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Als Dan (jap. 段, Stufe) wird in japanischen Kampfkünsten (Budō, teilweise auch in koreanischen Kampfkünsten) ein Fortgeschrittenengrad bezeichnet. Der niedrigste Grad (der 1. Dan) folgt auf den 1. Schülergrad (Kyū). Der 1. Schülergrad ist der höchste, die Rangfolge bei Lehrer- und Schülergraden ist also vertauscht. Der höchste Dan ist meist der 10. Dan; teilweise – z.B. im Aikikai-Aikidō – wird zurzeit jedoch kein höherer Grad als der 9. Dan verliehen.

Nummerierung


Auf japanisch werden die Dangrade wie folgt benannt/gezählt:
  • 1. Dan – Shodan
  • 2. Dan – Nidan
  • 3. Dan – Sandan
  • 4. Dan – Yondan
  • 5. Dan – Godan
  • 6. Dan – Rokudan
  • 7. Dan – Nanadan
  • 8. Dan – Hachidan
  • 9. Dan – Kudan
  • 10. Dan – Jūdan
Dabei heißt shodan wörtlich Anfangsgrad, die übrigen enthalten das entsprechende Zahlwort als Vorsilbe und heißen damit Zweiter Grad, Dritter Grad usw.

Geschichte


Das Kyū/Dan-Graduierungssystem entstand in Japan gegen Ende des 19. Jahrhunderts und wurde von Jigorō Kanō, dem Begründer des Judo, populär gemacht. Etwa zeitgleich ab 1880 wurden Kyu (Judo) und Dan (Kendo) gleichrangig verwendet. Im Judo dienten sie zur Dokumentation der Könnensstufe. Im Kendo orientierte sich die Bezahlung der Kendo-Lehrer an ihrem Dan-Grad. Seit 1895 wurden die Budo in der Dachorganisation „Dai Nippon Butokukai“ (1945 aufgelöst, 1953 wurde die Butoku Kai unter schwierigen Bedingungen, mit Hanshi Kumao Ono als Vorsitzenden, wieder gegründet um sie wieder zu einer lebensfähigen Macht im Budo zu machen. Seine Exzellenz, Jigo Higashi Fushimi, der höchste Abt des Shorenin Tempels in Kyoto und ein Bruder der Kaiserin des Kaisers Hirohito, wurde zum Vorstand dieser neuen Vereinigung gewählt) zusammengefasst. Die Kyu- und Dan-Systematik wurde von der Butokukai in den Jahren bis 1920 in mehreren Schritten zusammengefasst und auch auf die anderen Budo angewendet. Zunächst gab es nur Dan bis zur fünften, später sechsten Stufe. Erst Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden höhere Dan eingeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg schließlich hat sich in den meisten Budo der 10. Dan als höchster Grad ergeben. Die Kyu-Grade wurden in Anlehnung an des deutsche Schulsystem des 19. Jahrhunderts geschaffen. Die alte Klassenhierarchie (Sexta, Quinta, Quarta, Tertia, Sekunda und Prima) drückte in lateinisch nichts anderes aus als 6., 5., 4., 3., 2., 1. Klasse. (Das japanische Wort Kyu bedeutet Klasse.) In der Neuzeit haben einzelne Budo die althergebrachte Anzahl von sechs Kyu ihren Vorstellungen entsprechend verändert.

Graduierungen heute


Heute wird das Dan-System neben dem Judo unter anderem auch im Kendō, Karatedō, Kyūdō, Hapkido, Taekwondo im Aikidō und beim Brettspiel Go verwendet.

In den meisten „gürteltragenden“ Kampfsportarten werden die „Schwarzgurte“ (1. bis 4. oder 5. Dan) aufgrund technischer Prüfungen verliehen. In vielen Sportarten gelten die höheren Grade der Meisterschaft auch als „geistige“ Meisterschaft, bei der der Träger eines entsprechenden Dan beginnt, die intellektuellen Hintergründe, Werte und Einsichten, die ein Kampfsport bzw. eine Kampfkunst vermittelt, zu verinnerlichen.

Ein Dan-Grad wird in jüngeren Budō-Systemen mit dem Tragen eines schwarzen Gürtels bei den unteren Dan-Graden (Yūdansha) kenntlich gemacht. Die höheren Dan-Grade (Kodansha) werden teilweise ebenfalls mit einem schwarzen, zum Teil auch mit einem rot-weißen, roten oder wiederum weißen Gürtel, entsprechend dem niedrigsten Schülergrad, gekennzeichnet. Letzteres begründet sich in der asiatischen Philosophie und soll symbolisieren, dass die Schüler- und Meistergrade einen geschlossenen Kreis, eine Harmonie bilden. Allerdings oft nur theoretisch, denn in den meisten Kampfsportarten werden die höchsten Dan-Grade kaum oder gar nicht vergeben da sie als Vollendung angesehen werden. Einige Budō-Schulen und Systeme verzichten auf äußerliche Kennzeichen der Graduierung.

Entgegen landläufiger Annahme bedeutet das Erreichen des 1. Dan-Levels noch keineswegs die perfekte Meisterschaft. Die Bedeutung des Wortes Dan, nämlich Stufe, legt nahe, dass auch der Dan-Grad nur ein Schritt ist. In einigen Systemen gilt vielmehr, dass der 1. Dan lediglich die Befähigung darstellt, die eigentliche Kampfkunst zu erlernen, d.h. den Abschluss einer lediglich vorbereitenden Ausbildung.

Beachtet werden sollte auch, dass es keine einheitlichen Kriterien für die Vergabe einer Dan-Graduierung gibt, weder sportartübergreifend, noch in innerhalb der einzelnen Disziplinen: Ein 1.Dan Karate ist nicht vergleichbar mit einem 1.Dan Judo oder einem 1.Dan Kendō. Dies gilt ebenfalls innerhalb der Systeme, die sich in unterschiedliche Stilrichtungen gliedern, wie zum Beispiel Karate (beispielsweise Shotokan, Shotokai, Wado-Ryu) oder Aikidō (z.B. Aikikai, Iwama-Ryu oder DAB). Aufgrund abweichender Prüfungsinhalte bzw. Graduierungskriterien ist also beispielsweise ein 5.Dan Aikidō im Aikikai nicht identisch mit einem 5.Dan Aikidō, der im DAB, oder einer anderen Stilrichtung, vergeben wurde.

Ebenso ist nicht festgelegt, wer eine Dan-Graduierung vergeben darf und auf welchem Weg dies erfolgt. Es gibt Graduierungen, die von einzelnen Meistern, die einer eigenen Stilrichtung vorstehen, vergeben werden, ebenso wie solche, die von einem Kollegium oder von Budo-Organisationen vergeben werden. Graduierungen können aufgrund von technischen Prüfungen (vergleichbar einer Prüfung an einer Hochschule), oder aber durch Ernennung ohne explizite Prüfung vergeben werden.

Internationale Spitzenkämpfer in den Kampfsportarten, die Wettbewerbe austragen, haben meist höchstens den dritten Dan. Dies ergibt sich durch die Mindestvorbereitungszeiten zwischen den Dan-Prüfungen und somit auch durch das Alter der Kämpfer, welches meist durch die Vorgaben und Anforderungen des Leistungssports für Aktive begrenzt wird.

siehe auch: McDojo

Quellen


  • Irie Kohei: Budo

Kampfkunst (Japan)

Graus d'arts marcials | Dan (grad) | Dan (martial arts) | Dan | 段級位制 | Dan | Dan

 

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