Der Cospudener See ist ein südlich von Leipzig gelegener künstlicher See. Er entstand aus einem Tagebaurestloch, das geflutet wurde. Anteile an der Seefläche haben die drei sächsischen Städte Leipzig (Gemarkung Lauer), Markkleeberg (Gemarkungen Gautzsch und Cospuden) sowie Zwenkau (Gemarkung Eythra).
Bauwerksdaten
- Typ: Tagebaurestloch
- Höhe: 110,0 m über NN
- Wasservolumen: 109 Mio m³
- Wassertiefe: bis zu 54 m
- Wasserfläche: 436 ha = 4,36 km²
- Uferlänge: ca. 10,5 km.
Entstehung
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Der Aufschluss des Tagebaus Cospuden (
1981) fiel in die Zeit der seit Mitte der 1970er Jahre in der
DDR betriebene radikalen Auskohlungspolitik, in welcher infolge der
Erdölkrisen eine maximale Nutzung der heimischen
Braunkohle angestrebt wurde. Der unmittelbar am südlichen
Leipziger Stadtrand gelegene Tagebau sollte in mehreren Feldern bei einer Jahresleistung von ca. 5-6 Mio. t bis etwa
1996 betrieben werden. Sein Aufschluss machte die Überbaggerung der land- und forstwirtschaftlich genutzten
Elsterauenlandschaft, erforderlich, ein bis dato beliebtes Naherholungsziel vor den Toren Leipzigs. Zudem wurden mehrere kleine Siedlungsteile, wie z.B. das ehemalige
Rittergut Lauer,
devastiert und insgesamt 43 Einwohner umgesiedelt. Das namensgebende Dorf Cospuden (38 EW) wurde bereits
1973 vom benachbarten Tagebau
Zwenkau überbaggert. Der wirtschaftliche Strukturwandel und massive Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung, die sich
1989 in der Etablierung der breiten
Bürgerinitiative Stop Cospuden ausdrückten, führten
1992 zur Fördereinstellung. Bis dahin hatte der Tagebau eine Abgrabungsfläche von 5,1 km² in Anspruch genommen und ~ 32 Mio. t Kohle an die umliegenden Veredlungsbetriebe geliefert.
Bereits die DDR-Nachnutzungsplanung sah aufgrund der Lage am unmittelbaren Leipziger Stadtrand nach Auslauf der Förderung die komplette Wasserfüllung des Restloches und die Schaffung freizeitorientierter Nachnutzungsmöglichkeiten vor. Diese Kernidee wurde bei der Revitalisierung des Geländes beibehalten. Durch den Zufluss von Grund- und Niederschlagswasser sowie Sümpfungswasser aus den Tagebauen Zwenkau (ab 1994) und Profen (ab 1998) erreichte der See im Frühjahr 2000 seinen Endwasserspiegel mit neutralen Wasserverhältnissen.
Damit war der Cospudener See der erste Bergbaurestsee im Leipziger Neuseenland, der einer Nachnutzung übergeben werden konnte. Der gegenüber den anderen Seen zeitige Entstehungsvorteil und die stadtnahe uns verkehrsgünstige Lage bedingten die vergleichsweise rasche Etablierung der anspruchsvollen freizeitwirtschaftlichen Anlagen im Umfeld des Sees. Diese reichen in ihrem Umfang weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Revitalisierungsleistungen und auch über die an vergleichbaren Reststeen sonst etablierten Nutzungsformen hinaus, da der Cospudener See von Seiten als Modellprojekt für die Möglichkeiten der Gestaltung einer Bergbaufolgelandschaft angesehen wurde. Dabei wurde die Finanzierung und Umsetzung der Planungen wesentlich durch die unter dem Thema Mensch, Natur und Technik stehende Weltausstellung Expo 2000 forciert, an welcher der Cospudener See als dezentraler Beitrag der Stadt Leipzig teilnahm. Er stellte den Mittelpunkt des Beitrages Landschaftsnutzung – Landschaftspflege dar. Die Expo war Anlass und Motor für die Revitalisierung des Tagebaugeländes Cospuden. Im Ergebnis zeigt der Cospudener See exemplarisch für das Leipziger Neuseenland wie auch andere Braunkohlereviere Ostdeutschlands auf, welche innovativen, phantasievollen und kreativen Ideen zur nachhaltigen Gestaltung einer Bergbaufolgelandschaft in kurzer Zeit wirtschaftlich tragfähig umsetzbar sind, wenn die beteiligten Entscheidungsträger eng, konsens-, zielorientiert und kooperativ zusammenwirken.
Nutzungen
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Der im Volksmund auch
Lago Cospuda,
Costa Cospuda oder
Cossi genannte See bietet eine Vielzahl von Freizeit-, Erholungs- und Sportmöglichkeiten. Während der
Rekultivierung wurde um den See herum ein
Naherholungsgebiet mit
Strand und Landschaftspark angelegt und im Rahmen der
Expo 2000 am 1. Juni
2000 eröffnet. Die Freizeitangebote werden u.a. von Seglern,
Kitesurfern,
Inlineskatern,
FKK-Badern und Radfahrern gut angenommen, so dass sich der Cospudener See zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt hat. In den letzten Jahren wurde er durchschnittlich von etwa 450.000 Menschen pro Saison frequentiert. Im Zuge der Leipziger
Olympiabewerbung für
2012 waren am Cospudener See Wettbewerbe im
Rudern,
Triathlon sowie im
Beachvolleyball und umfangreiche andere Freizeitaktivitäten geplant. Derzeit (Frühjahr 2006) bietet der See folgende Nutzungsmöglichkeiten:
Landschaftspark Nordufer
- Eingangsgebäude mit Ausstellung über die Bergbaugeschichte und den Landschaftswandel im Südraum Leipzig sowie mit Fahradausleistation,
- 1,5 km lange Landschafts- und Erlebnisachse vom Eingangsgebäude zum Strandbereich,
- Tertiärwald (Aboretum) bestehend aus Pflanzengesellschaften und geologische Artefakten, die an die Entstehungszeit der Braunkohle erinnern,
- Wasserspielplatz,
- 1 km langer und 70 m breiter Strand mit Spiel- und Liegewiesen,
- Strandpavillons mit Servicestationen (Gastronomie, Umkleide, Sanitäranlagen),
- Anlegestelle für Schiffsrundfahrten,
- Veranstaltungsbühne,
- Minigolfanlage.
Zöbigker Winkel (Ostufer)
- Wassersportzentrum Pier I (Paddeln, Rudern, Surfen, Segeln, Kite-Surfen, Tauchschule, Bootsverleih etc.)
- 100 m lange Marina mit 3 Seitenstegen und Liegeplätzen für ~ 200 Boote,
- Anlegestelle für Schiffsrundfahrten,
- 3 große Hafenhäuser u.a. mit Servicestationen, Gastronomie mit Seeterrasse, Einzelhandel, Sauna, Sanitäranlagen, Ferienwohnungen,
- 9-Loch-Golfanlage.
Bistumshöhe (Südufer)
- Aussichstturm (35 m, 180 Stufen) auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel (135 m über NN), Blick über den See, den Elsterstausee, den Freizeitpark Belantis und die Skyline von Leipzig
Westufer
- Vorrang- und Vorbehaltsgebiet für den Natur- und Landschaftsschutz,
- Ökologischer Mindestverbund zwischen den Landschaftsschutzgebieten Leipziger Auwald im Norden und Elsteraue im Süden
sonstiges
- Inselbriefkasten,
- 2 Inseln mit Schiffswrack,
- 12 km langer Rundweg (Radweg) um den See mit Anschlusswegen z. B. nach Markkleeberg, Belantis, Elsterstausee, Kulkwitzer See, Grünau, Großzschocher, Schleußig, zum Südlichen Auwald und zur Agra,
- Schiffsrundfahrten mit einem ehem. Grachtenschiff bzw. dem Solarboot Solaria 1,
- vielfältige Events (Freiluftkino, Drachenbootrennen, Langstreckenschwimen, Konzerte am See, Lesungen, Liederabende, wechselnde Ausstellungen etc.)
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Derzeit wird an der Schiffbarmachung des Floßgrabens gearbeitet, welcher den Nordteil des Sees durch die Wälder der Elsteraue mit der weißen Elster verbinden soll. Der sich in Flutung befindliche Zwenkauer See soll über einen 3 km langen, 7 m breiten und 1,5 m tiefen schiffbaren Graben ebenfalls mit dem Cospudener See verbunden werden. Beide Vorhaben gelten als erste Schritte zur Umsetzung eines Gewässerverbundes zwischen den Seen im Leipziger Neuseenland. Im Rahmen dieses Verbundes soll bis 2010 ein Großteil der gefluteten Tagebaurestlöcher untereinander und über die Fließgewässer mit der Stadt Leipzig verbunden werden. Diese künstlich verbundene wassertouristisch nutzbare Seenplatte hätte durch die Synergieeffekte aufgrund der Verknüpfung von Stadtlandschaft, Auenwäldern und Tagebauseen bessere Entwicklungs- und Vermarktungschancen, als eine Reihe nicht verbundener Einzelseen. Aufgrund der hohen Investitionskosten, die mit 30-35 Mio. € beziffert werden, wird eine Beteiligung privater Investoren sowie das Finden belastbarer Trägerschafts- und Betreibermodelle für die Umsetzung der Planungen erfolgsentscheidend sein.
Verkehr
An der Brückenstraße steht ein großer Besucherparkplatz (in der Saison kostenpflichtig) zur Verfügung. Von dort sind es zwei Kilometer bis zum beliebten Nordstrand. Man kann sich auch vom
Kremser mitnehmen lassen. Außerdem verkehrt die Buslinie 65 vom Parkplatz zum See. In Zöbigker existieren zwei weitere Parkplätze: der erste liegt 500 Meter vom Pier I entfernt, der andere ist direkt am Hafen Pier und für Bootsbesitzer und Gehbehinderte gedacht. Im Hafen können nicht nur kleinere Segelschiffe anlegen, sondern vom Pier I verkehrt auch ein Ausflugsdampfer. Das von den
Leipziger Verkehrsbetrieben betriebene Schiff
MS Cospuden fährt seit 25. März 2000 auf dem See. Es besitzt ein Ober- und ein Unterdeck. Eine Fahrt inklusive
Seemannsgarn des Kapitäns dauert ca. eine Stunde.
Literatur
- Christliches Umweltseminar Rötha e.V. * (2000/2001): Den Wandel zeigen – den Wandel erleben: Cospuden. Südraum Journal Bd. 12. Leipzig
- Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft * (1999): Schaffung von Tagebaurestseen im mitteldeutschen Bergbaurevier. Berlin
- Lutz Schiffer et.al. * (2002): Bergbaurestseen in Mitteldeutschland. Seenkompass. Chemnitz/Espenhain
Weblinks
Siehe auch
Leipzig | See in Sachsen