkenntnisse über den Genpool ausgestorbener Haustierstammformen vorliegen, und eventuell auch nicht mehr alle Allele dieser Stammformen in den heutigen Haustieren vorhanden sind, beschränkt sich die Rückzüchtung bisher auf die genannten Erscheinungs- und Verhaltensmerkmale. Die ausgestorbenen Populationen sind aus Genetischer Sicht, mit den heutigen Mitteln, nicht wiederherstellbar. Eine Rückzüchtung von Tieren kann daher zwar unter Umständen wieder Tiere hervorbringen, die ausgestorbenen Formen ähneln, dennoch ist klarzustellen, daß ausreichend große Wildtierpopulationen, ähnlich wie alte Haustierrassen einen unersetzlichen Genpool besitzen, der mit ihrem Aussterben verloren geht.

Bei der Wiederauswilderung von Rückkreuzungen geraten die Tiere wieder unter ähnliche - weniger von Menschen beeinflußte - Umweltbedingungen, wie ihre wildes Vorbild. Darum hat die Dedomestikation oder die Rückkreuzung einen wichtigen Anteil an der Wiederherstellung variabler Genpools. Auch ist es wahrscheinlich, daß die Rückzuchten wieder eine ähnliche ökologische Funktion im Naturhaushalt übernehmen können, wie ihr Vorbild. Die Rückkreuzung ist daher ein wichtiges Mittel zur Restauration, von anders nicht mehr herstellbaren Ökosystemen.

Dedomestikation wird bei Rindern (Heckrind) und Pferden (Tarpan) versucht. Auch das Quagga, eine Unterart des Steppenzebras versucht man in Südafrika zurück zu züchten (dies ist eine Rückzüchtung keine Dedomestikation, da die Zebras nicht domestiziert worden waren).

Der Dingo ist das Ergebnis einer natürlichen, nicht vom Menschen gesteuerten Dedomestikation. Er stammt von Hunden, die von Menschen nach Australien gebracht wurden ab, und wurde dort wieder zum Wildtier. Wie stark die Hunde von denen er abstammt allerdings domestiziert waren, ist umstritten.

Siehe auch: Ausgestorbene Tierarten Europas

Tierzucht

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