Allgemeine Definition
Der zeitgenössische Contra Dance bezeichnet einen Tanz nach Ansage, dessen Abläufe im Takt der Musik in sich gegenüberstehenden Linien, den sog. Gassen getanzt werden.
Für den historischen Kontratanz existiert ein separater Artikel.
Der Contra Dance, wie er heutzutage getanzt wird, kommt hauptsächlich in weiten Gebieten der USA, vorwiegend in den Neu-England-Staaten vor. In Europa finden wir ihn vor allem in England, Dänemark, Belgien und den Niederlanden. In Deutschland fristet er eher ein Schattendasein neben dem weiter verbreiteten Square Dance.
In der modernen Fassung wird diese Tanzart sowohl als Kontratanz als auch als Contra Dance bezeichnet. Die deutsche Bezeichnung ist eher im Bereich der Volks- und Seniorentänze gebräuchlich, während die amerikanische Bezeichnung von Tänzern gebraucht wird, die diese Tanzart aus der Nachbarschaft der verwandten Volkstanzformen Square Dance und Round Dance kennen.
Beim Contra Dance werden, wie es bei Square Dance und Round Dance ebenfalls typisch ist, auf Zuruf vorgegebene Abläufe getanzt, die in Übereinstimmung mit der Musik in einer fließenden Bewegung ausgeführt werden. Die vorbedachten ineinander verwobenen geometrischen Abläufe tanzt man in Übereinstimmung mit der Struktur der Musik.
Contra Dance Musik ist so aufgebaut, dass immer eine Folge von 8 Taktschlägen eine Phrase, ein musikalisches Thema ergibt. Dementsprechend gibt eine Folge von 8 Schritten ein Tanzthema, eine Grundbewegung. Und die Reihenfolge dieser Bewegung ist während eines Tanzes immer die gleiche, denn Contratänze haben eine festgelegte, vorgeplante Choreographie.
Im Gegenteil zu anderen Tanzarten, bei denen die Abläufe von einzelnen Personen oder einzelnen Paaren getanzt werden, sind sie hier auf die gesamte Gruppe bezogen.
Die Figuren ähneln denen des traditionellen Square Dance. Sie werden für jeden Tanz auf verschiedene Art und in anderer Reihenfolge kombiniert.
Die Musik
Contra Dance wird zu Live-Musik getanzt, zumindest dort, wo diese Volkstanzform noch weit verbreitet ist, beispielsweise in USA und England. In Deutschland verwendet man die Musik von der Schallplatte oder anderen Tonträgern. Die Rhythmen sind
Reels oder
Jigs. Die Musik besteht aus zwei Melodieteilen, A und B und die Verbindung erinnert an einen Vers und einen Refrain. Jeder Teil umfasst 16 Taktschläge (Schritte) und wird zweimal wiederholt, so dass sich eine deutlich erkennbare Struktur von A-A-B-B ergibt. Die komplette Figurenfolge enthält somit 64 Schritte. Die Musik enthält in jedem Durchspiel 8 Melodiezeilen mit jeweils 8 Taktschlägen, die sog. 8-Takt-Phrasen. Somit besteht jeder Ablauf aus 8 Tanzbewegungen, die je 8 Schritte umfassen. Da die meisten Figuren mit acht, manche mit vier oder sechzehn Schritten getanzt werden, ergibt sich eine schöne Harmonie zwischen Musik und Bewegung.
Der Tanzschritt
Beim Contra Dance gibt es keine Hüpfer, Fußkicks und kein Aufstampfen. Getanzt wird in einer fließenden Bewegung. Man „gleitet“ über den Boden. Es soll ein geschmeidig und mühelos gleitender Schritt sein. Bei jedem Schritt soll der entlanggleitende Fußballen eher als die Ferse aufgesetzt werden. Diesen Schritt könnte man mit dem vorsichtigen Gleiten auf einer Eisfläche vergleichen.
Der Leader
Eine Besonderheit des Contra Dance stellt der Zurufer (Prompter) dar, der die Tanzfiguren, einzelnen Bewegungsabläufe und Schrittfolgen im Takt der Musik ansagt, während die Musik angibt, wann und wie lange etwas getanzt wird. Die Ansage der Tanzfigur kommt prompt, also pünktlich, damit die nächste Figur passend zur musikalischen Phrase getanzt werden kann.
Der Prompter erklärt jeden Tanz, bevor er zur Musik getanzt wird. Damit hat jeder Tänzer eine Vorstellung dessen, was ihn während des Tanzes erwartet, und die Figuren können leicht getanzt werden. Durch das zeitlich passende Ansagen der Figuren führt der Prompter die Tänzer durch den Tanz. Das versetzt die Tänzer in die Lage, den Tanz spontan mitzutanzen, ohne ihn auswendig lernen zu müssen. Im Laufe des Tanzes lernen die Tänzer die Figurenfolge, und der Prompter kann weniger Hinweise geben, bis die Tänzer schließlich den Tanz allein weitertanzen.
Die Tanzaufstellung
Contra Dance wird in zwei Linien getanzt, die sich gegenüberstehen und anschauen. Der Partner steht dabei gegenüber. Diese Aufstellung wird auch als Gasse bezeichnet.
Die Grundaufstellung
Die Paare stellen sich hintereinander mit Blickrichtung zum Leader auf. Dabei steht im jeden Paar die Dame rechts vom Herrn. Nun wendet sich jeder zum Partner. Dies ist die Grundform jeder Contra-Aufstellung auch "Kontra einfach" genannt.
Während des Tanzes bewegt sich jedes Paar nach oben oder nach unten, wobei die Partner den Tanz über zusammen bleiben. Nach oben bedeutet in Richtung der Musik und des Prompters, nach unten meint dementsprechend von der Musik und vom Prompter weg.
Wenn die Paare von oben durchgezählt werden (1,2,1,2,...), so tanzen die Paare 1 nach unten, die Paare 2 nach oben. So ist gewährleistet, dass während des Tanzes jedes Paar in der Gasse mit jedem anderen Paar tanzt.
Wenn dabei alle Damen in der einen, die Herren in der anderen Reihe stehen, dann nennen wir das eine proper contra line. Die Anordnung, bei der Damen und Herren abwechselnd in den Reihen stehen, ist eine improper contra line.
Contra kreuzüber im Zweisatz
Die häufigste Aufstellung zum Contra Dance: kreuzüber im Zweisatz
Von der Grundaufstellung ausgehend werden die Paare von oben durchgezählt (1,2,1,2,...). In allen Paaren 1 tauschen nun Herr und Dame die Plätze. Dies ist die Aufstellung der Gasse zum "Kontra kreuzüber im Zweisatz". "Kreuzüber" bezieht sich auf die abwechselnde Aufstellung von Herren und Damen innerhalb einer Gasse und "Zweisatz" verweist darauf, dass in dieser Aufstellung immer je zwei Paare miteinander in einer Untergruppe (Satz) zusammen tanzen, nämlich jeweils ein Paar 1 und ein Paar 2 .
Jeweils zwei sich anschauenden Paare tanzen den angegeben Ablauf. Während dieses Ablaufs tauschen sie die Plätze (Fortschritt), so dass sie im nächsten Durchspiel den selben Ablauf mit einem neuen Paar tanzen.
Im Laufe des Tanzes bewegen sich die Paare 1 immer weiter nach unten und die Paare 2 nach oben, bis sie das Ende der Gasse erreichen. Am Ende der Gasse müssen die Paare während eines Durchspiels warten. Sie tauschen die Plätze und kommen dann mit der anderen Nummer und der anderern Laufrichtung wieder in den Tanz.
Manche Contras haben einen „doppelten Fortschritt“, d.h., dass die Paare in jedem Durchspiel um zwei Plätze weiterkommen. Dann gibt es sehr wenig Wartezeit an den Enden der Gasse.
Quellen
- Heiner Fischle: Leitfaden Contra Dancing Band 1
- Heiner Fischle: Einführung in Contra Dance
- Werner Heller: www. hi.senior.de/hobby/tanzen/kontra-tanz.html
- Hans Krackau: //krackau-web.de/acts/actsdwas.html#Top
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