Couleur (franz. „Farbe“) ist die Bezeichnung für die Gesamtheit aller Kleidungs- und Schmuckstücke sowie aller Accessoires und Gebrauchsgegenstände, auf denen oder mit denen die männlichen und weiblichen Mitglieder farbentragender Studentenverbindungen ihre "Farben" zeigen. Ein Teil dieser Kleidungsstücke und Accessoires dient dazu, die Mitgliedschaft in der Verbindung mit den entsprechenden Farben zum Ausdruck zu bringen, also "Farbe zu bekennen".
Wichtigste Bestandteile des Couleurs eines Verbindungsstudenten sind das um die Brust getragene Band und die Mütze, die als „Mitgliedsabzeichen“ einer Studentenverbindung die größte Bedeutung haben. Des Weiteren tragen viele Verbindungsstudenten einen Zipfelbund, an dem mindestens ein so genannter Zipfel oder Zipf hängt.
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Bei den frühen, landsmannschaftlich orientierten Verbindungen (Corps) hatten die Farben ihren Ursprung meist in den Landesfarben und in den „Civil-“ oder „Militair“-Uniformen des Herkunftslandes ihrer Mitglieder.
Die Burschenschaften wählten ab 1815 die Farben schwarz-rot-gold, die aus den Farben der Uniform (schwarzer Rock, rote Aufschläge und goldfarbene Messingknöpfe) des Lützowschen Freikorps abstammten. Auf dem Hambacher Fest wurden die deutschen Farben zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Sie spiegeln somit die Sehnsucht nach der politischen Einheit und Volkssouveränität wieder. Diese Farben wurden später zu den Farben der deutschen Nationalflagge.
Bei den später entstandenen Verbindungen war die Farbwahl oft relativ willkürlich, orientierte sich aber oft an den Farben der Universitätsstadt oder an Landesfarben.
Tübinger_Mensur_1831.jpg in moosgrün-rosa auf Gold (links) und dem Corps Suevia Tübingen in schwarz-weiß-rot auf Silber (rechts)]]
In der Regel haben alle Farbstreifen die gleiche Breite; es kommt aber auch vor (auch hier vor allem bei Zusammenschlüssen von Verbindungen), dass zwei Hauptfarben von zwei schmaleren Streifen in einer dritten Farbe umgeben sind. Man spricht dann von „Farbe1-Farbe2 auf Farbe3em Grund“.
Wie auch bei Nationalflaggen haben die Farben eine relevante Reihenfolge, sie können also nicht willkürlich kombiniert werden. Genannt werden sie dabei von oben nach unten. Ausnahmen sind die Universitätsstädte Jena und Halle, deren Verbindungen ihre Farben grundsätzlich von unten nach oben lesen. Es gibt auch noch einzelne Corps in Deutschland, zum Beispiel in Heidelberg und Freiburg im Breisgau, die ihre Farben ebenfalls von unten nach oben lesen.
Die Farben stammen im wesentlichen aus dem Repertoire der Heraldik, am verbreitetsten sind schwarz, blau, rot, grün, aber auch weiß und gelb sowie gold und silber. Verwendet werden ebenfalls die selteneren Farben violett und orange sowie (ganz selten) grau und braun.
Im Gegensatz zur Heraldik sind weiß und silber, aber auch gelb und gold jeweils verschiedene Farben (beziehungsweise Metalle). Dabei fällt auf, dass gold deutlich häufiger ist als gelb, während weiß öfter zum Einsatz kommt als silber.
Ein weiterer Unterschied zur Heraldik besteht in den Nuancierungen. Dunkelblau ist etwas anders als blau, hellrot anders als rot. Auch Pastellfarben werden nicht vermieden wie hellblau, rosa oder lindgrün. Unterschiedliche Nuancierungen derselben Farbe können auch unmittelbar aufeinander folgen, so ist zum Beispiel auch die Kombination „dunkelblau-hellblau-weiß“ möglich. Bei den Nuancierungen wird meist großes Gewicht auf Mustertreue gelegt, das heißt, dass die überlieferte Nuancierung akribisch genau eingehalten wird, besonders bei der Fertigung der Bänder. Diese angestrebte Genauigkeit führt vielfach zu blumigen Farbbezeichnungen, wie „alpenrosenrot“, „moosgrün“ oder „ätherblau“.
Die Farben fanden anfangs in der Alltagskleidung der Studenten (Mützen, Oberbekleidung) ihren Niederschlag, wurden auf Fahnen und in den Wappen der Verbindungen wiedergegeben. Auch als es in den 1820er Jahren in Mode kam, Taschenuhren an seidenen Bändern um Schulter und Brust zu tragen, wurden diese Bänder in den Farben gestaltet. Aus diesen Uhrenbändern haben sich dann die Bänder der Studentenverbindungen (jetzt ohne Uhr) entwickelt, die als das Mitgliedsabzeichen von (zumindest den farbentragenden) Verbindungen schlechthin gelten.
Es handelt sich dabei um ein meist 27 Millimeter breites Band (das so genannte Bierband) aus Seidengewebe, das über die rechte Schulter gelegt und unter der linken Achsel ungefähr in Höhe des Bauchnabels von einem Metallknopf zusammengehalten wird. Das Band wird unter dem Jacket, aber über Hemd, Krawatte und Weste getragen. Bei Frack oder Smoking wird ein schmaleres Band (etwa 14 Millimeter), das so genannte Weinband quer über die Brust getragen. Es gibt vereinzelt auch (teilweise sehr alte) Verbindungen, deren Bierband bis zu 36 Millimetern Breite aufweist. Baltische Verbindungen haben traditionell dünnere Bänder mit Breiten zwischen 15 und 20 Millimetern.
An den Rändern ist das Band entweder mit silbernen oder goldenen Metallfäden vernäht, der so genannten Perkussion. Das Metall der Perkussion wird heute oft zur genaueren Unterscheidung zu den Couleurfarben dazugerechnet. Man spricht von "Farbe1-Farbe2-Farbe3 mit silberner (oder goldener) Perkussion".
Das Metall der Perkussion dient auch als Richtschnur für die (goldene oder silberne) Gestaltung aller anderen Metallelemente des Couleurs einer Verbindung, wie zum Beispiel Metallstickereien auf Band und Tönnchen oder Metalleinfassungen von Zipfeln.
Für die Füchse (andere Schreibweise „Füxe“), die Neumitglieder einer Verbindung, die noch nicht alle Rechte und Pflichten eines Vollmitgliedes haben, wurden im Laufe der Zeit Bänder mit spezieller Farbgestaltung entwickelt. Fuchsenbänder unterscheiden sich von den Bändern für Burschen (oder Corpsburschen), den Vollmitgliedern. Sie sind in der Regel um eine Farbe reduziert, haben also oft nur zwei Farbstreifen oder wiederholen eine der beiden Farben (zum Beispiel nach dem Muster "Farbe1-Farbe2-Farbe1"). Verbindungen mit zweifarbigem Band haben noch vielfältigere Möglichkeiten. Sie setzen eine dritte Farbe hinzu, verdoppeln eine der beiden Farben oder ersetzen eine Farbe durch weiß etc.
Es gibt auch Verbindungen ohne Fuchsenband. So tragen die Füchse der Corps in Göttingen und Heidelberg, die Füchse der Burschenschaften - mit Ausnahme der Frankonia - in Heidelberg und die Füchse aller baltischen Verbindungen traditionell gar kein Band. Aber auch viele ältere Burschenschaften, vor allem diejenigen, die schwarz-rot-gold tragen, haben kein spezielles Fuchsenband. (Von der Farbkombination schwarz-rot-gold, also den deutschen Farben, kann man keine Farbe weglassen.)
Der Fuchsmajor, ein Vollmitglied, das für die Betreuung und Ausbildung der Füchse zuständig ist, trägt bei vielen Verbänden das Fuchsenband über Kreuz mit seinem Burschenband.
Bei besonderen Ereignissen oder als Erkennungszeichen einer besonderen Ehrung (zum Beispiel Ernennung zum Ehrenmitglied) werden bei manchen Verbindungen Bänder in der Perkussionsfarbe bestickt - meistens mit dem Wappenspruch der Verbindung.
Bandknöpfe sind entweder aus Metall (in Perkussionsfarbe) gefertigt mit einem vorne eingravierten Zirkel oder zeigen auf der Vorderseite ein Wappenschild mit den Couleurfarben. In der Regel erhält der Student seinen Bandknopf nach Ende seiner Fuchsenzeit von seinem Leibburschen geschenkt. Auf der Rückseite ist eine entsprechende Widmung eingraviert.
Quer durch alle Verbände gibt es bei vielen Korporationen die Einrichtung des „Schleifenträgers“ manchmal auch „Conkneipant“ genannt, oder in Kösener Corps „IdC“ (Inhaber der Corpsschleife). Die Schleife ist ein Stück des Burschenbandes, das zu einer Schleife gebunden am Revers des Jackets getragen wird. Die Schleife wird solchen Mitgliedern verliehen, die aus wichtigen oder zwingenden Gründen nicht alle Verpflichtungen erfüllen können, die die Verbindung von einem Bandträger verlangt.
Burschenmuetze_Corps_Hannovera.jpg eines Corpsburschen des Corps Hannovera Hannover in den Farben rot-weiß-schwarz]]
In der Regel wird die Mütze als zweitwichtigstes Element des Couleurs einer Studentenverbindung angesehen. Die Kombination Band und Mütze wird oftmals auch als „Vollcouleur“ bezeichnet. (Siehe auch: Studentenmütze)
Die Grundstruktur der Mützen ist im Prinzip bei allen Verbindungen gleich. Sie bestehen aus einem Kopfteil, an dessen unterem Rand ein Farbstreifen angebracht ist. Dazu kommt ein Schirm aus schwarzem Leder.
Die Form vor allem des Kopfteils kann jedoch sehr stark variieren. Es gibt sehr große Mützen, bei denen der obere Rand des Kopfteils einen deutlich größeren Durchmesser hat als der Kopfumfang (Tellermütze). Bei manchen besonders großen Variationen kann der Kopfteil sogar in Form eines Baretts zu einer Seite herunterhängen. Auf der anderen Seite gibt es sehr kleine Mützen, die mehr auf dem Kopf aufliegen, als um ihn herum führen. Sie werden meist auf der hinteren Kopfseite getragen (Hinterhauptcouleur).
Wilhelm_Liebknecht_-_Student.jpg im Couleur des Corps Hasso-Nassovia Marburg (maigrün-weiß-himmelblau), 1847]]
Typisch für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Mützenform, die sich durch einen kleinen Kopfteil und einen besonders langen, nach vorn ragenden Schirm auszeichnet. Man spricht hier auch von der Biedermeiermütze. (Eine beliebte Mützenform, es gibt immer mal wieder Versuche, sie wiederzubeleben.) Die Mützenformen sind in der Regel für eine Verbindung spezifisch, können also nicht individuell gewählt werden.
Bei baltisch-deutschen Verbindungen heißt die Mütze „Deckel“ und ist in der Regel mit dem Baltenstern bestickt.
Eine weitere Sonderform ist die Kranzmütze.
Der Farbstreifen, der am unteren Rand der Mütze umläuft, ist meistens analog zum Band (oft auch inklusive Perkussion) gestaltet. Wenn die Mütze die erste (obere) Farbe des Bandes aufweist, kann es sein, dass der Farbstreifen nur die beiden unteren Farben zeigt. Eine Spezialität ist der so genannte „Göttinger Streifen“ (auch „Göttinger Couleur“), der auch außerhalb Göttingens vorkommt. Die Mütze ist dabei in der ersten Farbe gehalten. Der umlaufende Farbstreifen zeigt die dritte Farbe, umgeben von zwei schmalen Rändern in der zweiten Farbe. Es gilt die Faustregel: „Die zweite Farbe schließt die dritte ein“.
Bei vielen Verbindungen tragen die Füchse eine farblich anders gestaltete Mütze. So kann der umlaufende Farbstreifen die Farben des Fuchsenbandes zeigen. Oder die Fuchsenmütze weist besondere Merkmale, zum Beispiel eine zusätzliche Litze, auf. Bei baltischen Verbindungen tragen die Füchse einen schwarzen „Deckel“ ohne jegliche Farben.
Wilhelm_II._(Deutsches_Reich)_im_Couleur_des_Corps_Borussia_Bonn_(farbig).jpg als Alter Herr des Corps Borussia Bonn, (schwarz-weiß-schwarz) mit weißem Stürmer als Kopfbedeckung]]
Stürmer haben auch einen schwarzen Schirm, über dem Schirm verläuft ein Riemen. Einen umlaufenden Farbstreifen gibt es nicht, stattdessen Verzierungen mit Kordeln in den Couleurfarben. Die meisten, aber nicht alle Stürmer sind weiß. Manche Verbindungen tragen ihre Stürmer auch nur im Sommersemester, im Winter tragen sie eine reguläre Mütze. Die Herkunft dieser Kopfbedeckung ist weitgehend unklar, Studentenhistoriker vermuten, dass sie in den 1840er Jahren in Bonn entstanden ist. Manche behaupten sie gehe auf polnische Reitermützen aus der Zeit des Polenaufstandes zurück. Eine prinzipielle Ähnlichkeit besteht zur Phrygischen Mütze, die jedoch eine zum Zipfel ausgeformte Spitze und weder Schirm noch Riemen aufweist.
Eine Kopfbedeckung für mehr inoffizielle Anlässe ist das so genannte „Tönnchen“ (eigentlich „Biertonne“). Dabei handelt es sich um eine kleine, kreisförmige, flache Kopfbedeckung ohne Schirm, die in der Regel am Hinterkopf getragen wird.
Das Tönnchen ist bei allen Verbindungen von der Form her praktisch gleich. Die Mitte ist in der Mützenfarbe gestaltet und mit dem Zirkel der Verbindung in der Farbe der Perkussion (gold oder silber) bestickt. Außen laufen die Farben des Bandes als vergleichsweise breiter Streifen um - oben und unten mit einer Litze in Perkussionsfarbe. Vereinzelt gibt es auch Tönnchen mit Pelzbesatz.
In der Version als „Prunktönnchen“ (auch „Straßencerevis“ genannt), die bei vielen Verbindungen aus den unterschiedlichsten Gründen getragen wird, ist das ganze Tönnchen mit umfangreichen Metallstickereien versehen - bei Corps zum Beispiel in der Form von Weinlaub, Burschenschaften tragen Eichenlaub.
Siehe auch: Studentenmütze
Der Zipfel (in einigen Regionen auch Zipf genannt) ist ein Schmuckanhänger aus zwei unterschiedlich langen Stücken in Metall gefassten Couleurbands und einem aufgezogenen Schieber mit Wappen, Zirkel und Widmung. An der oberen Metallfassung befindet sich ein Kettchen mit einem Karabinerhaken, mit dem der Zipfel am Zipfelhalter befestigt wird. Der Zipfelhalter wiederum wird mit einem Clip am Hosenbund oder an der Westentasche getragen.
Zipfel werden zu verschiedenen Anlässen getauscht, das heißt gegenseitig geschenkt:
Zur Herkunft des Zipfels gibt es unterschiedliche Darstellungen. Zum einen verwendeten nach den Karlbader Beschlüssen und dem Verbot von Studentenverbindungen die Korporierten ein kurzes Stück ihres Burschenbandes ("Das Band ist zerschnitten*"), das sie in der Tasche trugen, als Erkennungsmerkmal. Zum anderen könnte der Zipfel zur Markierung des eigenen Bierkruges verwendet worden sein, auch unter dem Aspekt der Vermeidung von Infektionskrankheiten. Auch heutzutage wird der Zipfel in dieser Weise verwendet. Andere Quellen gehen davon aus, dass der Zipfel lediglich als Châtelaine zum Befestigen der Taschenuhr diente. Wahrscheinlich ist, dass alle drei Möglichkeiten Einfluss auf die Entstehung des Zipfel hatten. Bei vielen Verbindungen ist der Zipfelbund ein Teil des Vollcouleurs. Bei nichtfarbentragenden Verbindungen, also Verbindungen, die nicht Band und Mütze tragen, ist der Zipfelbund oft das einzige Erkennungsmerkmal.
Damen kann zu besonderen Anlässen von einer Verbindung für besondere Verdienste oder einem Partner ein Sektzipfel verliehen werden (Sektband ist ca. 7 mm breit).
Schnapszipfel sind sehr selten, im Wingolfsbund werden sie z.B. nur unter leiblichen Brüdern, die beide Wingolfiten sind, getauscht (Schnapsband ist ca. 4 mm breit).
Eine Besonderheit ist der vor allem im schweizer Raum verbreitete "Bierfotz". Darunter verstehen dortige Studentenverbindungen eine Form des auf manchen Kneipen getauschten Bierzipfels, allerdings mit dem Unterschied, dass der Bierfotz nach einer Mensur von der jeweiligen (in diesem Fall auch während der Mensur anwesenden) Dame des Gegenpaukanten mit dem traditionellen Kuss auf die Handinnenseite des Paukanten verliehen wird.
Der Bierfotz gilt generell als freundschaftliche Ehrenauszeichnung, das offene Tragen des Bierfotzes auf einem Kommers dagegen ist aber zumeist verpönt. Deutsche Studentenverbindungen lehnen den Bierfotz als offiziellen Teil des Couleurs zumeist ab.
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Bei offiziellen Veranstaltungen (nicht bei Damenveranstaltungen) tragen die aktiven Mitglieder der meisten farbentragenden Verbindungen so genannte Kneipjacken oder Pekeschen. Dabei handelt es sich um eine vorne mit Kordeln verschnürte Jacke aus Samt oder Filzstoff, die in der Regel in schwarz oder der Farbe der Studentenmütze gehalten ist. Weitere Kordeln, Paspeln oder Litzen in Couleurfarben finden sich am Kragen, an den Ärmeln und am Rücken. Gelegentlich gibt es auch für Chargierte zur Unterscheidung Kneipjacken in einer anderen Farbe.
Das Band (oder die Bänder) wird i.d.R. über der Kneipjacke getragen, da die Kneipjacke bis zum Hals geschlossen ist und das Band sonst nicht zu sehen wäre. Ausnahmen sind z.B. die Corps des "Grünen Kreises". Diese tragen das Band immer unter der offenen Kneipjacke.
Historisch ist die Kneipjacke um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus einer Tracht polnischer Freiheitskämpfer entstanden. Polnisch bekiesza bezeichnet einen mit Schnüren verschlossenen und mit Pelz besetzten Überrock, der von polnischen Freiheitskämpfern, die vor russischer Verfolgung geflohen waren, um 1830 nach Preußen eingeführt worden ist (Siehe auch: Novemberaufstand). Verschiedene studentische Kleidungsstücke dieser Zeit zeugen von einer Solidarität der deutschen akademischen Jugend mit osteuropäischen Freiheitsbewegungen. Bis heute erhalten hat sich die Kneipjacke.
Bei Verbindungen mit besonderer fachlicher Ausrichtung kann die Kneipjacke auch durch andere Traditionsbekleidung ersetzt werden. So tragen forstlich und jagdlich ausgerichtete Verbindungen oft eine Art Försterjacke in Grün, Verbindungen an ehemaligen Bergakademien gern den schwarzen Bergkittel, der selbst als Abendgarderobe zugelassen ist.
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Anlässe zum Tragen des Vollwichses sind feierliche Kommerse (zum Beispiel zu großen Stiftungsfesten oder Universitätsjubiläen) aber auch Totenehrungen und Beerdigungen. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war es teilweise üblich, dass die Chargierten im Vollwichs zu Pferde auftraten.
Vollwichs wird zum Teil sogar von ansonsten nicht farbentragenden Verbindungen zu Repräsentationszwecken angelegt. Teilweise verwenden diese Verbindungen bei derartigen Anlässen auch die Salonwichs. Diese bildet eine weniger feierliche Form und besteht aus Schärpe, Cerevis, Handschuhen und Schläger. Die Salonwichs wird über einem Anzug getragen. Weiterhin wird die Salonwichs auch von verschiedenen Verbindungen beim Inoffiz von Kneipen verwendet.
Die in der entlegenen Universität Dorpat konservierte frühere Tradition der Baltischen Corporationen kennt weder die uniforme Kneipjacke (trotz einigen nur unter Studenten üblichen Moden) noch den Chargenwichs. Bei offiziellen Anlässen traten die Chargierten im Frack mit Schärpe und dem üblichen baltischen Deckel mit Baltenstern auf.
Besonders beliebte Gebrauchsgegenstände mit Couleur sind Bierkrüge und Weingläser sowie die im 19. Jahrhundert weit verbreiteten langen Tabakspfeifen mit bemalten Porzellan-Pfeifenköpfen und bunten Quasten in Couleurfarben.
Aber nicht nur Utensilien zum Konsum von Alkohol und Tabak wurden verziert. Zeitweise wurden auch mit Couleurmotiven aufwändig bemalte Mokkatassen (mit Untertassen) angefertigt. Praktisch alles, was als geschirrähnlicher Gegenstand (sogar Blumenvasen) auf dem Tisch Platz fand und zu bemalen war, konnte als Fläche für Couleurelemente genutzt werden.
Corps Austria Couleur-2.jpg]] Kleidungsaccessoires, die nicht zum klassischen Couleurbestand gehören, wurden ebenfalls genutzt. So zum Beispiel gravierte oder mit Email eingelegte Manschettenknöpfe oder Ringe, teilweise mit Edelsteinen in Couleurfarben besetzt, soweit vom Material und den Farben möglich.
Gemäß einer alten Tradition werden Couleurgegenstände nicht zum eigenen Gebrauch gekauft (oder als Sonderanfertigung bestellt), vielmehr ist es üblich, sie mit einer Widmung zu versehen und zu verschenken („dedizieren“). Durchaus akzeptiert ist es auch, Gegenstände vereinbarungsgemäß zu „tauschen“, das heißt, sich gegenseitig zu dedizieren.
Nicht verschenkt, sondern verschickt werden Couleurkarten. Das sind Postkarten, die üblicherweise zur Übermittlung von Grüßen von einer Veranstaltung verwendet werden. Zu diesem Zweck sind sie mit Couleurelementen (Farben, Wappen, Zirkel etc.) der betreffenden Verbindung versehen.