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Rows_of_bodies_of_dead_inmates_fill_the_yard_of_Lager_Nordhausen%2C_a_Gestapo_concentration_camp.jpgn gilt als die Manifestation des Bösen (hier: KZ Nordhausen, 1945)]] Das Böse (ahd. bôsi, von vordeutsch *bausja- „gering, schlecht“, genaue Etymologie unklar)Vgl. Stichwort böse‘, in: Kluge, Etymologisches Wörterbuch, 24. Aufl. ist in der Philosophie das, was ethisch falsch ist, was abzulehnen und schlecht ist. Es ist also das Gegenteil des moralisch Guten. Die Begriffe „gut“ und „böse“ sind normative, präskriptive Begriffe: wer sie benutzt, beschreibt i.a. nicht nur, sondern wertet und hätte i.a. gerne, dass andere ebenso werten und entsprechend dieser Werturteile handeln.

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind die Begriffe „böse“ und „schlecht“ nicht scharf getrennt.

Gut und Böse werden oft als Gegenpole betrachtet, zwischen denen es viele Abstufungen gibt.

Bezug auf den Standpunkt


Die konkrete Beurteilung, was gut und böse ist, hängt häufig vom jeweiligen Kontext der Situation und den Beurteilenden ab. Ohne diese zu berücksichtigen, ist oft schwierig oder unmöglich feststellbar, ob jemand oder etwas als böse oder gut zu beurteilen ist. Ein extremes Beispiel: des Einen Terrorist ist des Andern Freiheitskämpfer.

Die Standpunktabhängigkeit wird in der Philosophie des Relativismus so stark betont, dass es keine objektiven Maßstäbe für ethische Wertungen gibt.

In den meisten Religionen und Gesellschaften existiert dagegen eine gewachsene Übereinkunft zur ethischen Bewertung der meisten Typen von Taten.

Auffassung des Bösen in Theologie und Religion


Folio_64v_-_The_Fall_of_the_Rebel_Angels.jpg stürzt; er wird zum „bösen Gegenprinzip“ Gottes (Les Très Riches Heures des Grafen von Berry, fol. 64v, 1412/16)]] Religionswissenschaftlich lassen sich zwei Formen des Bösen unterscheiden: einerseits Böses in der menschlichen Sphäre (der Gegenpol des sittlich Guten), andererseits böse 'göttliche' bzw. geistige Mächte oder Kräfte, die in schädlicher Weise wirken oder denen in ethischer Hinsicht schlechte Einflüsse zueigen sind, das „numinose Böse“Vgl. Artikel ‚Böse, das‘, in: RGG, 3. Aufl., Bd. 1, Sp. 1343f

In vielen Religionen (das typische Beispiel Manichäismus wird in jüngeren Forschungen oft differenzierter beurteilt), tendenziell auch in Phasen und Teilen des Christentums oder des Islam, gibt es Strömungen, die die Welt als Schauplatz eines Kampfes zwischen „Gut“ und „Böse“ betrachten. Die guten Elemente (Götter/Engel) bekämpfen die bösen Elemente (Götter/Dämonen). In diesem Konzept hat jeder Mensch die Wahl, sich entweder für die gute oder die böse Seite zu entscheiden.

In der Philosophie und ihrer theologischen Rezpezion (z.B. bei Augustinus und fast durchweg im Mittelalter) wird das Böse als substanzlos charakterisiert. Es ist ein bloßer Mangel des Guten (ein Privativum). Als Privation wird beispielsweise auch die Blindheit analysiert: Blindheit sei keine positive Qualität, sondern schlicht Mangel an Sehfähigkeit.

Personifikationen


Es gibt in den verschiedenen Kulturen verschiedene Personifikationen des Bösen, wie etwa den jüdisch-christlichen Teufel, aber auch heidnische Götter wie der germanische Loki, bestimmte Arten arabischer Dschinnies oder auch die Dämonen des Hinduismus. Ihnen allen ist - ihrer bösen Natur gemäß - gemeinsam, dass sie Unglück und Verderben bringen.

Im Laufe der Geschichte wechselten die personifizierten Mächte durch den Wechsel der Religion bisweilen vom Guten zum Bösen, so wandelte sich z.B. der griechische Hirtengott Pan in Folge der christlichen Missionierung zu einer heute weit verbreiteten Darstellung des Teufels (eine solche Umdeutung ist ein Fall von interpretatio christiana).

In der Moderne werden auch reale Menschen oft zu Personifikationen des Bösen stilisiert. Prominente Personen, die in einigen Kulturen „das Böse“ verkörpern, sind Josef Stalin, Mao Zedong, Adolf Hitler, Pol Pot, Osama bin Laden, Rasputin u.a. Schwarz-weiß Denken ist in einigen modernen Gesellschaften weit verbreitet und findet seinen Ausdruck darin, dass ein Gegner als das „Reich des Bösen“ bezeichnet wird. Solche vereinfachten Weltbilder gestalten auch zahlreiche Fantasy-Bücher und -Filme.

Nach einigen Auffassungen wird das Böse auch als eigenständige Urkraft betrachtet, die sich manchmal in Dämonen personalisiert, manchmal aber auch eigenständig auftritt als das Absolut Böse (z.B. im Cthulhu-Mythos). Die Entwicklung der Gesellschaft verläuft nach Auffassung einiger in Zyklen zwischen Zeitaltern des Guten (Goldene Zeitalter) und Zeitaltern des Bösen (Dunkle Zeitalter).

Symbole


anti-pentalpha.png Ein prominentes Beispiel für ein Symbol des Bösen ist das gestürzte Pentagramm. Aber auch Totenköpfe oder - in Auseinandersetzung mit den Zeichen des Christentums - umgedrehte Kreuze (sog. Petruskreuz) werden als Symbole des Bösen verwendet. Dieser Symbolismus der „Umkehrung“ ist mit der Mode des Spiritismus Mitte des achzehnten Jahrhunderts in Europa entstanden.

Siehe auch


Literatur


  • Sigurd Martin Daecke, Carsten Bresch (Hrsg.): Gut und Böse in der Evolution. Naturwissenschaftler, Philosophen und Theologen im Disput. Hirzel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8047-1423-4
  • Werner H. Ritter, Jörg A. Schlumberger: Das Böse in der Geschichte. Röll, Dettelbach 2003, ISBN 3-89754-209-9 (Bayreuther Historische Kolloquien Bd. 16)
  • Hermann Kochanek (Hrsg.): Die Antwort von Religionen und Weltanschauungen: Wozu das Leid? Wozu das Böse? Bonifatius, Paderborn 2002, ISBN 3-89710-163-7
  • Karl Heinz Bohrer: Imaginationen des Bösen. Für eine ästhetische Kategorie. Hanser, München u.a. 2004, ISBN 3-446-20494-6
  • Werner H. Ritter (Hrsg.): Okkulte Faszination. Symbole des Bösen und Perspektiven der Entzauberung. Theologische, religionssoziologische und religionspädagogische Annäherungen. Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 1997, ISBN 3-7887-1655-X
  • Rüdiger Safranski: Das Böse oder das Drama der Freiheit, Fischer Taschenbuch, 6. Auflage 2004, ISBN 3-596-14298-9

Weblinks


Quellen


Abstraktum | Natürliche Theologie | Ethisches Gut | Religion

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