Dead Man ist ein von Jim Jarmusch 1995 als Schwarzweißfilm gedrehter Western mit Johnny Depp und Gary Farmer.
Handlung
Der Film beschreibt die letzten Tage des jungen William Blake, der 1876 mit dem Zug von Cleveland in den Westen reist, um eine Stelle als Buchhalter anzutreten. Man jagt ihn jedoch davon, da der Posten inzwischen vergeben ist. Er übernachtet bei der ehemaligen Prostituierten Thel. Deren reuiger Ex-Verlobter erscheint. Beim folgenden Schußwechsel sterben der Verlobte und Thel. Verwundet flieht Blake in die Wälder. Ein indianischer Einzelgänger namens „Nobody“ findet den bewußtlos Zusammengebrochenen und behandelt ihn. Weiße haben Nobody im Kindesalter als Jahrmarktsattraktion nach Europa verschleppt. Er hält Blake für eine Reinkarnation des englischen Malers und Dichters William Blake, den er verehrt.
Kopfgeldjäger und Sheriffs verfolgen Blake. Nobody und er behaupten sich auf ihrer Flucht erfolgreich gegen Verfolger und Wegelagerer - Blake mit mehr Glück als Verstand, denn Nobody hat ihm seine Brille gestohlen. Blakes Wunde heilt. Kurz bevor die beiden sich von den Verfolgern absetzen und eine große Indianerfestung erreichen, verletzt abermals eine Gewehrkugel Blake, diesmal ernster. Die Indianer versorgen den Verwundeten nicht, denn Nobody sieht seine Aufgabe nun darin, den vermeintlichen Dichter ins Jenseits zurückzubringen. Er bettet Blake in ein Kanu und schiebt ihn aufs offene Meer. Blake, kaum mehr bei Bewußtsein, ist zum Widerstand zu schwach und muss sich fügen. Der letzte überlebende Verfolger erreicht den Strand. Seine Schüsse verfehlen den davontreibenden Blake. Der Verfolger und Nobody erschießen sich gegenseitig.
Interpretationen
- Der Name „Nobody“ könnte auf William Blakes Gedicht To Nobodaddy anspielen, welches im Film ausschnittsweise rezitiert wird.
- Es gibt von den filmischen Bildern her eine große Nähe zu den Gedankenwelten Franz Kafkas. Der Protagonist ist hier wie dort ein Getriebener, wohlgemerkt kein Triebtäter sondern einer, der sich von den Geschehnissen treiben lässt. Ihm widerfährt ein Geschick, d.h. er lauscht auf sein Innenleben und versäumt dabei, sich wirksam gegen seine Verfolger und Widersacher einen erfolgsträchtigen Lebensweg zu finden. Er bleibt immer im Suchen und Träumen stecken, wie sehr viele Figuren Kafkas (Josef K., Der Kübelreiter, Der Schlag ans Hoftor ...). Besonders die Erzählung Der Jäger Gracchus, in der der Jäger, ohne Vampir oder dergleichen zu sein, auf unabsehbare Zeit in einem Kahn auf den Wassern dahintreibt wie Der fliegende Holländer, findet starke Entsprechung in den Endsequenzen dieses eigenartig schönen, mythologischen Filmkunst-Werks.
- Von der Erzählhaltung und Stimmungslage her sind auch starke Anklänge an filmische Arbeiten des Finnen Aki Kaurismäki vorhanden. Namentlich der Film Der Mann ohne Vergangenheit (2002) hat Äquivalenzen, ebenso wie Schatten im Paradies (Varjoja paratiisissa, 1986) und Wolken ziehen vorüber (Kauas pilvet karkaavat, 1996). Gemeinsam ist dabei z.B., dass nur scheinbar Einzelschicksale erzählt werden, tatsächlich aber ein ganzes Tableau oder Sittenbild, wie man das früher nannte, der Epoche aufleuchtet, was gewollt ist. Dabei wird das Ganze kunstvoll in ein mythologisierendes Licht getaucht, wo zwischen wirklich und unwirklich nur noch vage zu unterscheiden ist. Manche Filme der neuen Berliner Schule, etwa Christian Petzolds Gespenster (2004) oder Christoph Hochhäuslers Milchwald (2003) haben eine ähnliche Themenwahl, die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt einzufangen und sichtbar werden zu lassen, sind dabei aber ungleich deutlicher an soziale und sozialpsychologische Sachverhalte einer bestimmten, gegenwärtigen europäischen Region (Berlin, Ostdeutschland, Polen-Grenze) gebunden.
Auszeichnungen
Der Film erhielt unter anderen den
Europäischen Filmpreis als bester nichteuropäischer Film des Jahres.
Weblinks
Filmtitel | Filmtitel 1995 | Schwarzweißfilm | Western | Independentfilm | US-amerikanischer Film
Dead Man | مرد مرده | Dead Man | Dead Man | Truposz | Мертвец (фильм)