Als Dakerkriege werden mehrere Feldzüge, Schlachten und Geplänkel zwischen dem expandierenden römischen Reich und dem Volk der Daker am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. bezeichnet. Die Daker lebten in den Karpaten im Gebiet des heutigen Rumänien.
Vorgeschichte
Unter dem Kaiser
Domitian wurde der Versuch unternommen, die Reichsgrenze zwischen Rhein und Donau zu begradigen.
83 n. Chr. drangen seine Truppen in Germanien ein und kämpften mit den
Chatten. Die Invasion löste auch an der Donau Unruhen aus, die dreißig Jahre andauern sollten. Die Daker unter ihrem jungen König
Decebalus, der sie nach langer Zeit wieder geeint hatte, stießen
85 über die
Donau vor und überwältigten die dortigen römischen Kräfte. Domititian führte rasch Verstärkung aus
Germanien heran und warf die Eindringlinge zurück. Die Gefahr unterschätzend überließ er es dem
praefectus praetorio Cornelius Fuscus, den Gegenangriff zu führen. Fuscus und seine Truppen wurden vernichtend geschlagen. Domititian kehrte an die Donau zurück und rekrutierte neue Truppen.
Ein erster Gegenangriff
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Das gebirgige Land der Daker war kein günstiges Gebiet für römische Invasionen. Viminacium (östlich von Belgrad) wurde Ausgangspunkt der Operation Domititians gegen die Daker und Residenzstadt der Provinz Obermösien. Es scheinen 4
Legionen hierher abkommandiert worden zu sein.
89 wurden Pontonbrücken zur Überquerung der Donau angelegt. Die Pfeiler der später aus Stein gebauten Trajansbrücke sind heute noch vorhanden.
Anfangs bekämpfte Decebalus das einrückende Heer mit einer
Guerillataktik, ähnlich wie dies
Arminius 80 Jahre vorher getan hatte. Er ließ sich auf keine Schlacht ein, sondern begnügte sich mit Überfällen auf den Nachschub. Bei Tapae machte Decebalus halt und stellte sein Heer auf, um den Römern den Weg ins Herzland
Dakiens zu verlegen. Die folgende Schlacht auf offenem Gelände gewannen die Römer. Angeschlagen, aber nicht besiegt, zogen sich die Daker zurück. Die Römer kehrten an die Donau zurück, ohne einen wirklichen Sieg gegen die Daker davongetragen zu haben. Die nächsten Jahre blieben an dieser Grenze relativ ruhig; nach einem Friedensschluss wurde Decebalus römischer Klientelkönig.
Der erste Dakerkrieg Trajans 101/102
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Im Jahr 98 wurde der Statthalter in Obergermanien (Germania Superior) Trajan Kaiser. Im Jahr 101 führte Trajan eine gewaltige Armee nach Dakien, um es nunmehr endgültig zu unterwerfen. Etwa 60.000 Mann in wahrscheinlich 11 Legionen standen zur Verfügung. Die Armee bewegte sich auf der dreizehn Jahre zuvor erprobten Route nach Norden. Decebalus wich erneut zurück, bis er Tapae erreichte. Trajan bot die Schlacht an, doch Decebalus, jetzt älter und klüger, nahm nicht an, diesmal wollte er seinen Vorteil ausnutzen. Wenn die Römer versuchten, den Pass zu stürmen, würde Decebalus sie sofort von drei Seiten zugleich angreifen. Trajan entschied sich dennoch für einen Durchbruchsversuch. Dann aber kam ein Gewitter auf, das den Dakern an den rutschigen Berghängen einen großen Vorteil brachte. Ein weiteres Anrennen würde zu große Opfer fordern und so brachen die Römer den Kampf ab und kehrten erneut an die Donau zurück.
Vereint mit den Sarmaten griffen nunmehr die Daker am Unterlauf der Donau an. Mit der Donauflotte ließ Trajan ein Entsatzheer stromabwärts bringen. Dies ist auf der Trajanssäule in Rom dargestellt. Ob es zum Kampf kam oder Decebalus sich zurückzog, bevor die römischen Truppen eintrafen, bleibt unklar.
Im darauffolgenden Frühjahr griffen die Römer an zwei Fronten gleichzeitig an, die Daker mussten sich ebenfalls aufteilen, und die römischen Truppen brachen in das zentrale Hochland ein. Der Dakerkönig bat um Frieden, fand aber die gestellten Bedingungen zu hart und beschloss, weiterzukämpfen. Trajan belagerte mehrere Bergfestungen, die die Wege zur dakischen Hauptstadt Sarmizegetusa schützten. Decebalus gab nicht nach, denn er hielt seine Bergfestungen für uneinnehmbar, dabei unterschätzte er die Überlegenheit der römischen Belagerungstaktik. Eine Bergfestung nach der anderen fiel, und bald war der Weg nach Sarmizegetusa frei. Die Daker ergaben sich. Die Friedensbedingungen waren vergleichsweise milde. Decebalus durfte das Hochland behalten, aber die Römer rissen die Festungen nieder und bestanden darauf, Sarmizegetusa mit einer Garnison zu belegen.
Der Zweite Dakerkrieg
Der Friede dauerte nur etwas mehr als zwei Jahre. 105 hielt Decebalus Longinus, den Befehlshaber der römischen Besatzungstruppen in Dakien und Freund Trajans, als Geisel fest. Römische Truppen eilten erneut an die Donau. Trajan überschritt mit seinen Truppen im folgenden Frühjahr die Donau. Diesmal führte Trajan keinen Krieg, sondern er schlug einen Aufstand nieder und rächte einen Freund, der in der Gefangenschaft durch Suizid starb. An mehreren Fronten brach er in das zentrale Hochland ein und unterdrückte rücksichtslos jeden Widerstand. Der Dakerkönig zog sich nach Sarmizegetusa zurück.
Nach wenigen Tagen hatten die Römer die Mauern genommen und stürmten in die Stadt. Decebalus entfloh mit wenigen Vertrauten übers Gebirge. Als er merkte, dass die ihn verfolgende römische Reiterei immer näher kam, tötete er sich.
Römische Provinz
Die Römer zwangen Tausende Daker, ihre Heimat zu verlassen und in die Fremde jenseits der Reichsgrenzen zu ziehen. Viele Gefangene wurden nach Rom geschickt, wo sie am
Triumphzug Trajans teilnehmen mussten, danach ermordet wurden oder im
Amphitheater kämpfen mussten. Die Festung Sarmizegetusa wurde aufgegeben. In der Ebene östlich von Tapae bauten die Römer eine gleichnamige neue Stadt und siedelten eine Gruppe verabschiedeter
Veteranen der Donaulegionen an. Aus allen Gegenden des Reiches strömten Neusiedler herbei. Ein paar Jahre später war eine neue römische Provinz geschaffen, die dem früheren stolzen Dakerreich nicht mehr ähnlich sah. Dakien wurde in das römische Staatsgebiet eingegliedert und war eine der ersten Provinzen, die unter dem Druck der
Völkerwanderung endgültig verloren ging; Kaiser
Aurelian gab sie
271 auf und errichtete in
Moesien Dacia ripensis, wozu später südlich davon die Provinz
Dacia mediterranea kam. Die dakische Kultur bestand zu dieser Zeit schon nicht mehr, doch hielt sich dafür die romanische Kultur auch unter den
Terwingen, die diesen Raum später in Besitz nahmen.
Literatur
- C. Daicoviciu: Dakien und Rom in der Prinzipatszeit. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW). Bd. II.6 (1977), S. 889-918.
- N. Gudea: Der Limes Dakiens und die Verteidigung der obermoesischen Donaulinie von Trajan bis Aurelian. In: ANRW. Bd. II.6 (1977), S. 849-887.
- Karl Strobel: Die Donaukriege Domitians. Habelt, Bonn 1989 (Antiquitas, Reihe 1, 38). ISBN 3-7749-2368-X.
- Karl Strobel: Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Studien zur Geschichte des mittleren und unteren Donauraumes in der Hohen Kaiserzeit. Habelt, Bonn 1984 (Antiquitas, Reihe 1, 33). ISBN 3-7749-2021-4.
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