Christoph-Willibald-Gluck.jpg Christoph Willibald Ritter von Gluck (* 2. Juli 1714 in Erasbach bei Berching, † 15. November 1787 in Wien) war ein deutscher Komponist. Er gilt als einer der bedeutendsten Opern-Komponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Gluck wurde als erstes von neun Kindern geboren. Sein Vater und die Vorväter waren Förster, von Glucks Mutter ist nichts bekannt, weder Herkunft noch ein Familienname. 1717 zog die Familie nach Böhmen, wo der Vater in Eisenberg ab 1727 als Forstmeister im Dienst von Fürst Philipp Hyazinth von Lobkowitz stand. Über die Schul- und Jugendzeit von Christoph Willibald Gluck ist sehr wenig bekannt, vieles wird nur vermutet. In Erzählungen berichtet Gluck: "Mein Vater war Förstermeister in einem böhmischen Ort und hatte mich zu seinem Nachfolger bestimmt. Aber in meiner Heimat treibt alles Musik... Leidenschaftlich für diese Kunst entflammt, kam ich erstaunlich schnell vorwärts, spielte mehrere Instrumente. Mein ganzes Sinnen und Trachten galt schließlich nun mehr der Musik und nicht dem Förster dasein." Schenkt man Glucks Berichten Glauben, so folgt eine heimliche Flucht aus dem Elternhaus. "Eines schönen Tages, mit wenig Groschen in der Tasche, verließ ich heimlich das elterliche Haus und wanderte (...) auf Umwegen in Richtung Wien. Meine Unterkünfte und Nahrung verschaffte ich mir durch meinen Gesang. An Sonn- und Festagen spielte ich in Dorfkirchen." Glucks Erinnerungen an sein Jugendleben liegen jedoch geographische Irrtümer zugrunde. Denn nicht Wien war die erste Stadt, die Gluck besuchte, sondern Prag, wo er auch ab 1731 Logik und Mathematik studierte. Von einem Abschluss ist jedoch nichts bekannt. Von dort ist wohl auch die Aussöhnung mit seinem Vater erfolgt, der sich den Neigungen seines Sohnes lange Zeit widersetzte und ihn zur Flucht getrieben hatte. Noch vor 1736 muss Gluck nach Wien gekommen sein. Hier fasste der nun 20-jährige Gluck Fuß und sah sich selbst als den letzten Vertreter einer untergehenden Epoche der Musikgeschichte. Von Wien ging er schließlich nach Italien. Anfang 1737 muss Gluck in Mailand angekommen sein.
Bei seinem ersten nachgewiesenen Auftritt als Komponist war er bereits 27 Jahre alt: am 26. Dezember 1741 wurde in Mailand seine Oper Artaserse uraufgeführt.
In den folgenden Jahren schrieb er sehr produktiv für die Bühne: Demetrio (Venedig, 2. Mai 1742), Demofoonte (Mailand, 6. Januar 1743), Il Tigrane (Crema, 9. September 1743), La Sofonisba (Mailand, 18. Januar 1744), Ipermestra (Venedig, 21. November 1744), Poro (Venedig, 26. Dezember 1744), Ippolito (Mailand, 31. Januar 1745). Bei allen handelt es sich um recht konventionelle opere serie, und bis auf Tigrane und Ippolito benutzten alle Libretti von Pietro Metastasio.
Offenbar ließ sich Gluck aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Wien nieder.
Nach der Aufführung seines Antigono (9. Februar 1756) in Rom wurde Gluck von Papst Benedikt XIV. zum Ritter des Goldenen Sporns erhoben. Seit dieser Zeit verwendete Gluck den Titel „Ritter von Gluck“ oder „Chevalier de Gluck“.
In den folgenden Jahren wandte sich Gluck völlig von der italienischen opera seria ab und bearbeitete stattdessen französische opéra comique. Das erste dieser Werk war anscheinend Tircis et Doristée (1756), an dem sein Anteil sehr gering ist. 1761 fand die vielbeachtete Aufführung des Balletts Don Juan, zu dem der Tänzer und Choreograf Gasparo Angiolini die Choreographie schuf, statt. Wolfgang Amadeus Mozart sollte in seiner Opera buffa Le Nozze di Figaro (1784) auf den Fandango, wie er ihn bei Gluck in diesem Ballett gehört hatte, zurückgreifen. Den Gipfel von Glucks komischem Opernschaffen bildet La rencontre imprévue (7. Januar 1764), das zeitlich schon in die Zeit seiner Reformopern fällt.
Die Kennzeichen der folgenden Werke Glucks, der französischen komischen Oper, sind die kurzen, liedhaften Gesänge von einfachster Konstruktion. Gluck begann hier einen Auflösungsprozeß. Er bescherte - bei festzustellender Durchgängigkeit des Basses - nun den Oberstimmen mehr Freiheiten. Das bedeutet die Lösung vom alten Fundament und eine innere Belebung eines äußeren Schemas. Dahinter steht die Idee der vollständigen Auflösung des Alten.
Den Komponisten, deren Opernform untrennbar mit der Textform zusammenhing muss dies zunächst sehr bestürzt haben! Gluck hat wohl die ungekürzte Sprache wie die schnellen Stimmungs- und Szenenwechsel gereizt, die von ihm eine Anpassung der Musik erforderten. Die besondere Stellung, die die Glucks Opern gegenüber seinem dramatischen Gesamtwerk einnehmen, bleibt bestehen. Nach dem Urteil des großen Musikkritikers Eduard Hanslick war Gluck der "feierliche Hohepriester" der musikalischen Tragödie. Er war 44 Jahre alt und in Europa ein berühmter Komponist, als er nach zweijährigem künstlerischem Schweigen die erste komische Oper veröffentlichte.
Gasparo Angiolini, ein Choreograph, hatte eine belebte Tanzdarstellung vor Augen. Damit setzte er sich gegen die vorgegebene höfische Ballett-Tradition ab, mit ihren Masken und der daraus resultierenden Typik und Starrheit. Er äußert über Gluck: "Gluck hat die Musik gesetzt. Er hat das Stück vollkommen erfasst und versucht, die Leidenschaften, die vorgestellt werden und das Grausen, das die Katasrophe beherrscht, auszudrücken! Die Musik ist bei der Pantomime die Hauptsache: sie ist es, die spricht, wir machen nur die Bewegungen... Es wäre uns fast unmöglich uns ohne Musik verständlich zu machen und je mehr sie an das angepasst ist, was wir ausdrücken wollen, desto besser werden wir verstanden."
Angiolini legt Wert auf die Feststellung, dass die Musik eigens für das Ballett komponiert werde - also nicht als Cheographie (??) zu älteren Stücken geschaffen. Auch das neue Ballett ist ohne Anregung aus Paris nicht zu denken.
Am 17. Oktober 1761 komponierte Gluck in Wien das Ballett "Don Juan (Gluck)". Es ist das erste künstlerische Ergebnis der neuen Lehre. Es folgt eine Ballett-Pantomime "Der steinerne Gast", dessen Handlung sehr düster und trostlos ist. Diesem "düsteren" Ballett folgt am 5. Oktober 1762 "Orfeo ed Euridice". Das Werk, das Gluck in der literarischen Rezeption jener Tage zum Schöpfer der neuen Musik werden ließ, wurde als ähnlich schwer und düster wie der Don Juan empfunden.
Nun machte sich Gluck auf, seine Ideen auch in Frankreich zu verbreiten. Unter der Protektion seiner ehemaligen Gesangsschülerin Marie Antoinette, die 1770 den französischen Dauphin Ludwig XVI. heiratete, schloss er mit der Pariser Operndirektion einen Vertrag über sechs Opern ab. Den Anfang machte Iphigénie en Aulide (19. April 1774). Mit der Erstaufführung entflammte ungeahnt ein Streit, fast ein Krieg, wie ihn Paris das letzte mal zwischen Buffonisten und „Antibuffonisten“ gekannt hatte. Glucks Gegner holten den italienischen Opernmaestro Niccolò Piccinni nach Paris, um die Überlegenheit der neapolitanischen Oper zu beweisen, und „ganz Paris“ engagierte sich im Streit zwischen den Gluckanhängern und den Piccinianhängern. Die Komponisten selbst beteiligten sich nicht an den Polemiken, aber als Piccini gebeten wurde, das Libretto zu Roland zu vertonen, an dem Gluck bekanntermaßen arbeitete, zerstörte Gluck, was er bis dahin geschrieben hatte. Mit Iphigénie en Aulide gelang Gluck der Durchbruch, daraufhin bearbeitete er seine Wiener Reformopern, um sie ins Französische zu übertragen. Hierzu schrieb er die Hauptstimme - ursprünglich für Altstimme komponiert - für Tenorstimme um, was das Transponieren anderer Stimmen mit sich brachte.
Am 2. August 1774 wurde seine französische Version Orphée et Euridice uraufgeführt – diese war vom Pariser Publikum schon besser angenommen. Im gleichen Jahr kehrte er nach Wien zurück, wo er zum kaiserlich-königlichen Hofkomponisten ernannt wurde. In den folgenden Jahren reiste der nun in ganz Europa berühmte Komponist zwischen Wien und Paris hin und her, am 23. April 1776 wurde in Paris die ins Französisch übertragene Alceste aufgeführt.
Für Paris schrieb er noch Armide (23. September 1777), Iphigénie en Tauride (18. Mai 1779) und zuletzt Écho et Narcisse (24. September 1779). Während der Proben zu Écho et Narcisse erlitt Gluck am 30. Juli 1779 einen ersten Schlaganfall. Nach dieser Oper kehrte er nach Wien zurück.
Sein Erbe in Paris trat der italienisch-österreichische Komponist Antonio Salieri an, dem Gluck seit dessen Ankunft in Wien 1767 freundschaftlich gewogen war. Gluck führte Salieri in Paris ein und überließ ihm 1783 das Textbuch zur Tragédie lyrique Les Danaïdes. Das Werk wurde in Paris zunächst als gemeinschaftliches Projekt der beiden Komponisten angekündigt; nach dem überwältigenden Erfolg der Premiere am 26. April 1784 ließ Gluck jedoch im renommierten Journal de Paris bekanntgeben, dass Salieri der alleinige Verfasser des Werkes sei.
In Wien schrieb Gluck noch einige kleinere Werke, aber im Wesentlichen lebte er zurückgezogen. 1781 produzierte er noch einmal eine deutsche Fassung Iphigenie auf Tauris. Auch andere seiner Opern genossen in Wien große Popularität.
Am 15. November 1787 erlitt Gluck einen weiteren Schlaganfall und starb wenige Stunden später. Zum feierlichen Requiem am 8. April 1788 führte sein Schüler und Freund Antonio Salieri Glucks De profundis und ein Requiem des italienischen Komponisten Niccolò Jommelli auf. Wie viele andere prominente Musiker und Maler wurde Gluck auf dem Matzleinsdorfer Friedhof begraben. Dieser Friedhof wurde 1923 in einen Park umgewandelt. Der Leichnam Glucks wurde in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof umgebettet.
Er hinterließ rund 35 vollständige Opern sowie mehrere Ballette und Instrumentalwerke. Glucks Reform der Oper trug ihre Früchte auch in der deutschen Oper (obwohl er nichts zu deutschen Libretti komponiert hatte), besonders bei Weber, Marschner und Wagner.
Siehe auch: Liste deutscher Komponisten klassischer Musik
Mann | Deutscher | Deutscher Komponist | Komponist (Oper) | Geboren 1714 | Gestorben 1787 | Komponist (Klassik)
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