Clemens August Graf von Galen (* 16. März 1878 in Dinklage, Oldenburger Münsterland; † 22. März 1946 in Münster, Westfalen) war ein deutscher Bischof und Kardinal. Am 9. Oktober 2005 wurde er selig gesprochen.
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Leben
Familie
Er wurde als elftes von 13 Kindern des
Reichstagsabgeordneten (
Zentrum)
Ferdinand Heribert Graf von Galen und dessen Ehefrau Elisabeth geb. von Spee geboren. Er entstammte einem westfälischen Uradelsgeschlecht.
Christoph Bernhard Graf von Galen (* 1606 † 1678, Fürstbischof von Münster) war sein Ur-Ur-Ur-Ur-Großonkel
[Clemens Heitmann: Clemens August Kardinal von Galen und seine geistlichen Verwandten. Friesoythe 1983, S. 103 und 128], der Sozialbischof
Wilhelm Emmanuel von Ketteler (* 1811 † 1877) sein Großonkel.
[Clemens Heitmann, a.a.O., S. 72 und 142] Die Erziehung im Elternhaus wird allgemein als streng, auf Glauben, Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiß ausgerichtet, beschrieben.
[Günter Beaugrand: Kardinal von Galen – Weder Lob noch Tadel. Ardey, Münster, 2005, ISBN 3-87023-312-5, S. 16 f.] Die schulische Ausbildung erfolgte zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Franz durch einen Hauslehrer und seit 1890 auf einem von
Jesuiten geführten
Internat Stella Matutina in
Feldkirch (
Österreich). Da die dortige Abschlussprüfung in
Preußen aufgrund des
Jesuitengesetzes nicht anerkannt wurde, besuchte von Galen ab 1894 das
Gymnasium Antonianum in
Vechta, wo er 1896 mit dem
Abitur abschloss
[Peter Löffler: Clemens August Kardinal von Galen – Ausstellung in der Bürgerhalle des Rathauses zu Münster 21.3.76 - 19.4.76. Ausstellungskatalog, Münster 1976, S. 5]. Die
Abiturzeitung seines Jahrgangs vermerkt über ihn:
[Markus Trautmann: Clemens August von Galen. Ich erhebe meine Stimme. Topos, Kevelaer, 2005. ISBN 3-7867-8566-X, S. 17].
Studium
Von Galen begann im Mai 1897 mit dem Studium der Fächer Philosophie, Geschichte und Literatur in
Freiburg im Üchtland. 1898 reifte während einer dreimonatigen Italien- und Romreise, bei der er auch eine
Privataudienz bei
Papst Leo XIII. erhielt, sein Entschluss, Priester zu werden, und er trat in das Jesuiten-Konvikt
Canisianum in
Innsbruck ein. An der dortigen
Universität setzte er sein Studium der Philosophie fort und begann mit dem Studium der Theologie. Ostern 1903 wechselte er in das Priesterseminar Münster und an die
Westfälische Wilhelms-Universität in Münster. Dort wurde er am 28. Mai 1904 durch Bischof
Hermann Jakob Dingelstad zum Priester geweiht.
Kaplan und Pfarrer
Er war zunächst kurze Zeit als
Domvikar und als
Kaplan seines Onkels
Maximilian Gereon Graf von Galen, des
Weihbischofs von Münster, tätig.
[Gottfried Hasenkamp: Der Kardinal – Taten und Tage des Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen: Aschendorff, Münster, 2. Aufl. 1985, ISBN 3-402-05126-5, S. 9 f.] Ab 1906 arbeitet von Galen als Kaplan in der Kirche St. Matthias am
Winterfeldtplatz in Berlin und übernimmt 1911 das Amt des Seelsorgers (
Kurat) in der neu errichteten Kirche und Gemeinde Sankt
Clemens Maria Hofbauer am
Anhalter Bahnhof. Aus seinem Erbvermögen unterstützt er den Bau eines Handwerkergesellenhauses in der Nachbarschaft. Bei Beginn des
Ersten Weltkriegs wirbt er dort für den freiwilligen Kriegsdienst. Seinem Antrag auf Verwendung in der Militärseelsorge wird nicht entsprochen. Die Niederlage Deutschlands begreift er im Sinne der
Dolchstoßlegende als revolutionären Verrat am unbesiegten Heer. Die Ablehnung des preußischen Staates bei weiten Teilen der Bevölkerung führt er auf dessen Idee vom Staatsgott zurück, der niemandem verpflichtet ist.
[Von Galen in dem Aufsatz Wo liegt die Schuld? in: Historische-politische Blätter 1919; zitiert nach Markus Trautmann, a.a.O., S. 21] 1919 wird er
Pfarrer der Pfarrei St. Matthias. Bei den Wahlen zum Reichspräsidenten 1925 unterstützt er nicht den Kandidaten des katholischen Zentrums,
Wilhelm Marx, sondern den Kandidaten der nationalen Rechten,
Paul von Hindenburg. Mit umfangreichen Erfahrungen einer säkularisierten Gesellschaft und der Berliner
Diaspora kehrt er
1929 nach Münster zurück und wird Pfarrer der traditionsreichen Stadtgemeinde
St. Lamberti am
Prinzipalmarkt in Münster.
Von Galen als Autor
1932 veröffentlichte von Galen seine Schrift
Die „Pest des Laizismus“ und ihre Erscheinungsformen – Erwägungen und Besorgnisse eines Seelsorgers über die religiös-sittliche Lage der deutschen Katholiken.[Aschendorff, Münster, 1932.] Die im Titel als Zitat gekennzeichnete Begriffsbildung „Pest des Laizismus“ stammt aus der
Enzyklika Quas primas[Enzyklika „Quas primas“ vom 11. Dezember 1925 – Über die Einsetzung des Christkönigsfestes, unter Tz. 29 Text online] Papst Pius XI. Der Verfasser versteht darunter Bestrebungen, das ganze Leben nach rein diesseitigen Gesetzen zu regeln und die Quelle der Unvollkommenheit der Welt nicht in der Neigung zur Sünde, sondern in unzureichender Kultur zu sehen. Von Galen gibt seiner Befürchtung Ausdruck, die Vorstellung, der Mensch sei von Natur aus gut, habe bereits auf katholische Kreise übergegriffen. Indem auch katholische Stellen der Kirche den Vorwurf der Prüderie und Rückständigkeit in Fragen der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit machten, würden sie den dahinter stehenden heidnischen Grundsätzen zum Sieg verhelfen. Den Ursprung erkennt der Verfasser im Naturalismus, der die Notwendigkeit der göttlichen Gnade zum guten Handeln leugne. Als weitere Erscheinungsform bezeichnet der Verfasser die Wirtschaftsideen des Liberalismus und des Sozialismus, mit ihren Vorstellungen, alles regele sich von selbst oder sei Folge des Privateigentums. Als dritte Erscheinungsform sieht er das bis zur Vernichtung des Vaterlands gesteigerte Streben der Parteien an, über alle zu herrschen. Dabei äußert er sich kritisch über die Vorstellung, der Fürstenabsolutismus oder der Mehrheitswille und nicht der in Naturrecht und Offenbarung erkennbare Wille Gottes sei der Maßstab für alles politisches Handeln. In diesem Zusammenhang wendet er sich gegen die unbeschränkte Auslieferung der Regierungsgewalt an den Volkswillen, gegen Verstöße gegen das
Subsidiaritätsprinzip und gegen eine verfehlte Zentralisierung der Regierungsgewalt.
Bischofswahl 1933
1933 wurde er zum Bischof von
Münster geweiht, nachdem andere Kandidaten des
Domkapitels verzichtet hatten. Seit der im Jahre 2003 erfolgten Öffnung der vatikanischen Archive für die Zeit bis 1939 ist Näheres
[Ludger Grevelhörster: Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit. Aschendorff, Münster, 2005, ISBN 3-402-03506-5, S. 57] zum Ablauf der Bischofswahl bekannt geworden: Von Galen stand zwar auf der Vorschlagsliste, die das Domkapitel eingereicht hatte, nicht aber auf der Dreierliste, die der Heilige Stuhl dem Kapitel zur Wahl vorlegte. Als ausschlaggebend wird hierfür die Einschätzung von Galens durch den
Nuntius Cesare Orsenigo angesehen, der an
Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli von herrischer (arroganter) Auftretensweise,
Starrsinn und – mit Blick auf die Schrift
Die Pest des Laizismus – von zu schulmeisterlichem Ton für einen einfachen Pfarrer schrieb. Erst als der zunächst gewählte, aus dem Bistum Münster stammende Berliner Domkapitular Wilhelm Heinrich Heufers die Wahl aus Gesundheitsgründen abgelehnt hatte und der sodann von den verbliebenen zwei Kandidaten gewählte
Dompropst und Paderborner Professor Adolf Donders darum gebeten hatte, das Amt nicht antreten zu müssen, erweiterte der Papst – damit dem Kapitel überhaupt eine Wahl blieb – die auf einen Kandidaten (den Trierer Weihbischof Antonius Mönch) geschrumpfte Liste um von Galen, den das Kapitel am 18. Juli 1933 einstimmig wählte. Am 28. Oktober 1933 wurde er geweiht und in das Amt eingeführt. Als Wappenspruch wählte er ein Versprechen des Weihekandidaten aus der Liturgie der Bischofsweihe: (
lat. )
[Rudolf Morsey: Clemens August Kardinal von Galen – Bischöfliches Wirken in der Zeit der Hitler-Herrschaft. Landeszentrale für politische Bildung, Düsseldorf 1987, S. 13].
Galen war der erste deutsche Bischof, der nach Inkrafttreten des sogenannten Reichskonkordats sein Amt antrat. Wie im Konkordat festgelegt, leistete er daher als erster deutscher Bischof einen Treueeid auf den Staat. Die Eidesformel lautete: Diese Eidesformel gilt (mit kleinen Änderungen wie Bundesrepublik Deutschland statt Deutsches Reich und z. B. Nordrhein-Westfalen statt Preußen) noch heute.
Zeit des Nationalsozialismus
Bereits kurz nach seiner Amtseinführung griff er in seinem ersten Osterhirtenbrief 1934 das Neuheidentum der NS-Ideologie an. In seiner Diözese ließ er die gegen die Rassenideologie
Alfred Rosenbergs gerichtete anonyme – unter anderem vom Bonner Kirchenhistoriker Wilhelm Neuß stammende
[Rudolf Morsey, a.a.O., S. 14] – Schrift
Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts als amtliche Beilage zum kirchlichen Amtsblatt seiner Diözese veröffentlichen. Er hatte, nachdem der Kölner Bischof Kardinal
Karl Joseph Schulte seine Zustimmung zur Publikation der Studien als amtliche Veröffentlichung zwei Tage vor Drucklegung zurückgezogen hatte, kurz entschlossen ein seinen Namen nennendes Geleitwort zu der Schrift verfasst.
[Wilhelm Neuss: Kampf gegen den Mythus des 20. Jahrhunderts. Ein Gedenkblatt an Clemens August Kardinal Graf Galen. J.P. Bachem, Köln, 1947, S. 18 f. und 23 f.] 1936 hob von Galen in einer Predigt in
Xanten die Aktualität des
Martyriums hervor.
Der spanische Putschist, Falangistenführer und Diktator Francisco Franco wurde von ihm als der „spanische Befreier“ bezeichnet, und er begrüßte ausdrücklich den Einmarsch deutscher Truppen in das seit dem Versailler Vertrag entmilitarisierte Rheinland 1936.
Von Galen wurde noch im Jahre 1936 Mitglied bei der katholischen Studentenverbindung FAV Rheno-Guestfalia (Hann. Münden) im CV zu Göttingen. Die Aufnahme in den Cartellverband war 1936 nur heimlich möglich, da das NS-Regime die Auflösung des CV angeordnet hatte. Als er eine Liste beschlagnahmter Klöster und kirchlicher Einrichtungen vorgelegt bekam, sprach er sich in Briefen an Amtsbrüder immer deutlicher gegen die leisetreterische Diplomatie der meisten Bischöfe hinter geschlossenen Türen und für die Einschaltung der Öffentlichkeit gegen die Machthaber aus. Die Enzyklika Mit brennender Sorge Papst Pius XI., an deren Beratung im Vatikan er vermutlich zuvor teilgenommen hatte, ließ er deshalb durch Sonderdrucke in seiner Diözese verbreiten. Das Erscheinen des Amtsblatts wurde deswegen untersagt und die Druckerei geschlossen und entschädigungslos enteignet[Peter Löffler, Clemens August Kardinal von Galen – Ausstellung in der Bürgerhalle des Rathauses zu Münster 21.3.76 - 19.4.76. a.a.O., S. 8]. Zum Zweiten Weltkrieg bemerkte er[Peter Löffler (Hrsg.): Bischof Clemens August Graf von Galen – Akten, Briefe und Predigten 1933 - 1946. Bd. II: 1939 - 1946. Ferdinand Schöningh, Paderborn München Wien Zürich, 2. Aufl. 1996, ISBN 3-506-79840-5, S. 747]:
In drei im Juli und August 1941 gehaltenen und durch illegale Flugblätter sowie Nachdrucke der Alliierten in Deutschland weiterverbreiteten Predigten[Peter Löffler (Hrsg.): a.a.O., S. 843 ff., 855 ff. und 874 ff.] wandte er sich gegen die Maßnahmen der Gestapo gegen katholische Einrichtungen, Heime und Klöster und die Euthanasie im Rahmen der so genannten Aktion T4 an geistig Behinderten, nachdem das Heilige Offizium in einem Dekret vom 2.12.1940 die Euthanasie als geübte Praxis angeprangert und als nicht zu rechtfertigen bezeichnet hatte [Dekret des Heiligen Offiziums, 2. Dezember 1940; Acta Ap. Sedis, vol. XXXII (1940) 553-554.]. Wegen der Tötung der Behinderten erstattete er beim Polizeipräsidenten schriftlich Strafanzeige[Peter Löffler (Hrsg.): a.a.O., S. 869] wegen Mordes. Aufgrund seiner Predigten hat er im Volksmund den Beinamen „Der Löwe von Münster” erhalten. Zeitweilig wurde das Euthanasieprogramm daraufhin unterbrochen.
Martin Bormann erwog, von Galen hängen zu lassen. Joseph Goebbels sprach sich dafür aus, keine katholischen Märtyrer während des Krieges zu schaffen und die Beseitigung von Galens auf die Zeit „nach dem Endsieg” zu verschieben, womit er sich letztlich durchsetzte.
Den Feldzug gegen die Sowjetunion sah von Galen als Kampf gegen die [Peter Löffler (Hrsg.): a.a.O., S. 901, 902] an. Quellen[Stefania Falasca: The bishops and the coup. in: 30Days, Januarheft 2005 Onlineausgabe], die der wissenschaftlichen Öffentlichkeit erstmals durch Dokumente aus dem Seligsprechungsprozess bekannt geworden sind, deuten darauf hin, dass von Galen Kontakte zum Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler unterhielt und Goerdeler im November 1943 in Münster getroffen hat.
Nachkriegszeit
1945 erklärte von Galen in seinem ersten Interview
[Peter Löffler (Hrsg.): a.a.O., S. 1104] gegenüber der anglo-amerikanischen Presse, dass, obwohl er und andere gebildete Deutsche Antinazis sein könnten, sie trotzdem
treu gesinnt sein müssten gegenüber dem Vaterland und sie daher die
Alliierten als Feinde betrachten müssten. Von Galen kritisierte in den nächsten Monaten verschiedene Maßnahmen der Besatzungsmächte, insbesondere die Internierung von Angehörigen des öffentlichen Dienstes und der NSDAP in Lagern sowie die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten. Die verbreitete These von einer deutschen Kollektivschuld wies er bereits am 1. Juli 1945 in einer in
Telgte gehaltenen Predigt
[Peter Löffler, Clemens August Kardinal von Galen – Ausstellung in der Bürgerhalle des Rathauses zu Münster 21.3.76 - 19.4.76. a.a.O., S. 5] öffentlich zurück.
Ernennung zum Kardinal
Am
18. Februar 1946 wurde er von
Papst Pius XII. als
Kardinalpriester mit der
Titelkirche San Bernardo alle Terme in das
Kardinalskollegium aufgenommen. Die überraschende Ernennung dreier deutscher Bischöfe zu Kardinälen kommentierte von Galen so
[Peter Löffler (Hrsg.): a.a.O., S. 1302]:
Bei seiner Rückkehr nach Münster am 16. März 1946, seinem 68. Geburtstage, wurde ihm ein großer Empfang bereitet. Die Stadt Münster ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger. In einer Dankansprache auf dem Domplatz vertrat er die Ansicht, Zustimmung und Haltung der Gläubigen hätten ihm erst seinen Kampf ermöglicht, ihm aber auch - wie er nach den Quellen[Gottfried Hasenkamp: Heimkehr und Heimgang des Kardinals. Münster, Aschendorff, 2. Aufl. 1946, S. 8; Peter Löffler (Hrsg.): a.a.O., S. 1325 (Transskription aus dem Schallarchiv des Westdeutschen Rundfunks, DOK 6a-b)] mit großer Bewegung und versagender Stimme ausführte - die Krone des Martyriums versagt.
Tod
Von Galen wurde am 19. März 1946 mit starken Bauchschmerzen in das St.-Franziskus-Hospital in Münster eingeliefert und verstarb dort am 22. März 1946, also nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus
Rom, an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs. Seine letzten Worte waren
[Gottfried Hasenkamp, Heimkehr und Heimgang des Kardinals, a.a.O., S. 13]: . Er wurde am 28. März 1946 in einer der Galenschen Kapellen, der Ludgerus-Kapelle des
Doms zu Münster beigesetzt. Die vom südtiroler Bildhauer Siegfried Moroda geschaffene Grabplatte trägt die Aufschrift , übersetzt: .
[Peter Löffler, Clemens August Kardinal von Galen – Ausstellung in der Bürgerhalle des Rathauses zu Münster 21.3.76 - 19.4.76. a.a.O., S. 75]
Historische Bewertung
Person und Werk werden unterschiedlich bewertet. Von Galen wird von einer breiten Öffentlichkeit als Gegner des
NS-Regimes angesehen. Unterschiedlich bewertet werden Beginn der Gegnerschaft, Umfang der Auseinandersetzung und Beweggrund von Galens. Dabei stehen sich im wesentlichen drei Hauptströmungen gegenüber:
- Teilweise wird von Galen als Widerstandskämpfer angesehen. Vor allem die durch die persönliche Beziehung zu von Galen geprägte Literatur in der ersten Nachkriegszeit, rein hagiographischen Darstellungen
[Reinhard Schmoeckel: Stärker als Waffen. Hoch, Düsseldorf, 1957, ISBN 3-7779-0122-9, S. 114], aber auch in neueren Stellungnahmen[Günter Beaugrand, a.a.O., S. 12 f.], wird die Auffassung vertreten, von Galen sei bereits als Pfarrer und später als Bischof gegen den Nationalsozialismus eingestellt gewesen und sei aufgrund der naturrechtlichen Begründung seiner politischen Ansichten nicht in das politische Spektrum einzuordnen.
- Allgemein wird seine Haltung nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches am Ende des Krieges 1918 als national-konservativ und rechts von der Mitte, wie sie die Zentrumspartei verkörperte, eingeschätzt
[Gottfried Hasenkamp: Der Kardinal, a.a.O., s. 16 f.; Rudolf Morsey, a.a.O., S. 9]. Er gilt ein typischer Vertreter seiner Zeit, der wie weite Teile der Eliten des Kaiserreichs die Weimarer Republik ablehnte. Sein politisches Denken kann insofern als „obrigkeitsstaatlich“ angesehen werden, als er sich – als zutiefst schrifttreuer Christ – die Mahnung des Apostels Paulus zueigen machte: Gerade in der Erkenntnis, dass ein Regime, das die fundamentalen Menschenrechte verletzt, die Berechtigung seiner göttlichen Einsetzung verwirkt hat, sehen heute nicht wenige die herausragende Leistung von Galens.
- Kritiker Galens weisen darauf hin, dass er ein scharfer Kritiker der Weimarer Verfassung war und dass er als streng antiliberal und antisozialistisch galt. John S. Conway (Department of History, University of British Columbia) ist der Auffassung
[John S. Conway: Review of Beth A. Griech-Polelle, Bishop von Galen: German Catholicism and National Socialism. H-German, H-Net Reviews, April, 2003. Onlineausgabe], ein zutreffendes Epitaph werde von Galen mit der Einschätzung des britischen Foreign Office gesetzt, das ihn als eingeschätzt hat. Von diesen Stimmen werden insbesondere die Fragen aufgeworfen, ob die Verteidigung der kirchlichen Rechte schon als Widerstand angesehen werden kann, und was von Galen bewogen hat, nicht in der gleichen Art und Weise öffentlich gegen die Verfolgung und Vernichtung der Juden zu protestieren.
Vereinzelt geblieben ist die Ansicht[Reinhold Schmitt: Der Kardinal und das 3. Reich – Legende und Wahrheit über Kardinal von Galen. Schriftenreihe Zeitgeschichtliche Dokumentation, III. Jahrgang, Heft 16/17, 3. Aufl. 1980, SZD-Verlag Münster, S. 10 und 18], von Galen gebühre wie der katholischen Kirche insgesamt „in einer Skala der Verantwortungen für die faschistische Barbarei eine erstrangige Position“, seine reaktionäre Gesinnung sei der Grund für seine Ernennung zum Kardinal gewesen.
Seligsprechung
Der
Seligsprechungsprozess wurde
1956 eingeleitet und im
November 2004 positiv abgeschlossen. Am
9. Oktober 2005 wurde Clemens August Graf von Galen durch
Papst Benedikt XVI. selig gesprochen. Kardinal
José Saraiva Martins (
Portugal), der
Kardinalpräfekt der
Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, zelebrierte die Seligsprechungsfeier im
Petersdom in Rom. Dies war gleichzeitig eine der letzten Seligsprechungsfeiern, die zentral in der Vatikanbasilika durchgeführt wurden.
Der Gedenktag Clemens August Graf v. Galens ist der 22. März.
Werke
- Die „Pest des Laizismus” und ihre Erscheinungsformen. Aschendorff, Münster 1932
- Akten, Briefe und Predigten, 1933–1946; bearbeitet von Peter Löffler, Matthias-Grünewald, Mainz 1988. ISBN 3786713944 (Rezension in englischer Sprache von John S. Conway, Januar 1997, bei H-Net Reviews)
Zitate
Am 5. Juni 1945 spendete der Bischof von Münster, von Galen, in seinem Hirtenbrief
Trost: „Wir wollen auch innig danken unseren christlichen Soldaten, jenen, die in gutem Glauben, das Rechte zu tun, ihr Leben eingesetzt haben für
Volk und
Vaterland und auch im Kriegsgetümmel Herz und Hand rein bewahrt haben von Hass, Plünderungen und ungerechter Gewalttat.”
Literatur
-
- M. Bierbaum: Nicht Lob, nicht Furcht. Das Leben des Kardinals von Galen nach unveröffentlichten Briefen und Dokumenten. Regensberg, Münster 1955
- Irmgard Klocke: Kardinal von Galen. Der Löwe von Münster. Pattloch, München 1978, ISBN 3557911543
- Stefania Falasca: The bishops and the coup. 30Days, Januarheft 2005 Onlineausgabe
Weblinks
Biographien
Einzelne Beiträge
Quellen
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