Der Ausdruck DDR-Fußball umfasst die Geschichte des Fußballspiels in der DDR von der Nachkriegszeit (ab Mai 1945) bis hin zur politischen Wende und Auflösung der DDR-Oberliga (Sommer 1991).
Entwicklung des Vereinsfußballs
Dass der DDR-Fußball neben dem "gelebten Fußball", welcher in den Stadien, den Fanlagern und im Breitensport zu Hause war, auch von staatlicher Lenkung geprägt sein sollte zeigte sich bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg. So hatten das
Potsdamer Abkommen und die Beschlüsse des
alliierten Kontrollrats zur Folge, dass sämtliche bürgerlichen Fußballvereine als Unterorganisationen der NSDAP verboten wurden und spätestens zum 1. Januar 1946 aufgelöst werden mussten. Darunter auch die
deutschen Meister VfB Leipzig (1903, 1906, 1913) und
Dresdner SC (1943, 1944). Im Laufe der Jahre 1945/46 wurden dann, da Spieler nur für ihre Wohnbezirke antreten durften, regional begrenzte Sportgruppen (SG) gegründet. Diese spielten in den Bezirken ihre Stadtmeister aus - es fanden jedoch auch sogenannte Städtespiele zwischen den einzelnen Großstädten statt. Schon 1947 fand dann die erste Ostzonenmeisterschaft statt, welche im Pokalmodus ohne Rückspiel ausgespielt wurde. Erster Meister der sowjetischen Besatzungszone wurde die
SG Zwickau-Planitz, welche sich damit für die
Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1947/48 qualifizierte. Aufgrund von Spannungen zwischen den Siegermächten wurde ihr eine Teilnahme an den Ausscheidungsspielen allerdings verwehrt. Mit Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 wurde dann die
Oberliga ins Leben gerufen, in welcher fortan der DDR-Meister ausgespielt wurde - die Einführung des landeseigenen
FDGB-Pokals folgte 1949. Während der 50er Jahre änderten sich dann Bestimmungen und Mannschaftsnamen. Es kam zur Fusion vieler SG zu sogenannten Zentralsportgemeinschaften (ZSG), welche später zum Großteil in Mannschaften von "Trägerbetrieben" umgewandelt wurden (z.B. Horch Zwickau, Waggonbau Dessau oder Turbine Erfurt). Auch die staatlichen Organe erhielten ihre eigenen Vereine, wie z.B. "Vorwärts" für die
Nationale Volksarmee oder
"Dynamo" für die Schutz- und Sicherheitsorgane (wobei der BFC Dynamo später von
Erich Mielke selbst geleitet wurde). Spieler lockte man durch bessere Studienbedingungen und ähnliches. Aber auch die Verpflanzung von ganzen Vereinen kam, insbesondere bei Vorwärts-Teams, ab und zu vor. Nachdem sich die Vereinslandschaft Anfang der 60er dann einigermaßen geordnet hatte bzw. noch geordnet wurde, beschloss man, dass die großen Städte "Leistungszentren" erhalten sollten. Zur Ballung der Kräfte und besseren Ausbildung der Talente wurden deshalb, durch Herauslösen einiger Fußballsektionen aus DDR-Sportklubs, die "Fußballklubs" gegründet. Im Einzelnen waren dies: der
1. FC Magdeburg (22. Dezember 1965), der
FC Hansa Rostock (28. Dezember 1965), der
BFC Dynamo und der
FC Karl-Marx-Stadt (beide 15. Januar 1966), der
FC Vorwärts Berlin (ab '71 Frankfurt) (18. Januar 1966), der
1. FC Union Berlin, der
1. FC Lokomotive Leipzig, der
FC Carl Zeiss Jena und der
FC Rot-Weiß Erfurt (alle 20. Januar 1966), sowie der
Hallesche FC Chemie (26. Januar 1966). Fortan belegten auch immer Teams aus diesem erlesenen Kreis die ersten drei Plätze - nur die ebenfalls staatlich unterstützte
SG Dynamo Dresden konnte noch mithalten. Auch das internationale Auftreten der DDR wurde demzufolge von diesen Klubs bestimmt. Den größten Erfolg konnte hierbei der 1. FC Magdeburg (mit seinem Sieg im
Europapokal der Pokalsieger 1974) verbuchen. Doch auch der FC Carl Zeiss Jena und der 1. FC Lokomotive Leipzig (mit ihren Vizetiteln im gleichen Wettbewerb 1981 bzw. 1987) sorgten für Furore.
Trägerbetriebe der DDR-Mannschaften
Da im DDR-Fußball offiziell lediglich Amateurmannschaften agierten, hatten viele Spieler einen Arbeitsplatz im Trägerbetrieb ihres Vereins. Welcher Branche die jeweilige Mannschaft angehörte ließ sich aus ihrem Vereinsnamen ableiten.
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| Bezeichnung | Branche
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| Aktivist | Übertagebergbau
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| Anker | Werften
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| Aufbau | Bauwesen
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| Chemie | chemische, Glas- und Keramikindustrie
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| Dynamo | staatliche Schutz- und Sicherheitsorgane
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| Einheit | staatliche Einrichtungen und Verwaltung
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| Empor | Handel und Nahrungsgüterwirtschaft
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| Energie | Energie- und Brennstoffindustrie
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| Fortschritt | Leicht- und Textilindustrie
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| Lokomotive | Verkehrswesen
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| Motor | Maschinen- und Fahrzeugbau
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| Post | Fernmeldewesen
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| Rotation | polygrafische Industrie und Verlagswesen
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| Stahl | Metallurgie
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| Traktor | produktionsnahe Landwirtschaft
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| Turbine | Energieindustrie
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| Vorwärts | Nationale Volksarmee
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| Wismut | Untertagebergbau
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(
Aufzählung nicht abschließend - vgl. Diskussion)
Weiterführende Artikel
Näheres ist in folgenden Spezialartikeln dargestellt:
Siehe auch
Literatur
- Frank Willmann (Hrsg.): Fußball-Land DDR. Anstoß, Abpfiff, Aus. Eulenspiegel Verlag, Berlin 2004
- Michael Horn/Gottfried Weise: Das große Lexikon des DDR-Fußballs, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004
- Hanns Leske: Erich Mielke, die Stasi und das runde Leder, Verlag Die Werkstatt, 2004
- Bernd Heynemann/ Wolfgang Borchert: Momente der Entscheidung, Mein fussballverrücktes Leben. Mitteldeutscher Verlag 2005.
Weblinks
Fußball
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