Die DIN 16518 des Deutsches Institut für Normung e. V. regelt in Deutschland gebräuchliche Klassifizierungssystem für Schriftarten. Sie stammt aus dem Jahr 1964 und ist stark an den Vorschlag der Association Typographique Internationale (ATypI) angelehnt. Im Gegensatz hierzu (und zu anderen nationalen Klassifizierungen) hat in der DIN 16518 die Schriftgruppe VII (Antiqua-Varianten) einen anderen Inhalt bekommen, die Gruppe X (Gebrochene Schriften) wurde weiter unterteilt und die Gruppe XI (Fremde Schriften) ist neu hinzugekommen.
Kritik
Unter Schriftexperten ist sie sehr umstritten, jedoch noch meist Ausbildungsgrundlage in
Berufen der grafischen
Industrie. Ihr wird vor allem vorgeworfen, dass sich die Schriftentwicklungen der letzten Jahre in das historisch eingeteiltes
Schema nicht gut einordnen lassen (90 % der Neuentwicklungen spielen sich in Gruppe VI ab) und die Gruppe XI „Fremde Schriften“ nicht für die internationale Kommunikation taugt. Die Norm wird gegenwärtig überarbeitet, eine Einigung der Experten über die Neufassung jedoch noch nicht absehbar.
Indra Kupferschmid stellte 1998 in Abstimmung mit Max Bollwage und Hans Peter Willberg im Normungsausschuss eine Klassifikation nach Formprinzip vor, die auf die Struktur und Wirkung der Schriften eingeht. Diese ist in ihrem Lehrbuch Buchstaben kommen selten allein sowie in den Büchern Wegweiser Schrift von Willberg und Typografie kompakt von Bollwage publiziert und inzwischen Lehrinhalt an vielen Hochschulen.
Der deutsche Typograf Wolfgang Beinert entwickelte 2001 die Matrix Beinert, für das Electronic Publishing. Sie ordnet westeuropäische Druck- und Screen-Schriften sowie Bildzeichen (Piktogramme usw.) in eine Matrix von neun Hauptgruppen.
Regelung
Die
Norm 16518 legt elf Schriftgruppen fest.
Pangramm de Centaur.png
Gruppe I
Venezianische Renaissance-Antiqua: Schriften abgeleitet von Formen der frühen Druckzeit (etwa 1450 bis 1530). Großbuchstaben basieren auf der römischen
Capitalis, Kleinbuchstaben auf der
Humanistischen Minuskel. Die Schrift zeichnet sich durch kräftige
Serifen, nach links geneigte Achsstellung sowie relativ große Ober- und Unterlängen aus, der Querstrich des
e liegt meist schräg.
Beispiele: Stempel, Schneidler
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Gruppe II
Französische Renaissance-Antiqua: Schriften, deren Form im
16. Jahrhundert entstand. Geringe Unterschiede bei den Strichstärken, nach links geneigte Achse, ausgerundete Serifen, keilförmige Ansätze an den senkrechten Strichen. Sehr gut lesbar durch die ruhige Zeilenführung. Oberlängen der
Minuskel meist etwas länger als die Höhe der
Versalien. Ist heute die Gruppe mit den meisten Schriften.
Beispiele: Garamond,
Bembo,
Palatino
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Gruppe III
Barock-Antiqua: Durch die Auswirkung des
Kupferstichs sind die Strichstärken unterschiedlicher, die Achse der Rundungen steht fast senkrecht. Kleinbuchstaben haben meist oben schräge und unten gerade Serifen. Ebenfalls sind die Rundungen an den Serifen schwächer ausgeprägt.
Beispiele:
Caslon,
Baskerville,
Times
Pangramm de Bodoni.png
Gruppe IV
Klassizistische Antiqua: Entstand um
1800, starke Unterschiede zwischen Haar- und Grundstrichen, waagerecht angesetzte Serifen, senkrechte Achse bei Rundungen. Kaum Rundungen am Serifenansatz.
Beispiele: Bodoni, Walbaum, Didot
Pangramm de Rockwell.png
Gruppe V
Serifenbetonte Linear-Antiqua: Früher
Egyptienne genannt, kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Mehr oder weniger starke, aber auffallende Betonung der Serifen. Haar- und Grundstriche sind fast gleich dick.
Beispiele: Rockwell,
Clarendon, Serifa
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Gruppe VI
Serifenlose Linear-Antiqua: Auch als
Grotesk oder (nach
Jan Tschichold)
Endstrichlose bezeichnete Schriftform, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand. Optisch ist ein Teil der Schriften dieser Gruppe in der Strichstärke einheitlich, bei anderen kann sie sich jedoch auch stark unterscheiden. Heute umfasst diese Gruppe sehr viele verschiedene Schriften, die eigentlich eine Unterklassifizierung erfordern würde. So basieren einige auf der
Klassizistischen Antiqua (
Bsp.: Akzidenz Grotesk,
Univers), andere auf der
Renaissance-Antiqua (
Bsp.: Lucida Sans, Syntax). Parallel entstand in den USA die sog.
Amerikanische Grotesk (
Bsp.: Franklin Gothic). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die
konstruierten Grotesk auf, die auf exakten geometrischen Grundformen basierten (
Bsp.: Futura,
Eurostile).
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Gruppe VII
Antiqua-Varianten: Hier werden alle Antiqua-Varianten einsortiert, die nicht in die Gruppen I bis III, VIII und IX passen, weil ihre Strichführung nicht deren Charakter entspricht. Hauptsächlich finden sich hier Schriften für dekorative Zwecke.
Beispiele: Optima, Largo, Souvenir
Pangramm de Mistral.png
Gruppe VIII
Schreibschriften: Schriften, die die Wirkung einer heutigen Handschrift nachahmen. Es gab sie auch schon zu
Bleisatz-Zeiten, jedoch kamen sie erst durch die Verwendung auf Computern mehr in Mode.
Beispiele: Mistral, Pepita
Pangramm de Post-Antiqua.png
Gruppe IX
Handschriftliche Antiqua: Schriften, die auf der Antiqua basieren, die Buchstaben jedoch handschriftlich abwandeln und so ein „persönliches“ Erscheinungsbild vermitteln.
Beispiele: Post Antiqua
gebrochene Schriften klein.png
Gruppe X
Gebrochene Schriften: Vor
1941 (
siehe Normalschrifterlass) die gebräuchlichsten Alltagsschriften in Deutschland. Werden nochmal in die fünf Untergruppen
Gotisch,
Rundgotisch (Rotunda),
Schwabacher,
Fraktur und
Fraktur-Varianten unterteilt.
Gruppe XI
Fremde Schriften:
Beispiele: Chinesisch,
Kyrillisch,
Arabisch, Griechisch, Hebräisch
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