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Dante Gabriel Rossetti (* 12. Mai 1828 in London, † 9. April 1882 in Birchington-on-Sea, Kent) war als Poet wie als Maler gleichermaßen begabt. Er war, wegen seiner dominierenden und charismatischen Persönlichkeit, die treibende Kraft der Präraffaeliten, welche die Reform der britischen Kunst als Ziel hatte. Er hielt wenig von Konventionen, und so verwundert es kaum, dass er in den letzten Lebensjahren ein exzentrischer Sonderling wurde.
Die drei konnten nicht unterschiedlicher in ihrem Wesen sein, aber alle waren sie über den Zustand der britischen Kunst bestürzt und sahen sie dem Verfall nahe. Ihrer Ablehnung der herrschenden Konventionen in der Malerei, welche sich ihrer Ansicht nach durch die Nachahmung Raffaels und seiner Nachfolger gebildet hatten, gaben sie Ausdruck, in dem sie sich die »Präraffaeliten« nannten. Vier weitere Freunde, darunter Rossettis Bruder, gründeten 1848 die »Präraffaelitsche Bruderschaft«, kurz PRB. Diese Initialen standen deshalb auf dem ersten Ölgemälde von Rossetti (»Die Jugendzeit der Jungfrau Maria«). Es bekam viel Lob, es schien der Anfang einer großen Karriere. Doch als die Presse herausbekam, was sich hinter »PRB« verbarg, wurden er und seine Freunde scharf angegriffen. Rossetti war enttäuscht über die herbe Kritik und fiel in eine Depression. Ab 1852 begann sich die PRB aufzulösen. Während der Jahre von 1850 bis 1860 gab er die Ölmalerei fast völlig auf und widmete sich kleinformatigen Aquarellen. Diese verkauften sich gut, obwohl er sie nicht ausstellte. Dies hatte er dem Kritiker John Ruskin zu verdanken, den er 1854 kennen lernte.
Bereits 1849 (oder 1850) begegnete er seiner zukünftigen Frau Elizabeth Eleanor Siddal. Lizzie entsprach dem Frauenideal der Präraffaeliten, sie war Rossetti ein Leben lang Muse und Quelle der Inspiration. Ab 1858 spielte auch noch eine andere Frau eine Rolle in seinem Leben: Fanny Cornforth. Sie war genau das Gegenteil der zarten, kränkelnden Lizzie. Sie befriedigte Rossettis sexuelle Bedürfnisse bis zu dessen Hochzeit im Jahre 1860. Kurz zuvor, 1858, befreundete er sich mit zwei Oxfordstudenten. Im darauf folgenden Jahr malte er mit ihnen und einigen anderen jungen Künstlern den Sitzungssaal der Oxford University Union mit Szenen der Artussage aus. Ein Jahr nach der Hochzeit brachte Lizzie ein totes Kind zu Welt und erlitt einen Nervenzusammenbruch. 1862 starb sie – an einer Überdosis Laudanum. Rossettis Trauer war groß, und so ließ er sein einziges Gedichtmanuskript mit ihr begraben. Im selben Jahr zog er nach Chelsea. Er erneuerte seine Beziehung zu Fanny Cornforth, die für ihn Model saß, seine Geliebte war und sich um seinen Haushalt kümmerte. Da sich seine Bilder hervorragend verkauften, konnte er sich noch ein weiteres Modell, Alexa Wilding, leisten. Und noch eine Frau saß ihm Modell, wenn auch ausschließlich für die Gesichtspartie: Jane Morris, die Frau von Rosettis engem Freund William Morris. Die jahrelange Affäre der beiden trug sich unter den Augen William Morris' zu, der gegen seinen Freund und seine Frau nicht einschreiten wollte. Zwischen 1871 und 1874 lebte und arbeitete Rossetti in Morris' Landhaus Kelmscott Manor.
1872 erlitt Rossetti einen Nervenzusammenbruch und unternahm einen Suizidversuch. Er erholte sich davon, zog sich jedoch für die restlichen Jahre seines Lebens zurück. Drogen (Chloral) und Alkohol forderten ihren Tribut, riefen Wahnvorstellungen hervor und ließen seine Hände zittern, so dass es ihm oft unmöglich war zu malen. Als Jane Morris 1876 das Ausmaß seiner Chloral-Sucht entdeckte, brach sie die Beziehung zu ihm schließlich ab. Auch körperlich veränderte Rossetti sich stark. Er nahm stetig zu, und seine dunklen Augenringe gaben ihm etwas Finsteres. Obwohl er ein brillanter Unterhalter war, wurde er mehr und mehr zum Exzentriker. Krank, depressiv und vorzeitig gealtert verließ er nur selten sein Haus. 1881 erlitt er einen Schlaganfall. Im Februar des folgenden Jahres machte er in Birchington-on-Sea Urlaub. Hier starb er am Ostersonntag (9. April) und fand dort seine letzte Ruhe auf einem kleinen Friedhof.
Im Gegensatz zu den anderen Präreffaeliten benutzte er für seine Werke oft Aquarellfarben. Rossetti entwickelte hierin eine völlig eigene Malweise. Er trug die Farben häufig kräftig und in Strichen und Punkten auf. Dadurch erzielte er ein juwelenartiges Funkeln, welches besonders bei heraldischen Verzierungen vorteilhaft wirkt (siehe »Die Hochzeit St. Georgs und der Prinzessin Sabra«). Er machte keinen Unterschied zwischen Wasser- und Ölfarben. Er wendete die Techniken bei vielen Bildern über Kreuz an. Sein Freund William Bell Scott schrieb Rossetti habe »… mit Aquarellpinseln in Öl gemalt, mit so dünnem Auftrag wie bei einem Aquarell …« Trotz seines Widerwillen gegen die akademische Disziplin war er der vorzüglichste der Präraffaeliten. Oft vertiefte er sich sehr in einzelne Themen, doch erhielt er sich seine Vielseitigkeit. So versuchte er sich 1857 in Oxford an der Wandmalerei. Aber sein Versuch scheiterte kläglich wegen seiner unvollkommenen Technik. Die Zusammenarbeit mit William Morris förderte sein Talent für die Glasmalerei zu Tage, außerdem war er ein ausgezeichneter Buchillustrator, wenngleich er sich auf diesen Feld sehr wenig betätigte.
In den letzten 20 Jahren seines Schaffens (bis 1878) konzentrierte er sich fast vollständig auf das Malen von Gemälden schöner, sinnlicher Frauen. Jane Morris wurde mit lasziv geschürzten Lippen und wallender Haarpracht durch Rossettis Bilder zur Verkörperung der femme fatale. Zwar beruhten die Bilder auf mythologischen oder literarischen Motiven, doch hatten sie kein erzählerisches Moment. Wegen seines Gesundheitszustandes und weil Gehilfen ihm bei seinen Werken zur Hand gingen, ist sein Spätwerk uneinheitlich. Und doch zählen einige seiner Gemälde zu den bemerkenswertesten Bildern von zeitloser Bedeutung des 19. Jahrhunderts.
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