David Hume (* 26. April/7. Mai 1711 Das erste Datum bezeichnet das nach dem zum Zeitpunkt seiner Geburt in Schottland noch geltenden Julianischen Kalender, das zweite das nach dem Gregorianischen (Schottland stellte 1752 um). in Edinburgh; † 25. August 1776 in Edinburgh) war ein schottischer Philosoph, Ökonom und Historiker. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der britischen Aufklärung und der philosophischen Strömung des Empirismus. Seine erkenntnistheoretischen Überlegungen übten einen starken Einfluss auf die Philosophie Immanuel Kants aus. Mittelbar wirkte er auf die modernen Richtungen des Positivismus und der Analytischen Philosophie. In Bezug auf seine wirtschaftswissenschaftliche Bedeutung kann er zur vorklassischen Ökonomie gezählt werden. Hume war ein enger Freund Adam Smiths und stand mit ihm in regem intellektuellen Austausch.
In den Jahren 1723 bis 1729 machte er eine Ausbildung und studierte die Rechtswissenschaft, verfiel nach Abschluss des Studiums in eine tiefe Depression und arbeitete erst ab 1731 in Bristol in einem Handelshaus. Von 1735 - 1737 hielt sich Hume in Frankreich auf, arbeitete dort an seinem Treatise on human nature und beschloss, sich künftig - trotz fehlender materieller Grundlagen - geistigen Studien zu widmen. 1739/40 erschien dann der Treatise, hatte aber sehr wenig Resonanz. Hume hatte die Idee, eine anonyme Selbstrezension an eine Zeitung zu schicken, was dem Treatise allerdings auch nur wenig neue Aufmerksamkeit bescherte. 1741/42 wurden diverse Essays Humes veröffentlicht, 1745 bewarb er sich auf einen Lehrstuhl der Ethik in Edinburgh, hatte aber auf Grund seines Rufes als „Atheist“, „Materialist“ und „Amoralist“ wenig Chancen, ebenso wenig wie später bei einer Bewerbung in Glasgow.
Daraufhin arbeitete er ein Jahr als Tutor und Betreuer eines Marquis, wodurch er finanziell etwas besser gestellt war. 1746 und 1747 nahm er an militärischen Expeditionen in Frankreich teil und fungierte dort erst als Sekretär des Generals Sinclair, später sogar als dessen Adjutant auf diplomatischen Missionen in Wien und Turin.
1748 erschien dann Enquiry concerning human understanding, eine Überarbeitung des Treatise, den er zeitlebens immer wieder erweitert hat. 1752 erschienen die Political discourses und Hume versuchte sich als Bibliothekar des Juristenkollegiums in Edinburgh, wo er die Arbeit an der Geschichte Englands begann. Diese erschien in den Jahren 1754 bis 1761, stieß aber auf breite Ablehnung, die sich mit dem Erscheinen von The natural history of religion 1757 noch verstärkte. Mittlerweile war der Absatz von Humes Schriften jedoch so groß, dass er davon leben konnte.
1763 reiste Hume als Botschafter nach Paris und kehrte 1766 mit Rousseau nach London zurück, um ihm dort Asyl zu verschaffen. Rousseau floh aber aus Misstrauen gegenüber Hume wieder nach Frankreich (siehe dazu Literatur: Edmonds). 1767/68 arbeitete Hume schließlich als Unterstaatssekretär im Außenministerium in London und verbrachte dann seinen Lebensabend in Schottland mit der Überarbeitung seiner Werke.
Damit hat Hume nicht nur die Grund-These des Empirismus formuliert, sondern gleichzeitig auch einen wichtigen Ausgangspunkt für sein eigenes Philosophieren: Dieses besteht nämlich in weiten Teilen darin, alle Konzeptionen, die sich nicht auf die empirische Basis der Sinnesempfindungen zurückführen lassen, abzulehnen. Von Humes Skeptizismus sind keinesfalls nur philosophische Dogmen betroffen, sondern vor allem auch tief in der Lebenswelt verwurzelte Gemeinplätze wie etwa der Glaube an eine Welt außerhalb von uns oder das Vertrauen in das Lernen aus Erfahrung. Für Hume stellt sich in diesen Fällen meist die Folgefrage, wie es angesichts der Falschheit dieser Grundsätze dennoch zu ihrer übergroßen Überzeugungskraft hat kommen können. Seine diesbezüglichen Erklärungen arbeiten meist mit im Geist wirkenden 'mechanistischen' Kräften, wie der Gewohnheit.
Nichtsdestoweniger kommen wir doch nicht umhin, an die Existenz der Außenwelt zu glauben. Die Natur, so Hume, hat uns hierin keine Wahl gelassen ("Nature has not left this to * choice"). Es stellt sich nun als nächstes die Frage nach den Gründen für diesen starken Glauben. Diejenigen Wahrnehmungen, denen wir eine von uns unabhängige Existenz zuschreiben, unterscheiden sich von den übrigen durch ihre Konstanz und Kohärenz: Werden sie eine Zeit lang nicht beobachtet (wendet man den Blick vom Schreibtisch ab), dann lassen sie sich entweder identisch wiederherstellen (indem man wieder zum Schreibtisch hinblickt) oder die Änderungen sind zumindest regelhafter Natur (der Schreibtisch könnte verschoben sein, dadurch ist aber nur seine Lage geändert, nicht etwa seine Farbe). Humes Theorie zufolge empfindet der menschliche Geist die Tatsache, dass solche Wahrnehmungen unterbrochen und dann in nahezu identischer Form wieder aufgenommen werden, als Widerspruch und versucht diesen Widerspruch durch die Fiktion einer realen unabhängigen Existenz des Objekts aufzulösen.
Hume versucht nun aufzuweisen, warum die Abfolge der Sinneseindrücke im menschlichen Geist als etwas Identisches aufgefasst wird, wie es also zu der Fiktion (aus Humes Sicht) des Ich kommen konnte. Nach Hume entsteht diese Illusion durch den engen Zusammenhang der Eindrücke im menschlichen Geist. Der Zusammenhang besteht darin, dass die verschiedenen Wahrnehmungen einander kausal beeinflussen, indem nämlich Eindrücke durch Assoziation korrespondierende Ideen hervorrufen und diese wiederum Eindrücke. Wichtig ist hierbei das Gedächtnis, das uns erlaubt, vergangene Eindrücke abzurufen. Letztlich ist es also dieser Zusammenhang der Wahrnehmungen, die den Geist dazu bringen, die Abfolge der Wahrnehmungen in einer Identität zu vereinen, die dann Ich genannt wird.
Hume stellt heraus, was nach seiner Ansicht das Gemeinsame an allen Kausalvorgängen ist en:Treatise_of_Human_Nature/Book_1:_Of_the_understanding/Part_III#Sect._II:_Of_probability.3B_and_of_the_idea_of_cause_and_effect.. Zunächst müssen Ursache und Wirkung immer räumlich benachbart sein. (Zwar kann ein Ereignis auch über eine gewisse Entfernung auf ein anderes wirken, aber nur indem es eine Kette von benachbarten Ereignissen zwischen den beiden gibt.) Dann erfolgt die Wirkung immer später als die Ursache. Diese Bedingungen seien aber zusammen noch nicht hinreichend, es müsse ein drittes Element geben, eine Kraft oder Notwendigkeit, die vom einen Ereignis auf das andere wirkt, so dass wir sagen können, das zweite habe stattgefunden, weil das erste passiert sei. Es zeige sich aber, dass diese Notwendigkeit weder beobachtet noch erschlossen werden könne. Aus der Flüssigkeit und Durchsichtigkeit des Wassers könne nicht erschlossen werden, dass es einen Menschen ersticken kann en:An_Enquiry_Concerning_Human_Understanding#PART_I..
Ursache-Wirkungs-Abfolgen unterscheiden sich nach Hume dadurch von bloß zufälligen raum-zeitlich benachbarten Ereignissen, dass sich dort viele ähnliche Fälle beobachten lassen. Und allein darin liege die notwendige Verknüpfung. Hat der Mensch die Abfolge von ähnlichen Ereignissen oft gesehen, so forme er aufgrund von Gewöhnung angesichts des einen Ereignisses die Erwartung des anderen. Hume ist sich darüber im Klaren, dass seine Theorie, nach der die notwendige Verknüpfung nicht in der Natur der Kausalvorgänge, sondern eher im Geiste der menschlichen Betrachter liegt, provozieren muss Vgl. auch en:Treatise_of_Human_Nature/Book_1:_Of_the_understanding/Part_III#Sect._XIV:_Of_the_idea_of_necessary_connexion.. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom Hume-Problem.
Hier wird die gerade für eine empiristische Erkenntnistheorie eminent wichtige Praxis des Lernens aus Erfahrung in ihrer Berechtigung in Zweifel gezogen Vgl en:An_Enquiry_Concerning_Human_Understanding#PART_II. . Ein Lernprozess findet beispielsweise statt, wenn jemand angesichts der Tatsache, dass ihn Brot in der Vergangenheit genährt hat, darauf schließt, dass es in auch in Zukunft nähren wird. Wie aber bereits in den Überlegungen zum Kausalitätsproblem herausgestellt, liegen die „kausalen Kräfte“ des Brotes im Verborgenen und lassen sich aus seinen beobachtbaren Eigenschaften nicht erschließen. Es gibt damit kein rational begründbares Argument dafür, dass das Brot tatsächlich auch in Zukunft nähren wird. Der Versuch ein solches Argument durch Berufung auf ein „Uniformitätsprinzip“ beizubringen, welches besagt, dass die Zukunft der Vergangenheit ähneln wird, muss scheitern: Ein solches Prinzip könnte nur aus der Erfahrung begründet werden und setzt damit dasjenige, was es zu beweisen gilt, nämlich die Berechtigung aus der Vergangenheit zu lernen, bereits voraus.
Wie bereits oben ausgeführt, ist es letztlich die Gewohnheit, die uns erwarten lässt, dass Brot uns erneut nähren wird, wenn dies in der Vergangenheit wiederholt der Fall war en:An_Enquiry_Concerning_Human_Understanding#PART_I._2 . Tatsächlich können wir sogar gar nicht umhin, eine solche Erwartung zu hegen und in diesem Sinne aus der Erfahrung zu lernen. Dieser Drang ist von einem praktischen Standpunkt aus betrachtet als durchaus nutzbringend zu bewerten. Dennoch ist diese Praxis unter dem Vernunftsgesichtspunkt für Hume irrational.
Hieraus folgt nun ziemlich unmittelbar, dass aus dem Sein kein Sollen gefolgert werden kann en:Treatise_of_Human_Nature/Book_3:_Of_morals#Sect._I:_Moral_distinctions_not_deriv.E2.80.99d_from_reason.: Dass die Moral Einfluss auf Gefühlsregungen und Handlungen hat, zeigt sich darin, dass sich der Mensch oft durch moralische Vorschriften beeinflussen lässt. Da die Vernunft allein nach Hume jedoch keinen solchen Einfluss haben kann, können moralische Vorschriften auch nicht von Vernunftprinzipien allein hergeleitet sein.
Für Hume liegt daher die Verwerflichkeit eines Verbrechens, etwa Mord, nicht in einem objektiven Zug dieses Ereignisses, sondern in dem Gefühl der Missbilligung, welches wir in uns verspüren, wenn wir mit dem Ereignis konfrontiert werden. Von einem praktischen Gesichtspunkt macht es jedoch nach Hume kaum einen Unterschied, ob Tugend und Laster nun objektive Züge einer Handlung sind oder subjektive Gefühle im Betrachter (vgl. Subjektivismus): Für den Betrachter sind sie gleichwohl real und er wird Verhaltens-Regularien, etwa die Gesetze eines Landes, so oder so entsprechend ausrichten.
Philosoph der Frühen Neuzeit Moralphilosoph | Erkenntnistheoretiker | Philosophie des Geistes (Vertreter) | Ökonom (18. Jh.) | Historiker | Aufklärer | Brite | Mann | Geboren 1711 | Gestorben 1776
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