Unter der laufenden Nummer D29 ist in der Liste Naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands die Naturräumliche Haupteinheit „Wendland und Altmark“ verzeichnet (die Schreibweise „Wendland (Altmark)“ aus der ursprünglichen Quelle wurde hier geändert).
Die Haupteinheit D29 wird begrenzt und eingerahmt von den Haupteinheiten D28 Lüneburger Heide im Westen, D31 Weser-Aller-Flachland im Südwesten, D20 Östliches Harzvorland und Börden im Süden sowie D09 Elbtalniederung im Norden und Osten. Als einziges Gebiet der „alten“, westlichen Bundesländer – neben der niedersächsischen Elbtalniederung und dem südostholsteinischen Areal um den Ratzeburger See und den Schaalsee – gehört das Wendland, wie auch sonst die gesamte Naturraumeinheit D29, zum Nordostdeutschen Tiefland.
Die höchste Erhebung des Naturraumes liegt mit 160 Metern NN in den Hellbergen nordwestlich von Gardelegen; der tiefste Punkt befindet sich mit kaum 13 Metern NN bei Dannenberg am Rand der Elbtalniederung.
Der nördliche Teil, die Lüchower Niederung, ist eine weichsel-glazial überformte Niederterrasse aus fluviatilen und glazifluviatilen Sanden. Sie ist Bestandteil des Elbe-Urstromtals und wird vom unteren Lauf der Jeetzel und ihren Nebengewässern durchzogen – dem größten Fließgewässer innerhalb der Naturraumeinheit D29. Mehrere saale-glaziale Geestinseln, wie der „Öring“, der „Lemgow“ und die „Langendorfer Geestinsel“ sowie periglazial und holozän aufgewehte Flugsandflächen und -dünen – vor allem die große „Gartower Flugsandanhöhe“ – unterbrechen den grundwassernahen, teilweise moorigen Niederungscharakter der Landschaft. Nach Süden hin finden sich zunehmend lehmige Gleyböden und schließlich in der Dumme-Landgraben-Grenzgraben-Niederung auch Niedermoortorfe.
Diese Niederung, die historisch oft Grenzgebiet war – so auch während der deutschen Teilung –, zieht sich bis nach Salzwedel hin und schließt auch noch den Arendsee mit ein. Dabei handelt es sich mit über fünf Quadratkilometern Wasserfläche um den größten und mit 50 Metern tiefsten natürlichen See Sachsen-Anhalts. Begrenzt wird die Niederung im Süden von den „Altmarkplatten“, die vor allem Tieflehm-Braunerde-Standorte aufweisen. Diese Platten und „Hochflächen“ aus pleistozänen Grundmoränen- und Schmelzwasserbildungen werden durch Niederterrassen und Rinnen mit Auen-, Moor- und Flugsandbereichen gegliedert, insbesondere in ihrem nördlichen und östlichen Teil. Als größtem Fließgewässer begegnet man wiederum der Jeetzel, die hier in ihrem oberen Lauf „Jeetze“ genannt wird. Ein weiteres nennenswertes Fließgewässer ist die Biese, ein Nebenfluss des zur Elbtalniederung gehörenden Aland. Im Nordwesten erreichen die Grundmoränen mit der „Jeetzel-Dumme-Lehmplatte“ in der Region „Swinmark“ (Umgebung von Bergen (Dumme) und Schnega) auch noch niedersächsisches Gebiet.
Südlich gehen die Altmarkplatten in die bereits erwähnten Endmoränenlandschaften über, die auch als „Altmarkheiden“ zusammengefasst werden. Als Böden dominieren auf dem flach-hügeligen Relief der Hellberge und der Colbitz-Letzlinger Heide insbesondere Sandlöss-Braunerde, Fahlerde sowie Sand-Braunpodsol. Diese Landschaft ist vergleichsweise arm an Gewässern.
Auf den Grundmoränen- und Talsandplatten des Naturraums „D29 Wendland und Altmark“ wäre nach dem Durchlaufen verschiedener Sukzessionsgesellschaften schließlich mit der großflächigen Entwicklung von Buchenwäldern basenarmer Standorte als Klimaxstadium zu rechnen. Je nach Standortbedingungen würden sich unterschiedliche Assoziationen vom Drahtschmielen-Buchenwald bis zum Flattergras-Buchenwald durchsetzen. Innerhalb der Talauen der Flüsse würden sich an basenarmen Standorten Stieleichen-Auwaldkomplexe, an basenreichen Standorten Eichen-Hainbuchenwälder (Edellaubholz-Mischwälder) und Eschenmischwälder ausbreiten. Auf Niedermoorböden wäre die Bildung von Birken-Eichenwald (ärmer, trockener) und Walzenseggen-Erlenbruchwaldkomplexen (reicher, feuchter) zu erwarten. An basen- und nährstoffarmen, trocken-sandigen Stellen wäre Kiefern- sowie Birken-Eichen-Buchenwald landschaftsprägend.
Tatsächlich gibt es diese Vegetationsformationen heute allenfalls in kleinen Fragmenten und Degenerationsstadien, bedingt durch die praktisch flächendeckende forst- und landwirtschaftliche Überformung der Landschaft und durch Flächenentwässerung. Wälder finden sich vor allem auf agrarisch minderwertigen Böden und bestehen in der Regel aus forstwirtschaftlich bestimmten Baumarten. Relativ hohe Waldanteile innerhalb von Naturraum D29 gibt es in den Altmarkheiden im Süden (ca. 40 %; vor allem Kiefernforsten) und auf den Geesthügeln und Flugsandanhöhen im Wendland (beispielsweise „Gartower Tannen“; auch dies ist Kiefernforst). Sonst sind meist nur kleinere Waldflächen etwa in den feuchten bis nassen Niederungen vorhanden. Ein größerer feuchter Waldkomplex auf basenarmem, leicht saurem Standort ist die so genannte „Lucie“ (genauer: Wald-Lucie) in der Lüchower Niederung. In der Dumme-Landgraben-Grenzgraben-Niederung sind ebenfalls noch ausgedehntere nasse Erlenbruchwälder vorhanden.
In der Colbitz-Letzlinger Heide im Süden des Naturraumes existiert der riesige militärische Truppenübungsplatz „Gefechtszentrum Altmark“, der zu einer spezifischen Ausprägung der Landschaft mit großen Heide- und Magerrasen- sowie sandigen Rohbodenflächen geführt hat. Unter den dortigen Wäldern ist neben Kiefernforst auch der wohl größte zusammenhängende Lindenwald Europas anzutreffen.
Landschaftsprägend für den gesamten Naturraum sind aber zumeist landwirtschaftliche Flächen. Grünlandnutzung beschränkt sich dabei in der Regel auf Talauen- und Niedermoorstandorte sowie trockene Hügel. In vielen Teilen dominiert dagegen Ackerbau. Besonders auf den ergiebigeren Böden der Altmarkplatten führt der intensive Anbau von Getreide und Mais auf großen Ackerschlägen zu einem teilweise monotonen Erscheinungsbild. Im stärker kleinbäuerlich geprägten Wendland hat sich insgesamt noch ein kleinteiligeres, abwechslungsreicheres Landschaftsbild erhalten. Verschiedene regionale Flurbereinigungsverfahren, vor allem in den 1960er- bis 1980er-Jahren, haben zusammen mit der allgegenwärtigen Flächenentwässerung der Niederungen allerdings auch hier zu einer signifikanten naturräumlichen Verarmung gegenüber dem Zustand noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geführt.
Bezogen auf das Land Niedersachsen hält das Hannoversche Wendland trotz mancher auch hier zu beobachtender negativer Landschaftsveränderungen diverse Superlative hinsichtlich der Artenfülle. Dies gilt für das Vorkommen von Blütenpflanzen ebenso wie für die Präsenz von Brutvogelarten. Auch Vielfalt und Bestandsgrößen von Amphibien in der gewässerreichen Gegend sind herausragend – beispielsweise mit den nach der benachbarten Elbtalniederung wohl bedeutendsten zusammenhängenden Vorkommen des Laubfrosches innerhalb der „alten“ Bundesländer Deutschlands.
Dieser überdurchschnittliche biologische Reichtum setzt sich zumindest bis in die nördliche Altmark teilweise fort. Nach den etwas eintönigeren Bereichen der mittleren Altmarkplatten wird die Vielfalt der Lebewelt in den südlichen Endmoränengebieten wieder größer – dies gilt insbesondere für den auf weiten Strecken siedlungsfreien und kaum durch Straßen zerschnitteten Naturpark Colbitz-Letzlinger Heide mit Sand- und Ginsterheiden und dem Vorkommen vieler Vögel, Insekten und Reptilien. Gleichförmige Sekundäraufforstungen aus Waldkiefern in vormaligen Heide- und Magerrasengebieten sorgen allerdings auch im Südteil des Naturraumes D29 streckenweise für monotone Landschaftsbilder.
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