Crédit Lyonnais (kurz: LCL) ist eine Großbank, die in der Stadt Lyon beheimatet ist.
1870 eröffnete die Bank ihre erste Niederlassung außerhalb des Landes in London. 1876 wurde die erste Niederlassung in Paris eröffnet, die bis 1913 der Hauptsitz der Bank wurde. 1880 belegte der Crédit Lyonnais mit 23 Niederlassungen in Paris und Dependencen in London, Genf, Konstantinopel und Alexandria den ersten Rang unter den französischen Banken. 1900 belegte der Crédit Lyonnais den weltweit ersten Rang vom Bilanzvolumen unter den Geschäftsbanken.
Während der 1990er Jahre stand die Bank im Mittelpunkt zahlreicher Finanzskandale, die zu ihrem Defizit von ca. FF 150 Mrd. (nahezu € 23 Mrd.) beitrug. Es wurde durch riskante Investments und Probleme bei Tochtergesellschaften der Bank verursacht. Das Motto der Bank in jener Zeit lautete: "Le pouvoir de dire oui" (= die Fähigkeit, ja zu sagen). Scheinbar sagte sie tatsächlich ein paar Mal zu oft „ja“.
Der Crédit Lyonnais besaß die amerikanischen MGM Filmstudios ein paar Jahre, in denen Giancarlo Parretti Studiochef war.
Die Bankfinanzen wurden vor dem Desaster durch Verlagerung ihrer Kredite und Verpflichtungen in eine neue staatseigene Gesellschaft, dem Consortium de Réalisation (CDR), gerettet. Das CDR erklärte sich bereit, £ 525 Mio. an das kalifornische Department of Insurance zu zahlen, um einen Rechtsstreit über den Versicherungsskandal bei Executive Life zu verhindern. Das CDR ist eine kontroverse Gründung, weil viele der Meinung sind, die französische Regierung hätte der Bank nicht aus der Klemme helfen sollen.
Der französische Reporter Denis Robert und die Nummer 3 von Clearstream, Ernest Backes veröffentlichten 2001 ein Buch mit dem Titel „Revelation“ (= Enthüllung), in dem sie Crédit Lyonnais zusammen mit anderen Banken unpublizierter Konten bei Clearstream beschuldigten. Die Autoren beschuldigen Clearstream, eine Luxemburger Clearingstelle, eine Art großer, internationaler Geldwaschmaschine zu sein, was einem Finanzskandal gleichkäme.
Seit 1999 werden die Aktien frei an der Börse gehandelt. 50 % waren in Streubesitz, 33 % gehörten einer Gruppe von Großinvestoren, 10% dem französischen Staat und der Rest den Angestellten und der Crédit Lyonnais Group.
2003 wurde Crédit Lyonnais vom Crédit Agricole übernommen. Sein Investmentbankgeschäft wurde in eine bestehende Tochtergesellschaft vom Crédit Agricole, Crédit Agricole Indosuez, übernommen, die in Calyon umbenannt wurde. Der Crédit Lyonnais besteht als nationales Teilzahlungskreditinstitut weiter.
2005 wurde Crédit Lyonnais in Le Crédit Lyonnais (LCL) umbenannt, wahrscheinlich um offenkundige Erinnerungen an seine jüngste problematische Vergangenheit zu verringern. Gleichzeitig hatte CDR € 135 Mio. an den früheren umstrittenen Milliardär Bernard Tapie (oder besser an seine Gläubiger) wegen eines Skandals im Zusammenhang mit seiner zeitweiligen Übernahme von Adidas zurückzuzahlen.
In den USA ist Crédit Lyonnais als Calyon bekannt, wohingegen in Frankreich Crédit Lyonnais und Crédit Agricole als einigermaßen separate Einheiten bestehen bleiben. In den USA unterhält die Calyon Investment Bank fünf Zweigstellen in New York City, Chicago, Dallas, Los Angeles und Houston. Calyon Houston ist spezialisiert auf die Schlüsselfinanzierung des Energiesektors.
Der belgische Crédit Lyonnais wurde an die Deutsche Bank verkauft.
Der sehr markante Firmenhauptsitz im Osten der Stadt Lyon wird wegen seiner Form crayon (frz. für Bleistift) genannt.
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