Als Darwinismus bezeichnet man die biologische Evolutionstheorie von Charles Darwin, wobei manche mit dieser Bezeichnung eine besondere Betonung auf Evolution durch natürliche Auslese legen. Daneben wird der Begriff auch in der Bedeutung des universellen Darwinismus verwendet, einer Theorie der Evolutionsmechanismen, die besagt, dass in beliebigem Rahmen (d.h. auch außerhalb der Biologie) bei Vorhandensein von Evolutionsfaktoren eine Evolution stattfindet. Im 19. Jahrhundert war Darwinismus auch ein gebräuchlicher Oberbegriff für mehrere Theorien und Konzepte aus der Biologie, der Philosophie und den Gesellschaftswissenschaften. Die Bezeichnung Darwinismus wird oft abwertend von Gegnern gebraucht. Deshalb wird sie heute von einigen Wissenschaftlern abgelehntE. O. Wilson sprach von "Scientists don't call it 'Darwinism'." in Jerry Adler: Charles Darwin: Evolution of a Scientist. Newsweek (28. November 2005)..
Die Evolutionstheorie erklärt Entwicklung und Vielfalt des Lebens auf natürliche Weise. Grundsätzlich wird der Begriff Darwinismus verwendet, um die Evolutionstheorie von Darwin von anderen Evolutionstheorien zu unterscheiden, beispielsweise Lamarcks. Sie basiert auf der natürlichen Auslese, der Vererbung und der Veränderung. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Darwinismus auch manchmal verwendet, um die natürliche Auslese besonders zu betonen, da sie zum ersten mal von Darwin behandelt wurde und den entscheidenden Unterschied zu anderen, diskreditierten Evolutionstheorien bildet, wie Lamarckismus oder Mutationismus, die nur noch von historischer Bedeutung sind. Manchmal wird in diesem Zusammenhang auch von Selektionstheorie gesprochen, jedoch ist dieses Wort umstritten, da es die beiden anderen Faktoren ausblendet. Weiterhin wird die Bezeichnung Darwinismus benutzt, um die Rolle von Charles Darwin als Vordenker der Evolution hervorzuheben. Des Weiteren wird sie benutzt, um eine Abgrenzung von nicht durch Darwin einbezogenen Evolutionsmechanismen vorzunehmen, wie Gendrift und Genfluss. Die Evolutionstheorie wurde in der modernen Synthese (synthetische Evolutionstheorie) unter anderem um diese Aspekte erweitert. Oft wird in diesem Zusammenhang von Neodarwinismus gesprochen, jedoch ist auch dieser Begriff umstritten. Manchmal wird der Begriff Neodarwinismus auch verwendet, um einen Zwischenschritt zwischen der darwinschen Theorie und der Synthese zu bezeichnen, der bereits die Vererbung über Gene beinhaltet, jedoch noch keine Einbeziehung der Populationsgenetik. Er geht insbesondere auf August Weismann zurück. Durch die Weiterentwicklung hat der Darwinismus (im Sinne der darwinschen Evolutionstheorie) heute im wesentlichen historische Bedeutung.
Der Begriff des Darwinismus wird heutzutage auch von Kreationisten bzw. Gegnern des Darwinismus als eine in gewisser Weise abschätzige Bezeichnung für die Evolutionsbiologie im allgemeinen sowie die Evolutionstheorie im speziellen verwendet. Sie sprechen dabei von Evolution in der Rolle eines -ismus – einer Lehre bzw. eines Glaubens – um darauf aufbauend die Forderung einer Gleichbehandlung von Glaubensauffassungen wie dem Kreationismus aufzustellen. Im gleichen Kontext wird oft auch die Bezeichnung Evolutionismus benutzt.
Zu Lebzeiten Darwins gab es keine klare Definition des Darwinismus-Begriffs. Er wurde von Anhängern wie Gegnern von Darwins Theorie gleichsam in jeder beliebigen Bedeutung verwendet, die in den größeren Kontext passte.
Wenn ein Replikant (Erbe) der Einheit oder des Organismus bis zur weiteren Reproduktionstufe überlebt, beginnt der Prozess von neuem. Im anderen Fall kann er seine Eigenschaften nicht an die kommende Generation weitergeben. Bei engeren Formulierungen wird manchmal zusätzlich verlangt, dass Variation und Selektion auf verschiedene Einheiten wirken, Variation beim Genotyp und Selektion beim Phänotyp.
Das Konzept des universellen Darwinismus geht nun davon aus, dass bei jedem System mit diesen Bedingungen Evolution stattfinden wird, ganz gleich in welchem konkreten Rahmen. Das heißt, dass sich bei den Einheiten mit der Zeit komplexe Eigenschaften herausbilden, die ihre Reproduktion begünstigen, während in jeder Generation auch ein Teil verdrängt wird (d.h. ausstirbt). Teilweise können Eigenschaften auch an Komplexität verlieren, wenn der entsprechende Selektionsdruck nachlässt oder sich eine weniger komplexe Eigenschaft als vorteilhafter durchsetzt. Der Universelle Darwinismus sagt für die Entwicklung keine Zielrichtung voraus.
Ganz offensichtlich kann sich dies auf die biologische Evolution beziehen. Es gibt jedoch auch andere potentielle Bereiche, wovon das Mem, das als Replikator wirkt, wohl am bekanntesten ist. Es ist ein Konzept der Weitergabe und Veränderung von Ideen, das von Richard Dawkins in seinem Buch Das egoistische Gen (1976) eingeführt wurde. Es ist jedoch umstritten, ob dies ein darwinischer Prozess ist, da es keine zwingenden Anzeichen dafür gibt, dass die bei den Memen stattfindenden Mutationen zufälliger Natur sind.
Susan Blackmore beschreibt in ihrem Buch "Die Macht der Meme oder Die Evolution von Kultur und Geist", wie die Evolution bei Memen wirkt. Außerhalb der Biologie können dabei auch phänotypische Merkmale weitergegeben werden bzw. als Replikatoren dienen. Für die Übertragung von Memen sei die Nachahmung wesentlich. Wenn phänotypische Merkmale (Gestalt, Farbe) weitergegeben werden und dabei zufällig geändert werden, wirken sich Änderungen sehr schnell aus. Ein hierfür mögliches Beispiel ist das vielen bekannte Spiel "stille Post". Bereits nach wenigen Generationen ist die ursprüngliche Nachricht auf Grund von zufälligen Übertragungsfehlern nicht wiederzuerkennen. Genotypische Merkmale (z. B. Bauanleitungen) dagegen seien wesentlich stabiler. Damit wirkten sich Veränderungen in der Umwelt (Gestalt und Art des Papiers, Geschicklichkeit) nur wesentlich schwächer auf die Übertragung zu folgenden Generationen aus. Ein Beispiel hierfür ist ein gefaltetes Papierschiff. Da hierbei das Prinzip des Faltens weitergegeben wird, wirkten sich Ungeschicklichkeiten beim Falten in einer Generation nur wenig auf die nächste Generation aus. Wenn allerdings eine andere Methode entstehe (entsprechend einer Mutation), dann wird gegebenenfalls die Konstruktion für das neue Modell weitergegeben, sofern hierfür ein Interesse besteht (es also für weitere Replikationen selektiert würde).
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