International_Date_Line.png Die feste Datumsgrenze ist eine gedachte Linie auf der Erdoberfläche, an deren westlicher Seite jedes Datum auf der Erdkugel zuerst in Erscheinung tritt. In Folge dessen wird nach ihrer Überquerung in östliche Richtung das Datum des vorherigen Tages vorgefunden und bei Überquerung in westlicher Richtung entsprechend der nächste Tag. Diese Grenze verläuft seit dem Jahre 1845 ungefähr entlang des 180. Längengrads.
Neben dieser festen Datumsgrenze existiert auch eine bewegliche Datumsgrenze. Die bewegliche Datumsgrenze ist die 24-Uhr-Linie; sie umkreist die Erde ständig von Osten nach Westen. Wenn an einem Ort die Uhrzeit 23:59 ist, so ist an einem weiter im Osten gelegenen Ort die Uhrzeit (beispielsweise) 0:59 des folgenden Tages, und irgendwo zwischen den beiden Orten verläuft die bewegliche Datumsgrenze.
Interessant wird es aber, wenn man bei einer Reise die ebenfalls den Ländergrenzen folgende Datumslinie überschreitet, also von Längen östlich der Datumsgrenze auf solche westlich davon übergeht oder umgekehrt. (Hierbei muss die etwas verwirrende Tatsache beachtet werden, dass die westlichen Längengrade östlich der Datumsgrenze (also auf der typischen Landkarte rechts davon) und die östlichen Längengrade westlich der Datumsgrenze (auf der Landkarte links) liegen, da ja der Nullmeridian, auf den sich die Bezeichnungen „westliche“ und „östliche Länge“ beziehen, genau gegenüber der Datumsgrenze auf der anderen Seite der Erde verläuft.) Fährt man z.B. von Japan nach Amerika (Wechsel von Ost- zu Westlänge, aber Fahrt von Westen nach Osten), so muss man dasselbe Datum zweimal zählen, umgekehrt muss man einen Tag wegfallen lassen. Der Merkspruch
Auf Schiffen führt man den Wechsel meistens um Mitternacht aus, so dass man, wenn man etwa am 1. August die Datumslinie passiert, bei Fahrtrichtung Amerika (ostwärts, s. o.) den neuen Tag wieder als 1. August bezeichnet, umgekehrt bei Fahrtrichtung Japan (westwärts, aber längenmäßig von West nach Ost) aber zu dem neuen Tag sogleich 3. August sagen muss, denn ein Tag, der 2. August, muss ja ausfallen.
Schreitet man nun vom Nullmeridian ausgehend in Richtung Osten vorwärts, wird es immer später – man verliert gewissermaßen Zeit; nach 180 Längengraden ist man so um 12 Stunden in der Zeit vorangerückt. Begeht man die gleiche Reise Richtung Westen, gewinnt man Zeit hinzu. Nach 180 Längengraden hat man so 12 Stunden Zeit gewonnen. Die Differenz zwischen diesen beiden „Zeitreisen“ beträgt nun also am 180. Längengrad genau einen Tag.
Alternativ kann man sich folgendes vorstellen: Bei einer 24-stündigen Reise westwärts um die Erde müsste man nach jeder Stunde die Uhr um eine Stunde zurückstellen. Nach Ankunft am Ausgangspunkt wäre exakt wieder der Zeitpunkt der Abreise – und das ist unmöglich. Also muss man irgendwo auf der Welt einen Sprung um 24 Stunden nach vorne machen. Bei einer Reise ostwärts gilt analog das Gleiche: Ohne einen Sprung um 24 Stunden zurück, wäre man nach der 24-stündigen Reise erst 48 Stunden nach Abreise angekommen.
Da es nicht möglich ist, in der Zeit immer weiter voran oder zurück zu reisen, wurde entlang des 180. Längengrades die Datumsgrenze festgelegt. Beim Überschreiten dieser Grenze Richtung Westen wird der ganze Zeitgewinn, den man bis dahin erhielt, in einen Zeitverlust der gleichen Höhe umgewandelt – man verliert einen Tag. Beim Überschreiten in Richtung Osten dagegen wird der aufgelaufene Zeitverlust in einen Zeitgewinn umgewandelt, man gewinnt einen Tag hinzu.
Als Ferdinand Magellan 1519-1521 die erste Weltumsegelung schaffte, wusste man noch nichts von diesen Gesetzmäßigkeiten. Somit war die Verwirrung groß, als die wenigen Überlebenden des Unternehmens 1521 wieder in Spanien ankamen und sie sich im Datum um einen Tag vertan hatten. Da die Seeleute sehr gläubig waren, war ihre größte Sorge, dass sie die heiligen Feiertage nicht richtig begangen hatten und somit gingen sie in die Kirche, um ihre vermeintliche schwere Sünde zu beichten.
Jules Verne verwendet den gleichen Irrtum für eine spannende Pointe in seinem Roman In 80 Tagen um die Welt.
Der 180. Längengrad verläuft zwar überwiegend durch Gewässer – deswegen wurde er auch als Datumsgrenze bestimmt. Wo er jedoch übers Land verläuft, bringt er als Datumsgrenze verwaltungstechnisch Probleme mit sich. Aus diesem Grund wurde die Datumsgrenze bereits mehrfach „ausgebeult“, um ein einheitliches Datum innerhalb eines Staates zu garantieren.
So verläuft die Datumsgrenze statt über die zu Russland gehörende Tschuktschenhalbinsel weiter östlich zwischen den in der Beringstraße gelegenen Diomedes-Inseln. Die etwas weiter südlich liegenden Alëuten-Inseln – Hoheitsgebiet der USA – werden dagegen westlich von der Datumsgrenze umlaufen.
Auch einige neuseeländische Inseln sorgten dafür, dass die Datumsgrenze auf der Südhalbkugel leicht in Richtung Osten verschoben wurde.
Lange Zeit war der mikronesische Inselstaat Kiribati, dessen winzige Eilande sich über mehrere Millionen Quadratkilometer Pazifik verteilen, durch die Datumsgrenze geteilt, was zunächst kein großes Problem darstellte. Im Zuge der Entwicklung des Staates aber war auch hier eine Festlegung auf ein Datum nötig. So entschied sich Kiribati, dass es komplett westlich der Datumsgrenze liegen sollte.
Dies führte zur bisher stärksten Verschiebung der Datumsgrenze Richtung Osten, die am 1. Januar 1995 aktiv wurde. Allerdings sind leider auch über 10 Jahre nach dieser Änderung die meisten Grafiken zur Datumsgrenze im Web immer noch nicht aktualisiert. Die Anpassung führte dazu, dass das östlichste Eiland Kiribatis offiziell der erste Teil der Welt war, der das Jahr 2000 als erster begrüßen konnte. Werbeträchtig wurde diese Insel daher in „Millennium Island“ (deutsch etwa Jahrtausendwendeinsel) umbenannt.
Quasi einen ganzen Tag in der Geschichte übersprungen haben die Philippinen. Da sie von 1898 bis 1946 eine Kolonie der USA waren, „tickten“ sie daher nach deren Datum. Mit der Unabhängigkeit aber entschloss man sich, den asiatischen Nachbarstaaten vom Datum her gleichzuziehen und übersprang somit die Datumsgrenze Richtung Westen, verlor also einen Tag.
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