Dancehall ist eine ursprünglich auf Reggae aufbauende Musikrichtung, die Ähnlichkeiten mit Rap hat. Dabei ist zu beachten, dass die Grundformen dieser Richtung im Reggae, insbesondere der Sprechgesang, musikhistorisch wesentlich früher zu datieren sind (Ende der 1960er Jahre) als die ersten Rap-Formen. Jamaikanischstämmige Reggae-Künstler (insbes. Kool DJ Herc) sollen sogar maßgeblich bei der Entstehung von Rap / Hip-Hop mitgewirkt haben. Großen Einfluss auf die jamaikanische Dancehall-Entwicklung hatte das sogenannte Toasten, eine Art des Sprechgesangs die durch Künstler wie U-Roy bekannt wurde und als Ursprung des Dancehall betrachtet werden kann.
Beschreibung
Gesungen wird auf beatlastigen (tanzbaren)
Riddims, welche im Dancehall-Bereich meist unter Verwendung von
Synthesizern und
Drumcomputern produziert werden und die von einem
Selector (entspricht dem DJ in den USA und Europa) eines
Soundsystems gemixt werden. Über die Riddims wird meist auf
Patois (Patwa) gesungen, bzw. gechattet. Der Sänger wird
Deejay genannt. Liegt die Spezialisierung beim
Singen, werden sie auch
Singjays genannt. Ein Erkennungsmerkmal ist unter anderem, dass häufig beim Singen jeweils eine
Strophe mit Hilfe der immer gleichen Aussprache der letzten Silbe einer Zeile gereimt wird. Der Sprechgesang im Dancehall wird auch als
Toasting oder
Chatting bezeichnet und unterscheidet sich insofern vom Rap, dass nicht nur rhythmisch gesprochen wird, sondern die Reime grundsätzlich auf einem stimmhaften Ton vorgetragen werden, der zusätzlich noch durch andere Töne variiert wird bzw. auch in kleinere Melodielinien übergehen kann. Dancehall-Partys werden oft Dances oder
Bashments genannt.
Texte
Im Gegensatz zum teilweise stark von der
Rastafari-Religion geprägten
Roots-Reggae ist Dancehall kaum religiös ausgerichtet. Ohnehin wurde der Begriff des Dancehall ursprünglich für nicht-religiösen, partyorientierten Reggae geprägt, bei dem nicht zwangsläufig "getoastet", sondern auch gesungen wurde.
Ähnlich dem amerikanischen Hip Hop finden sich auch viele
Sexismen und gewaltverherrlichende Texte. Auffallend im Dancehall ist auch die starke
homophobe Strömung, die besonders in den letzten Jahren für einiges Aufsehen und Proteste von Schwulenorganisationen gesorgt hat. Besonders häufige und aggressive entsprechende Thematisierungen finden sich bei den bekannten Interpreten
Elephant Man und
T.O.K. - bereits 1992 aber rief
Buju Bantons Stück
Boom Bye Bye heftige Kritik hervor.
Hier muss allerdings angemerkt werden, dass diese Homophobie kulturell und religiös bedingt ist und ihre Wurzeln viele Jahre zurückgehen.
Dancehall in Europa
Dancehall-Riddims finden seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre mehr und mehr Eingang in die europäische Musikszene, in der sich muttersprachliche Künstler, beispielsweise aus Deutschland oder Frankreich, eigenständig des Dancehalls bedienen und sich auch von den Inhalten der jamaikanischen Szene abgrenzen. Beispiele hierfür sind Künstler wie
Seeed,
Gentleman und
P. R. Kantate.
Inzwischen hat sich Deutschland als eine der nicht-jamaikanischen Hochburgen des Dancehall etabliert, zusammen etwa mit Japan.
Einige Riddims von Seeed wurden auch international bekannt, ihr "Doctor's Darling"-Riddim (ursprünglich Gregory Isaacs "Night Nurse", später: "Waterpumpee" bei Seeed" - Germaican Records) wurde von jamaikanischen Berühmtheiten wie Tanya Stephens, Sizzla und Luciano verwendet.
Reggaeton
Die Musikrichtung
Reggaeton ist eine eigenständige Version des Dancehall aus dem spanischsprachigen
Lateinamerika. Sie wird vor allem in
Puerto Rico und
Panama produziert, ist aber in ganz Lateinamerika seit den
1990er Jahren beliebt.
Bedeutende Interpreten
Deutschland
Weblinks
Siehe auch
Ragga (
Raggamuffin)
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