Mit College Football wird seit über 100 Jahren der American-Football-Spielbetrieb an US-amerikanischen Universitäten (Colleges) bezeichnet. Die Geschichte des American Football wurde größtenteils an diesen Colleges geschrieben, da die Profi-Footballer der National Football League (NFL) erst in den 1930er Jahren abweichende Regeln einführten.
College Football wird von der National Collegiate Athletic Association (NCAA) organisiert. Hunderte von Universitäten nehmen am Spielbetrieb teil, da der Sport eine wichtige Aufgabe bei der Identitätsbildung erfüllt und zudem eine Einnahmequelle ist. Die Spiele der bedeutendsten Mannschaften haben über 100.000 Zuschauer und werden an Samstagen live im Fernsehen übertragen. Die Profis spielen deshalb nur am Sonntag.
Siehe auch: Unterschiede in den Regelwerken der NFL und der NCAA
Im Jahre 1874 trafen die Mannschaft der Harvard-Universität und das Rugby-Team der kanadischen McGill-Universität aus Montréal aufeinander, in Spielen mit Kompromiss-Regeln. Aus diesem Denkanstoß entwickelten sich dann Canadian Football und American Football.
Die maßgebende Persönlichkeit beim American Football war dabei Walter Camp, der ab 1876 als Spieler, Trainer und Funktionär an der Yale-Universität dessen Entwicklung (und die anderer Sportarten) bis 1925 entscheidend prägte. So wurde die Spielerzahl auf elf festgelegt, der exklusive Ballbesitz für mindestens drei Versuche eingeführt, und die Angriffsformation mit sieben Spielern an der Linie und vier im Rückraum üblich. Gespielt wurden ca. zehn Spiele von einschließlich September bis November, markiert durch die Feiertage Labor Day und Thanksgiving.
Camp stellte ebenfalls eine vielbeachtete „All America“-Auswahlmannschaft zusammen, die z. B. vom US-Präsidenten geehrt wird (siehe Filmszene in Forrest Gump). Die Spiele der Studenten an den „Ivy League“-Elite-Universitäten der Ostküste wurden populär, ab den 1890er Jahren waren 30.000 Zuschauer keine Ausnahme. Zu der Zeit gab es auch schon außeruniversitäre Wettkämpfe mit ersten professionellen Ansätzen, die jedoch noch mehrere Jahrzehnte lang im Schatten des College-Footballs stehen sollten. Im Jahre 1902 wurde mit dem Rose Bowl in Pasadena die Tradition der Bowl-Spiele an Neujahr begründet. Ein Turnier zur Bestimmung eines Meisters wurde nie eingeführt; die „National Championship“-Ehren wurden durch Umfragen bei Trainer und Journalisten bestimmt, wobei öfters Uneinigkeit herrschte.
Zu gleichen Zeit war der Football allerdings auch schon in einer anderen Krise, denn pro Jahr kamen mehr als ein Dutzend Spieler um, weil sie in Keil-Formationen miteinander verhakt aufeinander einstürmten. Der US-Präsident Theodore Roosevelt höchstpersönlich erzwang daraufhin Regeländerungen, die das Spiel sicherer machen sollten. Um das Jahr 1912 hatte der Football dann die heutige Form angenommen. Insbesondere die Einführung des Vorwärts-Passes markierte die Trennung vom Rugby endgültig. Ein Touchdown zählte fortan 6 Punkte. Die Spielfelddimensionen wurden an das neugebaute Stadion von Harvard angepasst.
Als wichtigste von diversen Auszeichnungen wird seit 1935 die Heisman Trophy an den besten (Angriffs-)Spieler eines Jahrgangs vergeben, zu deren Gewinnern auch O.J. Simpson gehörte.
Die wichtigste Divison I setzt sich aus über 100 Teams zusammen, die sich in Conferences zu meist zehn bis zwölf Teilnehmern zusammengeschlossen haben. Hier eine Auflistung, grob nach absteigender Spielstärke geordnet.
Dazu kommen die NCAA Independents, die früher zahlreicher waren. Einige bekannte Unis (Penn State, Miami,FL) haben sich Ligen angeschlossen, andere sind ausgetreten. So zählt die BigTen nun elf Teams, wobei im angepassten Logo die 11 trickreich unter dem T eingefügt wurde. Derzeit sind fünf Teams unabhängig in der Gestaltung ihres Spielplans. Diese sind neben Army Black Knights und Navy Midshipmen traditionell auch die legendären „Notre Dame Fighting Irish“.
Früher haben die Bowl-Veranstalter Einladungen zur Teilnahme an den inzwischen über 20 Spielen um den Jahreswechsel herum nach ihren Traditionen oder Verträgen und somit unkoordiniert verteilt. In der Rose Bowl etwa trat traditionsgemäß der Sieger aus der fernen Big Ten gegen den der heimischen Pac Ten an. So konnten erstmals an Neujahr 1902 die ungeschlagenen Michigan Wolverines, die gegen Stanford Cardinal einen Sieg errangen, auch die erste Meisterschaft für ein Nicht-Ivy-League-Team verbuchen.
Mehrfach konnten jedoch am Ende mehrere Teams (ungeschlagen oder auch mit einer Niederlage) die Meisterschaft beanspruchen. In den 1990er Jahren war dies dreimal der Fall, denn die bisherigen Kooperationen hatten kein Aufeinandertreffen der Favoriten ergeben. Seit 1998 sorgt eine „Bowl Championship Series“ genannte Absprache dafür, dass in den vier wichtigsten Spielen (Sugar Bowl, Rose Bowl, Fiesta Bowl, Orange Bowl) die Sieger ihrer traditionellen Partner (Pac-10, Big-12, Big-10, SEC, ACC, Big East) plus zwei weitere frei wählbare Mannschaften so verteilt werden, dass eine Entscheidung herbeigeführt wird.
Trotzdem gab es zuletzt nach der Saison von 2003 eine geteilte Meisterschaft: Die LSU Tigers mit 13:1-Bilanz und Sugar-Bowl-Sieg wurden von der Bowl Championship Series (BCS) und ESPN favorisiert, während die USC Trojans mit 12:1 und Rose-Bowl-Sieg von Associated Press vorne gesehen wurden.
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