DT64 war das Jugendprogramm des DDR-Rundfunks. 1964 gegründet, wurde DT64 1986 ein eigenständiger Sender, der bis Mai 1993 bestand. Der Nachfolgersender heißt Sputnik.
Später übernimmt der Berliner Rundfunk für die ganze DDR auf Mittelwelle und UKW das „Jugendstudio DT64“. Es ist das erste Radioprogramm der DDR, das sich gezielt an „die Jugend“ richtet. Erich Honecker kritisierte auf der 11. Tagung des Zentralkomitees der SED: „Über eine lange Zeit hat DT64 in seinem Musikprogramm einseitig die Beatmusik propagiert. In den Sendungen des Jugendsenders wurden in nicht vertretbarer Weise die Fragen der allseitigen Bildung und des Wissens junger Menschen ... außer acht gelassen.“
1976 begannen die „DT64 Jugendkonzerte“. Ab dem 1. September 1981 startete zusammen mit dem Jugendfunk der Stimme der DDR ein regelmäßiges Abendprogramm zwischen 19 Uhr und 24 Uhr. Zu Beginn war das Programm nur in Berlin, später auch in der gesamten DDR zu hören.
Nach der Einrichtung einer eigenen DDR-weiten UKW-Senderkette wurde DT64 am 7. März 1986 ein eigenständiger Sender, der von 13 bis 24 Uhr zu empfangen war. Im Dezember 1987 wurde das Programmangebot auf täglich 20 Stunden ausgeweitet. Das Programm startet ab 4 Uhr mit dem „Morgenrock“. Sonnabends gab es internationale Hits mit den Charts aus der BRD, UK und den USA. Beliebt war auch die Sendung „Duett“, die mehr oder weniger aktuelle Schallplatten vollständig spielte und dadurch das Mitschneiden ermöglichte. Ebenso waren Spezialsendungen wie „Tendenz Hard'n'Heavy“ und „Electronics“ sehr beliebt. Letztere Sendung wurde von Olaf Zimmermann moderiert, der mit den „Electro Beats“ eine ähnliche Sendung auch heute noch bei Radio Eins moderiert.
Am 2. Oktober 1989 wurden in einem Protokoll des Ministeriums für Staatssicherheit Verbindungen zum Neuen Forum konstatiert. Einen Tag später schließt die DDR die Grenze zur ČSSR und einen weiteren Tag später sagt Herman van Veen auf dem Sender: „Ich werde die Mauer wegsingen“. Während der angespannten politischen Lage vor der Wende berichtet DT64 über die Montagsdemonstrationen.
Knapp einen Monat später am 8. November spricht die Belegschaft des Senders der Leitung das Misstrauen aus, und es werden Teile der öffentlichen Lesung des Buches Schwierigkeiten mit der Wahrheit von Walter Janka wiedergegeben. Zwei Tage später sendet der „Morgenrock“ vom West-Berliner Kurfürstendamm, und es beginnen erste Kontakte mit dem SFB, mit dem am 20. November die erste deutsch-deutsche Radio-Gemeinschaftssendung ausgestrahlt wird. Ab dem 1. April 1990 ist DT64 rund um die Uhr auf Sendung unter dem Motto "Power from the East Side". Zusammen mit dem SDR 3 wird am 17. August 1990 die längste Hitparade der Welt „Top 2000 D“ gestartet.
Am 7. September 1990 werden die Frequenzen außerhalb von Berlin unangekündigt an den RIAS abgegeben. Nach massiven Protesten von Hörern (vor allem in Berlin, Dresden und Neubrandenburg) sind am nächsten Tag alle Frequenzen wieder an DT64 zurückgegeben.
Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten wird das Jugendradio DT64 als Programm gemäß dem Artikels 36 des Einigungsvertrages (Rundfunküberleitungsgesetz) weitergeführt. Entsprechende Programme müssen bis spätestens Ende 1991 entweder in öffentlich-rechtliche Einrichtungen überführt (z.B. DS Kultur) oder abgewickelt werden.
Im Mai 1991 während der „DT64 Hitkaravane“ entsteht der „Verein Freunde des Jugendradios“, der für den Erhalt des Senders eintritt. Die drohende Abschaltung führt zu Protesten auf dem gesamten Gebiet der ehemaligen DDR, so u.a. in Leipzig, Dresden, Halle, Schwerin, Potsdam und Altenburg. Die Unsicherheiten über den Fortbestand gehen weiter und so auch die Demonstrationen für den Erhalt des Senders. DT64 war einer der ersten deutschen Radiosender, die Techno-Musik spielten (in der Sendung Dancehall von Marusha). Die heute noch jährlich stattfindende Mayday (der größte Indoor-Rave Deutschlands) entstand 1991 als eine Aktion zur Rettung von DT64. Am 16. November 1991 gehen allein in Dresden 10.000 Demonstranten auf die Straße.
Im Bundestag wird am 12. Dezember 1991 ein Entschließungsantrag für den Erhalt von DT64 beraten, aber abgelehnt. Am Abend erklärt in Magdeburg die MDR-Hörfunkdirektorin Carola Sommerey die Bereitschaft des MDR, den Sender ein halbes Jahr auf den bisherigen Frequenzen auszustrahlen. Am 31. Dezember 1991 endet für Mecklenburg-Vorpommern die Ausstrahlung des Senders, da der NDR zu einer Ausstrahlung nicht bereit ist. Im Bereich des ORB wird das Programm von DT64 ab 1. Januar 1992 zwischen 15 und 18 Uhr für das neue ORB-Jugendradio Rockradio B unterbrochen. In den folgenden Monaten baut Rockradio B sein Programm weiter aus. Am 25. Januar 1992 findet in der Werner-Seelenbinder-Halle ein Rockmarathon für den Erhalt von DT64 statt. Unter anderem sind die Abstürzenden Brieftauben, Big Savod und Freygang dabei. Vom Leipziger Hauptbahnhof startet ein „Sonderzug nach Pankow“, der von Fans aus Sachsen gemietet wurde. Die Abfertigung des Zuges erfolgt durch Udo Lindenberg.
Am 15. Juni 1992 entscheidet der MDR, DT64 ab Juli auf Mittelwelle 1044 KHz zu senden und die UKW-Ausstrahlung zu beenden. Die Entscheidung ist bis Ende 1992 befristet. Der Sender kämpft weiter und fordert seine Hörer auf, mitzuteilen, wo überall der Empfang möglich ist. Bestätigungen kommen u.a. aus Irland, London, Prag, Tirol, Korsika, Schweden und Ungarn.
Am 30. November 1992 nimmt der Rundfunkrat des MDR die Pläne des Intendanten Udo Reiter „zustimmend zur Kenntnis“, den Sender ab 1993 weiter auf Mittelwelle zu senden und in Perspektive unter neuem Namen auf Satellit auszustrahlen. Am 18. Januar 1993 beschließt der Rundfunkrat, die Produktion des Senders nach Halle zu verlegen. Ab dem 1. März 1993 beginnt, zunächst testweise, die Ausstrahlung des Senders über Astra 1B. 18 Tage später fordert die Junge Union die Abschaltung von DT 64.
Fury_T-Shirt_»Radio_Orchid«_1993.JPG Die hannoversche Band Fury in the Slaughterhouse nahm Anfang 1993 mit ihrem Song Radio Orchid (vom Album Mono) Bezug auf die Verbannung auf eine Mittelwellen-Frequenz und die geplante Ausstrahlung über Satellit: Auf letzteres wurde mit der Textzeile "Take it in the high" angespielt und während der 1993er Tour wurden an den Merchandising-Ständen T-Shirts mit der Aufschrift "Radio Orchid - 1044 kHz" verkauft.
Am 1. Mai 1993 endet die Zeit von DT 64 mit der Umbenennung in Sputnik. Der neue Name war ein Vorschlag des damaligen Ministerpräsidenten von Sachsen Kurt Biedenkopf.