Der General Allotment Act, auch Dawes Act genannt, war ein US-Gesetz, welches das Reservationsland parzellierte.
Schon seit 1871 hatte die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Stämme der US-amerikanischen Ureinwohner (Indianer) verstärkt durch Gewalt und Betrug in diejenigen Gebiete ("Indianerreservation") gezwungen, die zunächst für die weißen Siedler von geringer Bedeutung waren. Nach dem letzten großen Sieg der Ureinwohner bei der Schlacht am Little Bighorn River gegen ein Truppenkontingent der US-Armee unter General George A. Custer am 25. Juni 1876 war der Höhepunkt des Widerstandes überschritten. Die Indianer konnten mit ihrer Lebensweise in den ihnen aufgezwungenen Reservationen nicht überleben und wurden von Lebensmittellieferungen der US-amerikanischen Regierung abhängig. Aber auch der größte Teil der ihnen belassenen Gebiete sollte den rechtlosen Ureinwohnern (sie erhielten erst 1924 die Staatsbürgerschaft der USA) genommen werden.
Am 8. Februar 1887 erließ der US-amerikanische Kongress den "General Allotment Act" ("Allgemeines Landzuweisungsungsgesetz"). Später wurde er allgemein als Dawes Act bekannt, nach Senator Henry L. Dawes, der ihn ausgearbeitet hatte. Das Reservationsland wurde privatisiert, in 160 Acres große Flächen unterteilt und an jedes Familienoberhaupt der Indianer zur alleinigen Nutzung vergeben. Alle unverheirateten Reservationsbewohner über 18 Jahre und minderjährige Waisen wurden mit 80 Acres belehnt, Kinder unter 18 Jahre erhielten 40 Acres und Ehefrauen gar nichts. Die oft ertraglosen Parzellen wurden jedoch erst nach 25 Jahren Eigentum der Indianer. Die US-Regierung fungierte als Treuhänder. Die Ureinwohner kannten kein Privateigentum an Grund und Boden und verkauften vielfach aus Unkenntnis oder wirtschaftlicher Not ihr Land an weiße Siedler oder Spekulanten. Die nicht aufgeteilten Gebiete und die Parzellen, die nach dem Tod der Besitzer an den Staat fielen, wurden zu Schleuderpreisen an weiße Interessenten verkauft.
Nebst der Landparzellierung sollten weitere Maßnahmen die Indianer im Melting Pot der USA aufgehen lassen. Den Indianern sollte alles Wilde ausgetrieben und sie damit zu Weißen gemacht werden. Die wohl verheerendste Maßnahme nebst der Parzellierung war die Errichtung von Boarding Schools. Indianerkinder wurden schon sehr früh ihrem Elternhaus und damit dem Reservationsleben entrissen und außerhalb in Internate gesteckt. Dort war es ihnen verboten, ihre traditionelle Sprache zu sprechen oder traditionelle Zeremonien abzuhalten. Sämtliche Werte, die den Kindern in ihrer traditionellen Erziehung beigebracht worden waren, beschimpften die Verantwortlichen der Internate, oft Missionare. Die Indianerkinder gerieten so in eine kulturelle Depression, die ihr ganzes zukünftiges Leben bestimmen sollte. Das Verbot der traditionellen Sprache und der Ausübung ihrer tribalen Religion und Zeremonien galt nicht nur für die Schüler und Schülerinnen der Boarding Schools sondern für sämtliche in den USA lebenden Indianer.
Später erhielten die Indianer einiges des verlorengegangenen Landes wieder zurück. Insgesamt wurden bis 1920 1,26 Millionen acres an Indianer überschrieben, die zur Zeit der Parzellierung nicht in den Reservationen gelebt hatten.
Der General Allotment Act hatte aufgrund der massiven Verkleinerung des Reservationslandes zum Teil eine Aufsplittung der Reservationen zur Folge. Beispielsweise wurde die große Lakota-Reservation in sechs kleinere aufgeteilt.
Nicht alle Stämme waren von der Parzellierung betroffen. Diejenigen in Oklahoma und Nebraska wurden ebenso verschont wie einige wenige andere, wie die Seneca und Menominee.
Dem General Allotment Act wird vor allem angelastet, dass dieses Gesetz die Folgewirkung der Vererbung nicht berücksichtigt hatte.
1906 sollte der Burke Act der Willkür der Bundesstaaten, welche oft nur die Interessen der Weißen berücksichtigten, Einhalt gebieten. In der Folge wurden die Parzellierungen vom Bund und nicht mehr von den einzelnen Bundesstaaten vorgenommen.
Siehe auch: Indianerpolitik der USA, Indian Reorganization Act, Termination, Indian Self Determination Act
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"Dawes Act".
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