Das Wort Csángó (auch: Tschangos, Tschangonen, Chango, Csángók) ist ein Sammelbegriff für die ungarischsprachigen Gruppen in und um Siebenbürgen, die sich von den Széklern in erster Linie durch den Dialekt und Traditionen unterscheiden. Es ist das Partizip Präsens eines ausgestorbenen Verbs mit der Bedeutung "abwandern", "sich trennen". Unter den Csángós versteht man in erster Linie die Moldauer Csángós.
Die ungarische Volksgruppe, die sich aus der Gruppe der Székler herausgelöst und im Gyimes-Tal, entlang des Tatros-Flusses niedergelassen hat, wird als Gyimeser Csángós bezeichnet. Die Ungarn, die rund um Kronstadt/Braşov leben, werden als Hétfalusi Csángók (Siebendörfer Csángós) bezeichnet.
Das Wort Csángó ist von sehr abwertender Natur und war auch nie von der Volksgruppe als Eigenbezeichnung, sondern stets von den Széklern als Fremdbezeichnung verwendet worden.
Wenn in diesem Artikel das Wort Csángó vorkommt, sind damit – wie auch im allgemeinen ungarischen Sprachgebrauch – die Ungarischsprachigen der Moldau, die Moldauer Csángós gemeint.
Sicher ist, dass die ungarischsprachige Bevölkerung der Moldau aus zwei Teilen besteht. Aus jenen, die sich im Tatros und Tázló–Tal ansiedelten, den "Széklerungarn", und der Gruppe, die sich nordöstlich, am Mittellauf des Szeret-Flusses, am Unterlauf des Moldova und Beszterce – Flusses ansiedelten, den "Csángóungarn".
Ihre Bräuche und Dialekte unterscheiden sich, deswegen wird angenommen, dass sich die Ursprungsgeschichte der beiden Gruppen unterscheidet. Gunda meint, die Ergebnisse der Altertumswissenschaft beachtend, dass "die in der Umgebung von Bákó und Románvásár lebenden Ungarn die Nachkommen jener Ungarn sind, die bei der Landnahme außerhalb der Karpaten blieben. Diese leben seit der Landnahme ohne Unterbrechung im Moldau-Gebiet." Diese Ansicht entspricht der romantisch verklärenden Richtung der ungarischen Volkskunde und ist sehr unwahrscheinlich.
Lajos Benkő ist von Gundas Argumentation nicht überzeugt, er vertritt, sich auf die Sprachwissenschaft stützend, einen anderen Standpunkt. Er nimmt dazu die Eigenbezeichnung "Csángó" zu Hilfe, die vom ungarischen Verb csáng, das "herumstreifen" bedeutet, abzuleiten ist. Deswegen meint er, dass sich diese Volksgruppe von ihrem ursprünglichen Wohnort entfernte, umsiedelte. Weiter ist er der Überzeugung, dass die geographischen Namen im Csángó-Gebiet ungarischen Ursprungs sind, aber aus dem Fehlen der ältesten ungarischen Namenstypen, den Namen der landnehmenden Stämme, Namen, die auf –i enden, schließt er darauf, dass die Csángós frühestens Ende des 13. Jahrhunderts im heutigen Gebiet sesshaft geworden waren.
Der Dialekt der Csángós zeigt gewissen Parallelen zum Dialekt der Mezőség (im Gebiet um Klausenburg/Siebenbürgen). Deswegen kann mit einiger Sicherheit angenommen werden, dass sich die Csángós aus den dort siedelnden ungarischsprachigen Gruppen herausgelöst haben, meint Benkő weiter.
Géza Ferenczi glaubt, dass die Csangós Grenzwächter waren, die nach Abschluss der ungarischen Besetzung Siebenbürgens gegen Ende des 11. Jahrhundert die Grenzburgen und den Grenzstreifen bewachten, durch die Einwanderung der Székler aber immer weiter nach Osten, in die Karpaten und darüber hinaus gedrängt wurden. Der Sage nach kamen die Csángó mit Attila in die Moldau, doch könnte sie auch ganz einfach die magyarisierte Urbevölkerung sein. Die Székler und mit ihnen die Csángós sind laut ungarischer Mythologie folgendermaßen am östlichen Rand des Karpatenbeckens sesshaft geworden:
Die rumänische Geschichtswissenschaft versucht ebenfalls seit der Romantik zu beweisen, dass das rumänische Volk direkt von den Römern abstammt und hat, um dies zu untermauern, zahlreiche mitunter haarsträubende Theorien entwickelt. Alle auf rumänischem Staatsgebiet lebenden Anderssprachigen, deren Herkunft nicht mit absoluter Sicherheit bestimmt werden kann, sind laut rumänisch-nationalistischer Wissenschaftsauffassung magyarisierte, slawisierte, turkisierte "Urrumänen". Diese Argument wird durchaus auch auf die Moldauer Csángós angewendet, wenn sich diese für, um nur ein Beispiel von vielen zu erwähnen, muttersprachlichen Unterricht einsetzen.
Rumänische Sprachwissenschaftler versuchen die Zugehörigkeit der Csángós zur Gruppe der Ur-Rumänen unter anderem folgendermaßen zu beweisen:
Siehe auch: Kontinuitätstheorie (Geschichtswissenschaft), dako-romanische Kontinuitätstheorie
Die Sprache der Csángós hat ihre altertümlichen Züge erhalten, befindet sich in dem Zustand, in dem sich das Ungarische befand, als sich die Csángós von den Széklern trennten. Seitdem lebten sie in sprachlicher Isolation, liegen ihre Dörfer doch relativ weit vom geschlossen ungarischen Sprachgebiet, den Széklern entfernt. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Gemeinungarischen, das auch mit geringer dialektaler Färbung von den siebenbürgischen Ungarn gesprochen wird, und dem Csángó-Ungarischen wurde in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts künstlich noch vergrößert, erneuerten doch damals mitunter große Poeten und Schriftsteller das Ungarische. Die meisten Neuerungen wurden langsam in die Alltagssprache übernommen und verbreiteten sich mit wachsender Mobilität von der Stadt aufs Land, was dazu führte, dass heute Ungarischsprachige, die nicht aus dem bäuerlichen Milieu stammen, kaum mehr dialektale Färbung in ihrer Sprache tragen.
Das Csángó-Sprachgebiet hat diese Neuerungen nicht nur wegen seines Inseldaseins, sondern auch wegen des Mangels an örtlicher Intelligentia und muttersprachlicher Schulbildung nicht mitgemacht.
Die etwa 60.000 Ungarischsprecher in der Moldau befinden sich somit in ähnlicher Situation wie die burgenländischen Ungarn, die in ihrer Sprachstruktur, in der Grammatik - bis auf die durch die Spracherneuerung eingeführten Mitlautassimilationen - durchaus des Ungarischen mächtig, aber im Vokabular sehr stark von ihrer Umgebung beeinflusst sind. Wie die burgenländischen Ungarn sich Wörter aus dem Deutschen für nicht mit dem täglichen Leben und dem bäuerlichen Milieu in Zusammenhang stehende Konversation und neue Erfindungen, abstrakte Sachverhalte entlehnten, Dialektsprecher sich hochsprachlicher Idiomatik bedienen, entlehnten sich die Csángós diese Wörter aus dem Rumänischen. Die Zahl der von den Csángós benutzten rumänischen Wörter ist von Dorf zu Dorf verschieden, hängt auch von der Zahl der in einer Siedlung des Ungarischen Mächtigen ab.
Heute kann man in der Moldau nicht mehr davon sprechen, dass sich der rumänische Einfluss auf das eine oder andere Gebiet des Csángó-Lebens beschränken würde. Heute ist die Sprache der Csángós in ihrer gesamten Bandbreite vom Rumänischen durchdrungen, wie im Laufe der letzten dreißig Jahre im Rahmen der nicht immer einfachen Erhebungen zu einem "Atlas des Csángó-Ungarischen Dialekts" festgestellt wurde.
Die Bildungssprache der Csángós ist das Rumänische, das sie auch benutzen, wenn sie sich nicht in familiärer Umgebung bewegen. Einsprachige, die nur Ungarisch sprechen, gibt es kaum mehr, wenn sie nicht schon völlig verschwunden sind. Die rumänische Einsprachigkeit greift immer mehr um sich, in den noch ungarischsprachigen Dörfern ist immer öfter eine Art Mischsprachigkeit, Halbsprachigkeit anzutreffen, was bedeutet, dass viele der Csángós weder das Ungarische noch das Rumänische in allen Feinheiten beherrschen. Viele sind auch nicht mehr imstande, zu bestimmen, welche von ihnen benützte Ausdrücke, Formulierungen ungarischer oder rumänischer Herkunft sind. Der nächste Schritt ist die vollkommene Rumänisierung.
Die Moldauer Ungarn hatten nie eine eigene weltliche Intellegentia, die ungarisch erzogen worden und so in ungarischem Bewusstsein aufgewachsen wäre, keinen Adel, nicht einmal Handwerker. Muttersprachlichen Schulunterricht hat es, mit Ausnahme einer sehr kurzen Zeit, nicht gegeben.
Deswegen konnte das ethnische Bewusstsein nur von der geistlichen Intellegentia – die dieser Aufgabe nicht wirklich gewachsen war – gefördert werden. Die moldauischen Ungarn waren im Gegensatz zu ihrer Umgebung katholischen Glaubens. Das führte so weit, das fast nur endogame Ehen geschlossen wurden. Das Beharren auf dem katholischen Glauben beschreibt eine Tagbuchaufzeichnung von Mihály Bay, einem katholischen Priester, der durch das Fürstentum Moldau reiste, aus dem Jahre 1706:
Bei den Moldauer Csángós tritt somit ein Umstand ein, der auch in der interethnischen Forschung noch nicht wirklich Beachtung gefunden hat, nämlich dass sich eine ethnische Gruppe über ihre Glaubenszugehörigkeit definiert bzw. nur so definiert werden kann.
Selbst die Csángós rund um Roman, obwohl sie sprachlich schon völlig assimiliert sind, bezeichnen sich manchmal, nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit gefragt, nicht als Rumänen, sondern als Katholiken. Dies ist die extreme Form des Csángó-Identitätsbewusstsein, sie wissen nicht, welcher Ethnizität sie zugehörig sind, sondern nur welcher sie nicht zugehörig sind.
Die Csángós, die rund um Bacău leben, sind sich ihrer ethnischen Zugehörigkeit schon eher bewusst. In zahlreiche Briefen an den Papst forderten und fordern sie, bitten um ungarischsprachige Priester, so wie die Bevölkerung von Lespezi im Jahre 1960:
Doch diese geistliche Intellegentia mit ungarischem ethnischen Bewusstsein hat es nie gegeben, die Indoktrination in der Priesterschmiede von Iaşi ist wohl zu überwältigend, und so konnte dieses katholische Anderssein die Moldauer Ungarn vor einer langsamen Assimilation nicht wirklich bewahren.
Ein weiterer Faktor, der verhinderte, dass sich ein Identitätsbewusstsein entfalten konnte, war die seit mehr als 100 Jahren präsente Propaganda der rumänischen Behörden und der mit ihnen kooperierenden katholischen Instanzen in der Moldau, die den Csángós klar zu machen versuchten, dass sie keine Ungarn sind, und dass das von ihnen gesprochene Idiom nicht Ungarisch ist, sondern eine entfernte Abart.
Das Gebiet Moldau war vom Beginn des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Missionsgebiet, in das die Heilige Kongregation für Mission nie genügend Priester zu schicken imstande war. Dieser Priestermangel wurde durch die Einrichtung eines katholischen Bistums Iaşi 1884 und die Eröffnung eines Priesterseminars zwei Jahre später nur wenig gelindert. Auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Priestermangel noch akut.
Jeder Pfarrer hatte mehr als ein Dutzend Filialkirchen zu betreuen, so spielte der deák in der Pflege des Seelenlebens der Gläubigen eine wichtige Rolle. Der deák war fast immer im betreuten Dorf geboren und aufgewachsen, verfügte so über die notwendige Ortskenntnis und wusste um die lokalen religiösen Traditionen Bescheid. Er rief die Dorfbewohner sonntags zum Rosenkranzbeten, stimmte die dem Kirchenjahr entsprechenden ungarischen Kirchenlieder an, gab den Kindern in ungarischer Sprache Religionsunterricht, führte Begräbnisse durch und leitete diverse Wallfahrten.
Neben den italienischen, bosnischen, kroatischen und später rumänischen Priestern, die das Ungarische nicht beherrschten bzw. nicht beherrschen wollten, sprach der deák zur Bevölkerung, diese war ihm deswegen innig verbunden.
Das Ende der Institution des „deák“ begann zwischen den zwei Weltkriegen als Folge einer verstärkten nationalistischen rumänischen Staats- und Kirchenpolitik. Die im Priesterseminar Iaşi ausgebildeten Pfarren „entließen“ die in den Dörfern der Moldauer Ungarn tätigen deáks, wenn sie nicht bereit waren, ausschließlich in rumänischer Sprache vorzusingen, vorzubeten und die Kinder zu unterrichten.
Der zweite Wiener Schiedsspruch 1940 verschlechterte die Lage der Csángós radikal. Als Vergeltung für die Verfolgunug der Rumänen in Ungarn (Nordsiebenbürgen) wurde per Dekret die ungarische Sprache und ungarische Lieder in der Kirche verboten. Jahrhundertealte Tradition konnte für ein paar Jahre nur mehr im familiären Kreis fortgeführt werden. Nach dem Krieg verbesserte sich die Lage einigermaßen. Heute ist sowohl die Sprache der Messen als auch die Verwaltungssprache der katholischen Diözese Iaşi – die aus vielen bis heute großteils ungarischsprachigen Gemeinden besteht - ausschließlich Rumänisch. Die deáks, insofern sie noch leben oder Nachfolger ausbilden konnten, führten und führen ihre Tätigkeit im familiären Kreise fort.
Seit dem Schuljahr 2005/2006 wird in den Csagó-Dörfer Ungarischunterricht angeboten.
Bis zum Regimewechsel 1989 wurden auch von der Securitate immer wieder ungarischsprachige Bücher konfisziert.
In den meisten Dörfern der Csangós, selbst dort, wo die Alten den ungarischen Dialekt noch sprechen, sind die Grabaufschriften rumänisch. Auch die Namen der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Verstorbenen sind vor langer Zeit romanisiert worden. So wurde z. B. aus János Gál - Gal Ianos,, aus Mária Kovácsi Covaci Maria.
In Szabófalva/Sabaoni sprechen nur mehr wenige Ungarisch. Manche bedauern es. Und der Hauptgrund für dieses Vergessen trägt die katholische Kirche. Dass man nicht einmal vor dem Haus Ungarisch spricht, ist eine Folge des Verbots durch die Pfarrer. Schon seit letztem Jahrhundert wird von der Kirche gegen den Gebrauch des Csángó-Ungarischen gekämpft. Dabei erklingen auch heute noch so im Geiste durch und durch mittelalterliche Sätze wie „Ungureasca-i limba( dracului!“ (Ungarisch ist die Sprache des Teufels!).
Die Menschen werden manipuliert, wie etwa im zweiten Weltkrieg in unseren Breiten. Und nicht nur unter braunem Einfluss hieß es von Seiten der katholischen Kirche, dass die Juden Christus ans Kreuz schlagen ließen. Noch in den 60er Jahren wurde die Kreuze am Friedhof ausgetauscht, erinnert man sich. Einige Leute haben monatelang daran gearbeitet, nicht die Aufschriften, sondern einfach die Namen ins Rumänische umzuschreiben. Selbst den Namen János wollte man in Ion verändern, was aber wegen der Proteste der Angehörigen nicht gelang.
Doch zerbricht man sich den Kopf über den Verlust der Sprache nicht wirklich. Man begreift die Sprache als ein Mittel der Kommunikation, wie es bis zur Entstehung des Nationalismus auch in unseren Breiten üblich war. Wenn man mit einer bestimmten Sprache sein Leben nicht mehr wirklich bestreiten kann, dann tauscht man sie ohne irgendwelche Vorbehalte gegen eine andere.
Zu hart ist der Überlebenskampf, zu schwierig ihre wirtschaftliche Lage, zu gering sind die Einnahmen aus der Landwirtschaft, um sich mit ethnischer Identität befassen zu können oder zu wollen. In Szabófalva antworten alle, die ihn noch beherrschen, im altertümlichen ungarischen Dialekt. Nur der römisch katholische Pfarrer ist nicht bereit, auch nur ein ungarisches Wort seinem Mund zu „entlassen“. Auf der theologischen Fakultät in Jászvásár hat man ihm nicht christliche Nächstenliebe gelehrt, sondern etwas völlig anderes.
Antal Csicsó, Vizeobmann des Verbands der moldauischen Csángó-Ungarn, der seinen Sitz in Bákó hat, weiß von den Versuchen der rumänischen Autoritäten zu berichten:
In Jászvásár wurden um 1810 einige Rundbriefe bezüglich des Sprachgebrauchs verfasst. Schon der Erste verbat die Verwendung von "nicht moldauischer" Sprache, verbat also das Ungarische. Dieser erste Rundbrief wurde danach alle 10 bis 15 Jahre erneuert. Jedwede ungarischsprachige Äußerung wurde verboten.
Seit dem Schuljahr 2005/2006 wird in den Csagó-Dörfer Ungarischunterricht angeboten.