David Ricardo (* 18. oder 19. April 1772 in London; † 11. September 1823 in Gatcombe Park) war als Vertreter der Klassik ein bedeutender englischer Nationalökonom. Er gilt als einer der Begründer der theoretischen Nationalökonomie.
Ricardo entstammte einer jüdischen (vgl. Sephardim), früher aus Portugal nach Holland, dann von dort nach England eingewanderten Familie. Er war das dritte von siebzehn Kindern und hatte fünf Brüder. Der Vater war Börsenmakler und galt als einer der reichsten Menschen der damaligen Welt. Bereits mit 14 Jahren folgte er seinem Vater an die Londoner Börse.
Ricardo entsagte dem jüdisch-orthodoxen Glauben seiner Familie und brannte im Alter von 21 Jahren mit Priscilla Anne Wilkinson, einer Quäkerin, durch. Er heiratete sie und trat zum Christentum über. Sein konservativer Vater brach daraufhin den Kontakt zu seinem Sohn ab und enterbte ihn. David Ricardo war fortan auf ein Darlehen von Bekannten angewiesen. Zu dieser Zeit schloss Ricardo sich dem Unitarismus an.
Als Börsenmarkler kam er schon früh zu einem Vermögen, das es ihm ermöglichte, sich mit 25 Jahren teilweise aus dem Erwerbsleben zurückzuziehen. Es folgten 1798 naturwissenschaftliche Studien. Im Jahr 1799 befasste sich Ricardo mit dem Hauptwerk Adam Smiths – Auslöser für weitere ökonomische Studien. Doch erst im Jahr 1809 wendete sich Ricardo mit einer Schrift an die Öffentlichkeit. Sein Vermögen gestatte Ricardo, sich mit 42 Jahren ausschließlich mit ökonomischen Studien zu beschäftigen. Er zog nach Gloucestershire.
Ebenso war er bis zu seinem Tod Vertreter des irischen Bezirkes Portalington im britischen Unterhaus, in das er 1819 gewählt wurde. Hier setzte er sich für den Freihandel und die Aufhebung der Corn Laws ein. Seine politischen Positionen wurden von einem ausgeprägten Idealismus getragen.
Freundschaften verbanden ihn mit James Mill, Thomas Malthus und Jeremy Bentham.
Als Ricardo 1823 starb, hatte er ein sehr großes Vermögen angesammelt.
Das Interesse an Ökonomie wurde im Jahr 1799 durch die Lektüre von Adam Smiths Wohlstand der Nationen geweckt.
David Ricardo veröffentlichte 1817 Principles of Political Economy and Taxation und entwickelte die Theorie der komparativen Kostenvorteile, einem Kernpunkt der Außenhandelstheorie, mit der er zeigen konnte, dass Außenhandel sich für alle Volkswirtschaften lohnt, auch für jene, die gegenüber anderen Staaten bei allen Gütern Kostennachteile haben.
Ricardo konnte sich gemeinsam mit Robert Torrens mit der These durchsetzen, wonach die Basisgeldmenge begrenzt werden müsse. Damit war die gegenteilige These John Fullartons und Thomas Tookes widerlegt, wonach der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sich ganz von alleine regeln würde.
Ricardos pessimistische Haltung zum technischen Fortschritt (s. dort), wie sie später auch Marx teilte, gilt heute als wenig plausibel. Der Marxismus beinhaltet außerdem Ricardos Definition von Wert, wonach dieser von der menschlichen Arbeit abhängt, der an der Ware verrichtet wurde. Marx baute darauf seine Version der Arbeitswertlehre und seine Theorie vom Mehrwert auf.
Seine wichtigsten Schriften sind: On the influence of a low price of corn on the profits of stock (1815), worin er die freie Korneinfuhr empfahl; On the funding system (1820), in welchem Werk er Steuererhöhung statt der Anleihen forderte; Principles of political economy and taxation (1812; deutsch von Baumstark, Leipz. 1837-38, 2 Bde.; 2. Aufl. 1877).
Seine Werke gab M'Culloch (1846) gesammelt heraus.
Ricardos Name ist eng verknüpft mit derjenigen Theorie der Grundrente, welche die Entstehung der letzteren darauf zurückführt, dass von verschiedenen vorhandenen Bodenqualitäten die besseren nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken, und deshalb der Preis der Bodenprodukte so hoch stehen müsse, dass die Kosten für Bebauung des schlechtesten noch unentbehrlichen Grundstücks gerade gedeckt würden.
Seine Briefe an Malthus wurden von Bonar herausgegeben (1888).
Ricardo zu Ehren führte später der Lehrstuhl der politischen Ökonomie an der Londoner Universität den Namen Ricardo.
Heutzutage spricht man von der Neoricardianischen Schule, wenn Wirtschaftswissenschaftler wie Joan Robinson oder Piero Sraffa auf Teile von Ricardos Theorie zurückgreifen. Ricardos "Kornmodell" gilt auch als ein frühes Beispiel einer Ein-Gut-Parabel. Nach Ricardo ist auch die sogenannte Ricardianische Äquivalenz benannt.
Mann | Ökonom (18. Jh.) | Ökonom (19. Jh.) | Brite | Utilitarist | Britischer Unitarier | Geboren 1772 | Gestorben 1823
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