DVB-H (von englisch Digital Video Broadcasting - Handhelds, zu deutsch Digitaler Videorundfunk für Handgeräte) ist ein Übertragungsstandard, mit dem digitale Rundfunkprogramme über kleine und/oder mobile Geräte empfangen werden können. DVB-H war während der Entwurfs- und Entwicklungsphase auch unter den Namen DVB-M (für Mobile) und DVB-X bekannt.
DVB-H ist auf Transportstromebene kompatibel zu DVB-T. Es können daher gemischte DVB-H/T-Multiplexe erzeugt werden, so dass sich beide Systeme den entsprechenden Kanal teilen. Die benötigte Leistungsaufnahme der mobilen Empfangsgeräte kann durch ein Zeitmultiplexverfahren (Time-Slicing) erheblich gesenkt werden. Dies wird unter anderem dadurch erzielt, dass die zu einem Programm gehörigen Pakete zu vorhersehbaren Zeitpunkten versendet werden, so dass der Empfänger sich in der Zwischenzeit kurz abschalten kann, um Energie zu sparen. Die höchste Stromspareffizienz wird erreicht, wenn ein komplettes DVB-Ensemble mit DVB-H-Diensten gefüllt wird, aber bereits ab der Nutzung etwa eines Viertels der Datenrate eines DVB-T-Kanals durch DVB-H führt der Einsatz des Time-Slicings zu einer Reduzierung der Leistungsaufnahme auf ca. 40 mW für ein Handy mit DVB-H-Empfänger.
Nokia, Motorola, BenQ-Siemens, Philips, Sagem, Pace und Sony-Ericsson sowie die vier Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland setzen nur auf den DVB-H-Standard, während Konkurrenten, wie z. B. Samsung und LG neben DVB-H auch auf andere Systeme, wie das von Bosch-Blaupunkt entwickelte und in Korea bezüglich der Kodierung modifizierte DMB, das japanische ISDB-T oder das amerikanische MediaFlo setzen. Diese werden jeweils bisher in maximal zwei Ländern erprobt oder eingesetzt.
Um interaktive Dienste anbieten zu können, kann ergänzend das IP-Datacast-System verwendet werden, das alle Protokolle oberhalb von IP, die zur Nutzung von DVB-H zum Einsatz kommen, spezifiziert. Mit einem Rückkanal auf Basis von z. B. GPRS oder UMTS werden damit interaktive Dienste ermöglicht.
In den norddeutschen Bundesländern Berlin-Brandenburg, Hamburg und Niedersachsen wurden DVB-H Kapazitäten seitens der drei Landesmedienanstalten auf mehrere Jahre im Rahmen eines Pilotbetriebes ausgeschrieben. Am 3. Februar 2006 lief die Ausschreibung der Hamburger, am 15. Februar der niedersächsischen und am 22. Februar d.J. der Berlin-Brandenburger Landesmedienanstalt zu DVB-H aus. Als Plattformbetreiber haben sich in Hamburg sieben Firmen beworben, unter anderem alle vier Mobilfunkbetreiber und T-Systems. In Niedersachsen gab es Bewerbungen der gleichen, sowie zweier zusätzlicher Firmen, in Berlin vier weiterer Firmen. Vierzehn Firmen haben sich in Hamburg und Niedersachsen als Diensteanbieter mit insgesamt 24 Programmen beworben, unter anderem alle großen privaten TV-Programme wie SAT1, RTL, ProSieben usw. sowie die öffentlich-rechtlichen Programme. In Berlin haben sich noch deutlich mehr Programmanbieter beworben, darunter auch viele Radioprogramme. Eine Lizenz wurde jedoch noch nicht erteilt, weil außer T-Systems noch der britisch-amerikanische Netzbetreiber NationalGrid am DVB-H-Betrieb in Deutschland interessiert ist und erst kartellrechtliche Gespräche geführt werden müssen.
Die Einführung des Regelbetriebs unter Beteiligung aller vier Mobilfunknetzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 soll noch im Jahr 2007 beginnen.
Neben der technischen Überprüfung sollen die Pilotprojekte auch Erfahrungen zu sinnvollen möglichen Diensten liefern. Eine neue Möglichkeit soll beispielsweise die Kombination von jedermann zu empfangenen Rundfunk per DVB-H (Vorschauen) mit personalisierten Angeboten (PPV) über UMTS oder DSL sein. An klassischen Fernsehprogrammen werden hauptsächlich Nachrichten (inkl. Börse und Wetter), Sport und Musik erwartet, was eher den klassischen Radio- als Fernsehinhalten entspricht.