Bessungen ist ein Stadtteil der Stadt Darmstadt, Hessen.
Es ist heute deren ältester Teil, wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts eingemeindet.
Geografie
Bessungen liegt im Süden der Darmstädter Kernstadt.
Geografische Lage
Erste Ausläufer des
Vorderen Odenwalds im Südosten wie Herrgottsberg, Moosberg und Ludwigshöhe bewirken ein recht hügeliges Terrain. Der Saubachgraben bildet die südliche Grenze des Stadtviertels. Östlich der Nieder-Ramstädter Straße liegt der Darmstädter Ostwald und die Lichtwiese. Richtung Westen zur Heimstättensiedlung und Richtung Norden zur Innenstadt wird das Gelände flacher, da sich diese Stadtteile bereits in der
Oberrheinischen Tiefebene befinden.
Gliederung
Das heutige Bessunger Ortsbild ist als eher heterogen zu bezeichnen, was aber auch den Charakter des Stadtteils ausmacht. Letzte erhaltene dörflich-bäuerliche Hofstrukturen treffen teils unmittelbar auf hohe und dichte
Blockbebauung des
19. und
20. Jahrhunderts: Die Bessunger Kirche bildet den Kern der dörflichen Bebauung, die sich die Ludwigshöh- und die Niederstraße entlang zieht. In der Heidelberger Straße und der Moosbergstraße finden sich die stattlichen Wohnhäuser der
Gründerzeit. Zu Bessungen gehört auch das östlich anschließende Paulusviertel, ein ab
1900 vom Darmstadter TH-Professor
Friedrich Pützer geplantes Villenviertel mit starken Anleihen bei der
Gartenstadtbewegung. Östlich des Paulusviertels, jenseits der Nieder-Ramstädter Straße und das Stadtgebiet begrenzend, liegen der Alte Darmstädter Friedhof, der Campus Lichtwiese der
TU Darmstadt und am Böllenfalltor ausgedehnte Sportanlagen. Im Westen verdeutlicht am Donnersbergring der Wechsel von Block- zu Zeilenstruktur (der
Fünfziger Jahre) das Ende des Bessunger Kernbereiches. Im Norden grenzt Bessungen an die Darmstädter Innenstadt. Richtung Süden führt die
Heidelberger Landstraße nach
Eberstadt.
Geschichte
Bessunger Kirche in Darmstadt (Germany).jpg
Archäologische Funde weisen darauf hin, dass Bessungen eine
fränkische Gründung vom Ende des
4. Jahrhunderts ist. Am Kreuzungspunkt alter
Römerstraßen entwickelte sich das
mittelalterliche Bessungen.
Vom 10. Juni 1002 datiert die erste urkundliche Erwähnung Bessungens: In einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. wurde Bessungen (alt: Bezcingon), damals zum Königshof Gerau gehörend, an das Bistum Worms verliehen, 1009 wiederum an das Bistum Bamberg und schließlich am 21. Juni 1013 an das Bistum Würzburg.
Der Bischof von Würzburg verlieh 1259 den Königshof Gerau mit Bessungen an die Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Im Gegensatz zu Darmstadt sank die Bedeutung Bessungens in den Folgejahren, so dass 1369 Erzbischof Gerlach von Mainz die Marienkapelle zu Darmstadt von der Mutterkirche zu Bessungen löste, sie zur Pfarrkirche erhob, und damit das kirchliche Zentrum nach Darmstadt verlegte.
1479 gelangte Bessungen durch Erbschaft an die Landgrafen von Hessen.
Den Dreißigjährigen Krieg überstand Bessungen fast nicht, im Jahr 1646 hatte es etwa nur noch 30 Einwohner. Erst mit der zunehmenden Bedeutung der benachbarten Residenz Darmstadt erfuhr Bessungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts einen gewissen Aufschwung: In Bessungen entstand der Parforcehof, die Orangerie sowie der Mosersche Garten (später Garten und Palais des Prinzen Emil - heute Prinz-Emil-Garten). Durch zuziehende Hofbeamte und Bedienstete wuchs das Dorf an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Darmstadt Zentrum des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, was zu einer starken Ausdehnung des Stadtgebietes führte. Spätestens um 1875 sind Darmstadt und Bessungen endgültig zusammengewachsen.
Am 1. April 1888 wurde Bessungen nach langwierigen Verhandlungen von Darmstadt eingemeindet. Die intensiven Bautätigkeiten ließen nach der Jahrhundertwende nach. Von den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs (s. Darmstadt, Brandnacht) blieb Bessungen weitgehend verschont.
Religionen
In Bessungen stehen die katholische Liebfrauenkirche sowie die evangelischen Kirchen Bessunger Kirche/Petruskirche, Andreasgemeinde und Pauluskirche (zur geschichtlichen Rolle der Bessunger Kirche siehe oben unter Geschichte). Am Paulusplatz befindet sich der Hauptsitz der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. An der Seekatzstraße liegt der Jüdische Friedhof Darmstadts.
Einwohnerentwicklung
Heute ist Bessungen beliebtes Wohnviertel mit gemischter sozialer Struktur. Die Einwohnerentwicklung ist entsprechend relativ stabil mit zuletzt jedoch leicht negativer Tendenz (Stand: April 2005).
Politik
Bessungen hat keinen eigenen
Ortsbeirat. Alle Bessungen betreffenden Angelegenheiten werden im Stadtparlament und
Magistrat der Stadt Darmstadt behandelt. Alle wichtigen Parteien haben jedoch Ortsverbände.
Hinsichtlich des Wählerverhaltens gilt Bessungen als rot-grüne Hochburg. So sind Bündnis 90/Die Grünen regelmäßig drittstärkste Kraft mit Stimmenanteilen im zweistelligen Prozentbereich. Allerdings gelang es der CDU bei der Kommunalwahl 2006 in nahezu allen Bessunger Wahlbezirken stärkste Kraft zu werden.
Wappen
Das Bessunger Wappen zeigt
Leimdippche und
Lapping (Leimtöpfchen und Wildkaninchen). Der Legende zufolge scheiterte Landgraf Georg I. um
1570 mit einem ersten Versuch der Ansiedlung von Wildkaninchen, da sie alle vom Fuchs geholt wurden. Ein zweiter Versuch schlug ins Gegenteil aus, die Kaninchen vermehrten sich im nunmehr eingezäunten Schutzgebiet
eben wie die Kaninchen und wurden bald zur Plage.
Ein echter Bessunger ist deswegen ein „Lapping“. Ein Lapping ziert auch bei der Bessunger Kerb (siehe Kirchweih) den Kerwwebaum (Kirchweihbaum).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
- Comedy Hall/ehemalige Bessunger Turnhalle (Kikeriki-Puppentheater für Kinder und Erwachsene)
- Komödie TAP (Theater)
Musik
- Jagdhofkeller (Jazz-Konzerte) und Jazzinstitut Darmstadt im Kavaliershaus
- Akademie für Tonkunst
- Kulturzentrum Bessunger Knabenschule
Bauwerke
Darmstadt Kavaliershaus.jpg
- Orangerie, 1719 von Louis Remy de la Fosse errichtet, der auch Architekt beim Neubau des Darmstädter Schlosses war
- Bessunger Jagdhof und Kavaliershaus, für die Parforcejagd 1708 erbaut, später Kavalleriekaserne
- Prinz-Emil-Schlösschen, barockes Gartenpalais, erbaut 1778 durch Johann Martin Schuknecht
- Bessunger Kirche / Petruskirche, 1002 erstmals urkundlich erwähnt, 1574 tw. Abbruch und vergrößerter Wiederaufbau, einschneidender Umbau 1884, heutige Gestalt nach Umbau durch Friedrich Pützer 1908
- Pauluskirche, 1907 eingeweiht, Architekt Friedrich Pützer
- Ludwigshöhturm, Aussichtsturm, erhaltener Rest eines großen Ausflugsareals aus dem 19. Jahrhundert, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde
- einzelne Fachwerkhäuser, das älteste aus dem frühen 18. Jahrhundert, besonders Niederstraße, Kuhschwanzeck, Bessunger Straße
- Landhäuser und Villen aus Gartenstadt-Ära und Jugendstil (Paulusviertel)
- zahlreiche Blockbebauungen der Gründerzeit, vereinzelt des Jugendstils, besonders Heidelberger Straße, Moosbergstraße, Martinsstraße
Siehe auch: Sehenswürdigkeiten in Darmstadt
Parks
Orangerie in Darmstadt-Bessungen (Germany).jpg
Im Ortsbild wirken drei größere Parkanlagen (Orangeriegarten, Prinz-Emil-Garten und Wolfkehl'scher Park) sowie die Nähe zu Lichtwiese und Darmstädter Ostwald.
Naturdenkmäler
In Bessungen liegen die
Naturschutzgebiete Bessunger Kiesgrube, Kraftsruhe und Am Forellenteich. Am Herrgottsberg findet der Spaziergänger den
Goethe-Felsen.
Sport
Zu den Anlagen am Böllenfalltor zählen unter anderem das Freibad im Hochschulstadion und das Stadion des
SV Darmstadt 98. Im Gebäude der Bessunger Grundschule befindet sich das Bessunger Hallenbad. An der Heidelberger Straße befindet sich die Radrennbahn des VCD und die Tennisplätze des Tennis-Clubs Bessungen. Jenseits der Karlsruher Straße liegt das Gelände der TG Bessungen. Der jährliche
Bessunger Stadtteillauf erfreut sich großer Beteiligung bei Sportlern und Zuschauern.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Frühlingserwachen (Ende April, Kneipennacht mit Livebands)
- „Brunnebittfest“ und Flohmarkt (Juni, Forstmeisterplatz)
- Bessunger Kerb (September, Orangeriegarten)
- Weihnachtsmarkt (Forstmeisterplatz)
Verkehr
Wesentliche Straßen für den Kraftfahrzeugverkehr sind die Heinrichstraße, die Heidelberger Straße, die Landskronstraße, Klappacher Straße und die Nieder-Ramstädter Straße (
B449).
Sieben im wesentlichen in Nord-Süd-Richtung verlaufende Straßenbahnlinien verbinden Bessungen mit dem Rest von Darmstadt: Im Westen die Linien 1,6,7,8; mittig die Linie 3 und im Osten die Linien 2 und 9. Am Böllenfalltor befindet sich auch der Betriebshof für die Busse und Straßenbahnen der HEAG sowie ein kleinerer Regional-Omnisbusbahnhof.
Medien
Öffentliche Einrichtungen
- Darmstädter Polizeipräsidium (am Böllenfalltor)
- Cambrai-Fritsch-Kaserne der Amerikanischen Streitkräfte
- Marienhospital (am Böllenfalltor)
- Nachbarschaftsheim Forstmeisteramt
- Nachbarschaftsheim Prinz-Emil-Schlößchen
- Stadtteilbibliothek Bessungen
- Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Bildung
- Bessunger Schule (Grundschule)
- Mornewegschule (Grund-, Haupt- und Realschule, ganztags)
- Herder-/Carl-Schurz-Schule (Sprachheilschule)
- Fachschule für Sozialpädagogik
- Edith-Stein-Schule (staatl. anerkanntes kath. Gymnasium)
- Lichtenbergschule (Gymnasium)
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter
d.h. Personen, die hier geboren sind.
Weitere Persönlichkeiten
- Brigitte Zypries, Bundesjustizministerin, hat eine Wohnung in Bessungen, seit sie den Bundestagswahlkreis Darmstadt vertritt
Literatur
- Peter Engels: Geschichte Bessungens. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2002
- Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Stadt Darmstadt. Vieweg, Braunschweig 1994, S. 431 ff., ISBN 3-528-06249-5
Weblinks
Darmstadt