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Cyanidfischen ist eine illegale Fangmethode vor allem in Südostasien. Dabei wird in erster Linie die chemische Verbindung Natriumcyanid (englisch sodium cyanid) - eine engverwandte Verbindung von Zyankali (Kaliumcyanid) - eingesetzt. Ab 2000 sorgten verstärkte Kontrollen gegenüber dem Dynamitfischen und Beschlagnahmungen für ein zunehmendes Ausweichen auf diese illegale, nicht selektive Fischfangmethode, besonders weil es lautlos anwendbar ist.

In Wasser und im Meerwasser zerfällt es in Natrium- und Cyanid-Ionen. Letztere blockieren beim Menschen die Fe(III)-Ionen des Enzyms Cytochromoxidase, wodurch kein Sauerstoff mehr zwischen dem Hämoglobin und den Zellen übertragen werden kann, die lebensnotwendige Zellatmung wird unterbrochen. Fische reagieren erst bei etwas höheren Dosen, Korallenpolypen, Jungfische und Fischbrut sind empfindlicher. Beim Menschen (eine direkte Gefahr für die Fischer) tritt eine Bewusstlosigkeit beim direkten Einatmen/Verschlucken bereits nach einer Minute auf, dann erfolgt die "innerliche" Erstickung. Geringere Dosen führen zu vorübergehenden oder bleibenden Lähmungen und/oder sensorischen Ausfällen. Es werden viele derartiger "Arbeitsunfälle" vor Ort geschildert, die jedoch in keinen Statistiken oder offiziellen Verlautbarungen auftauchen.

Die Fischer tauchen meist ohne Atemhilfe, teilweise aber auch mit illegaler und hochgefährlicher Kompressorluft über dünne Atemschläuche, in das Korallenriff und spritzen das Gift zwischen die einzelnen Stöcke. Anschließend wird die Ausbeute eingesammelt. Speisefische, von denen etliche an Überdosis vor dem Verkauf eingehen, kommen erst einmal für 10-14 Tage in Frischwasser zum "Durchspülen". Bunte, vor allem ausgefallene und damit seltene Korallenfische werden sofort in Plastiktüten abgepackt, wobei auf den Transportwegen bis zu zwei Drittel verenden. Bestimmt sind sie vorwiegend für Aquarianer in den USA, Europa und Asien. Noch in den 90ger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen 80% der Korallenfische des westlichen Handels allein aus Palawan/Philippinen.

Die Gründe für diese illegalen Fischfangmethode liegt u. a. an der gestiegenen Nachfrage an Lebendfisch in besseren Restaurants der Großstädte - zunehmend im finanzstärkeren, nahen Ausland -, für den erheblich höhere Preise erzielt werden. Die äußerst niedrigen Löhne der Fischer in wenig strukturierten, abgelegenen Gebieten, die ihnen keine Einkommensalternativen anbieten, zwingen sie die gesundheitlichen Risiken und mögliche Verurteilungen durch Strafverfolgungsorgane in Kauf zu nehmen.

Viele Fischfanggebiete und Tauchplätze in ganz Südostasien, zuvor schon stark durch das Dynamitfischen geschädigt, wurden dadurch auf Jahre hinaus stark zerstört, bis hin zum Totalschaden. Viele der langsam wachsenden Korallen, vor allem die verzweigten Korallentypen, sind ein wichtiger Schutzbereich für Jungfische und Fischbrut und fehlen nun. Die meisten legalen und illegalen Methoden können für sich betrachtet ein stabiles Ökosystem in der Regel nicht zerstören. Es treten jedoch Synergieeffekte auf, wodurch in weiten, küstennahen Bereichen ehemals ausgezeichneter Fanggründe der Fischfang fast vollständig zusammengebrochen ist.

Weblinks


Fischerei

Cyanide fishing

 

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